IWRESTLEDABEARONCE: Ruining It For Everybody

Wenn das Kind in dir noch nicht ganz tot ist, wirst du dich mit dieser ADHS-geplagten Band prächtig amüsieren.

Quatschköpfe, Hypeopfer, Homometaller, Kindergartencorevertreter. Ist das wirklich alles, was IWRESTLEDABEARONCE sind? Ist diese Provokation auf alles, was verkrampft ist, etwa so inhaltslos wie eine weitere Folge von My Little Pony, aber mit mehr Gummibärchen und Splittergranaten? Hätten wir vorab nicht It´s All Happening gehört, wir hätten auf diese Idee kommen können. Aber auf ihrem Debüt bewiesen die Musiker um Sänger Krysta Cameron, dass Hyperaktivität schöne Früchte tragen kann. Und um keine ihrer Fans zu vergraulen oder zu verärgern, wird auf dem Zweitwerk diese Mischung wieder aufgewärmt, mit deutlich mehr Pop. Und das Ergebnis ist wiederum ziemlich, mit Verlaub, geil.

IWRESTLEDABEARONCE fahren erneut das ganze Spektrum auf: Deathcore-Breakdowns mit gekotzten, aber unter dem Zerrer etwas schwachbrüstige Vocals, große Melodien, elektronische Ausbrüche, jazziges Gefrickel, schmierig-schöne Funkmomente, zuckersüße, orchestrale Ausbrüche mit Ohrwurmcharakter. Dabei sind die elf Nummern auf Ruining It For Everybody hervorragend arrangiert, so dass man auch wirklich von Songs sprechen kann. Und wieder ist die größte Überraschung, dass hinter dieser knallbunten, lauten, bekloppten ADHS-Therapie doch immer wieder leidenschaftliche, ernsthafte und bisweilen sogar etwas ernstere Töne angeschlagen werden. Wie in dem schönen, fast schon Musicalartigen Finale von Deodorant Can´t Fix Ugly, dem Trip Hop-lastigen This Head Music Makes My Eyes Rain oder dem bitteren I´m Gonna Shoot.

Dabei ist natürlich die Grundvoraussetzung, dass die Musiker ihr weites Metier beherrschen. Die Instrumentalisten haben hörbar keine Schwierigkeiten mit ihrem Material, auch bei den schwierigen Fingerverrenkungen der Gitarristen bleibt es wasserdicht, nur das Schlagzeug hält sich mit den wirklich schwierigen Figuren zurück. Dafür sind die elektronischen Momente recht liebevoll ausgearbeitet, hier beweisen IWRESTLEDABEARONCE nicht zu verachtendes Talent. Auch Sängerin Krysta Cameron überzeugt mit ihrer Stimme, vor allem aber in den melodiösen Momenten, hier ist viel Ausdruck und Leidenschaft zu hören. Bei den extremen Momenten wird es dann etwas schwieriger, diese Vocals klingen bearbeitet, nach doppeltem Boden, hier gibt es noch deutliches Potenzial zur Verbesserung. Cameron ist eben keine Frau von einem Kaliber wie JULIE CHRISTMAS, aber auf einem ziemlich gutem Weg.

Ruining It For Everybody hat jede Menge Überraschungen parat, wenn es so brutal wie in It Is ´Bro´, Isn´t It? fast schon CIRCLE OF DEAD CHILDREN-mäßig beginnt und den Kopf explodieren lässt, wenn es Ausflüge in die aktuellen Zeiten von THE DILLINGER ESCAPE PLAN gibt, oder einfach nur BJÖRK gehuldigt wird. Hier ist für jeden etwas dabei, vor allem aber für Leute, die es modern, verfrickelt, brutal und mit Beatdowns wollen. Und deren T-Shirts vor bunten Farben überquellen. IWRESTLEDABEARONCE wollen uns somit nicht wirklich überraschen, das Debüt war noch etwas unberechenbarer, wir sind von diesen Kaliforniern schon Ärgeres gewohnt. Die besseren, reiferen Songs finden sich freilich auf diesem Album, Luft nach oben ist immer noch gegeben. Aber hey, wenn du mit diesem Album keinen Spaß hast, bist du ist ein armer Teufel – denn das ist der beste Beweis dafür, dass das Kind in dir mausetot ist.

Veröffentlichungstermin: 22. Juli 2011

Spielzeit: 31:46 Min.

Line-Up:

Krysta Cameron – Vocals
Steven Bradely – Guitar, Keyboards, Programming, Samples
John Ganey – Guitar, Keyboards, Programming, Samples
Mike Martin – Bass
Mike Montgommery – Drums

Label: Century Media

Homepage: http://www.iwrestledabearonce.com

MySpace: http://www.myspace.com/iwrestledabearonce

Tracklist:

1. Next Visible Delicious
2. You Know That Ain´t Them Dog´s Real Voice
3. Deodorant Can´t Fix Ugly
4. This Head Music Makes My Eyes Rain
5. It Is ´Bro´ Isn´t It?
6. Gold Jacket, Green Jacket
7. Break It Down Camacho
8. Stay To The Right
9. I´m Gonna Shoot
10. Karate Nipples
11. Button It Up