IMMINENCE: Heaven In Hiding

Nicht nur aufgrund der Violine, sondern auch der offen gehaltenen Songstrukturen grenzen sich IMMINENCE wohltuend vom Metalcore-Einerlei ab. Dabei steht auf “Heaven In Hiding” der variable Gesang Eddie Bergs oft im Zentrum.

Wie wir dank NEKROGOBLIKON wissen, braucht jede Band, die was auf sich hält, ein Gimmick. IRON MAIDEN haben ihr Maskottchen Eddie, LORDI ihre Horror-Kostüme, GLORYHAMMER untote Einhörner und AMON AMARTH sogar eine aufblasbare Midgardschlange auf der Bühne. IMMINENCE sind da etwas geerdeter, denn statt Goblins, Monster und Fantasiekreaturen greift Sänger Eddie Berg zwischendurch einfach zur Violine. So simpel und so einzigartig im Metalcore-Genre, wo zusätzliche Klangfarben in der Regel aus der Konserve kommen.

Davor verschließen sich auch die Schweden nicht, wie das sphärische Intro „I Am Become A Name…“ beweist und doch steht der künstlerische Anspruch immer an erster Stelle. IMMINENCE wollen gar nicht wie das Gros der Szene klingen und nehmen sich dementsprechend Freiheiten, wann immer es das Songmaterial gebietet. Das zeigt sich selbst in klassischeren Tracks wie „Ghost“, wo Downtuned-Riffing auf Screams und etwas melancholischen Klargesang im Refrain trifft. Hier schwebt die Geige federleicht über dem massiven Fundament, während sie in der Hitsingle „Temptation“ relativ deutlich die Melodieführung übernimmt. Das schafft Profil, vor allem, weil sich die Gitarrenarbeit des Songs und nicht zuletzt Bergs hohe Fry-Screams stark an ARCHITECTS orientieren.

Der variable Gesang Eddie Bergs steht oft im Zentrum von “Heaven in Hiding”

Breakdowns und das übliche Metalcore-Repertoire beherrschen IMMINENCE also – interessant wird „Heaven In Hiding“ darüber hinaus durch seinen recht breit gefassten Genre-Begriff. Zwischen Modern Metal und Post Hardcore schwelgt „Surrender“ in Nachdenklichkeit und flankiert dabei den bedrückten Klargesang mit einer melodischen Leadgitarre, wohingegen sich der abschließende Titeltrack mit seiner klagenden Violine und der bisweilen reduzierten Instrumentierung zunächst in sich gekehrt nach vorne tastet, um dann im Refrain die Scheu abzulegen.

Laut-Leise-Dynamik gehört zum A und O der Skandinavier, die sich auch mit einer Post-Hardcore-Hymne wie „Chasing Shadows“ selbstbewusst ins Fahrwasser von ANNISOKAY begeben können, ohne ihre Identität aufzugeben. Dass im Zentrum von alledem oft Frontmann Eddie Berg steht, hat weniger mit ausgelebtem Narzissmus zu tun, denn mit dessen Fähigkeit, der jeweiligen Emotionslage den richtigen Ausdruck zu verpassen. Dabei können IMMINENCE passagenweise schon mal Richtung Pop-Musik schielen („Enslaved“), nutzen diese eingängigen Arrangements aber dann in aller Regel als Sprungbrett, um etwa in „Moth To A Flame“ die mehrstufige Wandlung des Stücks noch intensiver wirken zu lassen.

IMMINENCE setzen sich wohltuend vom Metalcore-Einerlei ab

Die richtige Balance zu halten ist bei so viel Gegensatz gar nicht so einfach. „Heaven In Hiding“ bleibt dennoch größtenteils auf der Spur, droht lediglich in der zweiten Hälfte ab und an etwas Schwung zu verlieren. Selbst härteren Ausbrüchen und der coolen Leadgitarre im DARK TRANQUILLITY-Stil setzen IMMINENCE in „Disappear“ entsprechend leise Parts entgegen. Vielleicht hätte zum Ende hin ein Track mit mehr Drive ganz gutgetan, zäh wird das Album dank der umsichtig arrangierten Songs allerdings selbst dann nicht.

Natürlich erntet das Quintett auch die Früchte ihrer mutigen Herangehensweise: „Heaven In Hiding“ ist kein Quantensprung im Metalcore, grenzt sich jedoch bewusst von allen vorherrschenden Blaupausen ab: durch den Mut, die eigene Zerbrechlichkeit offenzulegen, durch die offen gehaltenen Strukturen, welche die Songs atmen lassen, und durch die berührende Klangfarbe der Violine, die für den Bandsound einen echten Mehrwert darstellt und am Ende des Tages doch weit mehr ist als ein bloßes Gimmick.

Veröffentlichungstermin: 26.11.2021

Spielzeit: 47:52

Line-Up

Eddie Berg – Vocals, Violin
Harald Barrett – Guitar
Alex Arnoldsson – Guitar
Christian Höijer – Bass
Peter Hanström – Drums

Produziert von Henrik Udd

Label: Arising Empire

Homepage: https://www.imminenceswe.com/
Facebook: https://www.facebook.com/imminenceswe

IMMINENCE “Heaven In Hiding” Tracklist

  1. I am become a name…
  2. Ghost (Video bei YouTube)
  3. Temptation (Video bei YouTube)
  4. Surrender
  5. Chasing Shadows (Video bei YouTube)
  6. Moth To a Flame
  7. Alleviate (Video bei YouTube)
  8. Enslaved
  9. Disappear
  10. Lost and Left Behind
  11. ‎‪این نیز بگذرد‎‬
  12. Heaven in Hiding (Video bei YouTube)