IGORRR: Spirituality And Distortion

IGORRR: Spirituality And Distortion

Die Überraschung war einigermaßen groß, als vor ein paar Jahren Metal Blade das schräge Metal-Projekt von IGORRR unter Vertrag genommen hatte. Doch man muss dem Label zugestehen, dass es in den vergangenen Jahren durchaus öfter schon über den Tellerrand geblickt hat, um sein Portfolio weit breiter aufzustellen. Und das stilistische Repertoire ist alleine mit IGORRR schon sehr angewachsen.

Das neue Album „Spirituality And Distortion“ macht da keine Ausnahme, als dass Band-Mastermind Gautier Serre (ÖXXÖ XÖÖX, CORPO-MENTE) weiterhin keine Genregrenzen für sein musikalisches Schaffen ziehen möchte. Da strömen musikalische Einflüsse von klassischer Kammermusik über orientalische Klänge und Elektro bis hin zu Jazz und Folklore in den Progressive Death Metal (um zumindest ein gäniges Genre hier anzufügen).

„Spirituality And Distortion“ ist überraschend eingängig

Und ich bin auch heute – und noch ein weiteres Mal – überrascht. Denn „Spirituality And Distortion“ hört sich weit weniger anstregend an, als man vermuten würde. Selbst die jüngsten Avantgarde Doom Metal-Alben von ÖXXÖ XÖÖX muteten schwieriger an als der (gelesen) wirre Musik-Mix von IGORRR. Und man ist von einer gewissen Eingängigkeit gar nicht einmal so weit entfernt, als dass es das französische Projekt sehr gut versteht, immer wieder prägnante Melodien einzuflechten. Auch die geschickte Verwendung von Gesangslinien und vor allem Rhythmen als Eingängigkeitsträger trägt zu einem geradezu „einfachen“ Hörgenuss bei – so man es auch zulässt.

IGORRR packen geschickt eine Vielzahl von Elementen in 5-Minuten-Songs

Zu den großen Highlights zählen dabei Songs, wo es IGORRR gelingt, so gut wie alle beschriebenen Elemente in vier bis fünf Minuten lange Songs einzupacken, ohne ihnen aber den Fluss zu rauben. Da wird etwa in „Nervous Waltz“ die Kammermusik mit klagenden Geigen, Elektro und Grindcore aufgefettet, dass es eine Freude ist, und auch „Paranoid Bulldozer Italiano“ spielt mit einer Vielzahl an Elementen. Hinzu kommt auch der gut umgesetzte bzw interpretierte Symphonic Metal-Ausflug „Barocco Satani“.

Von ruhig und langsam bis wild und irrwitzig schnell

Mitunter lassen es IGORRR auch etwas ruhiger angehen und man ist geneigt, eher CORPO-MENTE aus Songs wie „Lost in Introspection“ herauszuhören, was aber auch an der schönen und guten Stimme von Laure Le Prunenec liegen mag. Auch hört man dann und wann ÖXXÖ XÖÖX durch, wenn das Tempo etwas gedrosselt wird und man die verschwommen klingenden Vocals von Laurent Lunoir vernimmt („Downgrade Desert“). Diese ruhigeren und langsameren Songs sorgen dann auch für ein gewisses Maß an Abwechslung und Durschnaufmöglichkeit. Denn immer wieder drücken IGORRR auch aufs Tempo, so dass Songs wie das orientalisch angehauchte Instrumental „Camel Dancefloor“ oder das irrwitzige „Musette Maximum“ ordentlich abgehen.

„Spirituality And Distortion“ von IGORRR ist besser als erwartet

Und dann wäre da noch eine weitere Überraschung: Denn „Spirituality And Distortion“ ist besser, als ich angenommen hatte. Grund dafür sind die beiden Vorab-Tracks „Very Noise“ und „Parpaing“. Diese sind beileibe nicht schlecht. Während erster ein Stück weit IGORRResk ist, punket zweiterer mit den Gast-Vocals von George „Corpsegrinder“ Fisher (CANNIBAL CORPSE). Und dennoch, im Vergleich mit dem Rest des Albums stechen diese beiden Songs nicht hervor.

Veröffentlichungstermin: 27.03.2020

Spielzeit: 55:00 Min.

Line-Up:
Gautier Serre – Komponsitionen, Gitarre, Schlagzeug & Programmierung

Gast-Musiker:
Timb Harris – Geige
Mike Leon (THE ABSENCE, SOULFLY) – Bass
Matt Lebofsky – Piano
Mehdi Haddab – Oud
Pierre Mussi – Akkordeon
Fotini Kokkala – Kanoun
Benjamin Bardiaux – Cembalo
Laure Le Prunenec (ÖXXÖ XÖÖX, CORPO-MENTE) – Gesang
Laurent Lunoir (ÖXXÖ XÖÖX) – Gesang
Pierre Lacasa – Gesang
Jasmine Barra – Gesang
George „Corpsegrinder“ Fisher (CANNIBAL CORPSE) – Gesang („Parpaing“)

Label: Metal Blade

Homepage: http://igorrr.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/IgorrrBarrroque

IGORRR „Spirituality And Distortion“ Tracklist

1. Downgrade Desert (Video bei YouTube)
2. Nervous Waltz
3. Very Noise (Video bei YouTube)
4. Hollow Tree
5. Camel Dancefloor (Audio bei YouTube)
6. Parpaing (Video bei YouTube)
7. Musette Maximum
8. Himalaya Massive Ritual
9. Lost in Introspection
10. Overweight Poesy
11. Paranoid Bulldozer Italiano
12. Barocco Satani
13. Polyphonic Rust
14. Kung-Fu Chèvre

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Doom / Death / Black / Thrash und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Death Metal, Doom-Death Metal, Doom Metal, Symphonic Metal, Gothic Metal, Sludge.