MAYHEM: De Mysteriis Dom. Sathanas

Wenn man das Wesentliche über MAYHEM wissen will, dann reichen 43:01 Minuten: "De Mysteriis Dom. Sathanas".

2009 markiert 25 Jahre MAYHEM und 15 Jahre De Mysteriis Dom. Sathanas. Zeit, sich rezensionsorientiert eben diesem Album der wohl skadalträchtigsten norwegischen Black Metal-Band zu widmen. Ein Wunder, dass sie bei ihrer blutrünstigen Geschichte überhaupt noch da ist – wenngleich der unzerstörbare Drummer Hellhammer dieser Tage sein Können mittels Triggern kastriert, was ihm einen Platz im ewigen Drummerfegefeuer außerhalb der Metallerhölle einbringen wird. Aber das ist die Hell Of Fame, und hier soll in den Zeiten geschwelgt werden dürfen, als MAYHEM noch völlig zurecht THE TRUE MAYHEM waren und sich den Mysterien des Herren Satan widmeten. Mit Blut, Schweiß und echtem Black Metal-Feuer anno 1994.

Natürlich hatte die norwegische Formation mit den wechselnden Line-Ups dieses Blut, diesen Schweiß und dieses Feuer schon vorher in sich. Logisch kann man sich mit einem alten Black Metal-Sack über die Vor-1994-Zeiten MAYHEMs einen Abend lang unterhalten. Aber wenn es darum geht, DAS eine Album zu nennen, mit welchem sich die Norweger auch musikalisch verewigten, dann wird es trotz der superb-dreckigen Deathcrush-EP aus dem Jahr 1987 immer und immer unbestritten De Mysteriis Dom. Sathanas sein, welches diesen Titel für sich beanspruchen kann.

Das Line-Up an sich ist bereits ein einziges Omen für die blutrünstige Zeit MAYHEMs. Es überrascht nicht, dass von den Mitstreitern lediglich zwei namentlich aufgeführt sind im Innern des Lyrics-freien, schlichten Booklets: Hellhammer und Euronymous. Letzterer wurde vor dem Release des Albums von seinem Bassisten Varg Vikernes (BURZUM) ermordet, weswegen De Mysteriis Dom. Sathanas auch ihm gewidmet ist. Anders als es die skandalevozierenden Handlungen und Artworks anderer MAYHEM-Veröffentlichungen vermuten lassen würden, wirkt das Debüt der Truppe vom Graphischen her unerwartet schlicht. Kein überflüssiges Gepose, keine Parolen, kein Firlefanz. Denn bei De Mysteriis Dom. Sathanas zählt die Musik.

Und diese manifestiert zu jeder Sekunde, dass man es hier mit einem klassischen Meisterwerk zu tun hat. Attila klingt ungeheuer böse, verfolgend, beängstigend, eine Ausgeburt der Hölle. Unaufgeregt zelebriert er seine Evilness und erinnert im abschließenden Titeltrack an einen verwunschenen Geist, der einsam durch die Abgründe verlorenen Seelen streift. Quälend herausgepresste Schreie statt plattes Kreischen bestimmen die gesangliche Welt von De Mysteriis Dom. Sathanas und maximiert dadurch die Intensität.

Intensiv wird das Album jedoch auch durch superbes Spiel und perfektes Songwriting. Jeder Song ist eine schwarzmetallische Perle – von Funeral Fog bis De Mysteriis Dom. Sathanas. Sei es der dissonant-schleppende Beginn von Freezing Moon, der das Blut in den Adern gefrieren läßt, die Raserei von Cursed in Eternity, die einen bis in alle Ewigkeit verfolgt oder der fiese Groove von Pagan Fears – MAYHEM zeigen sich auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. Perfekt in Szene gesetzt wird dieses soundtechnisch vom legendären Pytten im The Grieg Memorial Hall anno 92/93. Ausgewogen die einzelnen Elemente, roh der Klang, authentisch die Instrumente – De Mysteriis Dom. Sathanas atmet, lebt, zerstört.

Anders als die Klischees es glauben machen wollen, besticht das Album nicht zuletzt durch einen satten Bass-Sound und man wünscht sich, Varg Vikernes wäre einfach beim Bass-Spielen geblieben, statt sich seiner Karriere als mordendes Dummheitsidol für Möchtegern-Black Metaller zu widmen. Erfahrungsgemäß hat er dies nicht getan – auf De Mysteriis Dom. Sathanas legen aber genau diese abwechslungsreichen, stimmungsvollen Basslines das Fundament (schon nur in Life Eternal sind sie ein absolutes Gedicht). Prominent auch das Drumming. Hellhammer legt sich hier mit jedem Schlag den Grundstein für seinen Legendenstatus. Hier und da erinnert der Trommelklang an ein Gewitter, welches just über den Hörer hinwegzieht. Aber Hellhammer tut mehr, als stupide draufloszutrümmern – Abwechslungsreichtum prägt sein Spiel und er legt den Songs maßgeschneiderte Drumlines zugrunde, statt sich posermässig in den Vordergrund zu spielen. Ein rares Gut, ebenso rar wie sein Drumming, das man immer wieder an seiner charakteristischen Schlagschrift erkennt.

Mit From The Dark Past setzen MAYHEM dann zum Gipfelsturm an – und landen zuoberst, bei Buried by Time and Dust. Ein fulminanter Song, vom ersten Riff an ein einziges schwarzmetallisches Meisterstück. Rasend, chaotisch, aggressiv. Der Gitarrenlead, der nach ungefähr eineinhalb Minuten einsetzt, ist absolut unerreicht und die dazugehörige Hellhammer-Raserei lässt den Puls selbst nach 15 Jahren noch immer nach oben schnellen. MAYHEM haben diesen Song denn auch lange für sich gepachtet. Entthront wurden sie wohl erst von 1349, welche den Song auf ihrem Debüt Liberation coverten und Frost (SATYRICON) es sich nicht verkneifen konnte, Hellhammer Geschwindigkeitsmäßig zu zeigen, wo der norwegischen Black Metal-Drummerhammer hängt…

Doch eben – THE TRUE MAYHEM sind das Original. Und mit De Mysteriis Dom. Sathanas beschließen sie die knappe Dreiviertelstunde, nach welcher man mehr über Black Metal weiß, als wenn man sich 666 08/15-Pseudokrass-Veröffentlichungen der letzten Jahre anhört oder in ebensovielen trven Black Metal-Foren angemeldet ist. Über MAYHEM wurde unglaublich viel geschrieben, gesagt, diskutiert. Doch wenn man das Wesentliche über diese Band wissen will, dann reichen 43:01 Minuten: De Mysteriis Dom. Sathanas.

Veröffentlichungstermin: 24.05.1994

Spielzeit: 46:01 Min.

Line-Up:
Euronymous: Gitarre
Varg Vikernes: Bass
Hellhammer: Drums
Attila Csihar: Vocals

Blackthorn (Snorre Ruch): Gitarren

Produziert von Pytten
Label: Death Like Silence Productions Anti-Mosh 06

Homepage: http://www.thetruemayhem.com/

MySpace: http://www.myspace.com/officialmayhem

Tracklist:
1. Funeral Fog
2. Freezing Moon
3. Cursed In Eternity
4. Pagan Fears
5. Life Eternal
6. From The Dark Past
7. Buried By Time And Dust
8. De Mysteriis Dom. Sathanas