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EMPYRIUM: Songs Of Moors & Misty Fields

EMPYRIUM-Songs-Of-Moors-and-Misty-Fields-cover

Es war 1997, als „Songs Of Moors & Misty Fields“ erschien. Ich hatte EMPYRIUM bereits mit ihrem Debütalbum „A wintersunset…“ kennengelernt und sie seitdem zu meiner Lieblingsband erklärt – mein Fanatismus ging soweit, daß ich, einige mögen sich noch erinnern, in gewissen Musikforen tagelang nichts anderes getan habe als mit einem „Leidensgenossen“ meine EMPYRIUM-Sucht zu diskutieren. Und dann wurde der Release des zweiten Albums immer wieder verschoben, bis es dann schließlich im Herbst 1997 soweit war und das Päckchen mit dem wunderbaren edlen Lederdigipak, derer es bis heute genau 1000 Stück gibt, den Weg durch den Briefkasten fand.

Als ich es dann hörte, war es um mich geschehen. Nach zwei-drei Durchläufen wußte ich: Dies ist meine Musik! Ich war gerade mal fünfzehn Jahre alt, und diese Musik nahm mich gefangen wie keine andere zuvor (und bis heute bleibt dieses Werk mein absolutes Lieblingsalbum). Irgendwie sprühte es vor tiefer Sehnsucht, Melancholie, Wehmut, Naturverliebtheit, Romantik… und es war ganz anders als all diese Gothic Metal-Bands, die damals grassierten, völlig anders, denn es biederte sich keinem Stil an und war doch nicht wirklich verrückt oder gar avantgardistisch. Es war einfach nur pure, ehrliche, wunderschöne Musik, die ich da zu hören bekam, Musik, die eigentlich nicht von dieser Welt sein konnte.

EMPYRIUM haben DIE Hymne für Melancholiker und Träumer schlechthin geschaffen

Schon das Intro, „When shadows grow longer“, bezaubert mit sanften Klavierklängen, ehe dann mit „The blue mists of night“ die Nacht ganz plötzlich über dich hereinbricht – „…and many a moon shall rise…“ – und du weißt, hier möchtest du niemals mehr weg. Diese Melodie, diese ungemein sanfte, wehmütige Melodie, die diesem Ausbruch folgt, macht es dann möglich, kurz innezuhalten, ehe dann die Reise weitergeht… „Mourners“ entführt dich in das Reich der Moore, du siehst dich selbst das Schwarze Moor bewandern, hörst die Musik der Natur, spürst die Kälte und die Schatten um dich herum – „Oh so old they are… they bear the neverending grief…“ Danach das vierte Stück, die „Ode to melancholy“, welche, bis heute unerreicht, das Gefühl der Melancholie weniger in Worte, dafür aber in voller Pracht in Musik faßt. EMPYRIUM, was übrigens „Nachthimmel“ oder „Sternenhimmel“ bedeutet, haben mit diesem Stück, einer Melange aus Klaviermusik und schwerer Gitarre, DIE Hymne für Melancholiker und Träumer schlechthin geschaffen. Die Musik, langsam und schwer, zieht den Hörer in Welten hinab, in denen es nur das Licht von Kerzen und das des Mondes gibt, wo ehrliche Gefühle schonungslos offengelegt werden, wo die Kraft der Natur sich noch deutlich zeigt.

Das wahrscheinlich ergreifendste an melancholischer Musik, das je geschaffen wurde

Weitergetragen wird diese Atmosphäre dann mit „Lover’s grief“, einer Hymne ebenfalls, einer Hymne an den Mond, an jene großartige Erscheinung am Himmel, die Träumer und Romantiker seit jeher beeinflußt und angezogen hat – sie gipfelt in dem über allem stehenden Wunsch nach ewigem Zusammenhalt am Sternenhimmel: „…why can’t we be stars?“ – eine Stelle, deren emotionale Kraft mich jedesmal aufs neue erschauern läßt. Genauso wie das abschließende „The ensemble of silence“, welches noch einmal die wunderbare Atmosphäre der Nacht in tiefer Faszination deutlich macht und mit der Zeile „In the silence of the night I lose myself…“ das wahrscheinlich ergreifendste an melancholischer Musik, das je geschaffen wurde, beinhaltet – viele mögen das anders sehen, mich jedenfalls haben nur wenige Musikstücke, die ich bisher gehört habe, in ähnlicher Art und Weise berührt. Das Album schließt dann in einem ergreifenden aufbrausenden Finale, welches allerdings ganz ruhig und versöhnlich ausklingt mit den Worten: „Just I and the poetry of the night – now forever one…”

Es ist ein Rausch, den dieses Werk auslöst

Wie wahr, möchte der Hörer nun denken, der aufwacht aus dem Traum schwarzer Moore und geborgener Melancholie. Es ist ein Rausch, den dieses Werk auslöst, und das immer wieder – auch oder gerade weil diese Musik so simpel ist: Imposante Synthesizer-Teppiche, schwere E-Gitarrenriffs, der mal sanfte, mal aufbrausende Gesang, die wunderbaren Flöten- und Klavierklänge… all das vermischt sich zu einer Melange der puren Wehmut, einem großen Konzert der Gefühle, das niemanden kalt lassen kann, der Musik liebt.

Markus, Andreas und Nadine haben damit ein Werk geschaffen, das zeitlos geworden ist, und auch wenn Andreas danach aus der Band gegangen wurde, auch wenn der aufbrausend-wehmütige Charakter der Musik beim nachfolgenden Album „Where at night the wood grouse plays“ aufgrund der Konzentration auf reine Akustik-Gitarrenmusik verloren gegangen war – all das ist nebensächlich, wenn „Songs of moors & misty fields“ zu bestimmten feierlichen Stunden gehört wird – dann ist sie nämlich wieder da, diese Wehmut, diese Romantik, diese pure ehrliche Natürlichkeit, die dieses Werk seit jeher ausgemacht hat und immer ausmachen wird.

Spielzeit: 45:11

Line-Up:
Markus – Vocals, Drums, Guitars, Bass
Andreas – Synthesizer
Nadine – Flute, CelloLabel: Prophecy Productions

Tracklist:
1. Where shadows grow longer
2. The blue mists of night
3. Mourners
4. Ode to melancholy
5. Lover’s grief
6. The ensemble of silence

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.