GLORYHAMMER: Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex

GLORYHAMMER: Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex

1996: Ich war vierzehn Jahre alt, hatte „Hobbit“ und „Herr der Ringe“ gelesen und online darüber gefachsimpelt, und in der örtlichen Bibliothek war kein Fantasy-Buch mehr vor mir sicher. Ich schrieb sogar mein eigenes! Versuchte es jedenfalls. Es hieß „Der Kobold“ und sollte eine Tolkien-Parodie werden. 150 Seiten auf „Windows Write“ später gab ich auf, aber was haben wir gelacht! Kurz darauf bzw. währenddessen entdeckte ich BLIND GUARDIAN und SUMMONING, und der Rest ist, nun ja, Geschichte.

2016: Zwanzig Jahre und gefühlte drei Millionen Metal-Platten später tauchen GLORYHAMMER in meinem Leben auf, machen „Symphonic Epic Power Metal“ so gut wie niemand vor ihnen und schaffen es, das Genre dabei nicht nur zu verbessern, sondern auch zu parodieren, auf eine Art und Weise, die selbst in meinem nicht so Kitsch-Metal-affinen Freundeskreis plötzlich Begeisterungsstürme auslöst. Auch ich bin ja sonst kein Fan dieses Sub-Genres (mehr), aber was Komponist Christopher Bowes mit seinen Mitstreitern hier geschaffen hat, ist so sympathisch respektlos und gleichzeitig perfekt komponiert, dass es jede im Laufe der Jahre hart antrainierte Schamgrenze einfach niederreißt und Bahn bricht für eine geradezu kindliche Begeisterung an Blödsinn und Melodie. Oder so: GLORYHAMMER haben in meinem Leben einfach gefehlt!

„Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“!!

Damit bin ich nicht allein. Die Fangemeinde, der „Cult Of Hoots“, wächst immer weiter, die Band tourt gerade durch die USA, und Anfang nächsten Jahres steht eine gewaltige Headliner-Tour durch Europa an. Alles völlig verdient, denn die Marktlücke „satirischer Fantasy Power Metal“ war nun wirklich lange genug offen, und GLORYHAMMER füllen sie so gut, dass man kaum glauben kann, dass da überhaupt noch Platz für eine weitere Band sein könnte. Es muss jetzt also nur noch eines stimmen: die Qualität auch über zwei hervorragende Alben hinaus. Und damit sind wir bei „Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“!

Schon allein der Titel ist ein Meisterwerk, aber dabei bleibt es nicht. Als ich die Tracklist zum ersten Mal las, hätte ich beim Anblick von Titeln wie „Legendary Enchanted Jetpack“ oder dem herrlich stumpfen „Gloryhammer“ vor Begeisterung beinahe mein Wolfsfell von mir geworfen. Dass die Story dazu nur großartig werden konnte, verstand sich von selbst – und so ist es auch. Zur Erinnerung: Am Ende des Vorgängers hatte der legendäre „Hootsman“, eine Conan-der-Barbar-Parodie, sich aus dem fernen Kalifornien in Lichtgeschwindigkeit nach Schottland begeben, um die in ihm wohnende Neutronenbombe zu zünden und damit den Planeten zu zerstören sowie gleichzeitig das Universum vor der Zerstörung durch den bösen Zauberer Zargothrax zu bewahren. Das alles 1992. Nun befinden wir uns aber wieder auf der Erde, bloß in einer anderen Dimension. Hier hat Zargothrax gewonnen und vormals gute Helden mittels des „Knife Of Evil“ böse gemacht – aber die Menschen geben die Hoffnung nicht auf. Sie hängen der „Hoots“-Religion an und hoffen auf die Wiederkunft ihres Gottes, und außerdem gibt es da ja auch noch unseren Helden Angus McFife XIII, der mittels eines legendären verzauberten Jetpacks und mit der Kraft von Laser-Drachenfeuer ins Weltall startet, um den „Hammer Of Glory“ wieder mit jener Power zu versehen, die ihm verdammt nochmal zusteht, und die er braucht, um Zargothrax ein für alle Mal den Garaus zu machen…

Ein Meisterwerk, das etwas unter den Erwartungen bleibt

Was für einen Spaß es macht, das allein so aufzuschreiben! Noch schöner ist es natürlich, die dazu passenden Lieder zu hören. Wie unvorstellbar großartig erst ein Film oder gar ein Musical wäre… na ja, man wird jawohl noch träumen dürfen. Jedenfalls machen GLORYHAMMER hier wieder alles richtig, die Songs folgen dem Schema des Vorgänger-Albums, sind technisch aber noch besser aufgenommen und umgesetzt, und Sänger Thomas Winkler ist endlich in der Form seines Lebens (so großartig ich GLORYHAMMER auch früher schon fand, in puncto Gesang war noch Luft nach oben; jetzt nicht mehr!).

Das einzige, was man ihnen vorwerfen kann, ist, dass sie ihr Schema eben bloß einfach wiederholt haben. „Space 1992“ war eine (wenn auch dezente) spürbare Weiterentwicklung, „Legends…“ eher nicht, und das ist schade, denn das Weltall-Thema hätte ruhig die ein oder andere elektronische Spielerei mehr verdient gehabt. Auch bleibt ein etwas fader Beigeschmack durch „Hootsforce“, das die Melodie von ALESTORMs „Keelhauled“ einfach ins Weltall verlegt hat und ansonsten halt eine Kopie von „Universe On Fire“ ist. Nicht falsch verstehen: immer noch ein toller Song! Chris Bowes kann keine schlechten Songs schreiben. Aber für die Zukunft erwarte ich doch die ein oder andere Überraschung mehr. Vielleicht mal wieder eine Ballade? Ein reiner Folk-Song? Black-Metal-Elemente? Weiblicher Gesang? Ach, es ist so viel denkbar, ich bin mir sicher, die durch den Erfolg nun freigesetzten finanziellen Mittel werden schon für was sinnvolles verwendet werden! Schließlich ist „Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“ erst das dritte eines auf, ähem, 21 Alben angelegten Zyklus, wie im Booklet zu lesen ist… und ich freue mich auf jedes einzelne davon!

Veröffentlicht am 31.5.2019 auf Napalm Records
Spielzeit: 49:52 Min.

GLORYHAMMER – „Legends From Beyond The Galactic Terrorvortex“ – Tracklist

1. Into the Terrorvortex of Kor-Virliath
2. The Siege of Dunkeld (In Hoots We Trust)
3. Masters of the Galaxy
4. The Land of Unicorns
5. Power of the Laser Dragon Fire
6. Legendary Enchanted Jetpack
7. Gloryhammer
8. Hootsforce
9. Battle for Eternity
10. The Fires of Ancient Cosmic Destiny
I: Dundaxian Overture
II: The Battle of Cowdenbeath
III: Return of the Astral Demigod of Unst
IV: The Knife of Evil
V: Transmission

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Andreas ist mit vampster und Metal großgeworden, liebt Wald- und Wiesenmusik und dreckigen Punk und alles, was dazugehört (Whisky, Wanderschuhe und ein kaltes Bier in dunklen Kellern z.B.), und schreibt und singt und kämpft für das Wahre, Gute und Schöne.