BEAST IN BLACK, GLORYHAMMER, BROTHERS OF METAL: Konzertbericht – TonHalle, München – 19.01.2024

Wie kurzweilig moderner Power Metal sein kann, untermauern BEAST IN BLACK und GLORYHAMMER auf ihrer gemeinsamen “Glory And The Beast”-Tournee, wo selbst der Support-Act BROTHERS OF METAL die Massen begeistern kann. Zwischen Kitsch und Partylaune geht es auch in München heiß her.

In München hat man in diesem bitterkalten Januar die Qual der Wahl. Nicht nur der Winter ist zurück in Süddeutschland, auch die Konzertsaison ist nach der Weihnachtspause wieder in vollem Gange und fährt ein Angebot auf, das fast überwältigend scheint. Allein heute bieten sich eine knappe Handvoll Alternativen von Metalcore mit SAMURAI PIZZA CATS über punkigen Synth Rock der Lokalhelden MARATHONMANN bis hin zum Deathcore von SLAUGHTER TO PREVAIL. So man denn schnell genug war, denn die meisten Shows sind zu diesem Zeitpunkt bereits ausverkauft – nicht anders übrigens bei unserem Ziel, wo der Zusatz „Sold out“ alles andere als überraschend kam.

Immerhin verfügt neben dem Co-Headliner-Paket aus BEAST IN BLACK und GLORYHAMMER selbst der Support-Act BROTHERS OF METAL über Hit-Singles, deren Klickzahlen im Millionenbereich liegen. Auch deshalb sammeln sich zahlreiche Konzertgänger:innen bei Minusgraden frühzeitig vor den Toren der TonHalle im alternativen Werksviertel; verpassen will man schließlich keine Minute der bevorstehenden Power-Metal-Vollbedienung.


BROTHERS OF METAL

Dementsprechend ist es bereits beim Opener vor der Bühne ähnlich voll wie darauf selbst, wo es die achtköpfige Formation irgendwie trotzdem schafft, den begrenzten Platz für ihr unablässiges Animationsprogramm zu nutzen. Da es zwischen drei Gitarristen und ebenso vielen Sänger:innen durchaus kuschlig werden kann, haben BROTHERS OF METAL entsprechend vorgesorgt: Ein wenig Leder, etwas Fell und Kriegsbemalung auf überwiegend nackter Haut dürfte die steigenden Temperaturen zumindest etwas kompensieren und schafft nebenbei klassisches Pagan- bzw. Wikinger-Flair, welches auch das Rückgrat der schmissigen und stets eingängigen Power-Metal-Nummern bildet.

Eine bewährte Mischung also, die in der TonHalle trotz des basslastigen Mix gut ankommt. In „Prophecy Of Ragnarök“ schießen etwa allerorts die Fäuste in die Luft, bis im folgenden „Njord“ auch die zugehörigen Körper folgen. Weil Sänger und Erzähler Mats Nilsson darüber hinaus mit ein paar deutschen Floskeln schon früh das Eis zu brechen weiß, befinden sich die Schweden schon nach den ersten Minuten auf Siegestour durch München.

Zwischen Power und Gefühl finden BROTHERS OF METAL das richtige Gleichgewicht

Im Zentrum steht dabei stets Ylva Eriksson, der wir alsbald selbst unweigerlich an den Lippen kleben. Ob im aufrüttelnden „The Other Son Of Odin“ oder dem folkigen „Defenders Of Valhalla“, das seinerseits zum Tanzen einlädt, findet die charismatische Sängerin die richtige Balance zwischen Power und Gefühl. Gleiches gilt für das kurzweilige Set, das die Aggression von „Berserkir“ gegen reflektierte Momente ausspielt: So erzählt uns Mats Nilsson im Schein der Smartphone-Leuchten zunächst von den drei mythischen Nornen, bevor BROTHERS OF METAL in ihren größten Hit „Yggdrasil“ überleiten, den die Münchner:innen lautstark und textsicher begleiten. Weshalb sich auf drei Stimmen beschränken, wenn man doch tausende haben kann?

BROTHERS OF METAL Setlist – ca. 40 Minuten

1. Death Of The God Of Light
2. Prophecy Of Ragnarök
3. Njord
4. The Other Son Of Odin
5. Ride Of The Valkyries
6. Berserkir
7. Concerning Norns
8. Yggdrasil
9. Defenders Of Valhalla

Fotogalerie: BROTHERS OF METAL


GLORYHAMMER

Und da sage nochmal jemand, die Shows von GLORYHAMMER seien vorhersehbar. Statt des eigentlich obligatorischen Tom-Jones-Intros „Delilah“ bekommt das deutsche Publikum dieses Jahr ein maßgeschneidertes Vorgeplänkel serviert: Niemand geringerer als David Hasselhof darf als Pappaufsteller seinen Klassiker „Looking For Freedom“ zum Besten geben, bevor es unter ohrenbetäubendem Jubel einmal mehr ins Königreich Fife geht. Mit dabei haben die Schotten diesmal ein imposantes Set, das von rauchenden Tonnen bis hin zu einer stattlichen Burg reicht – oder zumindest einer halben, wie wir später erfahren sollen. Die Bühne der TonHalle sei für die komplette Requisite schlicht zu klein.

Stimmig sieht es dort trotzdem aus, zumal Keyboard und Drumset im Hintergrund geschickt auf dem erhobenen Schutzwall platziert sind. Deshalb verschmerzen wir auch gerne die verhältnismäßig geringe Einhorn-Dichte im Publikum, das eben nicht ausschließlich wegen Angus McFife und dessen Gefolgschaft angereist ist. Die volle Ladung bekommen die rund 2000 Münchner:innen trotzdem: Zwischen Goblins, Magiern und den eben genannten Einhörnern halten es GLORYHAMMER so abwechslungsreich wie bunt, obgleich Sänger Sozos den grünhäutigen Schergen zunächst mit dem namengebenden Hammer Feuer unterm Hintern macht.

GLORYHAMMER-Frontmann Sozos Michael liefert eine makellose Leistung

Kurze Einlagen wie diese lockern das Geschehen auf den Brettern auf und erfüllen hier und da einen weiteren dramaturgischen Zweck. Sei es der Damengesang bei „Fife Eternal“ oder das Saxofon-Solo in „Wasteland Warrior Hoots Patrol“: Der notgedrungene Einsatz von Backing Tracks erfährt dank der engagierten Darbietung des Goblin-Komparsen einen ganz eigenen Charme. Partystimmung ist also garantiert, zumal Bassist James Cartwright nur wenige Augenblicke zuvor zum „Also sprach Zarathustra“-Theme („2001: Odyssee im Weltraum“) seine Trinkfestigkeit unter Beweis gestellt hatte.

Beeindruckender ist wohl nur Frontmann Sozos Michaels Leistung am Mikrofon, der insbesondere bei den Stücken des aktuellen Werks „Return To The Kingdom Of Fife“ (2023) brilliert, höchste Regionen ebenso spielend meistert wie den potenziellen Zungenbrecher-Refrains des Hits „Hootforce“. Dass der Lead-Gesang im Mix manchmal ein wenig deutlicher hervorstechen könnte, ist also etwas schade, trübt die Stimmung in der TonHalle aber kaum. Dort wird zu „Angus McFife“ oder dem obligatorischen „Universe Of FIre“ gesungen, im treibenden „The Siege Of Dunkeld“ das Haupthaar geschwungen und zwischendurch mit lauten „Hoots!“-Rufen die eigene Lehnstreue geschworen.

Am Ende lassen uns GLORYHAMMER an einer Krönungszeremonie teilhaben

GLORYHAMMER danken es mit einer explosiven und kurzweiligen Performance, die aktuelles Material wie das fantastische „Keeper Of The Celestial Flame Of Abernethy“ mit Evergreens der Marke „The Unicorn Invasion Of Dundee“ verbindet und schließlich in einer Krönungszeremonie endet, bei der James „The Hootsman“ Cartwright unter lautem Getose zum neuen Herrscher des Königreichs ausgerufen wird. Die bayerische Landeshauptstadt unter neuer Schirmherrschaft? Das Volk hat gesprochen.

GLORYHAMMER Setlist – ca. 70 Min.

1. Holy Flaming Hammer Of Unholy Cosmic Frost
2. Gloryhammer
3. The Land Of Unicorns
4. Fly Away
5. Angus McFife
6. Wasteland Warrior Hoots Patrol
7. Fife Eternal
8. Masters Of The Galaxy
9. The Siege Of Dunkeld
10. Kepper Of The Celestial Flame Of Abernethy
11. Universe On Fire
12. Hootsforce
13. The Unicorn Invasion Of Dundee

Fotogalerie: GLORYHAMMER


BEAST IN BLACK

Die Regentschaft scheint jedoch nur von kurzer Dauer – exakt 35 Minuten, um genau zu sein. Denn als nach der Umbaupause die Lichter ein letztes Mal erlöschen, brechen umgehend alle Dämme. Man mag derzeit als Co-Headliner durch Europa ziehen, zumindest am heutigen Abend sind die Verhältnisse aber eindeutig. Für München ist BEAST IN BLACK offenbar die Hauptattraktion: So ausgelassen und enthusiastisch wie in diesen Anfangsminuten haben wir die TonHalle heute noch nicht erlebt. Dabei profitiert die Band enorm vom glasklaren Sound, welcher absolut kein Detail zu verschlucken scheint.

Dem Sog der eingängigen Gute-Laune-Nummern wie „Blade Runner“ oder „Beast in Black“ kann sich daher bald kaum noch jemand entziehen, zumal Drummer Atte Palokangas‘ herzliches Dauergrinsen hinter den Kesseln jeglichen Unmut im Handumdrehen wegfegen könnte. Dass auch BEAST IN BLACK mit einem leicht abgespeckten Bühnenbild auskommen müssen – auf den zentralen Löwenkopf müssen wir verzichten -, fällt daher gar nicht so sehr ins Gewicht. Die Fans haben derweil ohnehin nur Augen für die Akteure in der ersten Reihe, welche die Aufmerksamkeit sichtlich genießen.

Bei BEAST IN BLACK regiert sichtlich der Spaß an der Sache

Insbesondere Gitarrist Kasperi Heikkinen lässt sich im Sekundentakt feiern, zelebriert jedes Solo bis zum Äußersten und hat gemeinsam mit seinen Kollegen an den Saiteninstrumenten für nahezu jeden Song eine kleine Choreografie einstudiert. Zugegeben, in dieser Hinsicht tragen BEAST IN BLACK auf Kosten der Authentizität für unseren Geschmack etwas zu dick auf. Was am Ende zählt, ist allerdings der Spaß an der Sache und den können wir wohl kaum leugnen.

Mit Sonnenbrille und zufriedenem Lächeln werfen uns die Finnen bewährtes Hitmaterial à la „From Hell With Love“, „Die By The Blade“ oder „Sweet True Lies“ um die Ohren, was die ohnehin schon elektrisierende Stimmung in der Halle endgültig zum Überkochen bringt. So zückt die Meute für die Ballade „Ghost In The Rain“ wie selbstverständlich die Smartphone-Leuchten, nachdem man zuvor schon ausgiebig die Stimmbänder strapaziert hatte. Mitgesungen wird natürlich auch im Evergreen „Blind & Frozen“, wo Sänger Yannis Papadopoulos im schwarzen Mantel einmal mehr seine beeindrucke Bandbreite zur Schau stellen darf.

BEAST IN BLACK sorgen während ihres Sets für immer neue Facetten

Dass die Stimme für den souveränen Frontmann das wichtigste Gut ist, wurde bereits einige Minuten zuvor deutlich, als er freundlich und doch bestimmt um die Einhaltung des vorherrschenden Rauchverbotes bat. Die Laune verderben lässt sich durch solche Zwischenfällchen hingegen niemand, zumal BEAST IN BLACK mit abwechslungsreicher Lightshow samt 80er Ästhetik und härteren Spitzen vom Schlag eines „Zodd The Immortal“ für immer neue Facetten sorgen.

Auch deshalb kommt das Ende der 75-minütigen Show für die zahlreichen Anhänger:innen schneller als erwartet: Nach der unbeschwerten Sause „One Night In Tokyo“ verkünden die Mannen um Mastermind Anton Kabanen kurzerhand das „Ende der Welt“. Ganz so weit kommt es in Wirklichkeit zum Glück nicht, obschon uns die Eiseskälte während des anschließenden Fußmarsches in Richtung Ostbahnhof eisern vom Gegenteil überzeugen will.

Die “Glory And The Beast”-Tour vereint Kitsch mit gelebter Spielfreude

Klar, ein wenig komfortabler hätten wir es andernorts schon haben können, immerhin ließ uns München heute konzerttechnisch die Qual der Wahl. Dass wir nun im Nachhinein gleich drei Gründe aufzählen können, die unsere Entscheidung als die richtige untermauern, spricht wiederum eine deutliche Sprache. Ob BROTHERS OF METAL, GLORYHAMMER oder BEAST IN BLACK, kurzweiliger als dieses Tour-Paket kann man kitschigen Power Metal wohl nicht inszenieren.

BEAST IN BLACK Setlist – ca. 75 Min.

1. Blade Runner
2. Bella Donna
3. Beast In Black
4. Sweet True Lies
5. Broken Survivors
6. From Hell With Love
7. Hardcore
8. Moonlight Rendezvous
9. Zodd The Immortal
10. Ghost In The Rain
11. Highway To Mars
12. Blind And Frozen
13. Die By The Blade
14. One Night In Tokyo
15. End Of The World

Fotogalerie: BEAST IN BLACK

Fotos: Tatjana Braun (https://www.instagram.com/tbraun_photography/)

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