FORTÍÐ: World Serpent

Wikinger stranden immer wieder mal – man denke nur an die Besiedlung von Island. Und Einar „Eldur“ Thorberg“, den es 2009 von ebenjener Insel nach Norwegen verschlagen hat, der strandete 2017 wieder in der Heimat. Das letzte Album von FORTÍÐ war damals zwei Jahre her. Durch seine neue Band KATLA ist Einar Thorberg nun auch mit seinem eigentlichen Baby FORTÍÐ bei PROPHECY PRODUCTIONS quasi gestrandet und hat in diesem Zuge den Nachfolger von „9“ fertig gestellt. Die restlichen Musiker von FORTÍÐ blieben in Norwegen und sind in den ersten fünf Songs zu hören. Daheim in Reykjavik geht es nun mit dem neuen Drummer Kristjan Einar Guðmundsson und neuem Elan weiter, so dass „World Serpent“ mit fünf weiteren Nummern fertig gestellt werden konnte.

Ein wenig konservativ klingen FORTÍÐ auf diesem Album. Der Pagan Metal will daher zwar nicht so ganz auf das Label passen, aber immerhin macht die Musik durchaus Spaß; recht launig und kurzweilig ist „World Serpent“ schon geworden. Warum das so ist, verrät auch der Zusatz zum Albumtitel: „Duology“. Denn FORTÍÐ wäre vermutlich kein so abwechslungsreiches Werk gelungen, wäre das Album in einer Session oder mit einem Line Up entstanden. Nicht nur der Sound ist in der zweiten Hälfte um einiges ruppiger, auch das Drumming von Kristjan Guðmundsson unterscheidet sich von Daniel Theobald, der etwas straighter spielte. Der deutliche Übergang zum zweiten Teil von „World Serpent“ ist daher nur konsequent. FORTÍÐ verschleiern somit nicht die lange Phase, in der das Album entstand, sondern machen aus der Not eine Tugend. Ja, zwei EPs wären auch möglich gewesen, andererseits zeigt Einar Thorberg somit, dass er eine Reise angetreten hat.

FORTÍÐ sind ernsthaft, aber nicht überambitioniert – “World Serpent” sticht somit leider nicht aus der Masse hervor

Es wirkt, als wären FORTÍÐ geerdet, als wären sie angekommen. Das düstere „Son of A Barren Land“ ist das beste Beispiel dafür, es wirkt verspielt und doch recht klar. Hier und auch bei „Beyond The Grips Of Odium“ sind die ENSLAVED-Zitate sehr liebevoll eingebaut. Mehr Heldenverehrung gibt es in „Perfect Annihilation“, das schwer nach BATHORY klingt. Daneben wird gerne gethrasht, wie „Controlled Patterned Mental Process“ und „Pandemic“ zeigen. Das gefällt, begeistert aber nicht. Werden diese beiden Pole verbunden, zeigen sich FORTÍÐ von ihrer Schokoladenseite: “Insignificant Is The Wormking’s Throne“ ist eindeutig der stärkste Song des Albums. Recht fade ist hingegen „The True Awakening“, das gleich am Anfang nach dem orchestralen Intro steht. Das achtminütige Stück braucht schlicht zu lange, um in Fahrt zu kommen.

Am Ende schaffen es FORTÍÐ, dass „World Serpent“ ernsthaft, aber nicht überambitioniert wirkt. Und obwohl das Album grob in der Schnittmenge aus Black Metal und Pagan Metal steht, ist auch kein verzichtbarer Trinkhornkram auf dem Album. Lieber lassen die Musiker ihre Fähigkeiten sprechen: Spielerisch, gesanglich und auch kompositorisch gibt es an „World Serpent“ nichts auszusetzen. Dennoch ist Einar Thorberg kein bahnbrechendes Album geglückt. Es sticht nur schwer aus der Masse an Veröffentlichungen hervor, da auch die stilistische Vielfalt in der knappen Stunde nicht vergessen lässt, dass FORTÍÐ eher in bewährten Gewässern schippern, statt sich auf eine experimentelle, stürmische Reise zu begehen.

Wertung: 7 von 10 Butterfahrten

VÖ: 11. Dezember 2020

Spielzeit: 53:37

Line Up:
Einar Eldur Thorberg – Vocals, Guitars, Bass
Rikard Jonsson – Bass (Tracks 1 – 5)
Øystein Hansen – Guitars (Tracks 1 – 5)
Daniel Theobald – Drums (Tracks 1 – 5)
Kristjan Einar Guðmundsson – Drums (Tracks 6 – 10)

Label: Prophecy Productions

FORTÍÐ „World Serpent“ Tracklist

1. AI 2020
2. The True Awakening
3. Controlled Patterned Mental Process
4. Insignificant Is The Wormking’s Throne
5. Suppressed Opposition
6. Son of A Barren Land
7. Pandemic
8. Beyond The Grips of Odium
9. Perfect Annihilation
10. Last Line of Defence

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