EUROPE: Start From The Dark

Zwar geht dem Songmaterial zum Ende hin etwas die Qualitätspuste aus, doch da es nie schlechter als "Durchschnitt" wird ändert das nichts an der Tatsache, dass den Schweden ein wirklich überzeugendes Comeback (da gab es wirklich weitaus peinlichere Reunions)gelungen ist, das stilistisch mehr an "Wings Of Tomorrow" als an "The Final Countdown" erinnert.

Ich weiß auch nicht warum, aber das Erste, woran ich bei der Nennung des Namens EUROPE denken muss, ist mitnichten deren Smash-Hit The Final Countdown (das gleichnamige Album verkaufte sich bisher schlappe acht Millionen Mal) aus dem Jahre 1986. Ich muss immer noch über die Horde besoffener Punks lachen, die während des Gigs auf dem 1987er Roskilde-Festival OHNE PAUSE (!!!!) Joey Tempest ist homosexuell gröhlten. Egal, einundzwanzig Jahre nach dem Europe-Erstling und dreizehn Jahre nach dem letzten Studioalbum Prisoners In Paradise melden sich Joey Tempest (Vocals, KEINE Dauerwelle, brachte drei wirklich gute Alben im Singer/Songwriter-Stil auf den Markt), John Norum (Gitarre, veröffentlichte etliche Alben im GARY MOORE/THIN LIZZY-Stil und gehörte auch zum Line-up des DON DOKKEN-Soloalbums), John Leven (Bass, spielte u.a. für GLENN HUGHES und eine Band namens SOUTHPAW), Mic Michaeli (Keyboards, spielte u.a. auch für GLENN HUGHES und BRAZEN ABBOT), Ian Haughland (Drums, spielte u.a. auch für GLENN HUGHES und BRAZEN ABBOT) mit einem neuen (dem insgesamt sechsten Studio)Album zurück.

Die Musiker haben mittlerweile allesamt ihren vierzigsten Geburtstag feiern dürfen, sehen aus wie Männer – und rocken auch wie welche. Das tun sie anders, als man das vielleicht erwarten durfte – aber deshalb nicht schlecht. Erwartet bitte keinen lauen The Final Countdown-Aufguss, sondern tiefer gelegte Gitarren, grungigen Sound, moderne Elemente, eine fette wie staubtrockene Produktion, einen pumpenden Bass, radiotaugliche Töne, eingängige Refrains und (fast) balladen- und keyboardfreies (Herr Michaeli ist lediglich für Farbtupfer verantwortlich und nur Settle For Love und Roll With You lassen einen zu den Wunderkerzen und zum Feuerzeug greifen), dafür aber rifforientiertes Songmaterial, das von Herrn Tempest entweder im Alleingang (Flames, Hero, Sucker, America, Spirit Of The Underdog) oder im Team mit John Norum (Got To Have Faith, Settle For Love, Start From The Dark, Wake Up Call, Song No 12, Roll With You) bzw. Mic Michaeli (Reason) verfasst wurde und in dessen Texten dieses Mal fast gänzlich auf die bekannten „Uhhhhhs“, „Ohhhhooos“ und „Ahhhhhs“ verzichtet wird.
Zwar geht dem Songmaterial zum Ende hin etwas die Qualitätspuste aus, doch da es nie schlechter als Durchschnitt wird, ändert das nichts an der Tatsache, dass den Schweden ein wirklich überzeugendes Comeback (da gab es weitaus peinlichere Reunions) gelungen ist, das stilistisch mehr an Wings Of Tomorrow als an The Final Countdown erinnert. Ein Glück!

Veröffentlichungstermin: 27.09.2004

Spielzeit: 48:39 Min.

Line-Up:
Joey Tempest – Vocals

John Norum – Guitar

Mic Michaeli – Keyboards

Ian Haughland – Drums

John Levén – Bass

Produziert von Kevin Elson & Europe
Label: Sanctuary Records

Homepage: http://www.europetheband.com

Tracklist:
1.Got To Have Faith

2.Start From The Dark

3.Flames

4.Hero

5.Wake Up Call

6.Reason

7.Song No. 12

8.Roll With You

9.Sucker

10.Spirit Of The Underdog

11.America

12.Settle For Love