ELVENKING: Wyrd

Eine CD auf dem Level des ersten Drittels wäre ein Hammer gewesen. So bleibt "WYRD" als Gesamtkunstwerk "nur" unterhaltsam und klingt trotz der deutlich erkennbaren italienischen Herkunft erfrischend anders.

Italienischer Power-Metal mit keltischen Klängen? Klingt interessant. Also schnell ein Fass Guiness ins Wohnzimmer gerollt, denn im PC im Arbeitszimmer läuft die Audio-CD nicht. Dafür findet sich dort ein Bildschirmschoner und Wallpapers. Ärgerlich für Leute die den Computer als Media-Center benutzen: es findet sich kein entsprechender Vermerk auf dem Cover.

So startet das Album nun mit einem fließenden akustischen Pub-Song, sehr schön mit Violine, Flöten, Schellen und weiblich-männlichem Wechselgesang. Aber dann geht es rund, Pathfinders startet typisch italienisch durch, unterlegt den klassischen Pasta-Metal mit schmissigen irischen Melodien. Das funktioniert und reisst mit. Hier ein Stop-and-Go, dort ein treibender Beat, und immer wieder taucht die das Lied tragende irische Melodie auf. Der nicht zu hohe Gesang passt gut, gleichzeitig gibt es aber auch ein paar grunzige Backings. Flöten, Violine und ein überaus tanzbarer Part lassen alle Skrupel zerfließen – eine gelungene Mischung. Jigsaw puzzle treibt flott nach vorn, die Vocals erinnern an BRUCE DICKINSON (IRON MAIDEN). Auch hier wieder ein Wechsel aus italienischem Metal, bewegungsfördernden irischen Tanzparts, passenden Breaks und hier und da akustische Tupfer und weibliche Vocals. Und vor allem klingt viel Spielfreude durch, die Jungs und die zahlreichen Gastmusiker hatten sicher viel Spaß im Studio. Das bestätigt sich auch bei The silk dilemma. Zwar machen ELVENKING hier einen kleinen Formfehler und mischen irische Melodien mit altenglischen Tänzen. Emerald Isle wird vor Zorn erbeben. Aber irgendwie passt es, also heben wir den Krug und singen mit. Dann macht sich aber leider ein Break breit. Der Bonustrack Disappearing sands greift nicht, irgendwie gehen die Melodien ins Leere. Na ja, Bonustracks sind selten Highlights. Aber auch Moonchariot zieht am gleichen Strang, nervt anfangs mit einem Blastpart und einer ruhigen aber unberührenden Strophe. Der Refrain bleibt nicht mehr hängen, ist fast albern. The perpetual knot ist ebenfalls zu schnell um mit dem Beat zu fesseln, die Melodien fließen an einem vorbei. So geht es dann leider für den Rest der Scheibe weiter. Nur noch wenige Melodien lassen aufhorchen, das Guiness wird schal und schmeckt nicht mehr. Gelegentlich wippt der Fuß noch mit, aber das Partyfeeling der ersten Songs ist dahin, zerfließt im Nebel eines irischen Herbstmorgens. Die Mischung auf dieser Platte stimmt. Durch viele abwechslungsreiche Gastvocals, allerlei Streicher, Flöten und Pianoklänge bietet Wyrd eine wirklich bunte Palette Metal italienischer Prägung mit packenden irisch-keltischen Melodien. Nur verliert die Band das Gespür für diese fesselnden, stimmigen Melodien der ersten Songs. Im Verlauf der CD laufen die Melodien nur noch an einem vorbei, sind nicht zuende gedacht oder wiederholen sich aus den vorherigen Songs. Auch der Einsatz von coolen Tanzparts, welche einen anfangs durch den Pub oder ums Lagerfeuer hüpfen lassen, verlieren sich nach den ersten Liedern. Das ist schade, eine CD auf dem Level des ersten Drittels wäre ein Hammer gewesen. So bleibt WYRD als Gesamtkunstwerk nur unterhaltsam und klingt trotz der deutlich erkennbaren italienischen Herkunft erfrischend anders.

Veröffentlichungstermin: 19.04.2004

Spielzeit: 57:43 Min.

Line-Up:
Kleid – Vocals

Aydan – Guitars

Jarpen – Guitars, Growls

Gorlan – Bass

Elyghen – Violin, Keyboards

Zender – Drums

Produziert von Elvenking, Nils Wasko
Label: AFM Records

Homepage: http://www.elvenking.net

Email: info@elvenking.net

Tracklist:
1. The loser`s ball

2. Pathfinder

3. Jigsaw puzzle

4. The silk dilemma

5. Disappearing sands

6. Moonchariot

7. The perpetual knot

8. Another haven

9. A fiery stride

10. Midnight circus

11. A poem for the firmament