ELUVEITIE: Evocation I – The Arcane Dominion

Ein schönes, mystisch-angehauchtes Album…

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich anno 2003 das erste ELUVEITIE-Demoalbum Vên bei Chrigel bestellte. Einige Kumpels musizierten beim neuartigen Projekt mit, das so ganz anders als der Rest der helvetischen Metalszene war. Statt Death/Thrash Metal à la MESSIAH gabs bei ELUVEITIE Geflöte. Statt der üblichen Viererbesetzung tauchte eine personenreiche Helvetiersippe auf, die für Live-Auftritte zum einen ein größeres Fuhrwerk als den üblichen PKW und zum anderen einen Mischer mit guten Nerven und vielen Eingängen (am Pult) benötigte.

Mittlerweile sind fast sechs Jahre vergangen. ELUVEITIE sind längs zu einem der erfolgreichsten Metalexporte der Schweiz geworden, sind bei NUCLEAR BLAST unter Vertrag und betouren die Welt, ohne sich je über Kutschengröße oder Mischpulteingänge unterhalten zu müssen. Gleichzeitig haben die Schweizer das Image des eigentlich ziemlich uncoolen Helvetiervolkes, die sozusagen das Lieblingspausenplatzopfer von Julius Caesar waren, tüchtig aufpoliert. Dies tun sie indirekt auch auf ihrem mittlerweile dritten Album Evocation I – The Arcane Dominion.

Die gute Produktion lässt sich hierbei fast schon als unabdingbare Voraussetzung bezeichnen. Schön ist, dass die verschiedenartigen Instrumente alle angemessen zur Geltung kommen und das richtige Maß zwischen druckvoll und authentisch gefunden wurde. Die Entscheidung, das dritte, sogenannte make it or break it-Werk, als akustisches Album auszurichten, erweist sich als gelungen. Allzu ruhig, wie man es etwa von FORSETI gewohnt wäre, ist Evocation I – The Arcane Dominion dennoch nicht. Stattdessen gibt es fast schon beschwingte, aber gleichzeitig nachdenkliche klingende Tracks wie Brictom oder Omnos inklusive Ohrwurmqualität und kürzere, meditativ-esoterisch anmutende Zwischenstücke (The Arcane Dominion). Diese profitieren nicht zuletzt vom herb-dunklen Frauengesang. Aber auch kehliger Männergesang findet Platz auf Evocation I – The Arcane Dominion, etwa in Nata, wo man beinahe schon Mel Gibson im Braveheart-Kilt aus dem Nebel auf einen zukommen sieht – vor dem geistigen Auge, natürlich.

ELUVEITIE zeigen mit ihrem dritten Album professionell, wie wandelbar sie sind. Klar sind stampfende Folk Metal-Tracks, bei denen das Publikum fleißig mithüpft, hier nicht dabei. Aber es ist gut, auch diese etwas ruhigere Seite der Schweizer mal zu hören. Man kann sich gut vorstellen, dass ihr Mut und der exotische Klang der gallischen Sprache Evocation I – The Arcane Dominion auch einen größeren Markt eröffnen können. Sprich – metalophobe Leute, die nur Worldmusic kaufen, könnten sich von diesem Album ebenfalls angesprochen fühlen.
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Wie siehts indes mit den Metalfans aus? Die dürfen gefahrlos zugreifen, wenn sie die nachdenklicheren, akustischen Passagen bei ELUVEITIE in der Vergangenheit ebenfalls schätzten oder sich etwa für Bands wie SKYCLAD erwärmen können (oder ganz einfach die Liste der Gastmusiker gelesen haben). Metallisch krass sind ELUVEITIE auf Evocation I – The Arcane Dominion sicherlich nicht und Saufhymnen muss man sich anderswo suchen. Aber gleichzeitig macht dieses schöne Album neugierig auf die zukünftigen musikalischen Unternehmungen der Schweizer. Als kreativ stehengebliebene, stumpfe Hüpf-Sauf-Met-Pagan-Truppe werden sie auf jeden Fall nicht enden…

Veröffentlichungstermin: 11.04.2008

Spielzeit: 50:59 Min.
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Line-Up:
Chrigel Glanzmann (FOLKEARTH): Vocals, akustische Gitarre, Uilleann pipes, Bodhràn, Tin and low whistles
Ivo Henzi: Gitarre
Simeon Koch: Gitarre
Kay Brem: Bass
Merlin Sutter (NEKROPOLIS, MORRIGU): Drums
Meri Tadic: Fiddle, Vocals
Päde Kistler: Bagpipes, Whistles
Anna Murphy: Hurdygurdy

Gastmusiker
Fredy Schnyder (NUCLEUS TORN): Hammered Dulcimer
Mina the fiddler: 5-stringed fiddle
Oliver Sa Tyr (FAUN, SAVA): Celtic harp und weitere Instrumente
Alan Nemtheanga (PRIMORDIAL): Stimme
Sarah Wauquiez: Shalm, Crummhorn und weitere Instrumente

Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.eluveitie.ch/
MySpace: http://www.myspace.com/eluveitie

Tracklist:
1. Sacrapos – At First Glance
2. Brictom
3. The Arcane Dominion
4. A Girls Oath
5. Within the Grove
6. The Cauldron of Renascence
7. Nata
8. Omnos
9. Carnutian Forest
10. Dessumiis Luge
11. Gobanno
12. Voveso in Mori
13. Memento
14. Ne Regv Na
15. Sacrapos – The Disparaging Last Gaze