EDENBRIDGE: The Grand Design

EDENBRIDGE: The Grand Design

In mir ist der Kampf zweier Seelen entbrannt: zum einen flüstert mir Freund Lokalpatriotismus schelmisch ins Ohr: Tu´ doch etwas für unsere Metal-Szene, mach´ sie schmackhaft…, zum anderen haucht flehend Freundin Objektivität irgendetwas von Pflichtgefühl und Ehrbarkeit. Und ich wäre tatsächlich ein wenig versucht gewesen, das neue EDENBRIDGE-Album besser zu reden, als es in Wahrheit – für mich persönlich wohlgemerkt – ist.

The Grand Design folgt irgendwie der Entwicklung der Band. Das Album ist erneut vielschichtiger geworden und einen ganzen Zacken professioneller. Und das ist letztendlich auch das Problem des fünften Longplayers der österreichischen Formation. Das Album ist dermaßen aalglatt, dass es sich keinerlei Schürfwunden im Slalomlauf durch Melodic Metal, Symphonic Rock und Bombast Pop zuzieht. Etwaige Brandherde werden, noch bevor sie Gefahr laufen, wild aufzuflackern, mit sanft sprudelndem Quellwasser gelöscht, die Dramatik zugunsten romantischer Träumerei gestutzt und das Hörerlebnis auf eine Plüsch-Rolltreppe gesetzt, auf die sich der Hörer einfach nur hinzustellen braucht, um an den neun schmeichelweichen Songs vorbeizuziehen. Da ist keine Anstrengung vonnöten, kein Blut rinnt aus den Ohren und der Hörer verlässt die Rolltreppe im gleichen emotionalen Zustand, wie er sie betreten hat. Aber hallo, wir sind Metal – wir sind die Fakire, die sich an einem Album aufreiben wollen, wir wollen wie ein Triathlet verschiedene Disziplinen durchlaufen und wie ein Marathonläufer keuchend und am Ende unserer Kräfte sagen können, Ich habe dieses Album bezwungen!. Doch ich schweife ab…

Ja, es ärgert mich, dass EDENBRIDGE ein in manchen Belangen so lasches Album abgeliefert haben. Und das hat weniger mit Lokalpatriotismus zu tun, sondern viel mehr mit den vergeudeten Songelementen, die da und dort hervorblitzen und dazu hätten benutzt werden können, um dem Album Dramatik, Kraft und Ausdauer zu verleihen. Man nehme nur die Spannung verheißende Gitarrenmelodie zum relativen Beginn des Openers Terra Nova. Dieser ist im Übrigen noch einer der besten Songs des Albums. Auch wenn er an manchen Stellen zu sanft über das ohnehin bruchsichere Glas der Oberflächlichkeit streicht. Doch zeigt das Lied das gestiegene Maß an Vielseitigkeit, hat wie schon gesagt etwaige Spannungselemente und wartet mit dem groß angekündigten bis zu 64-stimmigen Chor auf. Und dazu will ich auch noch gleich etwas los werden. Ja, man merkt, dass da mehr als eine Person singt, aber dadurch von gehobener Intensität oder Bombast zu sprechen? Nein, da bewegen die zwölf Musikstundenten im Chor von DOL AMMAD bedeutend mehr – zumindest wenn man es in Heavy Metal-Relation setzt. Die Chor-Arrangements bei EDENBRIDGE finden sich hingegen mehr in poppigen Gefilden wieder und wecken Erinnerungen an QUEEN. Auch der zweite Song, Flame Of Passion, hat seine Qualitäten, gerade der orientalisch angehauchte Beginn, doch verflacht dieser Song genauso, wie die meisten anderen Tracks: den Gipfel an Belanglosigkeit erklimmt dann On The Top Of The World, der so rein gar nichts bewegt – außer den Finger zur Skip-Taste.

Ja, und ich ärgere mich nach wie vor über EDENBRIDGE. Sabine Edelsbacher singt gut und tonsicher, scheint ihre Stimme einen Hauch variabler einzusetzen und gibt sich – der makellos abgeschliffenen Professionalität des ganzen Albums angepasst – ebenso fehlerfrei. Und auch Lanvall stellt einmal mehr unter Beweis, was für ein fähiger Musiker er ist. So sind seine Gitarrensoli nicht nur Mittel der Selbstdarstellung, sondern schwingt in den Tönen auch das Gefühl für die Musik, die Liebe zum Instrument mit. Ja, und selbst beim Songwriting hätte er was drauf (auch Evermore, wenngleich dieser Track – irgendwann musste dieser Vergleich ja fallen – etwas an NIGHTWISH erinnert, hat seine starken Momente), nur verlieren sich die meisten Songs auf The Grand Design im Niemandsland der Emotionen. EDENBRIDGE ist es somit nicht gelungen, den Brückenschlag zwischen Erde und dem Garten Eden zu zimmern. Der Garten Eden bleibt daher ein Traum, wenngleich einer, der mit vielen Rosen, grünem Moos und einem bunten Regenbogen illustriert wird – und für schöne Naturlandschaften haben Österreich-Touristen immer etwas übrig; insofern eine amikale Gratulation an die Landsleute von EDENBRIDGE – damit Freund Lokalpatriotismus zumindest das Schlusswort bleibt.

Veröffentlichungstermin: 27.05.2006

Spielzeit: 49:15 Min.

Line-Up:
Sabine Edelsbacher – Vocals
Lanvall – Guitars, Piano, Keyboards, Bouzouki, Mandolin, Pipa
Frank Bindig – Bass
Roland Navratil – Drums

Gastmusiker:
Robby Valentine – Backing Vocals & Choirs (1,7,8), Piano Solo (1)
Dennis Ward – Backing Vocals & Choirs (2,3,5,6)
Karl Groom – Guitar Solo (1)
Martin Mayr – Flamenco & Acoustic Guitar Solo (8)
Astrid Stockhammer – Violin (8)

Produziert von Lanvall
Label: Massacre Records

Homepage: http://www.edenbridge.org

Email-Adresse der Band: info@edenbridge.org

Tracklist:
1. Terra Nova
2. Flame Of Passion
3. Evermore
4. The Most Beautiful Place
5. See You Fading Afar
6. On Top Of The World
7. Taken Away
8. The Grand Design
9. Empire Of The Sun (Bonus Track Limited Edition)

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.