DARKEST HOUR: Undoing Ruin

DARKEST HOUR: Undoing Ruin

Ist es zu hoch gegriffen diese Scheibe als Moshangriff des Jahres zu beurteilen? Gut, vielleicht schüre ich für manche Erwartungen, die DARKEST HOUR aufgrund ihres superben Vorgängers nicht wirklich erfüllen können. Außerdem gibt es ja viele andere Bands dieser Ecke, die angesagter und erfolgreicher sind. Tut mir einen Gefallen, denkt einfach nicht an die hippen Metalcore-Acts oder an Hidden Hands of a Sadist Nation, das ehrlich gesagt niemand so leicht toppen kann, zieht euch in voller Lautstärke Undoing Ruin rein und genießt trendfreien Metal, der einfach Spaß macht und grob in den Hintern tritt.

DARKEST HOUR existieren nicht erst seit gestern und sie haben schon vor einigen Jahren bewiesen, dass Metal mit Hardcore-Kante gut kommt. Diese quasi stilprägende Formation hat sich nicht nur ihren Stil bewahrt, in den zwei Jahren seit der letzten Scheibe haben sie viel an sich gearbeitet, so wurde der Härtegrad leicht heruntergeschraubt und etwas mehr Melodie eingebaut. Das springt jedoch nur bei Convalescence so richtig ins Gesicht, wo sich Kreischbruder John Henry auch mal an klarem Gesang versucht. Ich gestehe, ich befürchtete danach eine Anbiederung an gängige Metalcore-Muster, doch was in den nächsten Minuten auf den Hörer zukommt, entschädigt für diese schwache Nummer.

Denn das folgende This Will Outlive Us ist eine Ohrfeige für SLAYER, die zuletzt vor 17 Jahren so frisch und aggressiv klangen. Wer alten IN FLAMES hinterher trauert, der ist bei Paradise bestens bedient und einige Riffs wie in These Fevered Times oder Tranquil machen – zumindest für mich – eine AT THE GATES-Reunion verzichtbar. Und warum? DARKEST HOUR klingen dermaßen frisch und unverbraucht, dass es einfach Spaß macht, zuzuhören. Und auch wenn die Musik teilweise verdammt angepisst ist und schweißtreibende Moshpits garantiert, sie macht einfach gute Laune. Dennoch, die Energie, die DARKEST HOUR live rüberbringen, schaffen sie auch trotz der mörderischen Produktion von Devin Townsend nicht auf CD zu bannen. Das wäre auch ein kleines Wunder.

Aber egal, Undoing Ruin bietet brachiale Musik, die einfach Laune macht und die man eigentlich den ganzen Tag konsumieren könnte. Wer in Metalcore mehr als nur eine Moderichtung sieht und die Verschmelzung von Elchtod, Thrash und Hardcore mit einem Augenzwinkern versehen so unwiderstehlich findet wie ich eine Pizza bei meinem Lieblingsitaliener, der darf ohne groß reinzuhören gleich zugreifen. Nein, das nicht. Er muss zugreifen.

Veröffentlichungstermin: 27. Juni 2005

Spielzeit: 37:49 Min.

Line-Up:
John Henry – Vocals

Mike Schleibaum – Guitar

Kris Norris – Guitar

Paul Burnette – Bass

Ryan Parrish – Drums

Produziert von Devon Townsend
Label: Victory Records

Homepage: http://www.darkesthour.cc

Tracklist:
1. With a Thousand Words to Say but One

2. Canvalescence

3. This Will Outlive Us

4. Sound the Surrender

5. Pathos

6. Low

7. Ethos

8. District Divided

9. These Fevered Times

10. Paradise

11. Tranquil

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle