CONNY OCHS: Raw Love Songs

CONNY OCHS spielt sich mit ein paar Akkorden in unsere Herzen.

Als ich zum ersten Mal den Namen CONNY OCHS hörte, dachte ich an einen Bikertypen mit Schnupftabakfleck auf dem speckigen T-Shirt unter der Lederweste, der ein paar staubige Bluesnummern mehr schlecht als recht runter rotzt. Aber weit gefehlt, denn Raw Love Songs, das Soloalbum des BABY UNIVERSAL-Frontmanns ist ein klassischer Fall von einem Mann und seiner Gitarre. Das ist nicht so märchenhaft und folkig wie BON IVER, aber schön inspiriert von SIMON AND GARFUNKEL, NICK DRAKE und JEFF BUCKLEY. Das klingt nicht nach einem Jungen aus Halle an der Saale, sondern mal nach einem Aussteiger in der Wüste von Utah, dann wieder nach einem liebeskranken, einsamen Wolf, schließlich nach einem Hippie mit gebatiktem Haarband vor dreiundvierzig Jahren. Es ist nicht verwunderlich, dass jedes der zehn Stücke auf Raw Love Songs einen anderen Charakter hat, zusammen gehalten wird das Album von CONNY OCHS´ Stimme.

Das Songwriting ist nicht wirklich originell oder überraschend, aber die Stücke sind fast ausnahmslos schön geworden. Stampede Stampede ist ein leiser Auftakt, danach gibt es Schwelgereien wie Lily Of The Valley und Pawnshop, entspanntes Feel-Good-Feeling wie Good House und Waiting For The Monster, sowie klassische Singer-Songwriter-Nummern a la Don´t Know Her Name und Burn Burn Burn. Highlight des intimen Albums ist das dunkle, sinnliche Ghost Dog, das vor Tiefgang und Spannung zu bersten droht. Schade nur, dass Angels And Demons, das einzige wirkliche rockige Stück von Raw Love Songs durch das Fehlen von Bass und Schlagzeug sehr unfertig wirkt und mit den anderen Liedern des Albums nicht mithalten kann.

CONNY OCHS ist ein Junge, der die Welt entdecken will, einer der unkomplizierten, etwas traurigen Träumer, die ihre Schuhe auch mal mit Klebeband flicken, dem die Mädchen scharenweise nachlaufen. Er hat nur eine halbe Stunde Musik gesammelt, die reicht aber aus, so dass man glauben möchte, man kennt diesen Kerl schon sein Leben lang. CONNY OCHS hat ein schönes Album parat, das in Sachen Minimalismus und Reduktion nur schwer überboten werden kann, hier kann sogar ein Fingerschnippen zum zentralen Element eines Songs werden. Seinen Vorbildern kann CONNY OCHS nicht das Wasser reichen, aber dank seiner unkomplizierten Performance und Natürlichkeit spielt er sich mit ein paar Akkorden in unsere Herzen. Raw Love Songs – dieser Titel ist Programm.

Veröffentlichungstermin: 28. Januar 2011

Spielzeit: 28:13 Min.

Line-Up:

Conny Ochs – Guitar, Vocals

Label: Exile On Mainstream Records

Homepage: http://www.connyochs.com

MySpace: http://www.myspace.com/connyochs

Tracklist:

1. Stampede Stampede
2. Lily Of The Valley
3. Angels And Demons
4. Good House
5. Don´t Know Her Name
6. Pawnshop
7. Burn Burn Burn
8. Ghost Dog
9. Waiting For The Monster
10. Traces And Traps