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BRING ME THE HORIZON: POST HUMAN: NeX GEn

BRING ME THE HORIZON bleiben eine treibende Kraft: Innovation und Kreativität zeichnen auch “POST HUMAN: NeX GEn” aus, das sich nicht verbiegen muss, um Mainstream-Appeal mit härteren Ausbrüchen zu vereinen.

Nicht immer läuft am Ende alles so, wie man es sich vorab ausgemalt hatte: Eigentlich wollten BRING ME THE HORIZON ja unter dem „Post Human“-Banner insgesamt vier EPs innerhalb eines Jahres veröffentlichen – eine Strategie, die im Tausch für mehr Experimentierfreude weg vom klassischen Album-Zyklus führen sollte. Dass nun zwischen „Survival Horror“ (2020) und dem zweiten Teil fast vier Jahre liegen und „NeX GEn“ mit seinen 55 Minuten Laufzeit nun doch eine Full-Length-Platte geworden ist, kann man natürlich belächeln.

Verkennen würde man dann jedoch den eigentlichen Grund der Planänderung: Man wolle der Kreativität absolute Priorität geben, erklärte Frontmann Oli Sykes im Jahr 2022. Keine Kompromisse bei der Qualität – ein Vorsatz, der zu hören ist. Denn auch wenn „POST HUMAN: NeX GEn“ im Gesamten wohl ein wenig poppiger und süßlicher ausfällt, als es der Vorgänger war, bringen die Briten auch hier wieder ihre komplette musikalische Bandbreite zum Ausdruck.

BRING ME THE HORIZON bleiben eingängig, ohne die härteren Ausbrüche aufzugeben

Das zeigt sich sogar in den weitgehend instrumentalen Interludes, wo das rastlose „[ost] p.u.s.s.-e“ einen Ausflug in Drum’n’Bass-Gefilde wagt und „[ost] (spi)ritual“ eine okkulte Beschwörungsformel mit Trap verbindet. Wie gut sich diese Übergangsstücke in den Kontext eingliedern und das Werk auflockern, zeigt sich erst auf Albumebene. Längen oder Spannungsabfall umgehen BRING ME THE HORIZON dadurch gekonnt, selbst wenn es abschnittsweise eher zuckrig und eingängig zugeht und die härteren Ausbrüche hintenangestellt werden.

Solche gibt es auf „POST HUMAN: NeX GEn” natürlich weiterhin, wie insbesondere die giftigen Strophen von „AmEN!“ unterstreichen. Zugegeben, eingängige Melodien finden wir hier im Refrain genauso wie später ein Rap-Feature von Lil Uzi Vert – Gegensätze, welche die Intensität jedoch nur nach oben schrauben. Überhaupt zeigt sich in den dichten und teils gezielt überladenen Arrangements eine gewisse Liebe zum Bombast, die sich in der bandtypisch meisterlichen Synth- und Sample-Untermalung manifestiert, aber sich auch in der Post-Produktion der zahlreich übereinandergelegten Gesangsebenen auswirkt.

Für “POST HUMAN: NeX GEn” haben sich BRING ME THE HORIZON Songwriting-Unterstützung geholt

Dass sich BRING ME THE HORIZON darüber hinaus für einige Tracks Songwriting-Unterstützung von PALEDUSKs Daidai geholt haben, scheint diesbezüglich kaum noch überraschend. Dessen Handschrift ist in Stücken wie dem genannten „AmEN!“, „Top 10 staTues tHat CriEd bloOd“ oder dem energischen „Kool-Aid“ vor allem im Bereich der Gitarren zu erkennen, was „POST HUMAN: NeX GEn“ wiederum einen eigenen Charakter verleiht.

Selbiger hebt sich von „Survival Horror“ durch eine tendenziell lockere, fast schon unbeschwerte Grundhaltung ab, die einerseits im Gegensatz zu den introspektiven Texten steht und das Album schlussendlich doch auszeichnet. Gerade das kauzige „LosT“ hat durch seinen geradlinigen Pop-Punk-Charme alles, was einen potenziellen Sommerhit ausmacht, wohingegen „Top 10 staTues tHat CriEd blooOd“ dem Mainstream-Appeal durch einen PALEDUSK-artigen Break entgegensteuert.

“POST HUMAN: NeX GEn” steckt voller frischer und unverbrauchter Ideen

Vom überdrehten Chaos stürzen BRING ME THE HORIZON direkt ins andere Extrem, wo „liMOusine“ seine bedrückende Atmosphäre mittels DEFTONES-Anleihen und einer melancholischen AURORA am Mikro ausdefiniert. Alternative-Rock Riffs in „YOUtopia“ treffen auf umschmeichelnde Gesangslinien, bevor in der UNDEROATH-Kollaboration „a bulleT w/ my namE On“ die Gitarren plötzlich den modernen Stil mit Riffing der „Define The Great Line“-Ära (2006) füttern.

Grundsätzlich hält „POST HUMAN: NeX GEn“ somit bis zum Finale „Dig It“ ständig frische und unverbrauchte Ideen bereit, die sich allerdings in cleverer Weise ein mainstream-orientiertes Kleid überziehen. Dass es sich dabei weniger um Kalkül oder erkaufte Zugeständnisse handelt, denn um puren kreativen Ausdruck, belegt am Endes des Tages die Vielfalt, mit der BRING ME THE HORIZON rund eine Stunde Musik füllen können. Deshalb darf das melancholisch und wehmütig beginnende „DIg It“ zum Abschluss wohl auch in einem fiesen Breakdown kulminieren, bis das Stück letztlich ganz zurückgenommen und leise verklingt.

BRING ME THE HORIZON bleiben nicht nur innovationstechnisch eine treibende Kraft

Das Ende dieses Konzeptalbums haben wir damit aber nur teilweise erreicht, wie eine angehängte Sprachbotschaft nahelegt: Per verstecktem QR-Code leiten uns BRING ME THE HORIZON auf den „Multidimensional Navigator“, eine interaktive Website, die per Zugangscode allerlei Informationsschnipsel offenbart; Puzzleteile, um die zugrundeliegende Story zu entschlüsseln. Das ist für das Hörerlebnis natürlich mitnichten essentiell, spricht allerdings einmal mehr für das Kredo der Band, welche die Kreativität zum absoluten Leitprinzip erklärt hat und sich nicht mit halben Sachen zufriedengibt. Dass sich durch eine solch akribische Vorgehensweise Pläne ändern können und zwangsläufig auch müssen, nehmen wir in der Folge gerne in Kauf, solange dadurch wirklich auch das letzte Detail noch die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient.

Veröffentlichungstermin: 24.05.2024

Spielzeit: 55:19

Line-Up

Oliver Sykes – Vocals, Programming
Lee Malia – Gitarre
Matt Kean – Bass
Matt Nicholls – Drums

Produziert von Oliver Sykes, Jordan Fish, Zakk Cervini, Dan Lancaster, BloodPop, Evil Twin, Daidai

Label: Sony

Homepage: https://www.bmthofficial.com/
Facebook: https://www.facebook.com/bmthofficial/

BRING ME THE HORIZON “POST HUMAN: NeX GEn” Tracklist

  1. [ost] dreamseeker
  2. YOUtopia
  3. Kool-Aid (Video bei YouTube)
  4. Top 10 staTues tHat CriEd bloOd
  5. liMOusIne (feat. AURORA)
  6. DArkSide (Lyric-Video bei YouTube)
  7. a bulleT w- my namE On
  8. [ost] (spi)ritual
  9. n/A
  10. LosT (Video bei YouTube)
  11. sTraNgeRs (Video bei YouTube)
  12. Rip – duskCOre RemIx
  13. AmEN! (Video bei YouTube)
  14. [ost] puss-e
  15. DiE4u (Video bei YouTube)
  16. DIg It
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