BOOMERANG: Sounds of Sirens

BOOMERANG: Sounds of Sirens

Endlich habe ich ihn verstanden, diesen Bandnamen, der mir schon immer so unpassend erschien. Die Pfälzer werfen ihr metallisches Jagdinstrument einmal quer durch die Metalgeschichte nach hinten, warten, bis es sich wieder auf der Zeitlinie vorgearbeitet hat, fangen es in der Gegenwart auf und was daran hängen geblieben ist, wird zu Songs verarbeitet. So hat man für die Strophe von One Night to Remember mittelalte MANOWAR erwischt und für den Refrain auch noch BLIND GUARDIAN ganz leicht gestreift, um daraus einen mitreißenden, nach vorne treibenden Opener zu kreieren, der vom ersten Moment an Lust auf Mehr macht. Der zweite Wurf: Sleeping Titans. Guter Wurf. Auch hier hat die Band zu Beginn ganz leicht BLIND GUARDIAN gestreift und dann aber ganz satt alte ICED EARTH getroffen. DEMONS & WIZARDS wurden auch noch ein bisschen mitgenommen, um dann im Zurück noch mal kräftig in die neuen ICED EARTH zu rauschen, weshalb sich die Strophen-Gesangsmelodien eher nach dem Ripper anhören, als nach Matt Barlow. Bei Of Fire wird es schon ein bisschen schwerer, die Spuren auf dem Bumerang zu identifizieren, man kann hier ein bisschen JUDAS PRIEST vermuten, etwas SAXON dort, da auch ein bisschen MANOWAR, ein Schuss Teutonen-Metal… doch nicht nur die ganz Großen des Metals werden getroffen, auch wenn die natürlich ein leichteres Ziel abgeben, als die kleineren, die vielleicht auch eher etwas abseits der Fluglinie stehen. Gerade bei Of Fire erinnert mich der Refrain ein bisschen an die Brasilianer DREARYLANDS, während der rohe Strophengesang von Skin-Walker stark nach (WICKED) MARAYA klingt. Und ja, bei Blood Angel hat man sogar tatsächlich unseren PSYCHOTRON ein Stück Fleisch entrissen, mit dem mittelalterlichen Refrain in lateinischer Sprache scheint der BOOMERANG auch noch bei IN EXTREMO eingeschlagen zu haben.

Was schon immer die Stärke von BOOMERANG war, ist, dass die Einflüsse deutlich herauszuhören sind, aber nie billig kopiert klingen. Genausowenig wirken die Songs wie Stückwerk, stattdessen verstehen es die Pfälzer ausgezeichnet, aus allem ein schlüssiges Ganzes zu kreieren, das sich vor allem anderen nach inbrünstigem, glaubwürdigen METAL anhört, mit viel Energie vorgetragen, mit massig Hooklines, einprägsamen Ideen und herausragenden Melodien. Der kraftvolle, zweistimmige Gesang sucht im deutschen Underground ohnehin seinesgleichen – einzig die Chöre hören sich auf Sounds of Sirens teilweise noch nicht ganz ausgereift an.

BOOMERANG sind für mich echte Helden des deutschen Metal-Untergrunds, und dennoch bin ich allmählich ein bisschen von der Truppe enttäuscht. Denn für mich schlummert in dieser Band nach wie vor etwas, das bislang nicht wachgerüttelt werden konnte. Seit ich das erste Demo dieser Band zu hören bekam, warte ich auf das Album, das man in den CD-Player legt, und von dem man komplett geplättet wird. Ich glaube in BOOMERANG ein Potential zu erkennen, aus dem etwas ganz Großes werden könnte, und dennoch scheint man dieses Potential nicht in ein Album kanalisieren zu können, das in einem vom ersten bis zum letzten Moment Begeisterungsstürme entfacht. Allmählich werde ich skeptisch, ob ich von BOOMERANG dieses ersehnte Meisterwerk jemals zu hören bekomme…eine Empfehlung ist die Truppe dennoch allemal wert.

Veröffentlichungstermin: 01.02.08

Spielzeit: 42:00 Min.

Line-Up:

Daniel Schäfer – Bass, Gesang
Andreas Reichard – Schlagzeug
Stefan Zobel – Gitarre
Thomas Fahrnbach – Gitarre, Gesang
Axel Johann – Gesang

Produziert von Alex Koch
Label: Pure Steel Records / Twilight

Homepage: http://www.boomerang-metal.de

Tracklist:

  1. The sound of sirens (Intro)
  2. One night to remember
  3. Sleeping titans
  4. Of fire
  5. Skin-walker
  6. Spawning ground
  7. Blood angel (TCO III)
  8. Insecure
  9. The house of silent screams
  10. Phoenix rising

Fierce
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