BLEED FROM WITHIN: Fracture

BLEED FROM WITHIN: Fracture

Sie hatten schon immer ein wahnsinnig gutes Gespür. Als sich der Metalcore unablässig im Kreis drehte, kam plötzlich das gitarrenfixierte „Uprising“ (2013) mit einer ganzen Schiffsladung an Riffs um die Ecke. Und als sich BLEED FROM WITHIN 2018 mit „Era“ zurückmeldeten, waren sie mit die Ersten, welche die moderne Neuausrichtung des Genres in Fleisch und Blut übergehen ließen. Weshalb die Schotten all dem zum Trotz nie den Sprung aus der zweiten Reihe geschafft haben, ist somit eine berechtigte Frage.

Eine befriedigende Antwort finden wir auf „Fracture“ höchstens mit Fantasie, denn qualitativ bleiben BLEED FROM WITHIN weiterhin über jeden Zweifel erhaben, können den zuletzt vorherrschenden Sound sogar noch weiter ausdifferenzieren. „Fracture“ ist moderner Metalcore durch und durch: technische Riffs, abwechslungsreiche Vocals von Growls über Screams bis Klargesang und zu guter Letzt ein dichtes wie mächtiges Rhythmusgerüst, das von der zeitgemäßen Produktion profitiert.

BLEED FROM WITHIN erkunden den Pfad, den PARKWAY DRIVE verlassen haben

Gerade im Bereich der Gitarren vermischen die Briten munter die wildesten Genres. Thrash-Einflüsse („Pathfinder“) treffen auf Death-Riffing und in „The End of All We Know” sogar minimal angeschwärzte Klangfarben. Der Opener ist ohnehin ein Vorzeige-Metalcore-Track der aktuellen Generation, wo sich Groove, Eingängigkeit, Technik und natürlich ein kleiner Breakdown die Klinke in die Hand geben.

Einfach zu sagen, BLEED FROM WITHIN greifen den Faden dort auf, wo ihn PARKWAY DRIVE nach „Atlas“ (2012) verloren haben, würde der Musik auf „Fracture“ nicht gänzlich gerecht werden. Und doch steckt mehr als ein Quäntchen Wahrheit in dieser Beobachtung: Der Energiepegel ist konstant am Anschlag, während Fronter Scott Kennedy die Leistung seines Lebens abruft. Was der Kerl diesmal aus seiner Stimme holt („Fall Away“, „Into Nothing“), ist in jeder Hinsicht auf Augenhöhe mit Szenegrößen wie Winston McCall (PARKWAY DRIVE).

Harte Bandagen gehören auf „Fracture“ zur Grundausstattung

Addieren wir im Rhythmusbereich noch eine Portion AS I LAY DYING („A Depth That No One Dares“) hinzu, sind wir gar nicht so weit weg von einem groben Umriss dessen, was wir auf „Fracture“ erwarten dürfen. Selbst wenn der Titeltrack Tempo und Intensität reduziert, biedern sich BLEED FROM WITHIN nicht an – die harten Bandagen gehören quasi zur Grundausstattung.

Vielleicht sind wir auch deswegen nach rund 42 Minuten von blauen Flecken übersäht, die wir uns wohl beim Circle Pit um den Küchentisch zugezogen haben. Unsere Wunden versorgen wir dennoch erst später, zuerst müssen wir uns umgehend ein weiteres Mal ins Getümmel stürzen. Immerhin hat Matt Heafy für das bärenstarke „Night Crossing“ mit seinem ARCHITECTS-Vibe im Refrain ein nicht minder cooles Solo beigesteuert. Dass der TRIVIUM-Gitarrist eine ausgezeichnete Wahl für den Song ist, versteht sich von selbst. Einen guten Riecher haben BLEED FROM WITHIN schließlich nicht erst seit gestern.

Veröffentlichungstermin: 29.5.2020

Spielzeit: 42:10

Line-Up:

Scott Kennedy – Vocals
Craig ‘Goonzi’ Gowans – Guitar
Steven Jones – Guitar
Davie Provan – Bass
Ali Richardson – Drums

Produziert von Steven Jones und Adam ‚Nolly‘ Getgood (Drums; Mix); Ermin Hamidovic (Mastering)

Label: Century Media

Homepage: https://www.bleedfromwithin.com/
Facebook: https://www.facebook.com/bleedfromwithinband/

BLEED FROM WITHIN “Fracture” Tracklist

1. The End Of All We Know (Video bei YouTube)
2. Pathfinder
3. Into Nothing (Video bei YouTube)
4. Fall Away
5. Fracture
6. Night Crossing (Video bei YouTube)
7. For All To See
8. Ascend
9. Utopia
10. A Depth That No One Dares

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.