BIFFY CLYRO: Revolutions // Live At Wembley [CD/DVD]

Nach “Only Revolutions” und “Lonely Revolutions” schließt sich der Revolutions-Kreislauf. Die Schottenrocker dokumentieren auf “Revolutions // Live At Wembley” ihren bisherigen Karrierehöhepunkt.

Nach über 15 Jahren gemeinsamer Bandgeschichte haben BIFFY CLYRO endlich beschlossen, den Rufen ihrer schon lange nach einem Live-Dokument gierenden Fangemeinde ein Ende zu setzen.   

Die mir vorliegende Ausgabe von “Revolutions // Live At Wembley” kommt als CD+DVD-Doppel daher, das nicht nur einen knapp 80 minütigen Konzertmitschnitt auf Bild- und Tonträger enthält, sondern auch noch mit einer kurzweiligen halbstündigen Dokumentation namens “Only Reflections (Live from T in the Park)” sowie einem unterhaltsamen Track by Track-Kommentar der Band aufwartet. Eine runde Sache möchte man meinen. Die Setlist macht mich allerdings stutzig, da fehlt was. Und siehe da, es existiert tatsächlich eine 2 CD +DVD-Ausgabe der kompletten, 25 Songs umfassenden Show. Das Ganze wird exklusiv über die Bandhomepage vertrieben und enthält zusätzlich einen 5.1 Audio-Mix des Live-Albums. Man weiß also, wie es geht. Für die Standardausführung wurden demzufolge sechs Songs aus der Setlist geschnitten. Das an einer zweiten CD gespart wird, kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Aber wie zum Geier kommt man auf die Idee, gekürzte Videoaufnahmen zu veröffentlichen? So muss sich der enttäuschte Fan hier leider mit “76 percent of Revolutions // Live At Wembley” zufrieden geben. Sachen gibt´s.

Wer BIFFY CLYRO auf der “Only Revolutions”-Tour 2010 noch in einem kleinen Club erlebt hat, starrt angesichts der imposanten Kulisse der ausverkauften, immerhin 10.000 Nasen fassenden Wembley Arena zunächst vielleicht etwas ungläubig auf den Bildschirm. War das ein Festivalauftritt? Nein, BIFFY CLYRO sind im Vereinigten Königreich mittlerweile schlichtweg eine große Nummer. Den weltweiten Megastarstatus einer Band wie MUSE, für die man wenige Monate vor den Konzertaufnahmen, welche im Dezember 2010 stattfanden, im Wembley Stadium eröffnen durfte, wird man aber wohl eher nicht erreichen. Einen Headlinerauftritt im Wembley Stadium sage ich den Jungs trotzdem voraus. Spätestens dann werden die Tage der Club-Gigs auch hierzulande endgültig gezählt sein.     

Eingeleitet von “Mon Biffy!”-Sprechchören und dem Kreischen zahlreicher, vor Vorfreude fast platzender Fans, eröffnet die Band den Konzertabend fulminant mit “The Captain”. BIFFY CLYRO haben das Publikum von Anfang an voll im Griff. Die Stimmung unter den Zuschauern ist so ausgelassen und euphorisch, dass man am liebsten sofort mitfeiern möchte. Dank der Live-Unterstützung durch Mike Vennart an der zweiten Gitarre schallen die Songs dem Zuschauer besonders fett entgegen. Der ehemalige OCEANSIZE-Klampfer hält sich auf der Bühne brav im Hintergrund und überlässt das Rampenlicht den Hauptprotagonisten. Diese stehen, wie für die Band typisch, kollektiv im Adams-T-Shirt auf der Bühne und rocken sich beherzt den Arsch ab. Das Dreigespann um die Gebrüder Johnston (Bass & Drums) und Simon Neil (Vocals & Guitars) harmoniert im Zusammenspiel, wie auch im mehrstimmigen Chorgesang einfach prächtig und weiß das Publikum mit ihrem von Singer-Songwriter und Post-Hardcore-Elementen durchzogenen progressiven Alternative-Rock konstant zu überzeugen. Bei der Songauswahl liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den beiden letzten Studiowerken “Only Revolutions” (10 Songs) und “Puzzle” (5 Songs), mit denen die Schotten viele neue Fans gewinnen konnten. Die ersten drei, etwas schrägeren und verkopfteren Alben der Band finden daher kaum Berücksichtigung. Die übermächtige Dominanz des Stadionrock-Krachers “Only Revolutions” ist allerdings das Produkt des Schnitts, dem fast ausschließlich Evergreens der Vorgängeralben zum Opfer gefallen sind.    

Gerade der direkte Vergleich zwischen einem älteren Gassenhauer wie “Glitter and Trauma” und der “Revolutions”-Hymne “Mountains” veranschaulicht die Entwicklung der Band recht deutlich. Die Songs der Schotten sind zugänglicher und kompakter geworden, besitzen aber nach wie vor den einzigartigen BIFFY-Esprit, der die Band seit Beginn ihrer Karriere unter vielen anderen deutlich hervorhebt. Auch wenn man keine schweren Geschütze a la Pyros und Abschlussfeuerwerk auffährt. Es fällt schon auf, dass sich die Band vor diesem Großereignis intensiv mit dem 1×1 des Stadionrock auseinandergesetzt hat. Die Jungs genießen es sichtlich, vor so vielen Menschen zu spielen und nutzen die Möglichkeiten der großen Videoleinwände und einer gewaltigen Light-Show nur allzu gerne aus. Man streut ein paar extra Rockstarposen ein, sucht über den Bühnensteg die Nähe zu den Fans, und zum großen Finale gibt es natürlich noch einen Konfettiregen. Man wollte den Zuschauern eben etwas Besonderes bieten, wohlwissend auch ohne Showeffekte als Live-Band zu überzeugen. Schließlich versprüht Simon Neil alleine schon mehr Charisma als Barney Gumble trinken kann. Hier verziert die Show das Konzert und nicht umgekehrt.  

Als Poser wären die drei Herren eh nicht weit gekommen, kommuniziert man auf der Bühne doch seit jeher nahezu ausschließlich über die Musik. Frontmann Simon Neil ist nun mal ein scheuer Zeitgenosse, der nur selten und dann auch nicht allzu lange zum Publikum spricht. So präsentiert man sich auch auf der großen Bühne mit sympathischer Authentizität. Das in den Credits auch Caterer, Techniker und Busfahrer auftauchen, das ist wohl auch eher die lobenswerte Ausnahme. Die Bild und Tonqualität der Silberlinge ist vom Feinsten, auch wenn mir die Aufnahmen eine Idee zu glatt daher kommen.    
                                                                                                                                                                   
Fazit: Man kann ein homogenes, in seiner Dramatik perfekt arrangiertes Gesamtkunstwerk wie ein Musikkonzert einfach nicht ungestraft ins Förmchen pressen. Hier hat man es trotzdem getan. Und genau daran krankt dieser ansonsten wirklich superbe Live-Mitschnitt. Wer ein richtiges BIFFY CLYRO-Konzert im Wohnzimmer sehen möchte, sollte also unbedingt zur Komplettausgabe greifen. Hier bekommt man wirklich value for money geboten. Man sieht sich auf der nächsten Tour. Mon the Biff!

Veröffentlichungstermin: 27.06.2011

Spielzeit: 79:03 Min.

Line-Up:
Simon Neil – Vocals, Guitar
James Johnston – Bass
Ben Johnston – Drums

Gäste:
Mike Vennart – Guitar

Produziert von GGGarth & Biffy Clyro
Label: 14th Floor Records

Homepage: http://www.biffyclyro.com

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/biffyclyro

Tracklist:
CD:
1. The Captain
2. Booooom, Blast & Ruin
3. 57
4. Bubbles
5. Born On A Horse
6. God & Satan
7. Whorses
8. All The Way Down; Prologue / Chapter 1
9. That Golden Rule
10. Living Is A Problem Because Everything Dies
11. Shock Shock
12. Folding Stars
13. Diary Of Always
14. Machines
15. Who´s Got A Match
16. Saturday Superhouse
17. Many Of Horror
18. Glitter And Trauma
19. Mountains

DVD:
1. The Captain
2. Booooom, Blast & Ruin
3. 57
4. Bubbles
5. Born On A Horse
6. God & Satan
7. Whorses
8. All The Way Down; Prologue / Chapter 1
9. That Golden Rule
10. Living Is A Problem Because Everything Dies
11. Shock Shock
12. Folding Stars
13. Diary Of Always
14. Machines
15. Who´s Got A Match
16. Saturday Superhouse
17. Many Of Horror
18. Glitter And Trauma
19. Mountains
Bonus: Only Reflections (Live from T in the Park)
Bonus: Track by Track band commentary

2CD/DVD-Edition:
1. The Captain
2. Booooom, Blast & Ruin
3. 57
4. Bubbles
5. Born on A Horse
6. God and Satan
7. Whorses
8. Joy. Discovery. Invention.
9. All The Way Down; Prologue Chapter 1
10. That Golden Rule
11. Living Is A Problem Because Everything Dies
12. Shock Shock
13. 9/15ths
14. Folding Stars
15. Diary Of Always
16. Machines
17. Who´s Got A Match?
18. Saturday Superhouse
19. Know Your Quarry
20. There´s No Such Thing As A Jaggy Snake
21. Many Of Horror
22. Glitter And Trauma
23. Justboy
24. As Dust Dances
25. Mountains
Bonus: Only Reflections (Live from T in the Park)
Bonus: Track by Track band commentary