BASTARÐUR: Satan’s Loss Of Son

Addi schmeißt ‘ne Party und alle kommen; oder: Der SOLSTAFIR-Frontmann und seine Liebe zum Crust.

Es könnte der Plot zu einer neuen Komödie wahlweise mit Matthias Schweighöfer (igitt) oder Will Ferrell (schon besser) sein: Der vierzigjährige Frontmann einer erfolgreichen Band verliert seinen Brotjob, wird von seiner Freundin rausgeworfen, strandet im Haus seiner Eltern und beginnt in der Garage von seinem Vater an einem Nebenprojekt rumzuschrauben. Nun transferieren wir diese Story nach Island und landen bei SÓLSTAFIR-Frontmann Aðalbjörn Tryggvason, dem es genau so passiert ist. Mein Mitgefühl an dieser Stelle für diese Scheißzeit.

Zusammen mit Drummer Birgir Jónsson erfüllte sich Tryggvason in dieser Zeit des persönlichen Umbruchs immerhin einen lange gehegten Traum: Death Metal im Stil von ENTOMBED sollte es werden, Addi kaufte sich sogar ein „Slowly We Rot“-Shirt und am Ende wurden BASTARÐUR zu einer MOTÖRHEAD-D-Beat-Crust-Geschichte. DISFEAR standen hörbar Pate, WOLFBRIGADE-Power und NAPALM DEATH-Attitüde gibt es in rauen Mengen. Acht Songs sind in einer knappen halben Stunde auf „Satan‘s Loss Of Son“ zu hören und treffen so ziemlich durchgehend ins Schwarze.

BASTARÐUR haben einen Mordsspaß in dieser halben Stunde: „Satan‘s Loss Of Son“ bietet spontanen und metallischen Crust.

Aðalbjörn und Birgir haben eine halbe Stunde lang hörbar einen Mordsspaß – und der steckt an. Egal, dass BASTARÐUR einfach ein gutes, bewährtes Rezept nachkochen, es funktioniert. Es funktioniert auch, weil hörbar ist, dass Aðalbjörn Tryggvason diese Songs geschrieben hat, egal ob SÓLSTAFIR oder eben BASTARÐUR, er kann seine Handschrift nicht verstecken. Hinter dem Geprügel stecken immer wieder kleinere atmosphärische oder melodische Einsprengsel – das kann Aðalbjörn nicht lassen. Das sorgt aber auch dafür, dass BASTARÐUR Wiedererkennungswert besitzen. D-Beat ohne Grenzen gibt es das ganze Album hindurch: „Viral Tumor“, „Neonlight Blitzkrieg“, „Burn“ und „Black Flag Fools“ bringen Vollbedienung. Am Ende wird es mit dem düster-groovenden „Rise Up“ zusätzlich heavy.

Und weil BASTARÐUR so viel Spaß an dem Projekt haben, laden sie einen Schwung Gäste ein; und alle kommen. Mit MORGOTH-Legende Marc Grewe und PRIMORDIAL-Spezi Alan Averill dürfen zwei weitere bekannte Stimmen grölen, SÓLSTAFIR-Aushilfe Ragnar Zolberg und SKÁLMÖLD-Gitarrist Þráinn Arni Baldvinsson hauen einige Soli raus und die alten BÖLVUN-Jungs – Addis erste Band anno dazumal – spielen beim Cover von „Afturhalds Kommatittir“ auch mit. Das klingt nicht nur nach einer Riesenparty, das ist auch eine. BASTARÐUR ist ein wildes, spaßiges Album gelungen, das aber auch durch seine Wut eine gewisse Ernsthaftigkeit besitzt.

Jede Menge Energie: „Satan’s Loss Of Son“ ist ein kraftvolles, kurzes Album mit Eigenheiten, so dass BASTARÐUR eine potenzielle Alternative zur schwedischen Schule bieten.

Alles in Butter also? So ziemlich. Nicht jeder Song trifft ins Schwarze. Etwa „The Whispering Beast“, das anfangs etwas müde klingt, sich im weiteren Verlauf aber fängt. Ich hätte mir einen stärkeren HM2-Gitarrensound gewünscht und manchmal klingt Aðalbjörn Tryggvason etwas heiser, so als wäre dieser Gesangsstil nicht mehr der Richtige für ihn. Aber unterm Strich ist BASTARÐUR ein kurzweiliges wie kurzes und sehr energetisches Album gelungen, so dass ich gleich zwei Wünsche habe: Erstens, es möge doch nicht nur bei „Satan’s Loss Of Son“ bleiben. Zweitens: Dass SÓLSTAFIR auch mal wieder ein bisschen wütender und wilder klingen. So oder so, D-Beat-Freunde können bedenkenlos zugreifen und bekommen dank Addis speziellem Songwriting und seinen Ideen vielleicht sogar eine Alternative zu den üblichen schwedischen Riffs. Fazit: Cooles Teil, reinhören definitiv empfohlen.

Wertung. 6 von 8 Lemmywarzen

VÖ: 29. Oktober 2021

Spielzeit: 28:20

Line-Up:
Aðalbjörn Tryggvason – Vocals, Guitars, Bass
Birgir Jónsson – Drums

Gäste:
Guest vocals on „Neonlight Blitzkrieg“ by Marc Grewe
Vocals on „Black Flag Fools“ by Alan Averill
Backing vocals on „Afturhalds Kommatittir“ by Ásgeir Trausti, Júlli T og Siggi Hjálmur.
Guitar leads on „Burn“ by Ragnar Zolberg
Guitar leads on „Neonlight Blitzkrieg“ by ÞráinnÁrni Baldvinsson
Guitar leads on „Viral Tumor“ by Ragnar Zolberg and Þráinn Árni Baldvinsson
Bass solo on „Viral Tumor“ by Flosi Þorgeirsson

Label: Season of Mist

BASTARÐUR „Satan’s Loss of Son“ Tracklist:

1. Viral Tumor (Official Audio bei Youtube)
2. Neonlight Blitzkrieg
3. Satan’s Loss Of Son
4. Burn (Official Video bei Youtube)
5. The Whispering Beast (Official Audio bei Youtube)
6. Black Flag Fools
7. Afturhalds Kommatittir
8. Rise Up

Mehr im Netz:

https://www.instagram.com/bastardur_official/