BARONESS: Blue Record

BARONESS: Blue Record

Warum hörst du Heavy Metal? Warum gibst du dein Leben dieser Musik hin, während in anderen Szenen Musik einfach nur Hintergrundbeschallung ist? Warum zur Hölle ist Heavy Metal das verdammt nochmal Beste auf der Welt? Weil du in einem empfindlichen Alter keine Freunde hattest und in der Schule gehänselt wurdest? Und warum hörst du immer noch Metal, jetzt wo du eigentlich erwachsen bist und die Rebellion langsam aber sicher versiegt? Ganz einfach. Weil doch immer wieder Platten wie „Blue Record“ von BARONESS rauskommen und dir dieses Gefühl verschaffen, dass du Teil von einer ganz großen, geilen Sache bist.

Nach einer guten und einer grandiosen EP, nach einer beachtlichen Split und einem Debütalbum, aus dem man mehr hätte machen können, folgt nun Album Nummer zwei aus dem Hause BARONESS, das endlich das Potenzial ausschöpfen kann, das in der Band um Coverkünstler John Baizley seit ihrer Gründung schlummert. Immer wieder denkst du Sachen wie: „Mensch, MASTODON haben sowas auch früher schon mal gemacht, aber das ist besser.“

Und da leitet dich dein Hirn nicht in die Irre. Sagen wir so, BARONESS haben eben eine viel breitere Herangehensweise als MASTODON in ihren frühen Tagen. „Blue Record“ ist gleichermaßen beheimatet im Stoner Rock wie im Heavy Metal, im Progressive Rock wie in Americana, im Sludge wie im Hardcore. Wo „Red Album“ noch zu inkonsequent war und sich zu sehr verhaspelt hat, ist „Blue Record“ nun eine einzige Großartigkeit.

Nichts auf „Blue Record“ wiederholt sich

Irre Riffs, die von PELICAN und HIGH ON FIRE stammen könnten, mehrstimmige Gesangsarrangements, die nicht mal auf „Leviathan“ besser waren, wildes Drumming, das die punkigen Wurzeln noch erahnen lässt, und eine obsessive Liebe zum Detail sorgen für eine Ladung wahnsinnig guter Songs. Das fängt schon beim Thema von Intro, Outro und Interlude an, das endlos episch ist und nicht aus dem Kopf will. Weiter geht es mit für BARONESS ungewöhnlich melodische Stücke wie „The Sweetest Curse“, „Swollen And Halo“, „A Horse Called Golgotha“, „War, Wisdom And Rhyme“ und „The Gnashing“.

Aber davon abgesehen haben die vier Musiker aus Savannah noch mehr zu bieten. Das semi A cappella-Stück „Steel That Sleeps The Eye“ und das unglaubliche kräftige Instrumental „O’er Hell And Hide“ trägt dazu bei, dass sich nichts auf „Blue Record“ wiederholt, oder dass es gar mal langweilig wird. Im Gegenteil, dadurch braucht man etwas länger, die vielen Facetten des Albums zu erfassen und somit wird es immer besser und besser.

BARONESS werden ihrem Ruf endlich gerecht

Durch diese ganze gelebte Rockepik kommst du dir geradezu selbstverständlich vor, wie der König dieser Welt. Aber Fakt ist eben, dass BARONESS nach einem etwas überbewerteten Debütalbum nun ihrem Ruf endlich gerecht werden. „Blue Record“ ist ein Heavy Metal-Abenteuer, in das man sich stürzen muss, ein Rockwerk, dass auch in zehn Jahren noch für herunter geklappte Kiefer sorgen wird, auch wenn die EP „Second“ noch immer ein bisschen besser ist.

Sei’s drum, BARONESS machen Musik für Desperados, die nicht erwachsen werden wollen und die den Metal immer noch so lieben, als wären sie sechzehn Jahre jung. Und wer dieses Gefühl vergessen hat, in dem wird es nach diesen fünfundvierzig Minuten wieder aufflammen, wetten? Das Fazit ist klar: So was können nur ganz wenige Bands besser.

Veröffentlichungstermin: 16. Oktober 2009

Spielzeit: 44:25 Min.

Line-Up:
John Dyer Baizley – Guitar, Lead Vocals, Piano
Pete Adams – Guitar, Vocals
Summer Welch – Bass
Allen Blickle – Drums

Produziert von BARONESS und John Congleton
Label: Relapse Records

Homepage: https://yourbaroness.com/
Facebook: https://www.facebook.com/YourBaroness/

BARONESS „Blue Record“ Tracklist

1. Bullhead’s Psalm
2. The Sweetest Curse
3. Jake Leg
4. Steel That Sleeps The Eye
5. Swollen And Halo
6. Ogecehee Hymnal
7. A Horse Called Golgotha
8. O’er Hell And Hide
9. War, Wisdom And Rhyme
10. Blackpowder Orchard
11. The Gnashing
12. Bullhead´s Lament