AUGUST BURNS RED: Guardians

AUGUST BURNS RED: Guardians

„It is time to bury the hatchet. We won’t bury it in you back!” – Selbst während des brutalen Breakdowns im erbarmungslosen „Bloodletter“ bleiben AUGUST BURNS RED ihren moralischen Prinzipien treu. Es gibt somit Dinge, die sich auch mit dem neunten (zählt man die Weihnachts-CD) Studioalbum nicht ändern – die positive und selbstlose Grundausrichtung ist eine davon. „Guardians“ ist in lyrischer Hinsicht aufrichtig, dabei musikalisch nicht minder zielorientiert.

Hören wir genau hin, erkennen wir im Laufe der elf Songs Elemente aus so ziemlich allen Schaffensperioden der Band. Doch im Einzelnen sezieren muss man keinen der Titel, denn sicher ist im Falle von „Guardians“ eines: Eine reinrassigere Metalcore-Platte ist uns schon lange nicht mehr untergekommen.

AUGUST BURNS RED wissen, wie man das Genre über ein Album hinweg spannend hält

Nicht dass darunter die Qualität leiden würde. Nach so vielen Jahren im Geschäft wissen AUGUST BURNS RED nicht nur, wie man Songs schreibt, sondern auch wie man das Genre über Albumlänge hinweg spannend hält. Interessanterweise lehnen sich die US-Amerikaner zu Beginn an ihren Landsmännern von AS I LAY DYING an. „The Narrative“ besitzt dank der verspielten Gitarren den gleichen Drive, bevor sich die Harmonien in „Bones“ plötzlich am Melodic Death Metal von SOILWORK orientieren.

Spätestens „Paramount“ mit seiner markanten Lead-Gitarre stellt dann allerdings klar, dass AUGUST BURNS RED im Jahr 2020 zu keinen Copycats verkommen sind. Den bandtypischen Sound hören wir hier mit am deutlichsten, wenngleich sich nach „Bones“ auch hier der stärkere Fokus auf halb-cleane Vocals von Bassist Dustin Davidson manifestiert. Neben den gewohnt aggressiven Screams von Fronter Jake Luhrs, der vielleicht nicht das markanteste Organ besitzt und dennoch auf seiner Position ganz oben mitmischt, finden wir auf „Guardians“ in aller Regelmäßigkeit auch melodischere Parts.

Manchmal ist es unheimlich, wie viel Energie „Guardians“ mitbringt

Das muss gar nicht so deutlich sein wie der Klargesang im emotionalen „Lighthouse“, der Einfluss Sam Carters (ARCHITECTS) auf die Szene ging jedoch auch an AUGUST BURNS RED nicht spurlos vorüber. Dessen Hauptband darf zudem im starken „Empty Heaven“ als Referenz genannt werden, wo das Quintett irgendwie die perfekte Symbiose aus ARCHITECTS und AS I LAY DYING generiert.

Beizeiten erscheint es uns fast schon unheimlich, wie viel Energie „Guardians“ mit sich bringt. „Dismembered Memory“ startet mit verspielten Leadgitarren, bevor es in ein wahnsinniges Wechselspiel aus furiosem Schwedenriffing und mörderischen Breakdowns verfällt. Letztere verkommen glücklicherweise nie zum Selbstzweck, selbst der plakative Beatdown in „Defender“ trifft genau im richtigen Maß – dem eines Vierzigtonners.

AUGUST BURNS RED bleiben ihren Prinzipien treu

Bei dieser Durchschlagskraft trifft uns der fast schon melancholisch-ruhige Auftakt von „Three Fountains“ zunächst unvorbereitet. Treibendes MeloDeath-Riffing überrollt alsbald die Post Rock-Spitzen, bevor sich der Song wiederum einem federleichten Instrumentalarrangement öffnet – die Dynamik, mit der AUGUST BURNS RED hier im großen Finale ans Werk gehen, mag zunächst untypisch erscheinen. Lange dauert es jedoch nicht, bis wir diesen Schlussakt auch im größeren Kontext begreifen, denn die Essenz von „Guardians“ steckt weder in den aggressiven Gitarren noch in den schmetternden Breakdowns. Wichtig ist den US-Amerikanern ihre Botschaft und die vermittelt uns die verträumte Epik des Album-Closers in gleichem Maß wie der brachiale Breakdown in „Bloodletter“ – und das beide Male vollkommen ohne Beil im Rücken.

Veröffentlichungstermin: 3.4.2020

Spielzeit: 49:23

Line-Up:

Jake Luhrs – Vocals
John Benjamin Brubaker – Gitarre
Brent Rambler – Gitarre
Dustin Davidson – Bass, Backing Vocals
Matt Greiner – Drums, Piano

Produziert von Carson Slovak und Grant McFarland

Label: Fearless

Homepage: https://augustburnsred.com/
Facebook: https://www.facebook.com/augustburnsred/

AUGUST BURNS RED “Bones” Tracklist

01. The Narrative
02. Bones (Video bei YouTube)
03. Paramount (Audio bei YouTube)
04. Defender (Video bei YouTube)
05. Lighthouse
06. Dismembered Memory
07. Ties That Bind
08. Bloodletter
09. Extinct By Instinct
10. Empty Heaven
11. Three Fountains

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.