AMORPHIS: Live At Helsinki Ice Hall

AMORPHIS lassen auch nach 30 Jahren die Leidenschaft nicht missen. “Live At Helsinki Ice Hall” ist ein überzeugendes Live-Dokument mit einem überragenden Tomi Joutsen am Mikro.

Ist es nun Salz in der Wunde oder ein Lichtblick am Horizont? Als AMORPHIS am 7. Dezember 2019 in Helsinki auf der Bühne standen, wusste von den Anwesenden noch niemand, dass es eine der letzten Shows für die geraume Zukunft sein würde. Nach fast anderthalb Jahren Pandemie und Kulturstopp blickt die Welt im Frühjahr 2021 wieder hoffnungsvoll auf einen Konzertherbst. „Live At Helsinki Ice Hall“ erscheint daher genau zur richtigen Zeit, um uns den Mund wässrig zu machen – und um mit etwas Wehmut auf die Durststrecke der letzten Monate zurückzublicken.

Diese Gefühlsachterbahn kommt nicht von ungefähr, denn „Live At Helsinki Ice Hall“ macht für ein Live-Album vieles richtig: Der Sound – natürlich nicht so gewaltig wie bei einer Studioaufnahme – ist unbearbeitet, authentisch und wunderbar transparent abgemischt; entführt uns also sofort an den Ort, der so lange Tabu war. Die Band ist erwartungsgemäß gut aufgelegt: AMORPHIS sind Routiniers, die einander auf der Bühne geradezu blind verstehen. Wir dagegen können deshalb unbesorgt die Augen schließen und uns von der intelligent getakteten Setlist treiben lassen.

Sänger Tomi Joutsen ist vielleicht das Hightlight von “Live At Helsinki Ice Hall”

Und dann ist da natürlich noch die Tatsache, dass „Live At Helsinki“ eine der letzten Aufnahmen mit Live-Publikum ist. Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten viele Live-Mitschnitte und Streaming-Events aus Studio oder verwaisten Hallen gehört – ohne den Jubel und Applaus der Fans macht es letztendlich nur halb so viel Spaß. Schön zu hören also, dass auch dem im Mix Tribut gezollt wird: Die Fans schreien, klatschen und singen vor allem im Finale von „House Of Sleep“ lautstark mit.

Ein Fest, auch wenn Frontmann Tomi Joutsen diese enthusiastische Unterstützung gar nicht nötig hätte. Der Sänger zeigt sowohl bei Klassikern wie „Against Widows“, „My Kantele“ oder „Black Winter Day“ als auch bei aktuellerem Material Mark „The Golden Elk“ eine nahezu makellose Performance. Ob markige Growls oder beherzter Gesang, Joutsen ist vielleicht das Highlight dieses Konzertmitschnitts.

AMORPHIS lassen auch nach rund 30 Jahren die Leidenschaft nicht missen

Damals, am 7. Dezember 2019, wussten weder er noch AMORPHIS natürlich nicht, wie sehr wir alle diese magischen Konzertmomente wenig später vermissen würden. Dass die Finnen am Ende eines langen Tournee-Jahres dennoch mit einer Leidenschaft zu Werke gingen, als handelte es sich um den letzten Gig für eine sehr lange Zeit, spricht nun Bände. Zwar müssen wir uns gegenwärtig weiterhin noch etwas auf das wahre Live-Erlebnis gedulden, doch in der Zwischenzeit ist „Live At Helsinki Ice Hall“ eine mehr als adäquate Ersatzdroge. Man könnte sogar sagen, es sei quasi das Salz in der Suppe dieses von vorsichtigem Optimismus geprägten Frühlings.

Veröffentlichungstermin: 21.5.2021

Spielzeit: 87:52

Line-Up

Tomi Joutsen – Vocals
Esa Holopainen – Guitars
Tomi Koivusaari – Guitars
Santeri Kallio – Keyboards
Olli-Pekka Laine – Bass
Jan Rechberger – Drums

Label: Nuclear Blast

Homepage: https://www.amorphis.net
Facebook: https://www.facebook.com/amorphis

AMORPHIS “Live At Helsinki Ice Hall” Tracklist

01. The Bee
02. Heart Of The Giant
03. Bad Blood
04. The Four Wise Ones
05. Into Hiding
06. Sampo
07. Wrong Direction
08. Daughter Of Hate (Lyric-Video bei YouTube)
09. Against Widows
10. My Kantele
11. The Golden Elk
12. Pyres On The Coast
13. Silver Bride
14. Black Winter Day
15. House Of Sleep (Lyric-Video bei YouTube)