ALICE IN CHAINS: Black Gives Way To Blue

ALICE IN CHAINS: Black Gives Way To Blue

Eigentlich sollte ich es so langsam wissen: wenn eine CD ins PC-Laufwerk soll und runterfällt, dann soll man nicht mit dem Stuhl zurück fahren um sie aufzuheben, weil… krrrrkkk, da die CD garantiert genau dort ihr Ziel gesucht hat. Wenn man so versemmelt ist und die meisterwartete Promo des Jahres killt, dann hat man den Postboten richtig lieb, wenn er endlich ein neues Exemplar in den Briefkasten schmeißt. Wo man doch eh schon grob 14 Jahre warten musste auf ein neues Album der Grunge-Götter ALICE IN CHAINS. Nach dem Split und dem Drogentod vom charismatischen Sänger Layne Staley 2002 hat wohl niemand mehr daran geglaubt, dass diese Band mit dem neuen Album Black Gives Way To Blue eine so beeindruckende Scheibe abliefern würde.

Um hier Klarheit zu schaffen, reicht schon allein der Opener All Secrets Known. Zäh, deprimierend, unbequem und trotzdem unabwendbar fesselnd ist sofort eben jene Stimmung präsent, wie sie nur die echten Pioniere des Grunge wie die jungen PEARL JAM, SOUNDGARDEN, NIRVANA und natürlich ALICE IN CHAINS verbreiten konnten. Ja ja, der Grunge hat den Metal gekillt, das Geleiere hört man ja selbst heute noch überall. Vielleicht lag es aber wohl statt an den Bands eher an den zahllosen Metallern, die den Mega-Hype nach 1990 möglich machten und alles kauften, was ihnen die Labels vorsetzten. Bands wie die oben genannten, welche den Stil Grunge wieder groß machten, waren zumindest innovativ und hatten Visionen. Egal, mit einer CD wie Black Gives Way To Blue braucht man den alten Zeiten nicht mehr hinterher trauern. Wie herrlich ist es doch, wenn Check My Brain die Stimmung nach unten schiebt, man unbequem von Acid Bubble zu Boden gedrückt wird. Schmunzeln muss man dann aber doch mal, wenn die Grunge-Götter bei Last Of My Kind mit einem fetten METALLICA-Riff um die Ecke kommen. Wie gewohnt sind es die zerbrechlichen, oft verträumten Klänge, mit denen ALICE IN CHAINS die deprimierenden Songs auflösen und statt Depri-Schmerzen nur dunkle Tränen angesagt sind. Das appetitliche Your Decision wickelt einen ein in schwarze Wattebäuschchen, Acid Bubble und auch das mit schönem Gesang veredelte Private Hell dürften jeden begeistern, der auch bei Bandklassikern wie Rooster oder den phantastischen Down In A Hole dahinschwebte. Dass beim ruhigen Titelsong SIR ELTON JOHN in die Piano-Tasten greift, das fällt kaum auf. Dass er den ein oder anderen Tipp zu den Gesangslinien gegeben hat, das glaubt man aber doch herauszuhören. Musikalisch hat man nicht einen Moment das Gefühl, dass hier eine Band erst seit 2005 neu zu leben beginnt, wäre Black Gives Way To Blue 1996/97 erschienen, es hätte auch gepasst. Das unverwechselbare Gitarrenspiel von JERRY CANTRELL und die schweren Grooves von Mike Inez (BLACK LABEL SOCIETY, OZZY OSBOURNE, SPYS4DARVIN) und Sean Kinney sind eine druckvolle Einheit, beide haben ja auch an JERRY CANTRELLs Soloscheiben mitgewirkt.

Sich im Kreis dieser Männer zu behaupten, das war sicher keine leichte Aufgabe für William DuVall (COMES WITH THE FALL), zumal ein Vorgänger wie Layne Staley eigentlich nicht zu ersetzen ist. Wo andere Sänger oft wenig erfolgreich versuchen, dem Bandsound ein neues Bild zu geben, tritt DuVall nach vorn und präsentiert sich als würdiger Nachfolger. Unfassbar, wie nah er stimmlich und mit den Gesangslinien an seinem Vorgänger bleibt, um dann aber doch immer wieder ein paar eigene Akzente zu setzen. Die dunklen Texte trägt er spürbar hinüber zum Zuhörer, er singt gefühlvoll, auch mal mit etwas Wut und natürlich mit greifbarer Depressivität. Verdrängen kann DuVall Herrn Staley nicht, will er wohl auch nicht. Sich als gleichwertigen Nachfolger zu etablieren, das hat er aber schon hier mit seinem ersten Album unter dem Banner von ALICE IN CHAINS geschafft. Allerdings wird es für ihn und vor allem die Fans wichtig sein, sich zukünftig deutlicher auf eigenen Wegen zu bewegen. Als Tribute für Layne Staley und den Einstand von William DuVall ist das neue Album sicher großartig, zukünftig wären mehr eigene Töne des Neuen sicher der ehrlichere Weg.

Grunge der Marke ALICE IN CHAINS tötet keinen Metal, es wertet ihn auf. Wer auch nur etwas Melancholie in sich trägt, der sollte Black Gives Way To Blue schon längst im Player haben oder zumindest auf dem Weg zum Medialaden sein. Pflichtkauf und schwer verdächtig für einen Top-Platz im Jahrespoll 2009!

Veröffentlichungstermin: 25.09.2009

Spielzeit: 54:19 Min.

Line-Up:
William DuVall – Vocals
Jerry Cantrell – Gitarre
Mike Inez – Bass
Sean Kinney – Drums

Produziert von Nick Raskulinecz und Alice In Chains
Label: Virgin/EMI

Homepage: http://www.aliceinchains.com

MySpace: http://www.myspace.com/aliceinchains

Tracklist:
1. All Secrets Known
2. Check My Brain
3. Last Of My Kind
4. Your Decision
5. A Looking In View
6. When The Sun Rose Again
7. Acid Bubble
8. Lessons Learned
9. Take Her Out
10. Private Hell
11. Black Gives Way To Blue

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.