Jahresrückblick 2019 von Frank Damager

Ultha – Belong (EP)

Kurz vor der angekündigten Pause hauen Ultha noch eben schnell den besten Song seit Jahren raus. „No Fire, only Smoke“ ist eine wahre Raserei zwischen Black Metal und Post-Metal ohne übertriebene Verspieltheit oder zuviel Rumgeeier. So intensiv waren Ultha seit „Pain cleanses every Doubt“ nicht mehr. Hier zeigt sich, welches Potential in Post-BM stecken kann, wenn man es nur richtig und mit angemessener Aggression macht.  

מזמור (MIZMOD) – Cairn

Was für ein schwarzer Brocken teerig-klebriger Verzweiflung voller Schwere und Tiefe, als Mahnmal und Warnung direkt auf die Schwelle aller fröhlichen Musik gekotzt.  Wer wissen will, wie sie sich das gerade beschriebene anhört, sollte sich als Einstieg die 18 Minuten „Cairn to God“ geben. Erstklassiger und kraftvoller Funeral Doom, sogar mit einer erheblichen Portion Blastbeats, und einer Wahnsinns-Produktion, die es schafft, das tief-tönige Gewummer und Gedröhne in klar hörbare, druckvolle Musik zu verwandeln. Leider ist das nicht bei vielen Funeral-Doom-Platten der Fall.

TANITH – In another Time 

2019 ist das Jahr des epischen Metals. Auch für mich. Früher wäre ich vermutlich schreiend weggelaufen, aber mit dem Alter wird eben vieles epischer. Zum Beispiel die Erholungsphase nach Alkohol-Konsum… Andererseits hätten mich auch damals sicherlich die wunderbaren Twin-Gitarren-Harmonien und die fantastisch geschriebenen Songs mit viel Herzblut so begeistern können wie heute. 

ATLANTEAN KODEX: The Course of Empire

Noch mehr Epic. Zu dieser Platte hat Dan im Review und Interview alles wichtige gesagt. Kann ich nur unterstreichen. 

CANDLEMASS – The Door to Doom

Ok, das ist jetzt für sich genommen kein epochemachendes Meisterwerk, mich freut es aber ungemein, dass diese Band endlich wieder teilweise zu ihrer alten Stärke zurückgefunden und ein Album veröffentlicht hat, das echt gute Songs enthält und nicht nach einmal Hören direkt ins Plattenregal wandert, um Staub anzusetzen, so wie es die letzten Jahre leider oftmals der Fall war. Und Tony Iommi spielt auch noch mit. 

BLYH – Awake to Emptiness

Progressiver Black Metal, hervorragendes Songwriting, super Produktion – es kann manchmal so einfach sein. Obwohl es die Platte dem Hörer zunächst nicht einfach macht, dank der etwas sperrigen Arrangements, ist die Langzeit-Wirkung nach etwas Hör-Arbeit aber umso intensiver. Newcomer des Jahres. 

CARNAL TOMB – Abhorrent Veneration

Fieser Death Metal zwischen Entombed und Autopsy, was ja prinzipiell schon mal nerven kann, weil viele Bands mit dieser Ausrichtung doch zu einer gewissen Gleichförmigkeit neigen. Nicht so in diesem Fall. Denn hier regiert die hohe Kunst des inspirierten Songwritings und kann dem eigentlich zu Tode gerittenen Sub-Genre doch noch mal ein paar echte Songperlen entreißen. 

Hab ich keine gefunden. Vielleicht liegt das daran, dass ich mir Sachen vorher anhöre (Viva Bandcamp!) und von etablierten Bands sowieso nichts mehr erwarte…

Die Hinrunde der Borussia! Marco Rose muss der Messias sein, so wie Stefan Lainer eine Maschine sein muss. So eine inspirierte und mitreißende Gladbacher Mannschaft habe ich seit der Anfangszeit unter Favre nicht mehr gesehen. Fußball kann doch SPASS machen!!

Neue NILE wieder mit miserablem Sound! Kaum hörbar! WARUM?? Bitte dringend Nachilfe bei SKELETAL REMAINS nehmen, wie man so was produziert….

Wenn ich mir nach knapp zehn Jahren Pause meine alten Reviews so angucke muss ich teilweise sagen: War das jemand anders? DAS hat mir gefallen, diese Popmusik, ernsthaft?? Es ist schon erstaunlich, wie sehr man sich über Jahre verändert, obwohl man es selber nie so empfinden würde. Aber man entwickelt sich halt doch immer weiter, natürlich bleibt der Metal nach wie vor die Mitte des Lebens und des Musik-Hörens, aber die Nuancen haben sich offenbar doch teilweise kräftig verschoben. Mein Geschmack hat sich offenbar in den letzten Jahren deutlich zurückentwickelt, zurück zu Krach, zurück zu Underground und ganz weit weg von der „Metal-Moderne“. Alles bis zu Machine Head verstaubt zusehends im Regal, alles mit -Core ist echt nur noch mit Anstrengung und Durchhalte-Vermögen erträglich, bei Loudness-War-Komprimierungs-Produktionen bekomme ich Brechreiz . Dafür läuft umso mehr alter Thrash, Death, sogar Black Metal oder wieder viel, viel Doom. Wie gut, dass ich mittlerweile auch offiziell ein grumpy old Man bin und alles Moderne daher einfach so mit der stichhaltigsten aller Begründung ablehnen darf: „Früher war das alles noch echt, aber das könnt ihr Jungspunde ja nicht wissen!“