MEAT LOAF: Live At Rockpalast [DVD]

Hier gibt es pure Unterhaltung, 70er Bombast-Rock und Rock`n´Roll vom Feinsten und überzeugende Künstler auf der Bühne, die optisch heute natürlich eher zum Schmunzeln verlocken.

Das waren noch Zeiten, als man sein Wochenende nach dem Sendetermin des WDR-Rockpalast geplant hat. Egal, ob nun eine Größe des Blues- oder Krautrock oder gar eine der ersten Hard Rock-Bands gezeigt wurde oder ein Newcomer, der oft durch diese Live-Aufzeichnung in Deutschland zum Star oder zur Supergroup wurde, jede Show war sehenswert. 1978 hatte hier MEAT LOAF seinen ersten Auftritt bei uns im Rahmen der Tour zum Megaseller Bat Out Of Hell am 11. Juni ´78 in der Stadthalle Offenbach. Dieses Konzert, wohl nur noch als eierndes Video bei Sammlern zu finden, gibt es nun als DVD.

Das Alter sieht man der Aufnahme natürlich sofort an, pfiffige Kameraführungen, brillante Bildqualität oder gar eine ausgefeilte Lichtshow gibt es nicht. Der Sound ist ok und erfrischend altmodisch, die Instrumente klingen noch nach Instrument und nicht nach Digitech, da darf auch mal im Hintergrund ein Amp brummen. Musikalisch gibt es natürlich für damalige Verhältnisse Bombast pur, allein bis Herr Fleischklops M.L. Aday auf der Bühne erscheint hat die Band schon 5 Minuten vorgelegt. MEAT LOAF lebt natürlich von seiner charismatischen Stimme und seiner Bühnenpräsenz, trotz toller Werke vom musikalischen Kopf Steinman wie die Sachen mit BONNIE TYLER oder dem Soundtrack zu Streets Of Fire war nur dieses Duo unschlagbar. MEAT LOAF ist gut bei Stimme und durchlebt theatral die Songs. Geht ihn doch mal die Puste aus oder ein Ton daneben, so hat er die attraktive und stimmgewaltige Karla DeVito (vom Hair-Musical) als Bühnenpartnerin und Sängerin an seiner Seite. Zum Glück trägt der Titelheld nicht so ein knallenges Outfit wie seine Kollegin. Beide ziehen eine kurzweilige Show ab, es wird geschimpft, geknutscht, gerockt. Damit man ihn nicht vergisst, langweilt Jim Steinman mit zu langen Erzählungen, die Band rockt überzeugend, wenn man mal vom überlangen Instrumentalgedudel und Soloeskapaden absieht. Ob sich MEAT LOAF selbst in dieser Viertelstunde eine Ladung Hamburger, eine Sauerstoffflasche oder was auch immer gegönnt hat, wir werden es wohl nie erfahren. Nicht verschweigen sollte man die tollen Frisuren von BRUCE KULICK (KISS, UNION, GRAND FUNK RAILROAD) und vor allem seinem großen Bruder Bob Kulick (KISS, W.A.S.P., MICHAEL BOLTON, We Wish You A Metal X-Mas). Es wird deutlich belegt, dass Songs wie Bat Out Of Hell, Paradise By The Dashboard Light und die Ballade Two Out Of Three Ain´t Bad pure Rockgeschichte sind. Dass man statt weiteren zukünftigen Bombastrock-Klassikern die Rock`n´Roll-Schinken Johnny B. Goode von CHUCK BERRY und IKE & TINA TURNER´s River Deep, Mountains High spielt, hier wollte man den Publikum wohl was Vertrautes bieten. Natürlich endet auch dieses Rockpalast-Konzert wie gewohnt mit den begeisterten Zugabe-Rufen des Publikums.

Hier gibt es pure Unterhaltung, 70er Bombast-Rock und Rock`n´Roll vom Feinsten und überzeugende Künstler auf der Bühne, die optisch heute natürlich eher zum Schmunzeln verlocken. Dass man Abstriche machen muss bei Bild und Ton ist klar, trotzdem gehört dieser Meilenstein in jede Rocksammlung, zumindest für MEAT LOAF-Fans ist es ein Pflichtkauf, das alte Video kann nun endlich auf den Müll.

Als Zugabe bekommt man noch das viertelstündige Interview, das ebenfalls fast immer zum WDR-Rockpalast gehörte. Da sieht man deutlich, wie jung die Herren MEAT LOAF und Jim Steinman damals noch waren, und da hatten sie schon ein Stück Rockgeschichte geschaffen.

Veröffentlichungstermin: 06.11.2009

Spielzeit: 104 Min.

Line-Up:
Meat Loaf – Vocals
Karla DeVito – Vocals
Bruce Kulick – Guitar
Bob Kulick – Guitar
Jim Steinman – Piano, Backing Vocals
Paul Glanz – Keyboards
Rory Dodd – Backing Vocals
Steve Buslowe – Bass
Joe Stefko – Drums

Label: Eagle Vision/Edel

Homepage: http://www.meatloaf.net

Tracklist:
1. Great Boleros Of Fire
2. Bat Out Of Hell
3. You Took The Words Right Out Of My Mouth (Hot Summer Night)
4. All Revved Up With No Place To Go
5. Paradise By The Dashboard Light
6. Introducing The Band
7. Johnny B. Goode
8. River Deep, Mountain High
9. Johnny B. Goode (Reprise)
10. Two Out Of Three Ain’t Bad
11. All Revved Up With No Place To Go (Reprise)