STRAPPING YOUNG LAD, THE DEVIN TOWNSEND BAND und ZIMMERS HOLE am 06. April 2003 im New Backstage, München

Auf so eine Tour wartet man doch gerne sein verdammtes Leben lang. Drei Ausnahmeformationen, die alle was mit einem der genialsten Kanadier (neben Terrance & Phillip) überhaupt zu tun haben machten sich in eine kleine Stadt in Deutschland auf, um richtig Radau zu machen.

Auf so eine Tour wartet man doch gerne sein verdammtes Leben lang. Drei Ausnahmeformationen, die alle was mit einem der genialsten Kanadier (neben Terrance & Phillip) überhaupt zu tun haben machten sich in eine kleine Stadt in Deutschland auf, um richtig Radau zu machen.

Es sollte ein unvergesslicher Abend werden. Sicherlich, die Erwartungen waren kurz unter der Schädeldecke, aber Sir Townsend und seine Gefolgschaft hatten kein ein Problem damit, sämtliche Erwartungen zu übertreffen. Auch nicht ZIMMERS HOLE, von denen ich ja durchaus was von ihren CDs her gewohnt war. Als die Band mit Legion of Flames begann und Sänger Chris Valago mit Teufelshörnern und einer Lederschürze mit nichts außer einem gigantischem Gummipenis darunter die Bühne betrat war klar, wer das sagen hatte: Satan persönlich. Der rockte wie ein Wahnsinniger zu Songs wie Fully Packed, Evil Robots und That´s How Drunks Drink. Allerhand Dekoration war natürlich gratis dabei: Tote Hühner, eine weibliche Leichepuppe, bei der Mr. Valagos Penis zum klebrigen Einsatz kam und Schwerter. Auch fanfreundlich gestalteten die Band die Show, obwohl sie das eigentlich gar nicht nötig hatte, denn der gut gefüllte Backstage Club war gerade in den vorderen Reihen gut am rotieren. Zur Belohnung gabs Bier und Demon-Piss, das Satan mittels seines Penis verschoss und eigentlich eher nach Wodka schmeckte, gratis für die Fans. Toll waren auch die Sacred Cheese-Scheibletten, auf denen geheime Botschaften wie Get a Free T-Shirt standen. Nach diesem tollen Gig konnte die Band auch mehr als zufrieden sein, selbst wenn Gitarrist Jed ein wenig ausflippte, als ihm beim letzten Song eine Saite riss.

Nach diesem genialen Einstieg in den Konzert-Abend war Devin Townsend solo an der Reihe. Nun ja, eine Band hatte er dann doch noch dabei, die er auch gleich brav vorstellte. Bei diesem Devin ging es an diesem Abend nicht so schnell, man sah auch aus weiter Entfernung seine gigantischen Augenringe und seine glasigen Augen. Und so legte er bewusst nicht bichty sondern happy mit dem relaxten Seventh Wave los. Urlaubsstimmung kam auf, man fühlte sich wie in Amsterdam und so easy ließ es auch die Band angehen. Vielleicht waren die Musik und die Show nicht so spektakulär wie noch bei ZIMMERS HOLE, aber mindestens genauso fesselnd. Egal ob das neue Storm, die Klassiker Life oder Truth, die allesamt gut rockten, die Setlist wirkte schön aufeinander abgestimmt und logisch. Dieses Mal gab´s auch keinen Moshpit, sondern nur weit in die Luft gerissene Hände und fröhliche Gesichter. Die Highlights des souveränen Auftritts waren mein Lieblings-Devin Song Earth Day und die Frank Zappa-Hommage Bad Devil, bei dem nochmal Chris Valago als Gastsänger über die Bühne fegte und die Menge so richtig anfeuerte. Da blieb kein Auge trocken.

Nach und nach stieg die Vorfreude auf den Headliner ins Unermessliche: Die großartigen, unvergleichlichen, wahnsinnigen STRAPPING YOUNG LAD. Gut, drei viertel der Musiker hatte man schon mal an dem Abend auf der Bühne gesehen, was die im Kollektiv aus den Boxen zauerberten war nichts anderes als ein einstündiges Erdbeben der Stärke 10. Ein riesiger Moshpit erfasste das halbe Backstage, ich mittendrin. Devin war nicht mehr ganz so freundlich wie eine halbe Stunde zuvor, sondern wütete wie ein Besessener und gab zu den Ansagen irgendwelche sinnfreien Kommentare von sich. So lieben wir ihn, unsern Devin. Jed Simon hingegen entschuldigte sich artig, wegen seines Wutausbruchs bei ZIMMERS HOLE und somit waren alle glücklich. Unglaublich auch, wie tight und sauber und mit welcher Coolness Gene Hoglan spielte. Die Riffs, die STRAPPING YOUNG LAD ans Tageslicht brachten waren gottgleich, genau wie die Songauswahl. Geschwindigkeit und Heavyness war die Devise, es gibt eh wenig andere Bands, die beides so packend miteinander verbinden. Egal ob Oh my Fucking God, Relentless, Aftermath, SYL, Last Minute, Home Nucleonics oder Detox, aus diesem Moshpit konnte man nur mit Glück ohne Verletzungen entfliehen. Natürlich ließ das Publikum die Band nicht ohne eine Zugabe entfliehen und so gab die Band noch All Hail the New Flesh zum Besten, bevor ich klatschnass zu meinem Auto getragen werden musste.

Dieser Konzertabend war genau, das, was ich mir immer erträumt hatte. Wer es verpasst hat soll jetzt bitte blöd aus der Wäsche kucken und hoffen, dass vor dem Ableben diese Tour wiederholt wird. Danke, Devin.