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WOLVES IN THE THRONE ROOM: Ein stilles Leben

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Ein stilles Leben

Wer heute Black Metal mit Sinn und Verstand sucht, eine Band, die Herz und Geist berührt, der kommt an dem US-Trio WOLVES IN THE THRONE ROOM nicht vorbei. Mit ihrem zweiten Album Two Hunters hat die Band ein Album veröffentlicht, das an Epik und Authenzität nicht zu überbieten ist und zwischen ambivalenter Raserei und schönem Folk pendelt, dabei aber einen völlig eigenen Weg geht. Den wählt die Band auch privat – denn die Musiker praktizieren dass, was viele Heiden seit Jahren ständig predigen. Schlagzeuger Aaron liefert Antworten, die zum Nachdenken anregen.
 

Auf eurer Homepage gebt ihr den Hinweis, dass eure Band in den Wäldern von Olympia, Washington ansässig ist. Wie kam diese ungewöhnliche Form einer Kommune zustande?

Vor einigen Jahren entschied ich, dass es keine Zukunft für mich in der normalen Welt gibt. Ich war überwältigt von Trauer, im Hinblick auf die Widerlichkeit und die Dummheit, welche die herrschende Kultur vorantreibt. Es schien notwendig, eine Festung zu errichten, in der wir in einer harmonischeren und ehrenvolleren Art und Weise leben können.

Ist WOLVES IN THE THRONE ROOM ein Resultat eures Lebensgefühls oder existierte die Band schon zuvor?

Die Band wurde ungefähr zur selben Zeit ins Leben gerufen, in der die Arbeit an unserer Farm begann. Ich behaupte, dass beide Anstrengungen ein Teil des selben, kreativen Impulses sind.

Immer wenn ich eure Musik höre, beruhigt sie mich. Wenn ich Abends auf einen Tag voller Alltäglichkeiten zurückblicke, ist es inspirierend diese Musik zu erleben. Einfach die Natur zu spüren, wenn man Abends im Wald spazieren geht. Wollt ihr, dass der Hörer so etwas erlebt?

Es freut mich, dass du solche Erfahrungen mit unserer Musik machst. In der Tat, es ist unsere Intention solche Wahrnehmungen in emotionalen Räumen zu erzeugen. Räume, in denen die Gedanken des Hörers in einen träumerischen Zustand wandern, die zwischen dieser Welt und derer, die jenseits unserer alltäglichen Auffassung liegen.

Ich habe eine recht romantische Vorstellung von eurem Songwriting-Prozess. Wie schon auf einigen Bildern gezeigt spielt ihr Nachts am Lagerfeuer mit Akustikgitarren – anders könnte diese Musik auch nicht so authentisch klingen.

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Ich behaupte, dass beide Anstrengungen ein Teil des selben, kreativen Impulses sind. Das Leben in der Natur und die Musik ergänzen sich.

Wir schreiben den Großteil unserer Songs draußen, an besonderen Orten. Wenn wir diese rauen Ideen in Songs für WOLVES IN THE THRONE ROOM transferieren, brauchen wir – natürlich – Zugang zu Amps und weiterem Equipment.

Die Songs auf Two Hunters sind enorm episch, wie schon auf eurem Debüt Diadem of 12 Stars, nur deutlich dynamischer. Eine natürliche Weiterentwicklung?

Two Hunters ist in Wirklichkeit ein langes Stück, also setzten wir eine große Menge der Betonungen darauf, einen gewaltigen Ebbe und Flut-Effekt über das gesamte Album zu erzeugen. Das war sehr harte Arbeit, aber ich denke das Ergebnis ist zufriedenstellend. Zumindest hat bisher niemand das Album als langweilig bezeichnet.

Was hat euch zu eurer Musik und diesem Album generell inspiriert? Das Leben in der Natur?

Im Wesentlichen erschaffen wir Musik, die von Natur aus dualistisch ist. Einerseits drückt sie unser profundes Glück aus, die Transzendenz zu erleben, die man in der Natur findet und in einer harmonischen Art zu leben. Doch wir vermischen dieses Glück mit dem Bewusstsein, dass unsere Kultur zutiefst krank ist und die Zerstörung an unserem Planeten unvermindert weitergeht.

Ihr habt viele atmosphärische Stellen in Two Hunters eingebaut – Dia Artio und der Anfang von Cleansing, das ist pure Schönheit. Sucht ihr auch in anderen Musikrichtungen, wie Folk Rock und Post Rock?

Wir hören die Bezeichnung Post Rock recht oft, aber das trifft es nicht wirklich. Ich weiß nicht mal genau, was Post Rock ist und ich höre mir diese Musik auch nicht an. Ich glaube, dass der Geist unserer Musik wirklich allein unserer ist.

Wenn ihr Black Metal spielt, ist es nicht wirklich aggressiv, auf mich wirkt es viel mehr meditativ. Hat Black Metal, zumindest in eurem Fall, Aggression eingebüßt?

Meiner Meinung nach ist Black Metal im Kern keine aggressive Musik. Darin geht es viel mehr um Selbstbeobachtung und um Melancholie. Ich hasse es, wenn sich Leute auf gewalttätige, aggressive Art und Weise auf unseren Konzerten verhalten. Sie sollten statt dessen auf dem Boden liegen und weinen.

Ist in eurer Musik Platz für Satan?

Nicht wirklich. Unsere Musik befasst sich mit okkulten Wirklichkeiten, die nur wenig Platz für den Satan haben, der im Black Metal meistens manifestiert wird. Ich interessiere mich mehr für Rudolf Steiners Ansichten des Dualismus von Luzifer und Ahriman.

Wenn man heutzutage in einer Band spielt, bedeutet es fast zwangsläufig, ein Internet-Junkie zu sein. Wie verbindet ihr eure musikalische und lyrische Einstellung mit der Mitgliedschaft bei Myspace?

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Wir schreiben den Großteil unserer Songs draußen, an besonderen Orten. WOLVES IN THE THRONE ROOM und die Authenzität.

Ich hasse das ganze Business und kümmere mich so wenig wie möglich darum. Wir haben uns dazu entschlossen unsere Musik auf einem Label zu veröffentlichen und zu touren, also haben wir einen Kompromiss geschlossen – wir sind nun Teil einer größeren Metal-Gemeinschaft und verlassen unsere Festung ab und zu. Das Benutzen des Computers ist Teil dieses Kompromisses. Ich bin froh, wenn ich nie wieder eine Tastatur anfassen muss.

Habt ihr in den Wäldern eigentlich Zugang zum Internet?

Ja, haben wir. Ich glaube, das hängt mit Satelliten zusammen…

Wie sieht es mit Strom auf eurer Farm aus? Ohne könntet ihr als Metal-Band gar nicht proben.

Unsere Farm hat Zugang zu Elektrizität, auch wenn ich in der nahen Zukunft plane Solarzellen zu installieren, um nicht mehr Energie von Dämmen beziehen zu müssen. Diese zerstören den natürlichen Lauf der Flüsse und das Leben der Tiere, die in diesem Wasser wohnen.

Auf Two Hunters ist die wunderschöne Stimme von Jessica Kinney zu hören. Wie habt ihr sie kennen gelernt?

Two Hunters wurde von Randall Dunn produziert. Jessica ist eine gute Freundin von ihm, so dass die Zusammenarbeit zustande kam. Wir versuchen stets Repräsentationen des göttlichen Weiblichen in unsere Musik einzuarbeiten.

Ihr habt euer Zweitwerk in den London Bridge Studios aufgenommen. Dort wurden viele Alternative- und Grunge-Alben produziert, für eure Musik ist das eine sehr ungewöhnliche Studiowahl. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Ein Studio ist wie jedes Andere. Es hängt vom Toningenieur und der Band ab, einen einzigartigen Klang zu erzeugen und eine artgerechte Energie zu beschwören. Wir fanden es witzig, dass so viele schreckliche Bands mit derselben Ausrüstung aufgenommen haben.

Der Sound ist jedenfalls unglaublich, sehr authentisch und atmosphärisch, als hättet ihr draußen, unter dem Vollmond aufgenommen. Wolltet ihr das erreichen?

Ja, wir wollen dass unsere Musik klingt wie etwas aus einem Traum.

Wer sind die Two Hunters, von dem der Titel spricht?

Ich möchte lieber nicht über die Bedeutung des Albums oder die Texte sprechen. Ich glaube, es ist eine viel intensivere Erfahrung für die Hörer, die Musik selbst zu begreifen und eigene Schlüsse zu ziehen.

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Ich hoffe, dass die Menschen Wahrheit und Weisheit wieder finden werden, bevor ein reinigendes Feuer die dekadente und missgebildete Welt, die wir geschaffen haben, zerstören wird. Aaron hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Dennoch, es gibt eine wunderbare Textzeile auf dem Album: When I awake, the world will be born anew. Eine wunderschöne Metapher – dafür, dass alles halb so schlimm ist, wenn man die Dinge erstmal ruhen lässt? Oder dass wir nur warten müssen, denn die Erde reinigt sich von selbst?

Es gibt in diesem Fall zwei Bedeutungen. Ich glaube, es ist richtig für die Menschen sich in einer Art zu verhalten, die sie für ehrenvoll erachten und die in Einklang mit den Naturgesetzen ist. Andererseits bin ich ziemlich pessimistisch, wenn ich mir das Schicksal der Menschen anschaue. Ich hoffe, dass die Menschen Wahrheit und Weisheit wieder finden werden, bevor ein reinigendes Feuer die dekadente und missgebildete Welt, die wir geschaffen haben, zerstören wird.

Das Artwork ist dunkel und geheimnisvoll. Ist die abgebildete Figur darauf einer der beiden Jäger?

Die Figur auf dem Cover ist der Wilde, der Eremitenmagier, die Hauptfigur in der Geschichte, die auf Two Hunters erzählt wird.

Im Booklet gibt es mehrere Bilder wie das Cover. Steht jedes der Fotos für einen Song? Das Zweite könnte für Vastness and Sorrow stehen, das letzte mit der toten oder schlafenden Person für I Will Lay Down My Bones Beneath the Rocks and Roots.

In der Tat, die Bilder hängen direkt mit den Songs auf dem Album zusammen.

Ihr wart kürzlich auf Tour mit JESU in den USA. Habt ihr auch Pläne für eine kommende Europa-Tour?

Es ist noch nichts sicher, aber wir freuen uns den Atlantik zu überqueren und unsere Freunde in Europa zu besuchen. Hoffentlich werden wir nächstes Jahr die Reise antreten können.

Ist das Tourleben nicht das exakte Gegenteil von dem, wie ihr sonst lebt?

So ist es. Es ist sehr unnatürlich jeden Tag an einem neuen Ort aufzuwachen, schnell vom Berg zum Wald zum Ozean in die Prärie ohne die Energie des jeweiligen Ortes auf sinnvolle Art und Weise aufzunehmen. Wir versuchen, nur gesundes, biologisches Essen zu uns zu nehmen und die Zeit mit Menschen und Bands zu verbringen, die wir respektieren. Es ist entmutigend in einer Bar mit Macho-Death Metal-Bands zu spielen, die Songs über vergewaltigte Frauen spielen, während sie McDonalds-Müll fressen.

Ich nehme an, dass es eine ehrenwürdige Tradion ist, dass Musiker sich auf Wanderschaft befinden, aber das ist nicht mein Wunsch. Ich genieße mein stilles Leben zuhause auf der Farm, tendiere eher zur Saat und den Tieren.

Bilder: Southern