SACRED STEEL: Bericht zur "Iron Blessings"-Listeningsession

Zweieinhalb Jahre, nachdem SACRED STEEL zum letzten Mal die Studiopforten für die Journaille zur Listeningsession geöffnet haben, fanden sich am 14. Mai wieder einmal Schreiberlinge aus nah und fern im Winterbacher House of Music ein, um einen ersten Eindruck vom neuesten Werk "Iron Blessings" verschaffen zu könne. In Anwesenheit der gesamten Band und Produzent Achim Köhler wurden 9 der insgesamt 12 Stücke vorgestellt, Gitarrist Jörg Knittel stand mir zudem ein paar Tage später zum Interview zur Verfügung.

Zweieinhalb Jahre, nachdem SACRED STEEL zum letzten Mal die Studiopforten für die Journaille zur Listeningsession geöffnet haben, fanden sich am 14. Mai wieder einmal Schreiberlinge aus nah und fern im Winterbacher House of Music ein, um einen ersten Eindruck vom neuesten Werk Iron Blessings verschaffen zu könne. In Anwesenheit der gesamten Band und Produzent Achim Köhler wurden 9 der insgesamt 12 Stücke vorgestellt, Gitarrist Jörg M. Knittel stand mir zudem ein paar Tage später zum Interview zur Verfügung.

Open Wide the Gate

Mit einem satten Grunzer beginnt das neue Werk Iron Blessings und somit ist unmissverständlich klar gemacht, dass man den Weg des Vorgängers konsequent weiter gegangen ist und Slaughter Prophecy alles andere als ein einmaliges Experiment darstellt. Zum Glück, denn die hasserfüllten Grunzer von Gerrit P. Mutz sind die perfekte Ergänzung zum ohnehin schon eigenständigen Sound von SACRED STEEL. Open Wide the Gate kommt heftig, geht kompromisslos nach vorne los und scheint eines der Highlights auf dem neuen Album, wenn nicht sogar eines der gesamten Discographie. Mit dem melodiös gesungenen Refrain erinnert man etwas an die Melodielinie von Master of thy Fate, ansonsten ist man gleich wieder so richtig drin in der typischen SACRED STEEL Atmosphäre, bekommt aber auch einen überraschenden KING DIAMOND-mäßigen Mittelteil geboten. Ich denke der Opener vereint unseren derzeitigen Stilelemente perfekt. Er beinhaltet die tiefen Growls, die Gerrit auf den neuen Platte ja immer wieder gern einsetzt, hat aber dennoch sehr melodische Gesangslinien. Der Song ist heavy und aggressiv und in der Bridge gibt es sogar einen kurzen Blastpart. Ich würde sagen der Song bringt die derzeitigen SACRED STEEL perfekt auf den Punkt. Die Fans scheinen die Entwicklung von SACRED STEEL also auch angenommen zu haben. Es ist ja ganz klar, dass man im Laufe der Jahre ein paar neue Fans hinzu gewinnt und ein paar alte verliert. Ich denke der Großteil der Leute haben die Entwicklung aber ganz gut mitgemacht und wir haben uns ja jetzt auch nicht so verändert, wie z.B. METALLICA, die plötzlich ganz anders klingen wie früher. Wir spielen nach wie vor Songs vom ersten Album und stehen da voll dahinter. Von daher haben sicher viele diesen Schritt mitgemacht..

SacredYour Darkest Saviour / Screams of the Tortured

Mit den zwei folgenden Songs geht man dann musikalisch wieder ein ganzes Stück zurück zu den ersten beiden Werken, womit Überraschungsmomente zunächst ausbleiben. Die Riffs auf dem neuen Album sind durchaus mit den alten Alben vergleichbar und Screams of the Tortured erinnert mich sogar fast schon ein bisschen an TRAGEDY DIVINE. Als wir angefangen haben Songs für dieses Album zu schreiben, wollten wir auch ganz bewusst wieder abwechslungsreichere Sachen machen und nicht ganz so straight agieren wie auf Slaughter Prophecy, sondern auch wieder Dinge wie bei TRAGEDY machen. Bei zwei Songs haben wir auch wieder Clean-Parts, was es auf der Slaughter Prophecy gar nicht gab – es sollte einfach wieder abwechslungsreicher und anspruchsvoller werden. Deshalb haut dir das Album vielleicht auch beim ersten Mal hören nicht direkt die Rübe weg, manche Songs entfalten sich vielleicht erst nach mehrmaligem Hören. Gleichzeitig kann man sich die alten Stücke ja auch problemlos im aktuellen Kontext vorstellen. Vom Riffing her denke ich auch, dass die neuen Songs grundsätzlich nicht anders sind. So viel hat sich da gar nicht verändert. Man könnte sich sicher auch gut vorstellen, die Songs von der ersten Platte im heutigen Gewand zu spielen. Your darkest Saviour wurde von Gerrit selbst textlich als das Sympathy for the Devil der Band angekündigt, musikalisch geht man sehr straight zu Werke und das Black Souls im Refrain bleibt sofort hängen. Erneut wird eine ausgewogene Kombination aus klarem Gesang und Grunzern geboten, wohingegen Screams of the Tortured vollständig ohne Growls auskommt, was man aufgrund des Titels so sicher nicht erwartet hätte. Wenn wir denken die Growls passen zu einem Song, dann machen wir das einfach und bei Screams of the Tortured wäre das einfach nicht so der Fall gewesen – wie gesagt schon allein dadurch, dass er für mich eher in die TRAGEDY-Richtung geht. Diese Ideen entstehen immer passend zum Song und der Gerrit entscheidet da auch oft sehr spontan. Da machen wir uns gar nicht so viele Gedanken, wenn es passt, dann machen wir es, wenn nicht, dann nicht. Screams of the Tortured ist treibend und deckt lyrisch eine weitere neue Facette der Band ab – eine Dokumentation über argentinische Folteropfer hat den Frontmann inspiriert und mit diesem Song aus Sicht einer dieser Gequälten ist man näher am Puls der Zeit, als man es sich bei der Entstehung vermutlich gedacht hätte – somit könnte man den krassesten Schnitt eigentlich bei den Lyrics suchen: Ich denke das war schon auch eine Entwicklung über die Alben hinweg. Die ersten beiden waren da schon extrem klischeebeladen – Metal in jedem Satz. Auf Dauer langweilt das allein allerdings doch etwas und nutzt sich ab. Wenn wir immer noch dasselbe machen würden wie auf der ersten Platte, dann würde uns das auch selbst zu Tode langweilen. Wie gesagt, wir haben uns weiterentwickelt, aber so, dass es nachvollziehbar ist. Es gibt auch auf Iron Blessings sicher noch genug Klischees, aber wir versuchen da dennoch den Schritt weiter zu gehen, damit die Sache auch interessant bleibt. Sänger Gerrit Mutz hat ja bereits im Interview zur letzten Listeningsession verlauten lassen, dass ihm auch wichtig ist, dass er bei SACRED STEEL nicht nur sinnlose Schrottlyrics verfasst – somit könnte man diese Entwicklung durchaus auch als Zeichen sehen, dass auch hier bei SACRED STEEL grundsätzlich alles möglich ist. Bei SACRED STEEL ist sicher alles möglich, wir wollen uns da auch gar keine Grenzen setzen. Keine Ahnung, was noch kommen wird, wir versuchen einfach uns treu zu bleiben und die Sache für uns weiterhin interessant zu halten. Ich denke die Texte passen beim neuen Album einfach auch optimal zur Musik. Die Grenzen schreibt nur der persönliche Geschmack und die persönliche Einstellung vor. Was oder wer denn auch sonst? Wir setzen uns die eigenen Grenzen und auf die Art haben wir gar keine. Wenn ich nicht mehr zu meiner eigenen Musik stehen könnte, dann müsste ich aufgeben.

At the Sabbat of the Possessed (The Witches Ride Again)

Nachdem die ersten Songs schon recht angeschwärzt daher kommen, ist At the Sabbat of the Possessed wohl mit der konsequenteste Song in diesem Kontext. Wir können eigentlich alle mit dem Christentum nichts anfangen und haben da unsere Erfahrungen gemacht, von daher hat sich sicher ein gewisser Hass aufgeladen, den man in den Texten jetzt durchaus wieder findet. Wie der Untertitel schon verkündet, handelt es sich zumindest thematisch um die Fortsetzung des SACRED STEEL-Klassikers Tonight the Witches Ride, womit sich Gerrit Mutz seinen lang gehegten Wunsch der Beschreibung einer Schwarzen Messe erfüllt hat. Musikalisch fällt die teilweise ungewöhnliche Melodieführung auf, sowie der hervorragende Einsatz der Doublebass als Kontrast zu den teilweise sehr getragenen Gitarrenlinien – in Verbindung mit dem Vorgängerstück kann man die Musik allerdings nicht unbedingt bringen. (lacht) Ja, also ich hab auch erst als der Song fertig war erfahren, dass es sich um eine textliche Fortsetzung von Tonight the Witches Ride handelt. Ansonst hätten wir vielleicht dann auch musikalisch versucht ein paar Zitate von dem Song zu verarbeiten. Textlich ist es sicher eine Fortsetzung, musikalisch weniger.

The Chains of the Nazarene

SacredSehr spontan ist die Idee entstanden, dem wuchtigen Midtemposong The Chains of the Nazarene einen sehr doomigen, stark an DAWN OF WINTER erinnernden Einleitungsteil zu verpassen, womit man dem Stück aber auf jeden Fall eine sehr interessante Facette hinzugefügt hat. Durch den Hall auf den Vocals entsteht eine CANDLEMASS-artige Messeatmosphäre ansonsten zeigen sich SACRED STEEL von einer ihrer besten Seiten. Ganz klar eines der herausragenden Stücke auf diesem Album. Den Anfang haben wir erst zum Schluss geschrieben. Der Song kommt von Jens und Gerrit wollte dafür einen doomigen Anfang haben. Jens hat den dann noch dazu gefügt. Tatsächlich geht das in Richtung DAWN OF WINTER aber ich denke das passt sehr gut zu dem Song – es ist noch mal interessanter und es ist auch das längste Stück auf dem Album, etwas episch, das passt schon ganz gut. Gerade dieser Song zeigt deutlich den Facettenreichtum auf Iron Blessings. Definitiv – von Doom bis fast schon Death Metal ist alles dabei und auch von den Gesangslinien ist das Album sehr interessant, teilweise erinnert mich das schon fast an alte FATES WARNING.

Victory of Black Steel

Das heftigste Stück SACRED STEEL, das man an diesem Abend zu hören bekam. Victory of Black Steel kommt bis auf den Refrain erneut komplett mit Growls, die immer mehr an die tieferen Keifer von Dani Filth erinnern. Trotz dieses Umstands ist Victory of Black Steel kein reiner Death Metal, die Instrumente sind nach wie vor 100 Prozent Traditionsstahl, womit man auch eine klare Trennlinie zur Nebenband MY DARKEST HATE schafft. Ansonsten würde das für mich auch keinen Sinn machen, wenn ich bei jedem Riff überlegen müsste, zu welcher Band das jetzt gehört. Vom Riffing und auch vom Songschreiben her sind das für mich vollkommen unterschiedliche Sachen. Natürlich, wenn Gerrit seine Growls bringt, dann klingt das auch mehr nach Death Metal, aber vom Riffing her muss man das schon eher dem Powermetal zuordnen. Man könnte dennoch vermuten – da Jörg und Oliver auch bei MY DARKEST HATE aktiv sind -, dass man bei SACRED STEEL gerade deshalb die melodischen Sachen bevorzugt… Nein, also eigentlich nicht. Ich merk einfach, dass mein Musikgeschmack immer extremer wird, je älter ich werde. Deshalb sind auch bei SACRED STEEL eigentlich eher die thrashigen Sachen meine Favourites – Slaughter Prophecy z.B. oder jetzt der Opener. Am geilsten ist natürlich so eine Kombination wie bei Open Wide the Gate – ein heftiges Riff und der melodische Refrain – die Kontraste einfach. Aber ja, ich steh da eigentlich schon auf das Brett, in jeder Beziehung (lacht). Sehr starker Song!

Beneath the Iron Hand

SacredDer vorletzte Song, den man in Winterbach zu hören bekam, beginnt mit einem traditionellen Gitarrenintro und zeigt dann erneut die wuchtige Seite von SACRED STEEL. Insgesamt hat die Band bei Beneath the Iron Hand die meisten Melodien verbraten, sowohl was die Gitarren, als auch den Refrain angeht, und trotzdem haut das Stück voll auf die Zwölf. Ich würde den Song fast schon ein bisschen mit METAL CHURCH vergleichen – ziemlich treibend, Powermetal und in die Fresse. Ist sicher auch einer meiner Lieblingssongs auf dem Album, so weit ich das jetzt beurteilen kann. Im Mittelteil kommen gar leicht orientalisch anmutende Gitarrenharmonien zum Einsatz, was nicht ganz zur textlichen Inspiration des Songs passt – erneut ist eine Dokumentation der Ideenbringer gewesen, dieses Mal über das Schicksal der Verlierer des zweiten Weltkriegs. Das mit den orientalischen Melodien war eigentlich insofern nicht beabsichtigt, dass ich bewusst in diese Richtung gehen wollte. Ich hab einfach etwas herumgespielt und fand die Harmoniefolge recht geil. Das klingt schon auch orientalisch, das stimmt, aber es war nicht beabsichtigt, dass es so klingt; das hat sich aus dieser Tonfolge ergeben.

We Die Fighting

Der wohl typischste SACRED STEEL Song von Iron Blessing erwartet den Hörer dann am Ende des Albums. Zu We Die Fighting braucht man eigentlich nicht mehr viel sagen, der Titel ist Programm und wer SACRED STEEL kennt, der weiß, was ihn hier erwartet. Ja, we die fighting – wenn wir irgendwann sterben, dann kämpfend. Sicherlich der typischste SACRED STEEL Song auf dem Album und einer auf den ich auf jeden Fall auch sehr stehe. Thrashig, direkt in die Fresse, simpler Refrain und klares Statement – der hätte sicher so auch auf der Slaughter Prophecy stehen können. We die fighting war der allerletzte Song, den wir geschrieben haben. Wir haben über die Songreihenfolge nachgedacht und wollten zum Schluss noch mal so einen richtigen Knaller haben. Manche setzen ihre besten Songs ja immer gleich an den Anfang des Albums und dann kommt nicht mehr viel – wir wollten allerdings zum Schluss noch mal ein richtiges Statement und noch mal ein richtig thrashiges Ding, straight in die Fresse – ein perfekter Schlusspunkt für das Album, denke ich.

Abschließend kann man zusammenfassen, dass Iron Blessings ein ganzes Stück weniger eingängig ist, als der Vorgänger, vielleicht kann man sogar vom sperrigsten SACRED STEEL-Album bislang reden. Während ich bei der Listening-Session zu Slaughter Prophecy geradezu in den Sessel gedrückt wurde, hatte Iron Blessings nicht ganz diese Durchschlagskraft, was wohl vor allem auch an den nicht derart ins Ohr gehenden Melodielinien liegen könnte – da ist man manchmal tatsächlich fast sogar schon der Vorgängerband TRAGEDY DIVINE näher, als z.B. einem Wargods of Metal. Die Songideen auf Iron Blessings scheinen nicht derart offensichtlich umgesetzt zu sein, wie bei den letzten Werken. Am Anfang war sicher die Absicht da, wieder abwechslungsreichere Songstrukturen zu machen, die nicht nur auf die Zwölf gehen, sondern mit denen man sich auch auseinander setzen sollte. Das war zum Teil sicher bewusst, andererseits war es aber einfach auch wieder ein weiterer Schritt in der Entwicklung von SACRED STEEL. Zudem ist der Überraschungseffekt der tiefen Growls auf dem neuen Album allerdings nicht mehr derart vorhanden, wobei es dem Gesamtsound von SACRED STEEL verdammt gut tut, dass man den Grunzgesang derart homogen, ausgewogen und konsequent integriert hat. Somit ist mein persönlicher erster Eindruck etwas verhaltener, als es bei Slaughter Prophecy der Fall war, dennoch ist schon nach kurzer Zeit wieder die Spannung da, das Album nochmals mit den ersten Erkenntnissen im Hinterkopf hören zu können. Auf dem Endprodukt werden dann auch die Stücke I am the Conqueror (Come and worship me), Anointed by Blodshed und Crucified in Heaven zu hören sein, zudem ist die Veröffentlichung einer Vinylversion mit beiliegender 7 geplant, auf der sich zusätzlich noch der Song A Curse upon your Name befinden wird. Das war eine Idee von unserem Label, um den Leuten so viel wie möglich für das Geld zu bieten. So weit ich weiß werden die ersten paar hundert Käufer die Single praktisch umsonst bekommen, das ganze hat ´ne Bonus-DVD und für die Erstbesteller die Vinyl-Single als Bonus mit einem Song, der sonst nirgends drauf ist. Die Single wird nur in der Form erhältlich sein und dann nicht mehr. Wie gesagt, eine Bonus-DVD ist auch noch dabei, primär mit einem halbstündigen Making-of aus dem Studio und die History wird auch noch drauf sein. Am 30. Oktober werden wir in Ludwigsburg in der Karlskaserne noch eine Live-DVD aufnehmen – richtig fett. Wir versuchen die größte Show aufzufahren, die wir je gemacht haben, mit Pyros und allem drum und dran. Bis dahin werden wir auch noch einen Videoclip zu Open Wide the Gate drehen und der kommt dann auch noch auf die DVD, die dann

Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres erscheint. Wir wollten den Clip eigentlich jetzt schon auf diese Bonus-DVD packen, aber das hat zeitlich nicht mehr gereicht. Und bevor wir was halbgares zusammen schustern, machen wir das lieber gleich richtig.
Was man aber auf jeden Fall feststellen kann ist, dass Iron Blessings mit Abstand das schwärzste Album der Bandgeschichte darstellt. Das war auch eine Entwicklung, die nicht bewusst stattgefunden hat, sondern die sich einfach ergeben hat. Gerade der Gerrit war ja schon immer sehr an der düsteren Seite interessiert – Hexen, schwarze Messen, usw. Das haben auch schon KING DIAMOND und viele andere Bands gemacht. Auf dem neuen Album gehen nun tatsächlich viele Texte in eine düstere und eher antichristliche Richtung. Und da passen auch ganz gut die härteren, teils thrashigen Songs.

Sacred