NAGLFAR: Elchangriffe und Depressionen

NAGLFAR: Elchangriffe und Depressionen

Mit Harvest haben NAGLFAR zu Anfang des Jahres das zweite Album der Post-Ryden Era veröffentlicht. Im Vergleich zum etwas schwächeren Vorgänger Pariah konnten die Schweden sich auf ihrem inzwischen fünften Album wieder steigern und haben scheinbar so langsam auch ihren Rhythmus gefunden, was die Wartezeit zwischen zwei Alben angeht.

Hi! Erst mal herzlichen Glückwunsch zur neuen Scheibe. Harvest ist meiner Meinung nach deutlich stärker als der Vorgänger Pariah. Würdest du mir da zustimmen?

Danke. Ja, ich finde Harvest etwas stärker als Pariah, aber ich denke immer noch, dass das Album eine Menge zu bieten hat.

Gab es Unterschiede beim Songwriting und den Aufnahmen im Vergleich zum letzten Album?

Ich denk wir waren bei Harvest fokussierter auf das, was wir tun. Wir wollten Pariah so extrem wie möglich machen, dieses Mal war uns aber wichtig, ein wenig mit variierendem Tempo zu experimentieren und in größerem Umfang als bisher langsame Passagen einfügen. Ein weiterer Unterschied war, dass wir an diesem Album sechs Monate lang rund um die Uhr gearbeitet haben, was für uns in Sachen Songwriting und Aufnahmen einen Rekord darstellt. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass es so schnell gegangen ist.

Im Bandinfo stand etwas von Wölfen und Bären, die euch während der Entstehung von Harvest in den Wäldern begegnet sind. Das klingt ja sehr spannend.

Ja, das hört sich wirklich spannend an. Aber ich bezweifele ernsthaft, dass irgendjemand eine Begegnung mit Wölfen oder Bären hatte. Kris wurde während er Aufnahmen zu Pariah von einem Elch angegriffen. Zählt das?

Die Texte auf Pariah drückten größtenteils den Hass auf andere Menschen aus. Bei Harvest wiederum scheint sich sehr viel um Selbsthass und Selbstmord zu drehen. Gab es hierfür einen bestimmten Grund?

Nun, es geht um alle mögliche negative Themen, einige persönlich, einige nicht. Aber ja, ich denke die Lyrics sind etwas depressiver.

Wenn dein Leben aus deiner Sicht total im Eimer wäre, würdest du über Selbstmord als Problemlösung nachdenken? Wenn ja, welchen Weg würdest du wählen um deinem Dasein ein Ende zu bereiten?

Spontan würde ich sagen nein, da ich alle Katastrophen oder Hindernisse die auftreten, als Beleidigung empfinde und sie lieber besiege, als mein Leben zu beenden. Andererseits weiß man nie. Unter bestimmten Umständen ist alles möglich.

Mit dem Titeltrack der neuen CD habt ihr euer bisher melodischstes Stück abgeliefert. Hier hört man bei den Gitarren-Harmonien ganz eindeutig die Göteborg-Schule heraus. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Song?

Naglfar
Spontan würde ich sagen ´nein´, da ich alle Katastrophen oder Hindernisse die auftreten, als Beleidigung empfinde und sie lieber besiege, als mein Leben zu beenden. – Selbstmord ist für Andreas Nilsson keine Option.

Um ehrlich zu sein: Als ich die Idee für die Melodie von Harvest hatte, habe ich bezweifelt, dass sie zum Album passen würde, da ich sie für zu eingängig hielt, wenn du weißt, was ich meine. Also plante ich sie in meiner Riff-Sammlung für späteren Gebrauch zu verwenden, aber der Rest der Jungs mochte es und als Marcus mit der Strophe und dem Solo ankam hatten wir das Gefühl, dass der Song als Abschluss des Albums funktionieren würde. Und ich bin der Meinung, dass es hervorragend geworden ist. Musikalisch fühlt es sich wie eine Art Tribut an die Zeit, als wir mit der Band starteten, an.

Wie geht ihr an das Songwriting für eine neue Scheibe heran? Habt ihr vorher schon grob im Kopf, wie das fertige Resultat klingen soll oder lasst ihr euch einfach von eurem Songwriting überraschen?

Das variiert, aber dieses Mal haben wir uns vorher zusammengesetzt und darüber diskutiert was wir wollen. Das ist einer der Gründe, warum ich Harvest für unser bisher am besten arrangiertes Album halte. Wir hatten eine grobe Idee von dem, was wir tun wollten und haben es so durchgezogen.

Ich habe nie Promo-Fotos von euch gesehen auf denen ihr mit Corpsepaint posiert, was bemerkenswert ist für eine Black Metal-Band, deren Wurzeln bis Anfang der Neunziger zurück reichen. Keine Lust auf Panda-Uniformierung?

Auch wenn ich nichts dagegen habe Make-Up für dramatische Effekte einzusetzen, hatten wir nie das Gefühl Corpse-Paint zu brauchen. Wir lassen die Musik für sich selbst sprechen.

Fühlt ihr euch generell der Black- oder Death Metal-Szene zugehörig? Was denkt ihr über die aktuelle Extrem Metal-Szene und wie seht ihr ihre Entwicklung in den vergangenen Jahren?

Wir haben uns niemals als Black Metal oder Death Metal-Band gesehen, da wir von beiden Genres beeinflusst sind. Ich beschäftige mich nicht all zu sehr mit der heutigen Underground-Szene aber von den wenigen Bands ausgehend, die ich mir anhöre denke ich, dass es der Szene ganz gut geht. sie stagniert in gewissem Maße und ist nicht mehr so faszinierend, wie vielleicht vor zehn Jahren, aber die Szene ist ok.

Euer Vorgänger hieß Pariah, da ihr euch als Ausgestoßene betrachtet. Nun heißt die neue Scheibe Harvest. Seid ihr nun endlich bereit, die Früchte eurer Arbeit zu ernten, den Erfolg einzufahren, der euch nach anderthalb Dekaden und 5 Alben zusteht?

Sicher. Warum nicht?

Könnt ihr inzwischen von dem Leben, was die Band abwirft?

Ha ha ha, nicht im Entferntesten. Wir nehmen alle irgendwelche beschissenen Jobs an, um das hier weiter durchziehen zu können. Aber das ist eine Entscheidung, die man treffen muss und wir sind Willens, das zu tun.

Inzwischen scheint ihr ja euren Veröffentlichungsrhythmus gefunden zu haben. Die letzen beiden Alben erschienen jeweils im 2-Jahres-Takt.

Man weiß nie, wann es uns überkommt. Hoffentlich bleibt dieser Rhythmus bestehen, aber es kann immer wieder zu großen Problemen kommen, die alles verzögern. Alles, was sich sagen kann ist, dass du sicherlich nicht wieder fünf Jahre auf ein neues Album warten musst.

Naglfar
Kris wurde während er Aufnahmen zu ´Pariah´ von einem Elch angegriffen. Zählt das? – die Gerüchte von Begegnungen mit Bären und Wölfen während der Aufnahmen zu ´Harvest´ bleiben Gerüchte.

Glaubst du, ihr könntet jetzt größer und erfolgreicher sein, wenn ihr damals nach Vittra und auch Diabolical schneller nachgelegt hättet?

Ich weiß es nicht. Ich denke es wäre wichtiger gewesen zu touren. Das war für uns aber sehr schwierig, da wir kein starkes Label im Rücken hatten oder eine Booking-Agentur, wie wir sie heute haben.

Was Touren angeht macht ihr euch eher rar. Zumindest gibt es viele Bands, die man deutlich häufiger zu Gesicht bekommt als euch. Woran liegt dass?

Wie ich schon sagte hat unser altes Label uns da nicht unterstützt. Aber wir sind sehr ambitioniert mit dem, was wir heutzutage tun und versuchen so viel wie möglich auf Tour zu gehen.

Wenn ihr tourt, dann eher selten mit andern Black Metal-Bands, dafür aber schon mit so verschiedene Kapellen wie NILE, INTO ETERNITY, FINNTROLL, DARKANE oder SOILWORK. Auf den Billings der großen Knüppel Touren wie NO MERCY oder X-MAS-Festivals sieht man euch im Gegensatz zu einigen eurer Landsmännern nicht.

Wir waren einmal auf den X-MAS Festivals und es war wirklich cool. Aber wir müssen nicht unbedingt mit einer Black Metal-Band auf Tour, da wir Abwechslung für eine gute Sache halten.

Die vier großen schwedischen Death Metal-Bands DISMEMBER, UNLEASHED, ENTOMBED und GRAVE haben sich letztes Jahr zu einer gemeinsamen Tour zusammengerottet. Wie wäre es mit einer schwarzmetallischen Antwort in Form einer Tour von zum Beispiel euch, MARDUK und DARK FUNERAL?

Na ja, da das beides großartige Bands und coole Leute sind, hätte ich damit kein Problem, aber das liegt nicht in unserer Hand.

Euer Ex-Frontmann Jens Ryden hat vor kurzem mit The Omega Rising ein neues musikalisches Lebenszeichen von sich gegeben. Hattest du schon Gelegenheit, dir das Album anzuhören und was hältst du davon?

Ich habe die CD und finde sie klasse. Du kannst hören, dass das Jens ist, der dahinter steht. Er ist auch bei THYRFING eingestiegen und ich bin sehr neugierig, was er mit denen zusammen auf die Beine stellt.

Inwiefern würdest du sagen, dass NAGLFAR sich durch den Weggang Rydens verändert haben? Auch in textlicher Hinsicht. Nur eine neue Stimme oder doch ein großer Einschnitt?

Es gab keine große musikalische oder lyrische Änderung. Natürlich fühlte es sich merkwürdig an jemanden, der zehn Jahre lang da war, nicht mehr an Bord zu haben, aber letztendlich hat es sich als das Beste für alle herausgestellt.

Naglfar
Es gab keine große musikalische oder lyrische Änderung. Natürlich fühlte es sich merkwürdig an jemanden, der zehn Jahre lang da war, nicht mehr an Bord zu haben, aber letztendlich hat es sich als das Beste für alle herausgestellt. – NAGLFAR kommen 2007 auch ohne Jens Ryden ganz gut klar.

Mit Morgan Lie habt ihr einen neuen festen Bassisten. Eine Rückkehr von Jens Ryden scheint unwahrscheinlich zu werden, schließlich müsstet ihr für ihn ein festes Bandmitglied wieder rausschmeißen. War die feste Aufnahme von Morgan auch eine Art endgültiger Abschluss des Kapitels Jens Ryden bei NAGLFAR?

Ich denke wir wussten alle von Anfang an, dass Jens nicht zurückkommen würde. Das Kapitel war also seit den Aufnahmen von Pariah geschlossen.

Auch ihr habt – wie viele Bands – unter dem Kult-Debüt-Syndrom zu leiden. Auch ich mag Vittra von euren Alben am liebsten, auch wenn die späteren Alben ganz subjektiv vom Spielerischen und auch vom Songwriting und den Arrangements her eine deutliche Entwicklung aufzeigen. Betrachtest du die Verehrung eures Debüts eher als Fluch oder als Segen?

Wir sind einfach froh, dass es den Leuten gefällt. Ich kann es wirklich nicht als Fluch sehen.

Welches eurer Alben ist dein persönlicher Favorit? Die neue Scheibe lassen wir hier jetzt mal außen vor 😉

Ich höre mir unsere alten Sachen kaum an, da wir sie im Proberaum immer wieder spielen. Aber neben Harvest würde ich sagen, dass mir Sheol am besten gefällt.

Vielen Dank für das Interview. Irgendwelche letzten Worte an unsere Leser?

Danke für das Interview. Hört euch unser neues Album an, wenn ihr die Chance dazu habt. Ich hoffe ihr mögt es.

Bilder: Label

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.