NAGLFAR: Cerecloth

naglfar-cerecloth-cover

Lange acht Jahre haben NAGLFAR sich Zeit gelassen, um mal wieder ein Album auf die Menschheit loszulassen. Und ich fand die fünf Jahre zwischen “Harvest” und “Teras” schon recht lang. Aber gut, NAGLFAR müssen niemandem mehr etwas beweisen und planen auch sicher nicht mehr mit einer Rockstar-Karriere, können sich also alle Zeit der Welt lassen – Hauptsache das Ergebnis stimmt. Und ein wirklich schlechtes Album haben die Schweden bisher noch nicht veröffentlicht, auch wenn die ersten drei Alben mit Original-Frontmann Jens Ryden bisher unübertroffen in der Diskographie der Band aus Umeå stehen. Nun gibt es also endlich wieder ein neues Album der Band. Und von den ersten Klängen an ist klar, dass NAGLFAR weder irgendwas verlernt haben noch auch nur einen Millimeter von ihrem bisherigen Stil abweichen.

Rasend, hymnisch, schleppend – NAGLFAR bieten auf “Cerecloth” Abwechslung

Nach einem kurzen Intro bricht der Titeltrack wie ein eisiger Sturm über uns herein. Klirrende Gitarren, ein unbarmherzig nach vorne treibendes Schlagzeug und Kristofer Olivius, der wie gewohnt Gift und Galle spuckt, dabei aber im Vergleich zu anderen Black Metal-Keifern auch einen hohen Wiedererkennunsgswert hat. Für den Sound der Schweden ist er dabei sicher nicht weniger wichtig als das prägende Gitarrenduo Norman/Nilsson. Bei “Horns” zügeln die Schweden zumindest ein wenig das Tempo und präsentieren uns eine erhabene Hymne. Mit einem Basslauf startet “Like Poison For The Soul”, welches sich als fieses, kriechendes Monster entpuppt. “Cry Of The Serafim” ist zumindest größtenteils ein weiteres schleppendes Stück, bei dem mir allerdings diese merkwürdig schief klingende Leadgitarre in den Strophen fast schon körperliche Schmerzen bereitet. Versteht mich nicht falsch, das klingt nicht nach schlampig gespielt, sondern bewusst so gespielt, dass man glaubt man muss zum Zahnarzt. Macht es aber für mich nicht besser.

Das Warten auf “Cerecloth” hat sich gelohnt – NAGLFAR sind so stark wie eh und je

Eine gewisse Nähe zu DISSECTION war bei NAGLFAR ja schon immer latent vorhanden. Am deutlichsten scheint diese im überragenden “The Dagger In Creation” durch. Eine echte finstere, rasende Hymne. Nachdem NAGLFAR mit “A Sanguine Tide Unleashed” nochmal pure Raserei entfesseln bildet das ruhige “Necronaut” den atmosphärischen Übergang zum großen Finale “Last Breath Of Yggdrasil”, einem massiven wie epischen Abschluss dieses großartigen Albums. Wie zu Eingangs schon geschrieben haben NAGLFAR sich Zeit gelassen mit ihrem siebten Album. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn bei der gebotenen Qualität dürfte kein Anhänger der Band enttäuscht sein. Und auch wenn die “Vittra”, “Diabolical” und “Sheol” für mich weiter unangetastet als Highlights in der Diskographie von NAGLFAR stehen, so platziert sich “Cerecloth” dicht hinter dem Triumvirat. Viel besser kann man melodischen Black Metal schwedischer Prägung nicht spielen. Auf NAGLFAR ist eben Verlass

Veröffentlichungsdatum: 08.05.2020

Spielzeit: 43:46

Line Up:

Kristoffer W. Olivius – vocals
Marcus E. Norman – guitar
Andreas Nilsson – guitar

Produziert von: Marcus Norman @ Wolf’s Lair Studio, mastered by Dan Swanö @ Unisound

Label: Century Media Records

Bandhomepage: http://www.naglfar.net/
Facebook: https://www.facebook.com/naglfarofficial/

NAGLFAR „Cerecloth“ Tracklist

01. Cerecloth (Video bei YouTube)
02. Horns
03. Like Poison for the Soul
04. Vortex of Negativity (Video bei YouTube)
05. Cry of the Serafim (Visualizer-Clip bei YouTube)
06. The Dagger in Creation
07. A Sanguine Tide Unleashed
08. Necronaut
09. Last Breath of Yggdrasil

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.