KICK – Die Zukunft des Rock`n`Roll: Jede Menge nackte aufblasbare Frauen

KICK – Die Zukunft des Rock`n`Roll: Jede Menge nackte aufblasbare Frauen

Es ist schon einige Wochen her, seit die Briten KICK ihr Zweitalbum „Sweet Lick Of Fire“ veröffentlichten. Dennoch macht folgendes Interview Sinn. Und sei es nur deshalb, um all jenen besagte Band in Erinnerung zu rufen, die kraftvollem, melodischen Rock nach wie vor viel abgewinnen können, all die uninspirierten und altbackenen Zweit- und Drittauflagen vergangener Tag jedoch wenig aufregend finden. Denn: „Sweet Lick Of Fire“ ist, was in Anbetracht des musikalischen Zeitgeistes zu befürchten war, in zahlreichen Reviews unter Wert verkauft worden und infolgedessen in der allgemeinen Medienberichterstattung kürzer gekommen, als es KICK zu gönnen gewesen wäre. Und es wäre schade, wenn dieses ausgezeichnete Album gänzlich untergehen würde. Eine Meinung, die auch Chris Jones teilt, der selbstbewußte Bassist und – gemeinsam mit Bruder Mike – Gründervater der Band. Wäre es nach ihm gegangen, hätten auch kaum zwei Jahre vergehen müssen, bis dem Debüt „Consider This“ das ungleich stärkere Zweitwerk folgen konnte. Immerhin hatten er und Sänger Nick Workman schon auf ihrer ersten Promotiontour, die sie im August 1999 auf die popkomm nach Köln führte, ein rasches Arbeitstempo versprochen, um sich als unbekannter Newcomer möglichst rasch einen Namen zu machen. Was also war seitdem geschehen?

Nun, im Oktober sind wir noch einmal nach Deutschland zurück gekommen, um mit BONFIRE auf Tour zu gehen. Das war eine sehr gute Sache für uns. Wir haben Deutschland ein wenig kennen gelernt und wir haben die Erfahrung gemacht, wie es ist, in fremden Ländern vor einem fremden Publikum zu spielen. Es war ein tolles Erlebnis! Während dieser Tour bekamen wir einen Anruf und erhielten die Anfrage, ob wir nicht die London-Show mit THUNDER spielen wollten. Als wir dann wieder in England waren, erfuhren wir, daß wir sogar die gesamte Tour mit THUNDER durchziehen könnten. Eigentlich wollten wir ja in dieser Zeit wieder ins Studio gehen, um unser zweites Album aufzunehmen, aber das haben wir dann kurzerhand verschoben, um die Shows mit THUNDER zu spielen, denn so konnten wir eine Menge Leute erreichen. Es war ja die Abschiedstour von THUNDER, und somit eine besondere Chance, an acht Abenden vor jeweils 1500 bis 2000 Leuten zu spielen. Wir standen also vor insgesamt rund 15.000 THUNDER-Fans, die nicht nur „ihre“ Band gesehen haben, sondern auch eine neue britische Rock-Band kennenlernen konnten. Es lief dann auch alles hervorragend! Den Aufnahmetermin mußten wir aber eben verschieben, und daher haben wir erst Anfang 2000 mit der Arbeit am Album begonnen. Im Mai waren wir dann fertig und gingen erst wieder mit VAUGHN auf Tour. Zu diesem Zeitpunkt begannen die ganzen Umstrukturierungen bei Sanctuary, wodurch ein Major-Label entstand. Unser eigentliche Plattenfirma Beast Records (das ehemalige Label des IRON MAIDEN-Bassisten Steve Harris – der Verf.) gab es von da an nicht mehr und Sanctuary hat in Europa auch mit dem Kauf von Noise expandiert. Daher lag der Fokus anfangs auf den großen Acts Rob Halford, THE ALMIGHTY und MEGADETH. Wir mußten da etwas hinten anstehen. Es ist wirklich schade, daß es dadurch so lange gedauert hat, bis das Album endlich erscheinen konnte, andererseits ist die Infrastruktur bei Sanctuary nun wesentlich größer und besser ausgebaut. Wenn dieses Label nun eine Band wie KICK pusht, dann wird das jeder mitbekommen. Das Album ist zwar bei Erscheinen schon ein Jahr alt, aber das macht im Grunde nichts. Es ist ein zeitgemäßes, ein sehr modernes Album.

Und es klingt weit ausgereifter und packender als noch das Debüt. Seid Ihr inzwischen zusammengewachsen? Bei den Aufnahmen zu „Consider This“ hattet Ihr ja gerade erst zusammen gefunden und von einer richtigen Band konnte man an sich kaum sprechen…

Wir sind zusammengewachsen, auf jeden Fall. Das erste Album war im Grunde nichts anderes als eine Sammlung von Demos und Songs, die wir in der Zeit aufgenommen hatten, bevor der Vertrag mit Beast Records zustande kam. Als Steve Harris und der Label-Manager damals das Material gehört hatten, wollten sie nicht, daß wir alles noch einmal von vorne einspielen, daher wurde das alles nur noch einmal neu abgemischt. Deshalb war auch noch der Drumcomputer zu hören. Ich denke, das erste Album ist alles in allem zu glatt ausgefallen. Wichtig war aber, daß wir mit ihm unter Beweis stellen konnten, daß wir gute Songwriter sind. Und das ist schließlich das wichtigste für jede Band: Ohne gute Songs läuft nichts. Wichtig war außerdem, daß wir rausgegangen sind und die Songs auch gespielt haben. Dabei wurde uns dann klar, daß wir eigentlich auch eine Live-Band sind. Wir sind zusammengewachsen und uns war klar, daß die Aufnahmen des zweiten Albums unter ganz anderen Vorzeichen stehen werden. Erst jetzt waren wir in der Lage, unsere eigene Identität zu entwickeln. Es gibt derart viele Bands, die gleich klingen und man muß einfach eine eigene Position beziehen. Man muß auch zukunftsorientiert arbeiten, alles etwas zeitgemäßer angehen und etwas riskieren, dabei aber all die klassischen Rockelemente beibehalten. Das war unser Ansatz, und daher klingt das Album, wie es eben klingt. Wir wollten, daß sich das Album anhört, als würde die Band in Deinem Wohnzimmer stehen und spielen. Ich denke, das ist uns gelungen. „Sweet Lick Of Fire“ klingt nicht so poliert und überproduziert, es klingt nach einer Live-Band. Das wollten wir erreichen, und das Ergebnis kommt dem KICK-Sound, der uns vorschwebt, schon sehr nahe. Wir werden uns aber noch weiterentwickeln.“

Welche Rolle spielte euer Produzent Andy Reilly bei dieser Identitätssuche zwischen klassischem 80er-Rock und modernem Ansatz?

Eine sehr wichtige! Das Gute an ihm ist, ist, daß er einen ähnlichen Hintergrund mitbringt wie wir. Auch er ist mit dem Rock der 80er aufgewachsen und hat mit Bands wie THUNDER, FM und SKIN gearbeitet. Er wußte genau, wo wir herkommen, aber er verstand auch unsere Zukunftsvision, und das war uns wichtig. Im Studio hatten wir nichts von all den Alben dabei, mit denen wir groß wurden. Was wir dabei hatten, waren Sachen wie SOUNDGARDEN, MANIC STREET PREACHERS, die STEREOPHONICS und RADIOHEAD, also ganz unterschiedliche Rockstile. Das heißt nun nicht, daß wir wie diese Bands klingen wollten. Aber es ging uns um ihren Ansatz: Diese Bands nehmen Musik auf eine ganz andere Art und Weise auf. Wir hatten das Gefühl, wenn wir diesen Ansatz mit dem klassischen Melodic Rock kombinieren, kommt dabei etwas heraus, das sich von der Masse abhebt. Viele Rockalben sind einfach überproduziert, sie klingen nicht mehr echt und authentisch. Aber die Hörer wollen diese Authentizität! Ich denke, zu 75% Prozent sind wir jetzt schon da, wo wir hinwollen. Auf dem dritten Album werden wir es dann ganz geschafft haben. Vor uns liegt also immer noch eine gewisse Wegstrecke, aber das wichtigste ist, daß die Richtung stimmt.

Du hast bereits einige Bands erwähnt, die in Großbritannien sehr populär sind: Die MANIC STREET PREACHERS, die STEREOPHONICS und – erstaunlicherweise – RADIOHEAD. Gibt es auf dem Musikmarkt noch Platz für eine Band wie KICK? Was für ein Feedback habt Ihr bislang in Eurer Heimat erfahren?

Ein phänomenales! Wir haben ein Videotape mit einem unserer Auftritte auf der THUNDER-Tour. Da waren um die 2500 Leute, und wir sind hinauf auf die Bühne und plötzlich lief alles wie von selbst. Die Reaktionen des Publikums jagten mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken! In einem solchen Moment weiß man einfach: Das ist richtig so, das ist gut, genauso muß es laufen! Es zeigt, daß die Zeit reif ist für eine neue britische Band. Auch in Deutschland, auf der Tour mit BONFIRE, war genau DAS die Rückmeldung der BONFIRE-Fans: Sie hatten schon ewig keine britische Rockband mehr gesehen, zuletzt wohl DEF LEPPARD und LITTLE ANGELS. Und nun sind KICK da! Das ist großartig. Natürlich gibt es in Deutschland eine Menge Rockbands, die Szene dort ist noch sehr gesund. Aber wo sind all die englischen Bands? Auch da muß es wieder etwas geben. Und wir kriegen Dinge zu hören wie „KICK ist eine Band der Zukunft, eine Melodic Rock-Band, die Melodic Rock wieder zurück ins Mainstream-Radio bringen kann“. Das ist im Grunde schon das, was wir erreichen wollten. Uns ist sehr wohl bewußt, was neue populäre Rockbands so machen, aber es ist uns ebenfalls sehr wichtig, unseren Hintergrund zu bewahren. Wir sind mit AEROSMITH, GUNS’N’ROSES und DEF LEPPARD aufgewachsen, haben Bands wie die SCORPIONS und U.F.O. gehört. Sie alle haben großartige Songs geschrieben, und das ist natürlich das Wichtigste überhaupt. Aber wir befinden uns im Jahr 2001 und man muß diesen klassischen Stil auch weiterentwickeln und alles etwas zeitgemäßer angehen.

Klingt ja alles sehr euphorisch. Aber wie steht es mit den britischen Medien? Die sind ja sehr bekannt dafür, mit Bands hart ins Gericht zu gehen, die nicht ihrer Vorstellung von „Hipness“ entsprechen. Wie ist die Presse Eurer Heimat mit Euch umgesprungen?

Nun, im Grunde ist jede Art von Presse positiv, egal ob sie gut oder schlecht ausfällt. Interessanterweise bekamen wir im britischen Metal Hammer UK zwar eine gute Note, aber keine gute Rezension. Das ist schon komisch, aber naja. Sie sagten, wir wären nicht zeitgemäß. War wohl der falsche Rezensent. Wenn man LINKIN PARK oder LIMP BIZKIT hört, dann kann man wohl nichts mit KICK anfangen. Das passiert eben. Aber ein Review im Classic Rock sate, KICK würde eines Tages eine international bedeutsame Band werden! Das ist schon ein unglaubliches Statement von einer britischen Zeitschrift. Und es stammt von Malcom Dowell, der seit 20 Jahren für Kerrang, Classic Rock und Metal Hammer schreibt. Ein sehr interessantes und ungeheuer positives Statement. Dowell meinte, das Feuer hätte gerade erst Funken gefangen. Unsere Zeit werde also erst kommen…

Wenn man derlei Aussagen hört: Was für eine Vision entwickelt man da hinsichtlich der Zukunft der Band? Wo, denkst Du, steht Ihr in zehn Jahren?

In zehn Jahren? Das ist eine lange Zeit (lacht). Das ist nun der zweite Tag, an dem ich Interviews gebe, das Interesse an uns ist bislang erstaunlich groß, sehr viel größer, als wie erwartete hatten! Uns war klar: Entweder lieben die Leute das Album, oder sie hassen es. Wir hatten eben gehofft, daß sie es lieben. Und besonders in Deutschland kam es tatsächlich besonders gut an! Nun müssen wir uns um eine stete Livepräsenz bemühen, wir müssen da raus und uns eine Fanbasis erspielen. In den nächsten zehn Jahren müssen wir im Grunde zehn Alben einspielen und dazwischen ununterbrochen auf Tour gehen. Wenn das klappt, dann ist KICK vielleicht eine Band, wie sie DEF LEPPARD oder WHITESNAKE mal waren. Man muß da ja auch auf dem Hintergrund der britischen Szene sehen: Wer kam denn nach WHITESNAKE und DEF LEPPARD? THUNDER haben es nie ganz geschafft, obwohl sie lange Zeit kurz davor standen. Mit der richtigen Tourplanung und der richtigen Promotion und Unterstützung durch die Plattenfirma können wir es schaffen. In den nächsten zehn Jahren müssen wir am Ball bleiben und alles langsam aufbauen. Und dann werden wir hoffentlich in den großen Stadien Deutschlands spielen. Das hört sich jetzt vielleicht sehr großspurig an, aber wenn man als Band nicht in derlei Dimensionen denkt, dann wird es niemals so weit kommen. Mein Motto ist: Denke groß, dann bist Du groß. Dazu gehört natürlich viel viel harte Arbeit. Das ganze Unternehmen KICK st auch eine Business-Sache. Wir lieben das, was wir tun, wir lieben es über alles, aber zur Musik gehört auch das Business, und werden alles tun, was nötig ist, um Erfolg zu haben. Natürlich muß in erster Linie die Musik stimmen, denn ohne gute Songs und als schlechte Live-Band passiert gar nichts. Soweit also meine Antwort (lacht)

Du hast KICK bereits mehrfach in den Kontext der britischen Musikgeschichte eingeordnet. Wie wichtig ist Dir die Herkunft Eurer Band?

Sie ist gar nicht so wichtig. Unser Drummer ist übrigens Amerikaner (lacht) Und die Mutter unseres Keyboarders kommt aus Finnland. Grundsätzlich sind wir zwar schon eine europäische Band, aber darauf kommt es nicht so an. Uns geht uns nicht darum, die Flagge Englands hochzuhalten. DEF LEPPARD hatten ja den Union Jack über der Bühne und all das, aber so etwas bedeutet uns nichts. Das Wichtigste ist, daß wir mit unsere Musik weltweit akzeptiert werden, sei es nun in Japan, in Deutschland oder in England. In Amerika haben wir bislang noch überhaupt nicht Fuß gefaßt, und wenn es erst einmal so weit ist, kann sicher alles mögliche passieren.

Nun mal etwas ganz anderes: Du hast die Band damals gemeinsam mit Deinem Bruder Mike gegründet. Wie ist das, mit einem derart engen Verwandten zusammen zu arbeiten?

Eine gute Frage. Uns verbindet sicher nicht die gleiche Haß-Liebe wie die Gallaghers (lacht). Noel und Liam Gallagher sind ja ständig unterschiedlicher Meinung und tragen all ihre Konflikte öffentlich aus. Nun, ihnen kam das zugute, denn sie haben jede Menge Alben verkauft, haha! Mike und ich wir sind sehr unterschiedliche Charaktere. Mike ist sehr introvertiert und still. Bis er dann auf die Bühne geht, dann geht er völlig aus sich heraus! Im Alltag bin ich hingegen der Extrovertierte, der gerne Interviews gibt und ziemlich gut drauf ist. Aber auf der Bühne bin ich dann der Zurückhaltende. Das ist schon interessant… Was den Arbeitsablauf in der Band angeht: Mike schreibt all unsere Songs, und da gibt es keinen Streit zwischen uns, ich rede ihm da nicht hinein. Er kommt mit einem fertigen Song zu mir, und fragt mich, was ich davon halte. Entweder sage ich dann, daß er mir gefällt, oder daß ich ihn hasse. Das funktioniert sehr gut, zumal Mike jemand ist, daß er auch Vorschläge von anderen zuläßt, Auch Nick (Workman – der Verf.), unser Sänger, bringt seine Ideen gelegentlich mit ein und schreibt auch ein paar Texte. Aber letztlich ist Mike für unsere Songs verantwortlich. Wenn er jemals aufhören würde, für uns zu scrheiben, wäre KICK nicht mehr dieselbe Band. Doch, es ist schon eine gute Arbeitsbeziehung zwischen uns. Und unseren letzten Streit hatten wir wohl, als ich ungefähr sechs Jahre alt war. Er hat gewonnen, aber er war ja auch älter! (lacht)

Wann habt Ihr begonnen, zusammen Musik zu machen?

Als wir so fünf und sechs Jahre alt waren, haben uns unsere Eltern zu einem klassischen Gitarrenlehrer geschickt. Damals habe ich es gehasst, aber unsere Eltern wollten wollten, daß wir mit Musik aufwachsen. Damals hat jedes Kind ein Instrument gespielt, das war halt so in den 70ern. Ich habe später sogar Trompetespielen gelernt, und Mike Cello. Dadurch haben wir ein Gefühl für Musik entwickelt. Als ich dreizehn oder vierzehn war, habe ich dann meine erste E-Gitarre bekommen. Mike hat noch eine Weile auf der klassischen Gitarre weitergemacht und ist dabei sehr weit gekommen. Deshalb ist er heute ein derart guter Musiker und hat ein viel besseres Verständnis für musiktheoretische Hintergründe als ich. Ich bin eher der typische, einfache Rock Gitarrist.

Wer oder was hat dich damals veranlaßt, die klassische gegen die elektrische Gitarre einzutauschen?

Ich denke, wir kamen mit Rock in Berührung, als wir so zehn oder elf waren. Einige ältere Freunde von uns hörten VAN HALEN, U.F.O. oder die SCORPIONS. Und als wir das dann gehört haben, war es um uns geschehen: Es gab kein Zurück mehr! Es gab für uns nichts mehr anderes als Rockmusik. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn wir nicht so früh mit dieser Musik konfrontiert worden wären. Aber von diesem Tag an gab es nur noch Rockmusik. Ich selbst höre allerdings auch recht unterschiedliche Musikstile, auch Bands wie LIMP BIZKIT oder LINKIN‘ PARK. Speziell jungen Hörern haben diese Bands einiges zu bieten. Ich möchte, daß junge Hörer auch KICK eines Tages cool finden können. Und ich denke, als BON JOVI mit ‚It’s My Life‘ kamen, haben sie auch versucht, sich eine neue Generation von Hörern zu erschließen, Hörer, die fünfzehn oder sechzehn sind. Und es ist ihnen gelungen! Als ich BON JOVI auf ihrer letzten Tour sah, waren jede Menge Kids unter den Besuchern. Und das erstaunliche ist eigentlich, daß vielleicht ihre Eltern schon 1983 BON JOVI-Fans waren. Ich denke, daß alles irgendwann wieder kommt. 1986 war vielleicht das Hochjahr des Rock: DEF LEPPARD haben „Pyromania“ veröffentlicht und es gab jede Menge wirklich große Bands. Viele Kids kramen nun auf der Suche nach neuer Musik die Platten ihrer Eltern heraus, die diese Bands damals gehört haben, und entdecken sie nun für sich. Das ist eine gute Sache!

Warum, denkst Du, war diese Musik rund zehn Jahre völlig tabu?

Tja, was war nur los in den 90ern? (lacht) Ich habe keine Ahnung. Letztlich war Grunge eine gute Sache. Ich denke, das Gesicht des Rock mußte sich einfach wieder ändern. Jeder hatte lange dauergewelltes Haar, und war entsetzlich hochgestylt. Ich natürlich auch! (lacht) Das war eben so, und es war OK, daß sich das dann auch wieder geändert hat. Ich war 1992 mit Mike in Los Angeles, und genau zu diesem Zeitpunkt war die Grunge-Szene ganz groß. Es war offensichtlich, daß sich alles geändert hatte. Die Kids wollten einfach etwas Bodenständigeres, etwas Aggressiveres, etwas, das ihnen ein ganz anderes Gefühl vermittelte als das, was sie aus den 80ern kannten. Sie wollten keine großen Shows mehr sehen, sie wollten in einen Club gehen und herumhüpfen, ähnlich wie damals zur Punk-Zeit. Um ehrlich zu sein: Ich dachte nicht, daß Melodic Rock das überhaupt überlebt. Aber auch da kam irgendwann wieder ein Umdenken. Und das gefällt mir an BON JOVI: Sie sind wiedergekommen und haben sich dabei neu erfunden. Die beste Tour, die ich je gesehen habe, war die „Keep The Faith“-Tour in den USA. BON JOVI sind aus den 80ern zurückgekehrt und haben einen neuen Stil von Melodic Rock etabliert. DEF LEPPARD hingegen ist das nicht so gelungen, sie haben ihren Status verloren. Ich denke, wenn man heutzutage mit Melodic Rock Erfolg haben will, dann muß man es ähnlich machen wie BON JOVI und das ganze neu erfinden. Bei den Aufnahmen von „Sweet Lick Of Fire“ war genau DAS auch unser Anliegen: Wir wollten etwas anderes machen als das, was es schon vor 20 Jahren gab. Es gibt so viele Bands, die immer noch exakt das gleiche machen wie die Bands damals, aber das ist nicht mein Ding.

Nichtsdestotrotz träumst auch Du davon, wie die alten Helden eines Tages in großen Stadien aufzutreten. Vorausgesetzt, Geld spielt keine Rolle: Wie würde die perfekte KICK-Stageshow aussehen?

Nun, es gibt nichts Schlimmeres, als zu einem großen Konzert zu gehen, dann hinten zu stehen und nichts sehen kann. Ein wirklich guter Gig findet meiner Meinung nach eigentlich in einer kleineren Halle mit gutem Licht und gutem Sound statt, vor allem aber mit einer guten Atmosphäre. Die Atmosphäre ist das Wichtigste, die Leute müssen das Gefühl haben, Teil der Show zu sein. Darauf kommt es an! Das Geld… naja…. Es gibt natürlich tolle Sachen, die man machen kann, zum Beispiel damals die MÖTLEY CRÜE-Show, als sich Tommy Lee mit seinem Drumkit über den Köpfen der Fans gedreht hat. So etwas hatte ich noch nicht gesehen! Aber das ist nur Entertainment. Ich denke, das Wichtigste ist, gute Songs mit einer guten Stageperformance zu kombinieren. Die Größe der Bühne ist dabei egal, es kann in einem Club genauso aufregend sein wie vor 80.000 Leuten, solange man nur eine intime Beziehung zum Publikum aufbauen kann und entsprechendes Feedback bekommt. Nun, aber wenn Du mich schon so fragst: Ich denke, es wäre phantastisch, jede Menge aufblasbare nackte Frauen über dem Publikum schweben zu lassen…