KHOLD: ´Love Hard´ habe ich in meinen alten Zeiten getan

KHOLD-Schlagzeuger Sarke gibt Auskunft über das Doppelleben von TULUS und KHOLD, Textschreibende Frauen und die alten Zeiten…

 

KHOLD sind seit der Jahrtausendwende fester Bestandteil der norwegischen Black Metal-Szene. Obwohl sie nicht zur alten Garde gehören, klingt die Band um den Frontmann mit dem halbgesichtigen Corpsepaint angenehm unaufgeregt altmodisch. Gleichzeitig ist es die andere Hälfte des Janusartigen Band, welche für gelungene Experimente bekannt ist – einfach unter dem Namen TULUS. Aktuell fahren KHOLD mit Hundre år gammal jedoch ein groovendes, old schooliges Schwarzmetallbrett auf. Schlagzeuger Sarke ist trotz des Titels dem Internet nicht abgeneigt und gibt virtuell Auskunft zum musikalischen Doppelleben, der eigenwilligen Covergestaltung und anderen KHOLDen Geschehnissen.

Erstmal danke für das coole Hundre år gammal-Album. Warum war es nach dem 2007er TULUS-Release Biography Obscene Zeit, KHOLD wiederauferstehen zu lassen?

Nach vier Alben und vielen Konzerten mit KHOLD brauchten wir einfach eine Pause. Wir mussten neue Energie tanken. Nach diesen zwei Jahren fühlte es sich richtig an, wieder ein KHOLD-Album zu kredenzen. Und es hat funktioniert. Biography Obscene wurde deswegen eingeschoben, da wir es schon eine Weile lang vorhatten, wieder ein TULUS-Album zu machen. Als wir KHOLD pausierten, hatten wir Zeit dafür, eben dieses TULUS-Werk zu kreieren.

TULUS und KHOLD scheinen jeweils nebeneinander, aber nie gleichzeitig zu existieren. Wenn die eine Band aktiv ist, liegt die andere auf Eis. Ist das wirklich so? Und habt ihr jemals darüber nachgedacht, die eine Band definitiv aufzulösen und nur noch unter einem Banner kreativ tätig zu sein?

Nein, über das haben wir nie nachgedacht. Aber es könnte in der Zukunft geschehen, wir wissen es jetzt einfach nicht. Bis jetzt ist es so, dass KHOLD eine Band ist, TULUS jedoch lediglich ein Projekt für mich und Gard.

In dem Fall kommen wir jetzt auf die Bandaktivitäten zu sprechen. Keiner von euch bei KHOLD ist 100 Jahre alt – worauf bezieht sich also der Titel von Hundre år gammal? Und warum gerade 100 Jahre?

Es geht einfach darum, in die Vergangenheit zu reisen. KHOLD bezieht sich immer auf die Vergangenheit und nicht die Zukunft. 100 Jahre ist einfach eine schöne runde Zahl. Es ist eine Art Redewendung: Es ist 100 Jahre alt – das heißt schlicht, dass es alt ist.

 KHOLDband2008vonlabel
Ich glaube, man kann zu alt für diese Musik sein, aber ich bin mir nicht sicher – selbst bei Sarke sind noch Fragen offen zum Thema Alter und Black Metal

Welche Gedanken verknüpfst du mit dem Alter und dem Altern? Fürchtest du dich vor dem Altern und hängst dem Motto Live fast, love hard, die young nach? Und denkst du, dass man zu alt für Black Metal sein kann?

Ich fürchte mich nicht vor dem Altern und denke auch nicht soviel darüber nach. Ich denke mehr darüber nach, was ich alles tun kann, wenn ich älter bin. Das hat also nichts mit Schnelligkeit zu tun. Love hard habe ich eher in meinen alten Zeiten getan – hoffe ich. Bezüglich dem Alter und dem Black Metal: Ich glaube, man kann zu alt für diese Musik sein, aber ich bin mir nicht sicher…

Eine Black Metal-Band, die ja schon ziemlich alt (aber umso besser) ist, ist DARKTHRONE. Manchmal erinnert mich das Material auf eurem aktuellen Album etwas an die neueren DARKTHRONE-Sachen à la Graveyard Sluts. Was ist deine Meinung zu den neueren DARKTHRONE-Alben? Und welches ist dein Lieblingswerk deiner Landsleute?

Ich mag auch ihre neuen Alben. Aber es wäre schon cool, wenn sie ein neues A blaze in the northern sky-Album machen würde. Mein Lieblingsalbum von ihnen ist vermutlich Transylvanian Hunger oder Panzerfaust…

Gerade bei DARKTHRONE ist eine solche Entscheidung ja besonders schwierig. Waren sie es, die dich zum Black Metal gebracht haben? Oder wie bist zu zum Metal und seiner schwarzen Spielart gekommen?

MAYHEM war meine erste Begegnung mit norwegischem Black Metal. Aber es war wohl DARKTHRONE, die mich hauptsächlich reingebracht haben in die Schwarzmetallwelt. Auch SLAYER und CELTIC FROST spielten in diesem Prozess eine entscheidende Rolle.

Kommen wir zurück zum Heute. Hundre år gammal wartet mit norwegischen Lyrics auf, die dem Werk einen angenehm herben Klang geben. Masterpiss of Pain (noch immer einer der allercoolsten englischen Albumtitel) zeigte jedoch, dass ihr auch dem Englischen nicht abgeneigt scheint. Werden wir von KHOLD in Zukunft mal englische Lyrics hören? Und gibt es eigentlich ein Konzept, welches die Texte auf Hundre år gammal verbindet?

Es ist kein Konzeptalbum. Aber es geht in den Texten um die alten Tage und die merkwürdigen Dinge, die damals geschahen. Zu den Lyrics: Nun, wir haben über englische Texte diskutiert, aber am Ende entscheiden wir uns immer fürs Norwegische. Es passt einfach am besten zu unserem Stil und zu unserer Musik.

Soweit ich weiß, schreibt Hildr ja alle Texte für KHOLD, was ziemlich ungewöhnlich ist, da sie sonst nicht als Bandmitglied auftritt. Warum schreibt sie eure Lyrics? Und hat sie als Frau andere Gedanken zum Altern als ihr?

Rinn, unser Gitarrist, hat ebenfalls einige Lyrics für die KHOLD-Alben geschrieben.

Zu Hildr: Ich weiß nicht, ob es für sie anders ist, über das Alter zu schreiben. Aber wir wollten uns mit diesem Thema auseinandersetzen und sie interessiert sich ebenfalls für die alten Zeiten und alte norwegische Geschichten. Sie schreibt die meisten unserer Texte, weil sie gute und düstere Texte schreibt. Sie inspiriert uns auch dazu, dunkle Musik zu kreieren.

Eine Muse im besten Sinne des Wortes. Wie sieht dieser kreative Prozess bei euch denn aus? Und steht am Anfang die Musik oder der Text?

Das kann so oder so sein. Die Musik schreiben wir auf jeden Fall zuhause.

Neben Hildrs Schaffen für euch ist ja auch ungewöhnlich, wie ihr euch visuell in Szene setzt. Ich spiele hier auf das ungewöhnliche, individuelle Corpsepaint an, welches Gard benutzt. Steckt eigentlich eine tiefere Bedeutung dahinter?

Es war einfach seine eigene Idee, dieses Corpsepaint zu haben. Ich glaube nicht, dass da eine tiefere Bedeutung dahinter steckt.

Visuell habt ihr für Hundre år gammal ja ein Artwork gewählt, welches etwas an Pergament und alte Fotos erinnert. Wer war für die Kreation und die Umsetzung verantwortlich?

Theterje.net hat das Artwork, Layout und die Bilder gemacht. Wir selber sind diejenigen, die für die künstlerische Umsetzung und unser Image verantwortlich sind. Er hat uns diesen antiken Look vorgeschlagen und wir haben die Idee angenommen, weil sie zum Gesamtbild und zur Musik passt.

 KHOLDkrekcover
Trademark-Gesicht mit Logofunktion: Gard (KHOLD)

Ich nehme mal an, dass wieder Gard auf dem Cover ist – so wie damals auf dem gelungenen Frontbild von Krek. Warum ist eigentlich nur er Teil des Artworks und die anderen Bandmitglieder nicht?

Gard ist auf allen KHOLD-Releases auf dem Frontcover. Das ist sozusagen zu einem KHOLD-Trademark geworden. Wir brauchen schon fast kein Logo mehr auf dem Frontcover. Wir haben einfach sein Gesicht drauf und alle wissen: Das ist ein KHOLD-Album.

Stimmt. Ich mag auch euer letztes Album, Krek. Allerdings habe ich nie rausgefunden, was Krek als Wort eigentlich bedeutet…

Es ist ein Bastard. Eine Person, die allein sein muss. Ein Freak. Oder so.

Aha. Kommen wir nochmals auf Hundre år gammal zu sprechen. In Sachen Produktion habt ihr einen natürlich, authentischen Sound gewählt. Wer hat euer Album produziert und wie lange dauerten die Aufnahmen im Studio?

Das stimmt, der Sound ist sehr natürlich. Wir haben live im Studio aufgenommen, die ganze Band auf einmal. Alle Songs wurden vollständig gespielt und live aufgenommen. Kein Dubbing, keine Trigger. Wir waren fünf Tage im Studio. Produziert wurde Hundre år gammal von Lars-Erik Westby von H-10 PRODUCTIONS. Es war toll mit ihm zu arbeiten. Wir mussten sogar etwas üben, bevor wir ins Studio zum Aufnehmen gingen…

Ja, so ein ehrlicher Sound kommt halt nicht von allein – überzeugt aber umso mehr. Eine Selbstverständlichkeit ist das ja heute nicht mehr, die Black Metal-Szene und der Sound haben sich ja sehr verändert. Euer Album könnte man da als eine Art Nostalgietrip bezeichnen, obwohl ihr ja erst im Jahr 2000 gegründet wurdet. Warst du eigentlich vor KHOLD in anderen Bands aktiv? Und was ist deine positivste Erinnerung an die alten Zeiten?

Vor KHOLD spielten wir in TULUS und OLD MAN`S CHILD. Ich, Gard und Grim fingen etwa 1988 – 1989 an, zusammen zu spielen. Rinn kam 1991 dazu. Meine positivste Erinnerung an die alte Black Metal-Szene waren die Konzerte von MAYHEM, DARKTHRONE und CADAVER Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre. Es war eine kleine, aber großartige Black Metal-Szene damals. Einmal war ich bei einer DARKTHRONE-Probe damals dabei, just bevor sie das A blaze in the northern sky-Album aufnahmen. Es fühlte sich sehr brutal an und ich liebte es.

Wow. Das kann ich verstehen. Mittlerweile hat sich das Gesicht der Black Metal-Szene ja sehr verändert, nicht zuletzt wegen dem WWW. Worin siehst du Vor- und Nachteile des Internets für den Black Metal?

Das Internet hat sehr viele Vorteile. Aber der Download-Teil ist nicht so gut. Aber die Folgen davon sind dieselben für den Black Metal wie für jeden anderen Musikstil.

Mit TULUS habt ihr ja immer einen großen Experimentierwillen an die Nacht gelegt. Wird es bald wieder ein neues Werk geben?

Ich glaube, es kann in Zukunft ein neues TULUS-Album geben. Aber wir müssen mal abwarten und schauen, was passiert. Songs sind bis jetzt keine geschrieben. Wenn wir aber ein neues TULUS-Album machen, wird es wohl wieder einen Tick primitiver sein…

Zuerst steht allerdings sicher die Promotion von Hundre år gammal im Vordergrund. Wird es eine KHOLD-Tour geben?

Momentan gibt es Gespräche darüber. Ich hoffe, es wird eine geben.

Und wie sehen die Zukunftspläne von KHOLD sonst aus?

Ein paar Konzerte und eine Tour – hoffe ich.

Fotos: Label / SureShotWorx
Layout: Arlette Huguenin D.