KATATONIA: Qualität aus dem Rattenloch

KATATONIA: Qualität aus dem Rattenloch

Im Review zu Isolation Songs blieb die Frage offen, ob GHOST BRIGADE die besseren KATATONIA geworden sind. Die Antwort ist ganz klar: Nein. Denn KATATONIA haben mit Night Is The New Day ein dermaßen großartiges Album parat, dass man es getrost als den größten Wurf in deren eh schon beachtlichen Ausnahmekarriere bezeichnen darf. Zu den Pressetagen im schönsten September seit Menschengedenken telefoniere ich mit einem noch immer ganz aufgeregten, sehr auskunftsfreudigen Anders Nyström, der die große Neugier zum neuen Album nur allzu gerne befriedigt.

 

Hallo Anders, herzlichen Glückwunsch zu Night Is The New Day, ein Album, das so gut ist, dass es große Chancen auf mein persönliches Album des Jahres hat.

Vielen Dank, das freut mich zu hören.

Ihr habt viele neue Elemente verwendet, die euren Stil nicht neu definieren aber deutlich weiter bringen.

Diese Elemente einzubauen war wirklich das, was wir auch wirklich tun mussten. Wir suchen als Band immer nach neuen Herausforderungen, deshalb hat es auch dieses Mal so lange gedauert, bis wir ein neues Album fertig stellen konnten.

Vor zwei Wochen habt ihr Night Is The New Day fertig gestellt, jetzt läuft schon die ganze Pressearbeit an, und nun wird es spannend für KATATONIA. Ist euer neues Album eine Art Make It Or Break It-Album?

Das stimmt schon ein wenig. Ich brauche eigentlich ein wenig Abstand von Night Is The New Day. Wir sind einfach nur glücklich, dass wir damit fertig geworden sind. Ja, wir sind sogar glücklich überhaupt ein neues Album veröffentlichen zu können. Alles was jetzt kommt, das Feedback der Medien und der Fans, das ist für mich nur eine Art Bonus. Ich bin einfach nur glücklich an einem neuen KATATONIA-Album mitgewirkt zu haben, hinter dem ich zu einhundert Prozent stehe. Das ist einfach das beste Album, das wir im Jahr 2009 hätten veröffentlichen können.

Night Is The New Day ist ein ziemlich plakativer Titel, der aber gut zum Gefühl und der Musik passt. Es ist ein sehr urbanes Album geworden.

Ja, das ist eben das auf was wir stehen. KATATONIA ist zu einer Band mit dieser Identität geworden. Der Albumtitel fasst das Dunkle, Negative, diesen urbanen Lebensstil gut zusammen. Das steht alles für KATATONIA und selbst wenn das manchen zu pessimistisch erscheint, wir befassen uns ja schon immer mit den dunklen, negativen Aspekten des Lebens. Egal ob dir das gefällt oder nicht, aber auch dort gibt es schöne Elemente zu finden. Das ist natürlich nicht für jedermann geeignet, nur für einen gezielten Personenkreis.

Es gibt auf der Minisite zum neuen Album ein Statement zu eurem neuen Album, das da lautet: […] realising the decline of the western civilization is constantly growing and well underway. Das erinnert natürlich an die Weltwirtschaftskrise, und ist nicht wirklich politisch, aber recht sozialkritisch.

Ja, aber das ist nur ein Teil des Albums. Es ist natürlich kein Spiegelbild davon, was momentan in der Welt los ist. Aber wenn du einfach nur durch die Straßen läufst, siehst du, dass die meisten Menschen etwas Unglückliches ausstrahlen. Es wird immer schwieriger in dieser Welt zu leben, sie wird einfach immer schlechter, verglichen mit dem, wie sie einmal war. Das klingt verbittert, aber das ist einfach das, was ich sehe. Und die Musik reflektiert genau das.

Waren diese auftauchenden Gefühle, diese Unsicherheit, die im vergangenen Herbst durch die Bankenkrise auftauchte, auch der Grund, warum es mit dem Songwriting wieder losging?

Nun, wir waren zuerst recht unmotiviert ein neues Album schreiben. Es war einfach so, als hätten wir keinen Grund mit dem Songschreiben neu zu beginnen. Wir kamen uns sogar ein wenig nutzlos vor. Dann drehten wir den ganzen Spieß um, wir schauten uns diese Hoffnungslosigkeit an, diese Hindernisse, und plötzlich kam die Inspiration zurück. Das war schon immer das Konzept hinter KATATONIA, wir haben die schlimmen, düsteren Dinge im Leben in etwas Künstlerisches verwandelt. Das ist, was für uns funktioniert. Es ist nicht einfach, aber es macht sich für uns bezahlt.

Night Is The New Day beginnt perfekt mit Forsaker, gerade Fans von The Great Cold Distance werden sich gleich wie zu Hause fühlen. Im Chorus macht sich dann allerdings der Schritt nach vorne bemerkbar. Das riecht übel nach Strategie.

 KATATONIA

Das war schon immer das Konzept hinter KATATONIA, wir haben die schlimmen, düsteren Dinge im Leben in etwas Künstlerisches verwandelt. Anders über die Bewältigung der kreativen Barrieren.

 

Du hast zu einhundert Prozent recht! Wir haben diesen Song als Opener ausgewählt, da er dem letzten Album am ehesten gleicht. Die Hörer sollen sich gleich willkommen fühlen und KATATONIA erkennen. Aber es ist kein sanftes Stück, es reißt sofort mit und lässt dich nicht mehr los. Wir finden, dass das funktioniert und das Feedback, das wir bisher für Forsaker erhalten haben ist wirklich gut. Außerdem wird das ein guter Livesong.

Es gibt viele für KATATONIA ungewöhnliche Songs auf Night Is The New Day zu hören. Idle Blood hätte sogar auf Damnation von OPETH stehen können.

Ja, das ist eben ein Stück, das ziemlich von den Siebzigern inspiriert wurde. Wir sind offen für jeglichen musikalischen Einfluss, daher wollten wir mit Idle Blood etwas mehr in die Siebziger abtauchen und uns sogar auf diesen Einfluss fokussieren. OPETH lieben den Song natürlich, und das schöne ist, dass wir dadurch auch ihren Einfluss in unsere Musik zeigen können. OPETH sind für Idle Blood ein guter Vergleich, witzig ist auch, dass dies Mikaels Lieblingssong auf Night Is The New Day ist. (lacht) Das spricht für sich selbst. Es ist schön, immer etwas Neues ausprobieren zu können. Und da gibt es noch so ein Stück. Nephilim ist richtiger Doom Metal geworden.

Dieses Lied erinnert mich aber durch den Einsatz von Fender Rhodes eher an BOHREN UND DER CLUB OF GORE. Ich habe gelesen, dieser Song hatte den Arbeitstitel Cantan, benannt nach dem Hauptbahnhof von Stockholm. Dieser Titel hätte auch vortrefflich zum finsteren Feeling gepasst. Wer ist eigentlich die Gastsängerin im Hintergrund?

Das ist Jonas, nachdem wir seine Eier abgeschnitten haben. (lacht) Er kam mit dieser Idee an, mit dieser Gesangslinie, die nach einem kleinen Kind klingt. Und das passt einfach großartig zur gespenstischen Atmosphäre des Songs. Wir waren sofort begeistert von dieser Idee, es klingt einfach nach einem klassischen Horrorfilm. Das war einfach eine spontane Eingebung, die perfekt funktioniert hat. Jonas hat außerdem herausgefunden, dass er noch eine weitere Stimmfärbung parat hat. Vielleicht wird er sie in Zukunft noch öfter einsetzen.

Nicht nur für die großartigen Einsätze von Fender Rhodes habt ihr mit Frank Default zusammen gearbeitet. Er hat auch die ganzen Keyboards und Synthesizer auf Night Is The New Day eingespielt.

Ja, wir haben ihm die Verantwortung übertragen, diese Parts zu schreiben und zu koproduzieren, da Jonas und ich nicht wirklich das umsetzen können, was wir wollen. Wir wissen, wie die Stellen klingen sollen, aber wir sind mit der Klaviatur nicht so sehr vertraut. Frank kennen wir, da er einen Remix von einem Song von The Great Cold Distance gemacht hat. Er kennt sich unglaublich gut aus, also haben wir ihn gebeten uns hier zu unterstützen, um das Gesamtbild zu erweitern. Es war sehr spannend und reizvoll für ihn, da er KATATONIA schon immer sehr mochte, aber mit der Metalszene eigentlich nichts am Hut hat. Wir entschieden uns dafür, es zu versuchen. Jonas, Frank und ich haben gut zusammen harmoniert und er ist ein nicht zu unterschätzender Grund, warum das Album so klingt, wie es klingt. Er hat wirklich schöne Streicherarrangements geschrieben und alles selbst eingespielt. Das hat Night Is The New Day deutlich besser eingefärbt, als wenn Jonas und ich die Keyboards eingespielt hätten. Frank ist auch ein recht großer Teil von KATATONIA geworden.

Das klingt ja geradezu nach Hochzeitsplänen. Werdet ihr Frank als festes Bandmitglied aufnehmen?

Ja, darüber sprechen wir momentan. Wir werden sehen wie das live funktioniert, weil die Keyboards ja auch umgesetzt werden müssen, aber das wird mit ihm an Bord recht leicht werden. Er ist ein netter Kerl und es wird sicher viel Spaß machen. Sei also nicht überrascht, wenn er nächstes Jahr bei unseren Konzerten mit uns auf der Bühne steht.

Es ist ja geradezu ironisch, dass ein Musiker, mit dem ihr nur einmal zuvor gearbeitet habt, mehr kreative Verantwortung hat, als einige eurer festen Bandmitglieder.

Ja, das ist absolut wahr. Ich sage den anderen Jungs immer, dass sie auch mal etwas schreiben sollen, aber irgendwie passiert das nie. Ich frage sie immer bei den Proben, ob sie neue Riffs haben, aber da kommt nichts rüber. Live geben sie natürlich ihr bestes und sie sind ein wichtiger Teil von KATATONIA, aber Jonas und ich schreiben fast alle Songs. So wie wir momentan arbeiten funktioniert es natürlich, aber sie sind natürlich immer willkommen zum Songwriting beizutragen.

 KATATONIA
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich auf den nächsten Aufenthalt im ´Rat Hole´-Studio freue, aber ich bin froh, dass wir dort waren und es überlebt haben. Anders (zweiter von rechts) über die Aufnahmen in David Castillos neuem Studio – zwischen den Überresten von Junkies und Exkrementen.

Wieder zurück zum neuen Material. The Promise Of Deceit und Inheritence scheinen von MASSIVE ATTACK und PORTISHEAD inspiriert zu sein. Oder habe ich etwas an den Ohren?

Nein, du hast recht. MASSIVE ATTACK und PORTISHEAD sind natürlich immer Referenzen, wenn man in dieser Richtung experimentiert, dieses entspannte Trip Hop-Feeling passt gut zur dunklen und schweren Musik, die wir spielen. Die beiden von dir erwähnten Lieder passen perfekt auf das Album, da sie eine Richtung repräsentieren, in die wir als Band gehen, aber der wir uns nicht hundertprozentig hingeben wollen. Manche Songs haben beide Einflüsse, die heftige Metalseite, aber auch das MASSIVE ATTACK-lastige. Es wäre natürlich langweilig alle elf Song so zu gestalten. Daher wollten wir mit einigen Stücken rein metallisch sein, mit anderen wieder hauptsächlich ruhig und etwas elektronischer klingen. So haben wir noch nie gearbeitet, und dadurch gibt es viel mehr Abwechslung. Dann gibt es noch Idle Blood, das nach dem Progressive Rock der Siebziger klingt, die Doom Metal-Schiene und somit ergeben sich die vier Ecken, um die wir uns herum entwickeln können.

Dafür ist der Gesamteindruck aber sehr geschlossen.

Ja, weil nichts zu sehr heraus sticht. Es muss natürlich auf jeden Song der KATATONIA-Stempel aufgedruckt sein. Andere Songs hätten es auch nicht auf das Album geschafft. Wir wissen einfach, wie wir uns in den Grenzen bewegen können.

Zu dieser Maxime passt auch, dass Day & Then The Shade etwas positiver gestimmt ist.

Daran haben wir auch gedacht, als wir es geschrieben haben.

New Night und Liberation sind dann wieder brutalere Stücke, die mit viel Polyrhythmus ausgestattet sind. Ist Liberation eigentlich der Nachfolger von Deliberation?

Nein, nicht wirklich, es hat sich einfach so ergeben. Das wird wohl mehrmals so empfunden werden, aber der Titel kam zufällig zustande. Das ist auf jeden Fall ein heftiges Stück, an dem wir sehr viel gearbeitet haben, vor allem an den Vocals. Das ist einfach ein Song für die Bühne, der zerstören wird.

Auf eurer Miniseite gibt es ein Review von Mikael Akerfeldt, der von Departer arg geschwärmt hat. Das konnte ich nachvollziehen, als ich den Song selbst gehört hatte. Er ist einfach unglaublich, das beste Stück des Albums.

Weißt du was, ich stimme dir völlig zu. Und Jonas würde das auch. Es gibt einen Grund, warum Departer am Schluss des Albums steht, denn wo würde es sonst besser passen? Es ist der letzte Song auf Night Is The New Day, weil es das Beste ist, was wir jemals gemacht haben. Wenn das Album vorbei ist, dann muss da noch so ein Gefühl im Raum stehen, etwas ganz bestimmtes, von dem du sagst: Das ist es!

Allerdings. Ich überspringe auch regelmäßig ein paar Songs, damit ich schneller zu Departer komme. Aber seien wir ehrlich, das Stück lebt von der Stimme von eurem Gastsänger Krister Linder. Woher kennt ihr ihn und wer ist das?

 KATATONIA
Travis Smith konnte völlig frei arbeiten: Das Artwork zu Night Is The New Day.

Ach, Krister ist schon immer in unserer Gegend unterwegs. Wir haben ihn zum ersten Mal gehört, als er in einem Film mitgewirkt hat, das muss 1995 gewesen sein. Er machte den Soundtrack dazu und wir waren so begeistert von seiner Stimme, wir fragten uns, was das für ein Engel sei. Danach hat er ein paar Projekte und auch eine Metalband namens ENTER THE HUNT gegründet. Es ist eine kleine Welt und so verloren wir uns nie wirklich aus den Augen. Und glaube es oder nicht, aber er ist Fan von KATATONIA. Das ist natürlich eine verdammt große Ehre für uns, wenn jemand, den wir so sehr bewundern, uns gut findet. Er hat schon einen Remix von Soil´s Song gemacht, und im Zuge des neuen Albums fragten wir ihn: Willst du als Gastmusiker auftreten. Er entgegnete: Darf ich bei einem Song mitwirken? Wir sagten ihm, wir hätten einen Song, der wie gemacht für ihn wäre. Er fragte, ob er für seine Gesangsparts eigene Textzeilen schreiben durfte. Er wollte also mehr als nur ein Sänger sein, er wollte auch mitschreiben. Natürlich schrieb er auch seine eigenen Gesangslinien, und zum Endergebnis fällt mit nur eins ein: Wow.

Das hört sich an, als wäre Magie im Spiel gewesen.

Es war magisch! Das ist ein Song, auf den ich wirklich stolz bin, und dass jemand wie Krister Linder darauf singt, ist für mich persönlich das Größte.

Die Texte wurden noch nicht veröffentlicht, aber ich bin mir recht sicher, dass sie dieses Mal wieder persönlicher sind, als auf The Great Cold Distance, das ja eher Sozialkritik abstrakt verpackte.

Die Texte sind immer noch abstrakt, aber ich kann es nicht genau sagen, Jonas hat wieder sehr persönliche Dinge verfasst. Das schreiben der Musik und der Lyrics ging Hand in Hand und wir wussten oftmals selbst nicht wirklich, was einige Textstellen zu bedeuten hatten, was es für uns wieder sehr interessant werden ließ. Wenn das Album dann mal ein Jahr draußen ist, und man es wieder Revue passieren lässt, dann entdeckt man, worum es in den Texten wirklich geht. Da ist man einfach an einem bestimmten Punkt im Leben angekommen und später versteht man es. Die Antwort ist schon immer in diesen Worten enthalten, sie entfaltet sich aber erst viel später. Das ist sehr kryptisch und man kann nur schwer darüber sprechen, aber wir wollen es so. Bei uns ist es nicht so, wie bei anderen Bands, die zu jedem Songs eine Erklärung abliefern können.

Ihr habt den kompletten Sommer über in mehreren Studios gearbeitet. Gerade über das Ghost Ward-Studio konnte man in eurem Studiotagebuch ja die wildesten Sachen lesen.

Eigentlich heißt es Rathole-Studio, weil das die wahre Bedeutung des Namens ist. (lacht)

Ich habe mir dann die Frage gestellt, ob das Album nicht so finster klingen würde, wenn ihr nicht an so einem düsteren Ort aufgenommen hättet.

Das ist ziemlich sicher. An diesem Ort, da will man einfach nur wieder raus. Es ist wirklich ein beschissener Ort, aber lieber arbeite ich dort mit einem Produzenten, der weiß was er tut, als in einem überteuertem Studio, wo der Tontechniker keine solche Arbeit leisten kann. Für uns macht diese Arbeitsweise natürlich Sinn, es wäre trotzdem schöner gewesen, durch das Treppenhaus zu laufen, ohne dass es nach Pisse und Scheiße stinkt. Aber wir haben das eben wieder in Inspiration umgewandelt. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich auf den nächsten Studioaufenthalt freue, aber ich bin froh, dass wir dort waren und es überlebt haben.

Ihr habt ja mit David Castillo schon einmal zusammen gearbeitet.

 KATATONIA
Es war Magie im Spiel! Anders ist noch immer überwältigt von Krister Linders Gesangseinsatz auf Departer.

 

Genau, wir haben im Fascination Street Studio mit ihm gearbeitet. Er war damals aber nur ein Angestellter von Jens Bogren, dem Inhaber dieses Studios. David ist sehr talentiert und er entwickelt sich technisch sehr schnell, also machte er sich selbstständig. Unser Vorteil war außerdem, dass wir in Stockholm aufnehmen konnten und in keine andere Stadt fahren mussten und dass du nach Hause kannst, wenn du willst oder musst. Es hat ja auch gut funktioniert, nach Night Is The New Day wird er auch mehr Aufträge kriegen, denn die Produktion ist fantastisch. Aber wenn du in diesen dreckigen Keller namens Rathole gehst, wirst du niemals glauben, dass von dort so ein Album kommen kann. Das zeigt aber auch wieder, dass all das nur an dem liegt, der das Mischpult bedient und seinen Werkzeugen. Wir werden weiterhin mit ihm zusammen arbeiten, wir sind zusammen gewachsen und live mischt er uns außerdem eh. Wir brauchen keinen Starproduzenten, um ein ordentliches Album aufzunehmen.

Vielleicht ist David wenn es um die Aufnahmen des nächsten Albums geht ja schon in einem anderen Gebäude.

Ja, hoffentlich kann er das verlagern. Es wird für uns natürlich immer das Rathole Studio bleiben, aber dann vielleicht in einer besseren Umgebung.

Der Gitarrensound ist generell deutlich massiver. Liegt das an euren neuen Amps?

Auf jeden Fall. Wir haben in diesen neuen Amps unseren Sound innerhalb von zwanzig Minuten gefunden. Früher haben wir immer mit den Einstellungen gekämpft. Bei diesen Topteilen war das, was wir wollten sogar schon als Voreinstellung drin.

Im Vergleich zu The Great Cold Distance gibt es nicht mehr allzu viele technische Verbesserungen. Nur bei Forsaker habe ich ein nettes an Fredrik Thordendal angelehntes Solo entdeckt. Ist das so eine kleine Möglichkeit der instrumentalen Weiterentwicklung?

Ja, definitiv. Soli verwenden wir ja nicht wirklich oft, und auch bei Forsaker kam das Solo erst sehr spät in den Song, denn diese Stelle wirkte recht leer. Danach fiel uns auf, wie wichtig, so ein kleinen Solo ist, denn es sorgt für eine weitere Dimension. Und es passt wirklich zum Gefühl, mit stumpfem, gefühllosem Shredden oder Angeben hat das nichts zu tun.

Jonas zeigt auch wieder mehr Selbstvertrauen und liefert seine bisher beste Leistung ab. Jeder Ton ist ein gebrochenes Herz.

Darüber wird er sich wirklich freuen. Jonas wächst auch konstant als Sänger und Musiker. Von dem ersten Album an, auf dem er klar singt, Discouraged Ones, bis hin zu Night Is The New Day kannst du verfolgen, wie gut er wird und wie er seinen Stil verbessert.

Live ist er ja immer noch etwas schüchtern.

Aber das wird immer besser. Er spiegelt das wieder, was er singt und je mehr Menschen das nachvollziehen können, desto offener wird er. Er kann immer mehr Leute für sich gewinnen, die seine Botschaft teilen und mit geschlossenen Augen im Publikum stehen und mitsingen. Aber als Sänger einer Death Metal-Band würde er sich auch ganz anders verhalten.

Das Cover hat wieder Travis Smith gestaltet. Und was ich gesehen habe, ist bisher ziemlicher Travis Smith-Standard. Was hältst du von dem Artwork?

Natürlich ist das unverkennbar Travis. Wir haben uns im Vorfeld Gedanken über ein Artwork gemacht, das nicht typisch für Travis ist, von dem die Leute überrascht wären, wenn sie erfahren, dass er das gemacht hätte. Aber es wurde dann doch wieder ein für ihn sehr typisches Cover. Als seine ersten Skizzen bei uns ankamen, wussten wir sofort, ob es die richtige, oder die falsche Richtung war. Also sagten wir ihm: Mach es einfach so, wie du denkst. Folge deiner Intuition und es wird perfekt werden. Wir arbeiten jetzt schon seit zehn Jahren zusammen, da vertraut man sich einfach.

Eine Welt, die unter einem Schleier aus Dunkelheit kollabiert, das ist ziemlich archaisch.

Ja, absolut. Aber das fasst wieder einmal das Gesamtbild des Albums gut zusammen. Das passt wieder gut zu KATATONIA, denn da findet man auch wieder die dezente Ironie, die wir schon immer hatten.

Wie schaut es mit einem neuen Video aus?

Da wird es ein Video geben und auch eine Single. Es wird nicht Forsaker sein. Aber ich weiß nicht, ob es mir überhaupt erlaubt ist, das zu sagen. Warte einfach ein paar Tage, dann wird es bekannt gegeben werden. (Inzwischen ist es bekannt: Die Single und das Video wird es für Day & Then The Shade geben – Anm. d. Verf.)

Auf der schwedischen Edition des Albums gibt es einen Bonus-Song namens Ashen.

Das Label wollte für die schwedische Version einen zusätzlichen Song. Der blieb nach den Aufnahmen über und zerstört etwas den Flow des Albums. Es gibt noch ein anderes Stück, das wir vielleicht in der Zukunft verwenden werden.

Wie klingt denn Ashen?

Hm, der Song ist ein wenig verrückt, er hat keine typische Vers-Refrain-Struktur, ich weiß nicht mal ob er überhaupt einen Refrain hat. Die Strophe ist auf jeden Fall deutlich härter als der Chorus. Das wurde alles irgendwie vertauscht. Das ist keiner unserer Lieblingssongs, aber er ist okay.

Abschließend noch zu euren Tourplänen. Wird es zu Night Is The New Day mehr Touren geben, als zu The Great Cold Distance?

Ach, zu The Great Cold Distance gab es fast gar nichts. Aber jetzt sind zwei Jahre voller Auftritte geplant, mit jeweils zwei Europatouren und zwei US-Touren. Und außerdem jedes verdammte Festival, das wir mitnehmen können.

Das klingt doch gar nicht schlecht!

 

Bilder: Peaceville Records