JOHN ARCH: Ganz oder gar nicht

JOHN ARCH: Ganz oder gar nicht

Mit FATES WARNING schuf er drei Hell of Fame-würdige Alben, ehe die Band sich von ihm trennte. Das war vor 16 Jahren. Alle paar Jahre tauchte der Name JOHN ARCH in den Schlagzeilen auf, mal als potenzieller DREAM THEATER-Sänger, mal als Special Guest für ein Lied bei einem Auftritt seiner alten Bandkollegen. Zuletzt schien der Wundersänger das Mikrophon allerdings endgültig an den Nagel gehängt zu haben. Doch wie es aussieht, was das nur die Ruhe vor dem Sturm…

Wie die meisten Leute war ich sehr erfreut, als ich erfuhr, dass du wieder singst. Und ich bin auch ziemlich angetan von der CD, die du abgeliefert hast.

Exzellent!

Wie haben deine Familie und deine Freunde reagiert, als du dich schließlich dazu entschlossen hast, wieder Musik zu machen?

Meine Familie, also meine Frau und mein Sohn, waren schon immer große Fans von der Ära, in der ich bei FATES WARNING war. Deshalb waren sie begeistert, als ich das Demo zum Anhören mit nach Hause brachte. Meine Frau fuhr als Fan wirklich voll drauf ab und fand auch sofort Zugang. Es erinnerte sie ein bisschen an die alten FATES, ein bisschen an die neuen, alles miteinander vermischt. Alle Reaktionen die ich bislang bekommen habe, waren ziemlich positiv. Ich denke, jeder ist erstaunt, dass ich mich jetzt nach all den Jahren mit 44 entschlossen habe, wieder etwas zu tun. Ich weiß, es ist kein Full-Length Album sondern eine EP, weil wir an einen bestimmten Zeitrahmen gebunden waren.

Ein großer Unterschied gegenüber früher ist auf jeden Fall, dass die Stücke sehr lang sind; länger als alles, was du bisher gemacht hast. Hattest du das schon so gedacht, als du mit dem Schreiben begonnen hast?

Nein. Am Ende wurden sie einfach so lang. Ich denke, die Ursache dafür sind die Themen der Texte. Relentless enthält Elemente aus meiner Kindheit und den inneren Konflikten, die ich erlebt hatte. Der Song schließt sich zu einem ganzen Kreis. Es hat viel damit zu tun, wie das genetische Erbe beeinflusst, wer wir sind und wie wir uns als Menschen entwickeln. Die eigenen Eltern und die ganzen Vorfahren spielen eine wichtige Rolle dabei. Vielleicht kommen daher manchmal die Dämonen, die man in seinem Inneren bekämpft.

Der andere Song, Cheyenne, enthält religiöse Untertöne. Beide Songs waren eine befreiende Erfahrung für mich; Sachen, die ich schon immer einmal sagen wollte. Und welcher Weg wäre besser dafür geeignet, als darüber zu singen, dazu Musik zu spielen und dabei leidenschaftlich zu sein!?

Der Grund für die Länge der Lieder ist, dass sie vollständig sein mussten. Ich konnte sie nicht einfach in der Mitte hängen lassen. Innerhalb der Stücke wechseln die Gefühle und die Dynamik oft. Manche Stellen sind ruhiger, andere sind härter und treibender. Das hilft dabei, die Gefühle zu vermitteln, die ich ausdrücken möchte. Das hat alles dazu beigetragen, dass die Lieder so lang wurden. Sie mussten vollständig sein.

Besonders bei Relentless hatte ich viel zu sagen. Und ich finde es gut, wie der Song energievoll losgeht, nicht durcheinander, aber doch sehr leidenschaftlich. Und am Ende geht es dann darum menschliche Brücken zu überqueren. Das ist in Wirklichkeit die Geburt meines Sohnes. Außerdem zerbricht dabei der Genstrang, denn ich verbringe mehr Zeit mit ihm und bin ein größerer Teil seines Lebens. So schließt sich dann der Kreis. Es ist eine Art befreiende Erfahrung am Ende.

Ergibt das Sinn!?

Ja.

Cool. Ich denke, wenn man die Texte liest, wird man vielleicht verstehen, was ich meine. Vielleicht auch nicht!

Metal Blade haben sie mir geschickt, und ich habe sie durchgelesen. Allerdings fürchte ich, dass ich trotz meines Psychologiestudiums, in dem es auch oft um Gene und DNS geht, keine Fragen über die Texte habe. Ich kann natürlich nach einzelnen Zeilen fragen, aber du hast ja bereits erläutert, worüber die Texte handeln…

Aber das ist cool! Es ist toll, dass du Psychologie studierst. Viele der alten Alben drehten sich um Mythologie oder hatten zumindest mythologische Untertöne. Diese beiden Stücke stellen meine persönlichen Gefühle dar. Sie zeigen, wie ich fühle. Und ich habe es wirklich genossen. Ich habe es wirklich sehr genossen, in der Lage zu sein, mich mitzuteilen und zu zeigen, wie ich fühle. Denn es war eine Art befreiende Erfahrung. Ich wiederhole mich. Mir endlich einige Sachen von der Seele zu reden, das war klasse.

Man kann sicherlich jede einzelne Zeile nehmen und interpretieren, wie auch schon bei den alten Sachen. Jeder kann sie anders verstehen. Aber ich habe mit jeder Zeile bei jedem Lied etwas bestimmtes gemeint, und man könnte sicherlich einige Zeit mit den Texten verbringen.

Aber du hast wieder zuerst die Musik geschrieben, wohl mit einer Textidee im Hinterkopf, und danach erst die Texte geschrieben. Oder hast du diesmal die Texte zuerst geschrieben?

Jedes Lied ist anders. Cheyenne wurde als erstes geschrieben. Das war das erste Mal, dass ich ausprobiert habe, alleine Musik zu schreiben. Ich kaufte mir eine Gitarre und begann zu spielen. Ich hatte ein paar Melodien im Kopf. Cheyenne begann mit ein paar Melodien und es klang sehr indianisch. Dann sah ich ein Foto von einem Indianermädchen, dass neben einem Hügel sitzt, und es wirkte fast so, als wäre es aus dem 18. Jahrhundert. Versunken in Tagträume starrt sie in ein Heufeld. Ich fand das Foto sehr beeindruckend. Man fragt sich unwillkürlich, an was sie wohl denkt. So fing der ganze Song an. Schließlich entwickelte er sich dann hin zu meinem religiösen Glauben. Denn ich glaube stark an die indianische Religion, an die Natur und den Respekt ihr gegenüber, im direkten Gegensatz zu organisierten Religionen, wie wir sie heutzutage haben. Es war eine gute Möglichkeit für mich, um mich all denen zuzuwenden, die von einem Podest auf andere herabschauen und Religion als Macht missbrauchen. Ich finde diese Vorstellung vollkommen daneben. Lass es mich zusammenfassen: Ich hatte also ein paar Textideen, doch die Musik schrieb ich als erstes.

Bei Relentless war es eher umgekehrt. Ich hatte die Idee für den Text, und die Musik passte genau dazu. Wie früher schrieben Jim und ich das Lied zusammen. Cheyenne stammt dagegen zu 95% von mir. Jim half mir beim Arrangement ein bisschen. Relentless hingegen war eher eine 50/50-Zusammenarbeit.

John

Im Info steht, dass du dir nicht nur eine Gitarre, sondern eine Akustikgitarre gekauft hast.

Ja!

Wie kommt es dann, dass Relentless nicht wirklich eine Ballade geworden ist, und auch Cheyenne nicht die Singer/Songwriter-Mucke ist, die man von einem Typen mit Gitarre erwarten würde!?

Exakt! Ich spielte Powerchords, besonders dort, wo es etwas heftiger abgeht. Ja, das wurde alles auf einer Akustikgitarre geschrieben. Ich musste eben meine Fantasie spielen lassen, und mir überlegen, wie das wohl richtig mit einem Schlagzeug und so zusammen klingt. Jim meinte Jesus, das Lied klingt akustisch verdammt gut. Wie wird das wohl klingen, wenn wir es heavier machen!? Er schlug vor, das Stück akustisch zu lassen. Aber ich sagte nein, ich kann hören, wie das Lied dynamisch ist, wie es am Anfang etwas sanfter ist, und dann richtig losgeht. Ich glaube nicht, dass ich es geschafft hätte, etwas dermaßen Wichtiges und Kraftvolles wie Religion akustisch auszudrücken.

Bei Relentless war es dasselbe. Ich schrieb die Strophen, die Bridge und die Chorusse, und Jim steuerte die komplette zweite Hälfte bei. Ich weiß nicht, ob du dir vorstellen kannst, dass Relentless auf einer Akustik-Gitarre geschrieben wurde. Aber es war größtenteils so.

Kaum zu glauben!

Jim schrieb dann den Schlussteil. Wir investierten viel Zeit in Relentless, denn wir mochten das erste Ende, das wir hatten, nicht sonderlich. Wie in der vorigen Frage angesprochen, hatte ich in textlicher Hinsicht mehr zu sagen. Das Lied wirkte unvollständig. Wir haben Wochen daran gearbeitet, ohne dass etwas dabei herauskam. Aber schließlich kam Jim mit einem Gitarrenteil an, der mich inspirierte. Ja, das passt! Damit kann man es zu einem positiveren Schluss hinführen.

Mir gefällt es wirklich, so wie es jetzt geworden ist.

Hast du dich je für andere Musikstile außer Heavy Metal interessiert?

Ich denke, ich weiß alle Musikstile zu schätzen, mit der Ausnahme von Country und Western wahrscheinlich. Ich finde es nicht so toll darüber zu singen, auf einem Traktor zu sitzen.

Was ich wohl am meisten mag, sind Melodien. Und ich denke, eine gute Melodie ist endlos, wenn du verstehst, was ich meine. Selbst wenn es ein Popsong ist, wie zum Beispiel ein BEATLES-Song; Melodien waren der Hauptbestandteil ihrer Musik, der sie erfolgreich gemacht hat. Denn sie hatten immer großartige Melodien.

Und sie haben sich nicht ständig wiederholt wie die meisten Country-Interpreten.

Genau. Sie haben sich nicht wiederholt. Jeder Song, den sie gemacht haben, war komplett anders. Man könnte glauben, sie wären von einer anderen Person geschrieben worden. Und alle sind Klassiker.

Es gibt also Elemente, die ich in jeder Musik mag. Hin und wieder schaue ich mir auch eine Oper an. Aber nach einer Weile wird der Stil langweilig. Aber ich kann sogar Sachen schätzen wie, mmh, Bands wie RAGE AGAINST THE MACHINE, bei denen es so etwas wie Rapeinflüsse gibt. Auch dafür kann ich mich begeistern. Ich fand das echt cool, wirklich mal etwas anderes. Solange das, was man spielt und singt, wirklich das ausdrückt, was man sagen will, solange man mit Leidenschaft bei der Sache ist, kann man das auch in der Musik hören. Wenn man Gefühle durchlebt, überträgt sich das auch auf die Fans

Ein Freund von mir – selbst 27 – hat einmal gemeint, wenn man über 25 ist, ändert man seinen Musikgeschmack nicht mehr. Stimmst du ihm zu?

Mmh, seinen Musikgeschmack… Also das ist eine weitgefasste Frage. Wie beantworte ich das am besten? Es könnte etwas Wahrheit drinstecken, obwohl ich versuche so aufgeschlossen wie möglich zu bleiben. Zum Beispiel: Jemand gibt mir eine Kassette oder eine CD zum Anhören. Beim ersten Anhören kann es dann passieren, dass ich sage: Oh Gott, das ist fürchterlich! Ich mag es wirklich nicht. Ich zwinge mich dann aber tatsächlich dazu, mir das Ganze noch mindesten zweimal anzuhören. Nur um sicher zu gehen, dass es keine positiven Eigenschaften besitzt, dass ich nichts überhört habe. Denn manchmal findet man erst nach mehrmaligem Hören Gefallen an etwas. Ich schmeiße also nichts nach dem ersten Anhören gleich weg, sondern höre es mir wieder und wieder an, um sicher zu gehen.

Auf der anderen Seite aber, die Art von Musik, die mich wirklich inspiriert und begeistert – und das richtet sich auf keinen Fall gegen die neuen FATES WARNING. Ich denke ich bin einfach emotionsgetrieben – ist gefühlsgesteuert und abwechslungsreich, wie die alten FATES WARNING zum Beispiel oder die alten IRON MAIDEN mit Number of the Beast. Das ist immer noch eins meiner absoluten Lieblingsalben. Sie haben mich damals dazu angespornt, ernsthafter zu singen. Und immer wenn ich das Zeug höre, bringt mich das zurück in die Zeit, als ich es zum ersten Mal hörte. Ich bin also überhaupt nicht aus der Musik herausgewachsen, die ich früher gehört habe. Das ist meine Lieblingsmusik.

Er hat also schon ein bisschen Recht, aber es gibt auch einige neue Veröffentlichung, die ich wirklich mag. Jedoch bestehen sie aus guten Melodien, gutgeschriebener Musik und Liedern mit Leidenschaft und Gefühl. Er könnte wohl zu 75% Recht haben. Das ist gut möglich. Ich kenne Leute, die Country & Western Musik mögen, die nie auf Metal abfahren werden. Das gibt´s! Aber mir ist es eher andersrum.

Du hast IRON MAIDEN erwähnt. Nachdem Bruce Dickinson die Band 1993 verlassen hatte, hast du da je mit dem Gedanken gespielt, dich für den Sängerposten zu bewerben.

Gott, nein! Daran habe ich nie, aber auch gar nie gedacht! Als das passierte, war ich dermaßen aus der ganzen Metal- und Musikgeschichte raus, ich habe in musikalischer Hinsicht rein gar nichts gemacht. Alleine schon der Gedanke daran… Du müsstest mich kennen, um es zu verstehen, aber schon alleine der Gedanke daran, würde mich zu Tode ängstigen. Viele Leuten mögen mich für verrückt halten und sagen Wenn du Talent hast, solltest du etwas damit anfangen!

Aber ich weiß nicht, wie viele Interviews ich gegeben habe, in denen Leute gefragt haben, warum ich nichts mehr mache. Und ich gehe dann eine Liste durch, die sich wie Ausreden anhört. Ich klinge dann wie eine Heulsuse.

Es ist zu hart. Es ist ein zu anstrengender Lebensstil. Gerade bei IRON MAIDEN gäbe es viele Dinge, nicht zuletzt endlose Tourneen. Ich denke, du siehst, worauf es hinausläuft. Man müsste verdammt große Schuhe füllen. Bruce Dickinson ist ein fantastischer Sänger. Er hat mich inspiriert, und ich würde ihn gerne einmal kennen lernen.

Du wärst aber trotzdem besser gewesen als Blaze Bayley!

Oh ja, vielleicht. Ich muss dazu noch sagen, dass wenn ich mich einer Sache voll und ganz widme, dann gebe ich nicht weniger als 100%. Es ist wirklich ein interessantes Angebot, ein faszinierender Gedanke. Aber es hat den Fans schon immer Schwierigkeiten gemacht zu verstehen, dass ich nie daran gedacht habe, so etwas für eine Karriere, für den Rest meines Lebens zu machen. Ich weiß nicht, wie lange ich in solch einer Umgebung überlebt hätte. Ich weiß es wirklich nicht.

Mike

Nur eine hypothetische Frage: Was würde es kosten, dich alle Gesangsspuren für das When Dream And Day Unite-Album von DREAM THEATER neu einsingen zu lassen? Du hast ja mal bei ihnen vorgesungen, und einige Aufnahmen davon sind im Umlauf.

Oh Gott, das ist lustig! That´s a blast from the past. Das war 1991 oder 1992, bevor James des Weges kam. Ich traf mich mit DREAM THEATER, denn ich wollte sehen, ob eine Zusammenarbeit möglich wäre. Leider wurde aber nichts daraus. Aber dann kam James in die Band, und er passte wirklich perfekt dazu.

Ich kann auch nicht sagen, dass das damals ein echtes Vorsingen war. Wir haben uns getroffen und sie haben die Verstärker voll aufgedreht und ich war im selben Raum und konnte mich nicht mal selbst hören. Ich hatte seit einigen Jahren nicht mehr gesungen. Ich habe dann ein paar von den alten Sachen gesungen. Eine Ausnahme war eins der Lieder, ich weiß nicht mehr welches, bei dem ich den Gesang neu aufgenommen habe.

The Killing Hand

The Killing Hand, ja genau. Das war eine schöne Sache. Aber es bedarf an dieser Stelle wieder einer Ausrede. Es war eine Zeit in meinem Leben, in der ich einige schwierige Entscheidungen treffen musste. Ich hatte geheiratet und ein Haus gekauft. Folglich trug ich einiges an Verantwortung. Ich hatte damals eine Menge gemischter Gefühle. Ich hätte es mir selbst gegenüber ungerecht empfunden, einfach alles hinzuschmeißen, oder ja, zumindest all die Verantwortung auf meine bessere Hälfte zu übertragen. Mein Sohn ist jetzt elf Jahre alt. Er wurde also bald darauf danach gezeugt. Und ich glaube selbst sehr stark. Wenn man den Text von Relentless liest, versteht man, wie ich fühle. Es wäre schwierig für mich, auf Tour monatelang von meiner Familie getrennt zu sein. Ich habe mich dann danach entschieden, wie ich die Dinge sehe. Es ist ein schwieriger Lebensstil, doch anstatt halbherzig und nicht hundertprozentig mitzumachen, kümmerte ich mich um die Verantwortung, die ich schon hatte, und macht die Dinge nicht noch komplexer.

Gut, also kein DREAM THEATER, kein IRON MAIDEN.

Also die IRON MAIDEN-Sache mit Bruce, ich weiß nicht! Sie kommen bald hierher. Es scheint so, als wären gerade alle wieder auf Tour. Sehr cool. Aber ja, kein IRON MAIDEN, obwohl sie eine meiner Lieblingsbands sind. Ich mag die alten Alben wirklich sehr. Und DREAM THEATER, die ziehen ihr Ding durch. Sie sind eine Legende. Sie haben an ihrem Glauben festgehalten. Sie sind eine hart arbeitende Band, und ich bin definitiv ein Fan von DREAM THEATER; nichts anderes. Ich mit ein paar von ihnen befreundet. Ich denke, wir respektieren uns gegenseitig. Ich habe großen Respekt vor ihren technischen Fähigkeiten und ihrem Talent. Aber es wäre beängstigend, mit ihnen zusammen auf der Bühne zu stehen. Als Musiker sind sie absolute Spitzenklasse. Was sie machen ist zugleich aber auch eine Vollzeitkarriere. Sie haben diese Entscheidung vor langer Zeit getroffen. Das muss man respektieren, wenn man sieht, wie sehr sie sich reinhängen.

Also wirst du nicht ihr Debüt neu einsingen?

Eine solche Idee hatte bislang noch niemand.

Aber wenn ich eine Million Dollar hätte, würdest du es vielleicht machen…

Oh my God! (lacht)

Ich habe sie aber leider nicht.

Jaja, man weiß natürlich nie, was die Zukunft bringt. Alles ist möglich. Aber worauf ich mich momentan wirklich konzentriere – ich kann keine Versprechungen abgeben, aber die erste Frage ist gewöhnlich, wirst du jemals nach Deutschland beziehungsweise Europa kommen und dort ein paar, zumindest zwei oder drei Auftritte spielen, wo die alten Fans dann zusammenkommen können, mit mir und vielleicht ein paar Leuten von FATES WARNING. Wir führen diesbezüglich gerade Gespräche, und wir bemühen uns, es wahr zu machen. Ich übe momentan viel, um meine Stimme für etwas derartiges wieder in Form zu bringen. Wie ich schon in ein paar anderen Interviews erzählt habe, kann man sich im Studio einiger Schnitzer erlauben. Aber wenn man auf Tour ist, geht das nicht. Da muss man in Form sein, um eine oder anderthalb Stunden – je nachdem wie lange die Show dauert – konstant gut zu singen. Besonders bei so anspruchsvollem Gesang wie auf Awaken The Guardian. Das Zeug ist so unglaublich hoch. Wenn du es selbst mal versuchst, wirst du feststellen, was ich meine.

Ich kann überhaupt nicht singen!

Es wirklich hoch, und selbst die früheren Sachen sind ziemlich hoch. Ich versuche also meine Stimme in Form zu bringen, und wir versuchen das Budget zusammen zu bekommen. Das ist wohl erst mal das Wichtigste. Ich hoffe, dass wir das schaffen. Vielleicht im Herbst oder Ende Herbst. Wenn das klappt, gut, wenn nicht, dann vielleicht Anfang nächstes Jahr. Und danach, nun, ich mache weiter, ich schreibe gerade ein Lied auf meiner Akustikklampfe. Es ist wohl ein bisschen anders, und ich habe große Hoffnungen. Ich hoffe, dass ich das irgendwie fortführen kann. Ich würde lieber neue Musik erschaffen, als zurückzugehen und DREAM THEATER-Material aufzuwärmen. Meine ohnehin begrenzte Zeit – ich meine, ich werde nicht so bald sterben, aber ich bin beschäftigt, habe einen Vollzeitjob und einen vollen Terminkalender – verbringe ich lieber mit Songwriting.

Als du mit Jim Matheos an den Liedern gearbeitet hast, habt ihr da auch alte FATES WARNING-Sachen zum Aufwärmen gespielt?

Nein, das haben wir nicht gemacht. Jim hatte mich damals angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei dem OSI-Projekt mitzumachen. Aber daraus wurde nichts, weil ich noch nicht bereit war. Allerdings fragte ich ihn, ob er etwas Zeit hätte zwischen dem OSI-Projekt und dem Songwriting für ein neues FATES WARNING-Album, und ob es die Möglichkeit gäbe, das wir uns treffen. Denn ich hielt es für besser, selbst etwas zu schreiben, und ich hatte bereits das Material. Und das taten wir dann auch. Ich hatte Cheyenne im Prinzip schon fertig, und dann haben wir Relentless gemeinsam geschrieben.

Mein Aufwärmen bestand dann im Wesentlichen darin, dass ich zu Jims Haus gefahren bin. Er hat ein Studio in seinem Haus in Hampshire. So fing alles an. Ich begann zu proben, und Junge, ich klang beschissen. Ich dachte, oh mein Gott! Nach 15, 16 Jahren, glaub mir, das ist nicht so wie Fahrradfahren. Das ist furchterregend. Aber als wir uns dann an die Demos machten, war meine Stimme wieder halbwegs in Form. Und dann habe ich schließlich den endgültigen Gesang aufgenommen. Das ist das, was wir in den drei bis vier Monaten geschafft haben. Das ist das, was man auf der CD hört.

Ich mache immer noch meine Gesangsübungen. Und ich versuche so viel wie möglich zu üben, um in Form zu bleiben für den Fall, dass wir diese Termine in Europa gebacken kriegen.

John

Eine letzte Frage: Auf den neuen Bildern hast du kurze Haare, während du in den alten FATES WARNING-Inlays noch längere Haare hattest. Wann hast du sie abgeschnitten?

Hehe, damals hatte ich auch wesentlich mehr Haare! Wir haben ja über Genetik und Schicksalswendungen gesprochen, und die Gene zeigen ihre Wirkung! Mutter Natur kümmert sich jetzt um meine Frisur. Oje, ich weiß nicht genau…

War das gleich nach der Trennung von der Band?

Nicht direkt danach, aber vermutlich ein paar Sommer später. Was soll´s? Wenn man hinten eine große kahle Stelle hat, und das Haar lang trägt, dann ist es wohl besser. Ich finde, es sieht einfach besser aus. Wenn man wenig Haare hat, sollte man sie so kurz wie möglich halten. So ist es nun mal, und ich habe jetzt auch das entsprechende Alter. Hätte ich dichtes, volles Haar, würde ich es wieder wachsen lassen. Aber es ist besser, wenn man die Haare kurz trägt, wenn man anfängt sie zu verlieren. Ich habe den anfänglichen Schock überwunden und nun ist es eben so, wie es ist.

Vielen Dank für die CD und das Interview!

Bitteschön! Es hat mich gefreut. Außerdem bin ich wirklich dankbar für die fortwährende Unterstützung über all die Jahre hinweg. Die Fans sind wirklich großartig gewesen. Was ich jetzt gemacht habe, ist leider kein komplettes Album. Hoffentlich können wir das in Zukunft noch machen. Wie ich schon anderen Leuten gesagt habe, tat ich es für die Fans. Denn sie waren so gut zu mir. Das ist das, was ich im Gegenzug machen kann. Das ist immerhin etwas.

Jutze
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