HAIL OF BULLETS: Gesangsübungen unter der Sauerstoffmaske

HAIL OF BULLETS: Gesangsübungen unter der Sauerstoffmaske

HAIL OF BULLETS haben mit …Of Frost And War gerade mal soeben das Death Metal-Highlight des Jahres veröffentlicht. Wir baten Martin van Drunen, den umtriebigen Frontmann der Band an einem Montag-Abend im Juni zum Gespräch.

 

 

 

Wie seid ihr denn auf die Idee gekommen, HAIL OF BULLETS zu gründen?

 

Die Idee kam von Stephan Gebedi. Damals hatten wir ein Konzert in Hengelo – bei mir um die Ecke – mit DEATH BY DAWN, bei denen ich ja zu dem Zeitpunkt dabei war, und seiner Band THANATOS. Da hat er mich gefragt, ob ich Bock auf ein Projekt hätte. Und weil ich Bock auf Old School-Mucke hatte, habe ich zugesagt. Kurz danach meinte er dann, dass er inzwischen die komplette Besetzung zusammen hat. Da haben wir beschlossen, uns im Zentrum der Niederlande, in Amersfoort, wo unser Bassist Theo wohnt, zu treffen. Da haben wir uns alle mal richtig besoffen, uns kennen gelernt und mal geschaut, wo so die musikalischen Interessen liegen. War ne geile Nacht. Wir kamen persönlich alle gut miteinander klar und hatten auch alle die selben Interessen in Sachen Old School. Dann haben wir beschlossen, mal an Songs zu arbeiten und ein paar Monate später war auch schon die Promo fertig.

 

Wer schreibt denn bei euch hauptsächlich die Musik?

 

Auf dieser Scheibe war Ed eigentlich der Hauptkomponist, aber ich denke, das kann von Scheibe zu Scheibe wechseln. Der Stephan hatte eine Menge andere Sachen zu tun und Ed hat das alles in so einem Wahnsinnstempo komponiert, da hat kein Mensch noch was zwischen gekriegt. Und die Songs waren auch alle geil, was will man also mehr. Es kann aber auch sein, dass er für die nächste Scheibe nur zwei Songs schreibt – was ich aber für unwahrscheinlich halte – und der Stephan zum Beispiel acht oder so.

 

Ist Ed mit GOREFEST nicht ausgelastet?

 

Ne, ne, auf keinen Fall. Da läuft alles total anders, aber hier kann Ed sich kompositorisch noch mal voll austoben. Was er für uns komponiert, ist natürlich musikalisch total anders als das, was er für GOREFEST schreibt, aber da komponiert er soweit ich weiß auch ne Menge. Der Mann hat echt so viele Ideen im Kopf, der ist echt ein Metal-Workoholic.

 

Das klingt ja inzwischen deutlich mehr nach Band als nach Projekt.

 

Mittlerweile ist es schon lange kein Projekt mehr. Das wussten wir eigentlich schon nach der Promo. Die kam super gut an, dann kam der Deal mit Metalblade und die Scheibe war auch schnell gemacht. Jetzt sind wir dabei eine Tour zu planen, da gibt es auch schon einige Angebote und natürlich Einzelgigs zu spielen. Ein Projekt macht normalerweise ja kaum Gigs. Wir mögen uns richtig, das ist auf jeden Fall eine richtige Band.

 

Erst werden ASPHYX wiederbelebt, dann kommt ihr mit HAIL OF BULLETS und beides wird von den Fans begeistert aufgenommen. Es scheint also momentan einen großen Bedarf an Old School Death Metal zu geben.

 

Es scheint so, ja. Ich weiß auch nicht, es sieht so aus, als ob wir wirklich zum richtigen Moment mit ASPHYX zurück gekehrt und mit HAIL OF BULLETS gestartet sind. Das ist natürlich reiner Zufall, so was kann man ja nicht planen, dass Old School Death Metal plötzlich zurückkommt. Das freut uns, wir haben ja auch Bedarf nach solcher Mucke gehabt. Deshalb haben wir das mit HAIL OF BULLETS ja gemacht.

 

Was euch von vielen aktuellen Death Metal-Bands unterscheidet ist vor allem dein Gesang, der sofort heraus sticht, da heutzutage die meisten Death Metal Sänger einfach nur noch versuchen, so tief wie möglich zu growlen, wobei meiner Meinung nach häufig die Brutalität flöten geht.

 

Ja, was kann ich dazu sagen. Danke für´s Kompliment. Ich habe meinen Stil schon seit Jahren und versuche immer noch mich zu verbessern. Mittlerweile kann ich einige Brüller noch länger durchhalten als früher, aber das kommt nur daher, dass ich fast täglich trainiere. Ich weiß nicht wo der Reiz für diese Burschen liegt, ob die es tatsächlich einfach so tief wollen oder ob es eine einfachere Art ist zu singen. Ich sehe auch, dass viele Sänger die Hände um das Mirko halten und dann bekommst du einfach einen tieferen Sound. Wenn du das so machst und dann rein brüllst, grunzt du schon fast. Das hab ich schon oft gesehen und für mich ist das so ein bisschen gemogelt. Wenn ich in einer Band bin, will ich doch möglichst originell klingen. Ich kann viele dieser Sänger einfach nicht auseinander halten, das klingt alles gleich. Eine andere Sache ist, dass man ja auch gar nicht versteht was die das singen.

 

Wirklich einzigartige Death Metal-Stimmen wie du, de Koijer oder Willets gibt es heute kaum noch.

 

Ich finde das schade. Ich habe immer gedacht, dass man doch der Musik auch seinen eigenen Stempel aufdrücken will, aber dieser Trieb, sich zu entwickeln und zu zeigen, scheint heute nicht mehr zu existieren. Aber das ist die Sache dieser Typen, ich mache einfach mein Ding und die Leute scheinen – wie du ja auch sagst – meine Stimme schnell zu erkennen und da freue ich mich drüber. Aber wie gesagt, ich arbeite da auch hart daran. Wenn ich mal eine Woche nichts mache, muss ich das echt wieder aufbauen, da verliere ich eine Menge. Es ist nicht so, dass sich ständig nur saufe, Party mache und dann mal auf ne Bühne klettere, so geht das nicht. Für meinen Stil muss ich schon arbeiten.

 

HAIL 
HAIL OF BULLETS v.l.n.r.: Theo van Eekelen (b.), Stephan Gebedi (g.), Ed Warby (d.), Paul Bayens (g.), Martin van Drunen (v.) 

Wie kann man sich denn Gesangsunterricht Für Death Metal-Sänger vorstellen? Was machst du, um deine Stimme zu trainieren? Eine Stunde in der Küche schreien?

 

Ich habe da ein komisches Ding entdeckt. Ich habe mal einen Pilotenhelm bekommen, von einem Düsenjäger, einer F104, das waren die Maschinen in den 50er Jahren. Da war auch eine Sauerstoffmaske bei. Du kannst mit dieser Maske deine Stimme dämpfen und wenn ich dann die Musik voll aufgedreht habe und da drüber brülle, denken die Nachbarn nicht direkt, dass da rituell ein Schwein geschlachtet wird. Erstens spart mir das den Proberaum, zweitens kann ich dann bequem zu hause, meistens nachmittags singen. Mit dem Ding ist es aber viel schwieriger als mit Mikro weil du ja kaum atmen kannst. Du musst die Maske ja immer wieder hochheben um Luft zu bekommen. Es ist ja nicht so, dass ich das Ding auch noch an eine Sauerstoffmaschine anschließe. Ich bin ja nicht MEAT LOAF.

 

Das stelle ich mir besonders im Sommer echt angenehm vor.

 

Hör auf, ich wohne oben und die Sonne knallt auf´s Dach. Das ist wie im Backofen, danach bin ich so nass, wie wenn ich von der Bühne komme. Aber egal, das ist ok, denn damit kommt auch die Kondition. Ansonsten versuche ich auch immer mal Sachen, wie noch tiefer zu grunzen, noch höher zu kreischen, noch mehr Druck dahinter zu bekommen, mich immer noch zu verbessern, obwohl ich kaum noch kann. Auch wichtig ist natürlich die Bauchtechnik. Richtig optimal wäre ein Raum für mich alleine, wo ich mir eine Bühne mit exakt demselben Sound nachbauen kann, aber wir sind halt nicht METALLICA, also muss ich improvisieren.

 

Dan Swanö hat euch genau den richtigen Sound verpasst, die Produktion könnte für ein Album dieses Genres nicht besser sein. Wie seid ihr auf Dan gekommen und wie kam der Kontakt zu Stande?

 

Ed Warby hat auch mal für DEMIURG Schlagzeug gespielt. Das ist auch eine Band von Dan. Als er dann von uns gehört hat, war er sofort interessiert und wollte uns produzieren. Also haben wir ihn die Promo machen lassen und haben ihm gesagt: Wenn uns der Sound der Promo gefällt und wir einen geilen Deal bekommen, dann machst du auch das Album. Die Promo hat uns und alle anderen Leute dann ziemlich umgehauen, also dachten wir uns, dass das auf jeden Fall passt. Dan ist fast schon ein sechstes Bandmitglied. Später stellte sich auch noch heraus, dass der Mann ein großer Fan meiner Stimme aus alten Zeiten ist. Der hat sich richtig gefreut, dass er meine Stimme mischen durfte. Er meinte nachher, dass er endlich mal eine Stimme mit richtig Druck produzieren kann, wo man nichts nachbessern muss. Weil viele Sänger einfach nicht den Druck und das Volumen haben, so dass man immer noch eine Menge daran basteln muss. Dan hat sich mehr oder weniger angeboten und wer schlägt das schon ab.

 

Habt ihr eigentlich die vier Songs vom Demo für das Album noch einmal komplett neu aufgenommen?

 

Ja, komplett. Das einzige was wir nicht neu aufgenommen haben, ist Dan´s Gesang auf Ordered Eastward. Der singt ja im Mittelteil die tiefe Stimme. Das war eine Bedingung von ihm, dass er auf der Scheibe auch einen Teil singen darf. Das haben wir so gelassen, weil Dan auch selber meinte, dass er das nicht mehr verbessern kann. Deshalb haben wir das so stehen lassen wie es auf dem Demo war. Ansonsten haben wir alles komplett neu aufgenommen. Das Konzept des Albums hatte ich mir ja schon komplett ausgedacht. Und wenn du an einem Konzept bastelst, fängst du natürlich am Anfang an. Deswegen stehen die Demo-Songs auch alle am Anfang der Scheibe. Eigentlich war die Promo ja auch gar nicht für den Verkauf an Privatleute gedacht, sondern nur für Labels. Aber die Nachfrage war so groß, dass wir den Leuten entgegen gekommen sind und das Teil doch verkauft und von Kosta (Iron Pegasus Records) auch noch auf Vinyl haben pressen lassen, was auch geil war von Metalblade, die ja die Rechte an den Songs haben. Der Text von Ordered Eastward hat sich auch noch ein bisschen geändert. Da habe ich noch ein Stück dazu geschrieben. Also ist das Album schon was anders und hat schon einen anderen Wert.

 

ASPHYX, HAIL OF BULLETS, GOREFEST, THANATOS, HOUWITSER, SEVERE TORTURE oder GOD DETHRONED. Die Liste an Death Metal-Bands aus Holland ist gemessen and der Größe des Landes verdammt hoch. Woran liegt das? Ist die Szene bei euch so groß?

 

Ich weiß es nicht. Es gibt ja noch viel mehr geile Bands wie MASSIVE ASSAULT, MURDER SYNDICATE oder CLITEATER. Ich weiß gar nicht, wo die alle herkommen, aber hier war immer schon eine Menge los. Abgesehen vom Death Metal haben wir ja auch noch Thrash Metal-Bands wie LEGION OF THE DAMNED. Ich glaube von der Bevölkerungsgröße sind wir so groß wie Nordrheinwestfalen, aber von den Bands haben wir bestimmt das Vierfache oder so. Ich kenne da jetzt natürlich keine statistischen Daten. Ich habe es dieses Wochenende auch wieder erlebt. METALLICA spielen auf dem PINKPOP und gleichzeitig war auch das NEUROTIC DEATH FEST und das war auch ausverkauft. Da hatten wir SUFFOCATION, DYING FETUS, SEVERE TORTURE und NAPALM DEATH. Der Bedarf nach Death Metal ist hier also echt groß. Aber wieso so viele Bands aus den Niederlanden kommen kann ich echt nicht sagen.

 

In der Bandinfo eures Plattenlabels steht, dass sich die Texte zu …Of Frost And War mit dem ersten Weltkrieg beschäftigen.

 

Was? Das ist ein Druckfehler.

 

War das echt ein Druckfehler oder wollte das Label eventuellen Ärger vermeiden, wenn wieder jemand mit der Thematik des zweiten Weltkriegs an kommt?

 

Nein, das muss ein Druckfehler sein, denn es weiß doch jede Sau, dass es um den zweiten Weltkrieg geht.

 

Das hat mich schon überrascht. Es geht angeblich um den ersten Weltkrieg und dann Songtitel wie The Crucial Offensive (19-11-1942,7.30 AM)

 

Genau, das sagt doch schon alles. Klar gab es schon Ärger deswegen, aber das hast du immer, wenn du über dieses Thema schreibst. Es gibt immer irgendwelche Blödmänner die meinen, dass wir ne Nazi-Band wären, aber das sind einfach Affen, die sich gar keine Mühe machen, sich wirklich mit den Texten und dem gesamten Konzept zu beschäftigen. Klar, wenn man Ordered Eastward oder Advancing Once More einfach mal aus dem Zusammenhang reißt und die Texte für sich alleine nimmt, kann man natürlich meinen, dass es seine Verherrlichung des deutschen Aufmarsches wäre. Aber es ist eben die ganze Geschichte, die eben damit endet, dass Berlin in Schutt und Asche liegt. Das sind einfach nur reine Fakten. Ich bin absolut nicht kriegsverherrlichend. Ich bin vollkommen gegen alles was faschistisch oder rassistisch ist. Sobald eine Band mit Krieg anfängt, und dann hast und noch ein Cover mit einem Panzer drauf, und schon kommen die… ja, ich will eigentlich gar nicht sagen die Linken, denn ich bin ja eigentlich selber einer. Aber die Leute kümmern sich einfach nicht um die richtigen. Da sind einfach nur Vorurteile.

 

Das sehe ich genauso. Ich sehe mich politisch ja auch eher links. Aber so etwas ist einfach Verschwendung von Energie, die man dafür aufwenden könnte die richtigen Leute anzugehen.

 

Ja genau. Viele Leute sind über den Koran am schreien, aber was kann ich dazu sagen? Ich kenne das Buch nicht mal. Da kann man viel falsch interpretieren. Genau wie mit der Bibel, die habe ich auch nicht gelesen, das ganze Ding. Und deswegen sage ich auch nichts dagegen, denn was man nicht kennt, dagegen sollte man auch nichts sagen.

 

Da sollte man sich vorher bilden, ja.

 

Ja, genau so ist es. Es handelt sich einfach um das, was im zweiten Weltkrieg zwischen Deutschen und Russen passiert ist. Da steckt eine Menge Elend in den Texten. Eine Strophe von The Lake Ladoga Massacre lautet the massacred children never to forget sagt auch eine Menge. Vergesst nicht die Kinder die starben. Da gibt es auch ein Gedenkmahl in Leningrad, jetzt St. Petersburg. Das zeigt doch wo wir stehen und der Rest spricht für sich. Es geht um das Elend und das Ende des Faschismus, dass die, die das Ganze angefangen haben, den Hammer auf den Schädel bekommen haben.

 

HAIL 
Trotz Panzer auf dem Cover keine Nazi-Band – HAIL OF BULLETS

Warum eigentlich ausgerechnet der zweite Weltkrieg? Das Thema ist ja nicht neu. Wie bist du denn ausgerechnet auf dieses Thema, den Winterfeldzug gekommen?

 

Ich habe eine Menge Bücher darüber gelesen und war von der ganzen Stalingrad-Sache fasziniert. Es gibt ja viele Leute, die sich dafür interessieren. Darüber wollte ich mal einen Song schreiben aber dann kam die Idee, sich langsam nach Stalingrad vorzuarbeiten und auch, was danach passiert ist. Ich habe nicht nur Dokumentationen gelesen, sondern auch Romane, wie die komplette Trilogie von Theodor Plievier, also Moskau, Stalingrad und Berlin. Aber auch mehrere deutsche Autoren von kurz nach dem Krieg, wie Hans Werner Richter und so. Da steht einfach alles richtig gut drin beschrieben, in einer ganz objektiven und antifaschistischen Weise. So ist diese Idee in mir gereift. Dann kam die Musik von HAIL OF BULLETS und da habe ich mir gedacht, dass das genau die Mucke ist, zu der man das Konzept verwenden kann. Dann hab ich die Jungs angesprochen und die fanden das Konzept geil und haben mir da freie Hand gelassen. Außerdem war ich mal acht Jahre lang mit einer Deutschen verheiratet. Da kommst du dann als Holländer zu den Großeltern und die haben dieses Land als besetztes Land erlebt. Die haben da natürlich eine ganz andere Perspektive und haben da auch sehr bereitwillig von erzählt. Das war für mich sehr interessant, mit Menschen zu reden und das Ganze mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

 

Was hat dich so am Fliegerregiment der Nachthexen fasziniert, dass du ihnen einen Songtext gewidmet hast?

 

Mich hat fasziniert, dass es eine komplette Fliegerstaffel nur aus Frauen war. Nicht nur die Flieger, auch die Mechaniker und so weiter. Ich wusste natürlich, dass bei den Russen in vielen Regimentern auch Frauen gekämpft haben, aber ich wusste nicht, dass es komplette Frauen-Regimenter gab. Und die Deutschen hatten ziemliche Angst vor denen, denn der Name Nachthexen wurde dem Regiment von den Deutschen gegeben. Das war einfach eine kleine Anekdote, die mich interessiert hat und die ich cool fand für einen Text.

 

Du bist ja auch mit ASPHYX wieder aktiv. Wie fühlt es sich an, wieder mit der Band aufzutreten und neue Songs zu schreiben?

 

Großartig! Es macht richtig Spaß. Wir haben dieses Wochenende glaube ich unsere bisher beste Show auf dem PROTZEN OPEN AIR gespielt. Da war der Hammer! Da ist das Adrenalin geflossen, da sind die Leute so dermaßen abartig abgegangen. Wenn du so ein Feedback vom Publikum bekommst…dafür machst du das doch eigentlich. Mit den neuen Songs lassen wir es langsam angehen. Nächste Woche machen wir eine Jam-Session, bei der wir ein paar Stücke ausarbeiten. Die Atmosphäre ist einfach super. Die aktuelle Besetzung ist die beste, die ASPHYX je hatten, schöner ist es noch nie gelaufen. Das klingt jetzt vielleicht komisch, weil das wohl jeder sagen würde, der in so einer Lage ist, aber die Atmosphäre war wirklich nie schöner als jetzt. Es ist einfach so gemütlich und ungezwungen. Wir machen das, was uns Spaß macht. Besser kann man es einfach nicht haben.

 

Was hat für dich zukünftig Priorität? ASPHYX oder HAIL OF BULLETS?

 

Beide! Das tolle ist, dass ASPHYX eine Band ist, die alles ziemlich ruhig macht. Wir haben keinen Stress, müssen nicht unbedingt auf ne Tour. Der Name steht und wir machen einfach in paar Konzerte im Jahr, vielleicht in Zukunft irgendwann mal eine kleine Tour. Da ist einfach kein Druck dahinter. Und deshalb können wir mit HAIL OF BULLETS auch Sachen buchen, weil die beiden Bands sich nicht in die Quere kommen. Und wenn das doch mal passiert, hat Ed bestimmt schon wieder was mit GOREFEST zu tun. Bisher gab es da planungstechnisch keine Probleme und das versuchen wir auch so zu halten. Dafür haben wir ja eine gute und direkte Kommunikation zwischen allen. Beide Bands haben für mich die gleiche Priorität. Ich wurde schon gefragt, welche meine bisher beste Scheibe ist, und da habe ich knallhart …Of Frost And War gesagt. Aber vielleicht, falls wir mit ASPHYX eine neue Scheibe machen, halte ich diese dann für mein bisher bestes Album . Du hast immer wieder Sachen, die du noch perfektionieren kannst.

 

Wie weit seid ihr denn eigentlich mit Songs für ein neues ASPHYX-Album?

 

Da liegt eine Menge Material rum. Wir müssen das alles noch in aller Ruhe aussortieren, aber die Leute sollen sch keine Sorgen machen, es bleibt alles knallhart ASPHYX. Wir wollten unbedingt unseren Stil behalten. Paul (Bayens, g) hat es einfach drauf, das kann man zum Beispiel bei Death The Brutal Way hören. Es gibt noch eine Menge anderer Sachen, die wir noch ausarbeiten müssen, aber der hat es einfach drauf, dass passt alles völlig geil zusammen. Ein paar Stücke haben wir, aber das geht alles ganz locker, kein Stress. Wir müssen ja nicht unbedingt dieses Jahr ein Album fertig haben, das kann auch nächstes Jahr werden. Vielleicht haben wir aber auch in zwei Monaten alles zusammen oder eben Ende dieses Jahres. Keine Ahnung.

 

Habt ihr schon ein Label für die Platte?

 

Wir sind bei Century Media noch für zwei Platten verpflichtet, das geht schon alles in Ordnung. Auch zwischen Metalblade und Century Media gibt es da keine Probleme. Das sind ja zwei große Jungs auf dem Markt, die können das unter sich ausmachen. Das ist ja kein Kindergarten.

 

Ist bereits ein zweites HAIL OF BULLETS-Album geplant?

 

Auf jeden Fall, es gibt wohl auch schon neues Material, aber wir wollen uns jetzt erst mal auf die Shows konzentrieren. Außerdem hat Theo genau zum Release-Tag der Scheibe seine zweite Tochter bekommen, der hat also jetzt erst mal andere Sachen im Kopf. Wenn wir da jetzt mit neuen Stücken ankommen würden, hätte er da wahrscheinlich auch keinen Bock jetzt neue Songs einzustudieren. Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf die Shows. Freitag ist die allererste HAIL OF BULLETS-Show in Arnhem im Willemeen. Wir konnten da einfach einen Tryout-Gig machen. Da wird mittags schon der ganze Soundcheck und alles gemacht und so weiter. Das ist eine Art Generalprobe für die ganzen Festivals, auf denen wir noch spielen. Ich glaube der Gig ist schon ausverkauft, weil die Leute hier auch ziemlich begeistert sind. Die Leute sollten jetzt natürlich nicht schon den ultimativen HAIL OF BULLETS-Auftritt erwarten. Wir werden natürlich unser Bestes geben, aber es ist nun mal ein Tryout-Gig und da kann es halt passieren, dass wir zwischendurch mal was am Monitor-Sound ändern wollen.

 

Wollt ihr eigentlich mit HAIL OF BULLETS nur Festivals spielen oder ist auch eine Tour in Planung?

 

Wir besprechen uns gerade wegen einer Tour. Da kommen schon Angebote, aber das müssen wir alles erst mal durchsprechen, denn es gibt momentan auch ein paar Tour-Agenturen, auf die man sich nicht hundertprozentig verlassen kann. Wir wollen eine vernünftige Tour und keine, bei der wir fünf Tourbusse brauchen und man Tage lang wegen Geld telefonieren muss. Wir sind ja auch keine kleinen Bubis mehr, den Scheiß wollen wir nicht mehr haben.

 

Wie wäre es denn mit einer Tour zusammen mit ASPHYX?

 

Du spinnst! Eine Show mit ASPHYX oder eine mit HAIL OF BULLETS reichen mir schon. Wenn ich dann noch zwei an einem Abend spielen muss… Ich bin schon ein alter Mann, Fußballer gehen mit meinem Alter in Rente. Das schaffe ich nicht. ASPHYX spielen mittlerweile als Headliner anderthalb Stunden, dann noch HAIL OF BULLETS dazu, das würde heißen zweieinhalb Stunden Spielzeit. Ok, METALLICA spielen solange, aber der singt ja auch viel relaxter als ich. Ich würde nach zwei Tagen tot umfallen. Das kannst du vergessen.

 

Vor kurzem hat Patrick Mameli ja PESTILENCE wieder ins Leben gerufen. Gab es eigentlich Überlegungen, dass du an der Reunion teilnimmst?

 

Nein, auch von meiner Seite aus nicht. 2000 haben wir uns beide getroffen, da war die Idee für PESTILENCE 2000. Da hab ich vorgeschlagen ein paar Shows zu spielen mit dem alten Kram, weil sich die Leute darüber freuen würden. Aber er meinte, dass er den alten Scheiß nicht mehr spielen will und da war die Sache für mich vorbei. Das kann man den Leuten nicht antun. Da stehst du mit dem Namen PESTILENCE 2000 auf der Bühne und die Leute erwarten einfach die alten Klassiker, und dann spielst du da nur neuen Scheiß. Also hab ich ihm gesagt, dass er das vergessen kann und habe auch nix mehr von ihm gehört. Jetzt habe ich gehört, dass er noch mal eine Reunion machen will. Schön und gut. Erstens bin ich zu beschäftigt mit HAIL OF BULLETS und ASPHYX und zweitens glaube ich nicht, dass ich mit PESTILENCE so viel Spaß haben würde wie mit den beiden. Ich bin in zwei supergeilen Bands, was will ich noch mehr? Das würde nur Stress geben.

 

Hast du noch etwas, das du loswerden möchtest?

 

Wenn Leute Bedenken haben wegen des so genannten Kriegsimage, sollten sie sich erstmal die Texte durchlesen, bevor sie uns verurteilen. Danke an alle Leute, denen die Scheibe gefällt. Das freut uns sehr. Die Unterstützung die wir jetzt schon von unseren Fans bekommen ist wirklich gewaltig. Viel Erfolg noch mit vampster.

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.