HAIL OF BULLETS: Die alten Hasen wissen wie die Peitsche klatscht!

HAIL OF BULLETS: Die alten Hasen wissen wie die Peitsche klatscht!

Mit On Divine Winds haben HAIL OF BULLETS ein hervorragendes Zweitwerk abgeliefert. Also baten wir Frontsau Martin van Drunen mal wieder zum Interview und sprachen über Songwriting, die Pazifik-Front und mögliche Themen für das nächste HAIL OF BULLETS-Album.

 


Hey Martin. Wie geht es dir?

Danke gut, und dir?

Auch gut. Ja, ich sag mal Herzlich Willkommen zu deinem jährlichen Interview mit uns. Vor zwei Jahren HAIL OF BULLETS, letztes Jahr ASPHYX und jetzt wieder HAIL OF BULLETS. Langweilig ist dir momentan wahrscheinlich nicht.

Ne, überhaupt nicht. Solange ich immer noch neue Sachen raus bringe gibt es keine Langeweile, da gibt es ja immer wieder was neues zu melden.

Erst mal vielen Dank für euer neues Album. Ich finde zwar das Debüt immer noch ein Stückchen besser aber trotzdem habt ihr ein weiteres, starkes Stück Old School Death Metal abgeliefert.

Dankeschön!

Wie waren den die Reaktionen bisher?

Überwältigend! Im Gegensatz zu dem, was du gesagt hast finden die meisten Leute das neue Album eigentlich noch besser, weil es kompletter ist. Die Reaktionen sind wirklich überwältigend bisher, der Hammer. Alles wofür wir so hart geackert haben zahlt sich, was die Kritiken angeht, wirklich gut aus. Es war schon nicht einfach, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt und wir sind megafroh und stolz drauf.

Ihr wurdet ja bisher echt sehr gut aufgenommen. Für euer Demo, das Debüt, die EP und auch das neue Album gab es bisher ja eigentlich nur sehr positive Reviews. Wie fühlt man sich als Death Metal-Senkrechtstarter?

Ha ha ha, ach eigentlich nicht anders als sonst. Klar, man ist voll zufrieden. Für mich sind mehr oder weniger Leidenschaft und Hobby sind zum Beruf geworden. Hauptsache ist aber immer, dass man Spaß an der Sache hat. Und mit solchen Jungs um sich rum und solche Mucke zu machen, dann noch das internationale Lob, da kann man sich nicht beschweren. Aber ich bleibe immer der, der ich schon seit 20 oder 25 Jahren bin.

Es ist schon interessant, wenn man mal den Vergleich mit ASPHYX macht, die ja jahrelang im Underground rum gekrebst sind und jetzt mit HAIL OF BULLETS habt ihr richtig Erfolg.

Das Ding mit ASPHYX ist ja, das die Band lange nichts mehr gemacht hat, und es ging ja nicht mehr so richtig nachdem ich damals ausgestiegen bin. Klar, die haben noch richtig gute Platten raus gebracht, aber das war einfach nicht mehr das selbe wie zu The Rack oder Crush The Cenotaph. Ich bin ja bei den Aufnahmen zu Last One On Earth schon ausgestiegen. Es liegt eine lange Zeit dazwischen. Und HAIL OF BULLETS sind zwar auch eine Veteranengesellschaft, aber es ist eine neue Band und mit den Namen und den hochqualitativen Leistungen musste das ja irgendwann was werden. Und zum Glück hat es von Anfang an geklappt.

Klar, ihr seid zwar eine verhältnismäßig neue Band, aber natürlich auch eine Ansammlung alter Hasen, die wissen wie es läuft.

Deswegen meinte ich auch Veteranengesellschaft. Die alten Hasen wissen ja wie die Peitsche klatscht. Ich weiß nicht, ist das überhaupt ein deutsches Sprichwort? Das sagt man in den Niederlanden so. Wenn zum Beispiel Of Frost And War nichts geworden wäre, dann hätten wir wahrscheinlich auch aufgehört. Mit unserem Alter und unserer Erfahrung hast du natürlich keinen Bock es dann doch noch mal zu versuchen. Wir sind schon ziemlich überzeugt von dem, was wir können, aber das heißt noch lange nicht, dass wir den Boden verlieren oder so.

Ich denke mal, dass Death Metal auch nicht für Superstars taugt.

Nee, das überhaupt nicht. Aber es gibt natürlich ein paar Bands, auch im brutaleren Bereich, die dann trotzdem ein bisschen den Kopf verlieren. Aber das wird uns auf keinen Fall passieren.

Wann habt ihr denn mit dem Songwriting für das neue Album angefangen?

Puh, ich glaube schon kurz nach Of Frost And War. Dann kamen ja erst mal die beiden neuen Songs für die Warsaw Rising-EP und dann ging es auch schon los mit Riffs. Da wusste ich aber noch gar nicht, was ich machen sollte oder wollte. Es war noch gar nicht die Rede von einem neuen Konzeptalbum. Mir hat es gefallen, das zu machen aber ich brauchte eine Idee. Und als ich die hatte ging es auch mit dem instrumentalen Songwriting besser, denn dann wussten die Jungs, was das Thema wird. So ist es auch musikalisch einfacher sich ein Bild vom Endprodukt zu machen.

Klar, wenn man ein Thema vor Augen hat, dann hat man schon mal Anreize, wie man Songs gestalten kann.

Das ist natürlich nicht das Hauptding, das Wichtigste ist erst mal, dass man Riffs und eine gute Reihenfolge hat. Welches Riff in welchen Song und zu welchem Thema passt. Ich sage mal, so richtig los gegangen ist das vor zehn Monaten, als wir uns auf das neue Album fokussiert haben. Es kommt mir so vor, als wäre es schon länger her…

Na gut, die ersten Ideen hat man ja vielleicht schon früher.

Ja, das auf jeden Fall. Nach Of Frost And War hatten wir noch so viele Sachen, haben die aber komischerweise alle nicht benutzt weil wir der Meinung waren, dass die nicht stark genug waren. Wir mussten also alles neu machen.

HAIL
Er ist einfach Metaller mit Herz und Nieren – Martin van Drunen über Ed Warby (hier in der Mitte)


Du hast mir ja beim Interview für das letzte Album gesagt, dass Ed die Songs quasi im Alleingang geschrieben hat. War das dieses mal wieder so, oder konntet ihr anderen euch auch etwas mehr einbringen?

Wenn es ums musikalische geht hat Eddi so um die siebzig Prozent geschrieben. Aber Stephan hat auch ein paar verdammt gute Songs geschrieben. Kamikaze ist zum Beispiel von Stephan, On Choral Shores ist auch von ihm, Tokyo Napalm Holocaust hat er zusammen mit Ed geschrieben und Full Scale War ist komplett von Paul. Bei Paul liegt der Fokus aber eher bei ASPHYX, er ist da der Haupt-Songwriter und sagt sich deswegen auch, dass er sich dann nicht auch noch bei HAIL OF BULLETS so viel einbringen muss. Wenn er aber Sachen hat, von denen er denkt, dass die nicht so gut zu ASPHYX passen wie zu HAIL OF BULLETS, wie zum Beispiel die Full Scale War-Riffs, dann nehmen wir die wohl. Aber Ed macht immer noch den Großteil.

Was soll man auch dazwischen hauen wenn einer mit so vielen guten Ideen ankommt.

Wenn der mal richtig loslegt, ist er nicht mehr zu halten, dann hast du in einer Woche drei oder vier Songs von ihm. Aber jetzt macht er endlich mal für sich ein bisschen Pause. Er hat inzwischen so viele Sachen gemacht – ich will nicht sagen, dass er einen Hals hat aber ich kann mir vorstellen, dass er jetzt einfach mal etwas Auszeit braucht.

Er hat ja so nebenher noch die THE 11TH HOUR-Scheibe gemacht.

Dann macht er noch andere komische Sachen wie AYREON und macht auch noch bei DEMIURG mit. Ich weiß gar nicht war der sonst noch alles veranstaltet aber der ist echt ein Tausendsassa. Er kann einfach alles und will auch einfach alles, er ist einfach Metaller mit Herz und Nieren. Er kann einfach nicht aufhören. Ich glaube, das ist jetzt auch eine Art Zwangspause die er sich verordnet hat.

Mal schauen wie lange es hält.

Ich denke nicht lange.

Vielleicht kommt er ja mit zwei kompletten Alben aus der Pause zurück.

Das kann schon passieren. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn er nächste Woche mit ein paar Ideen für das nächste Album ankäme.

Und da ihm ja so langweilig ist, hat er das neue Album auch noch produziert während Dan Swanö wieder den Mix übernommen hat. Dan ist wirklich so etwas wie das sechste Bandmitglied oder?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke nicht, dass wir irgendjemand anderem das überhaupt noch zutrauen würden. Dan ist einfach wichtig für die Gestalt von HAIL OF BULLETS, was den Sound angeht. Eddy ist da hinterher heraus zu finden, was der Mann so macht. Er hat ihn schon oft gefragt, was er da macht, was für Equipment er benutzt, aber das gibt er natürlich nicht preis. Das ist ja logisch, da hat er ja auch Jahre danach gesucht.

Hat er auch wieder ein paar Gast-Vocals übernommen?

Nein, diesmal nicht. Er war glaube ich gerade an einem eigenen Projekt dran, das wäre sonst wohl etwas viel geworden.

Auf  On Divine Winds geht ihr insgesamt etwas langsamer als auf Of Frost And War zu Werke. War das so geplant oder hat es sich einfach beim Songwriting so ergeben?

Das hat sich einfach so ergeben. Wir planen sowas ja nicht. Neben der Tatsache, dass wir alle Old School Death Metal hören, mögen wir auch die schweren, trägen Doom-Riffs, dann kommt das einfach von selbst. Aber es ist nicht so, dass wir das geplant hätten. Ich habe mich selber erst mal daran gedacht, ob die Songs nicht etwas langsam wären aber dann kamen die schnelleren Stücke wie Kamikaze, On Choral Shores oder Guadalacanal, das bringt dann die Abwechslung rein. Ich denke es ist eine gelungene Mischung.

HAIL
Metalheads sind treu – Martin van Drunen zum Thema illegale Downloads.

Ich würde auch sagen, dass ihr insgesamt etwas melodischer geworden seit, als auf dem Vorgänger.

Ja, ich denke nicht, dass das geplant war. Wir konnten uns einfach viel mehr Zeit lassen mit der Scheibe und ich denke, dass die Melodien einfach viel besser zu den Songs passen. Ich persönlich finde, dass die Melodien und Soli die Thematik der Songs besser wieder geben, die Bilder, die Atmosphäre. Ich denke, dass kommt auch daher, dass Eddy genau wusste, was ich mit den Texten ausdrücken wollte und worum es in den Songs geht. Die anderen konnten das alles diesmal in Ruhe ausarbeiten, auch weil die Gitarren alle bei Eddy zu Hause aufgenommen wurden. Wir buchen ja eh kein Studio für drei Wochen, denn dann hast du eine Deadline und plötzlich musst du alles in Eile erledigen. Dieses Mal konnten wir an einem schlechten Tag einfach sagen, dass wir an einem anderen Tag weiter machen und dann konnten wir einfach mehr ausprobieren. Wenn die Leute über Melodie und Death Metal reden, dann denkst du vielleicht, dass ein weiches Album dabei raus kommt aber das ist es auf keinen Fall geworden. Das klingt immer so komisch, Death Metal und Melodie, eine Kombination von der man nicht denkt, dass sie existiert aber es passt einfach verdammt gut. Und das würde ich sagen, ist der größte Unterschied zwischen Of Frost And War und dem neuen Album.

Ich würde sagen, dass neue Album klingt ausgearbeiteter, das Erste war etwas roher und das Neue klingt etwas melodischer, als hättet ihr mehr an den Songs rumgefeilt.

Ich denke, dass das auch so ist. Wie gesagt, wir hatten mehr Zeit. Of Frost And War war das erste Mal, dass wir als Band was zusammen gemacht haben. Da haben wir nicht so lange über die Songs nachgedacht haben. Aber bei diesem wussten wir, dass es nicht einfach werden würde eine Platte zu machen, die besser ist als Of Frost And War, oder nah ran kommt. Da ist es nicht so einfach gewisse Entscheidungen zu treffen, ob das Songmaterial gut genug ist. Aber irgendwann muss man diese Entscheidung halt treffen. Es war ein harter Job aber ich bin selber hundert Prozent zufrieden mit dem Ding.

Textlich bist du dem zweiten Weltkrieg treu geblieben, hast dich dieses mal aber der japanischen Front gewidmet. Welche Quellen hast du dieses mal für deine Texte genutzt?

Wieder alles mögliche an Büchern. Das war nicht so einfach. Für Of Frost And War hatte ich schon eine Menge hier. Daher kam ja auch die Idee. Ich wollte das einfach mal machen weil das so eine komische Faszination von mir ist. Also habe ich was über die Ostfront geschrieben. Das meiste dazu hatte ich ja schon hier, ich habe nur ein paar Bücher noch im Nachhinein besorgt. Aber über den Pazifik-Krieg hatte ich nichts, ich musste also total von vorne anfangen. Aber ich habe in verschiedenen Gebraucht-Bücherläden und Antiquariaten genau das gefunden, was ich gesucht habe also Bücher von Historikern, von Soldaten die dabei waren, auch vom japanischen Standpunkt aus gesehen. Dann hatte ich das Problem, dass ich nicht wusste, wie komplex das Thema ist. Klar, das in Europa ist auch nicht von einem Tag auf den anderen passiert aber bei den Japanern liegt das noch viel, viel länger zurück. Eigentlich hätte ich für das Thema zwanzig Songs brauchen können. Ich lese unheimlich gerne. Dokus und Filme gibt es eh nicht viele von diesem Krieg und ich stehe auch eher auf Fakten.

Also hast du deine heimische Bibliothek aufgerüstet für das Album.

Das auf jeden Fall.

Es war sicher auch schwieriger die Texte zu schreiben, als beim ersten Album.

Ja, auf jeden Fall. Wie gesagt, ich war blank, ich hatte gar nichts. Ich wusste nur ein paar Sachen, die man halt so weiß, was man so mit gekriegt hat. Dass halt auf den Inseln wie Iwo Jima gekämpft wurde, jeder kennt natürlich Pearl Harbor oder die Atombombe, von Kamikaze hat man auch mal gehört. Aber was da tatsächlich passiert ist oder wie man die Bevölkerung dazu getrieben hat, und wie kompliziert die japanische Politik war, das ist der Hammer. Ich habe da verdammt viel gelernt, das war das Schöne daran. Aber es war tatsächlich viel schwerer zu schreiben als Of Frost And War.

Du bist zwar eher der Bücherwurm aber hast du die beiden Filme Flags Of Our Fathers und Letters From Iwo Jima gesehen? Sie beschreiben den Krieg ebenfalls von beiden Seiten.

Ja, ich fand die für Ami-Produktionen eigentlich gut. Es ist keine Hollywod-Kotz-Geschichte sondern schon eher sehr realistisch. Flags Of Our Fathers ist eigentlich viel mehr ein Drama, da darf man keinen Kriegsfilm erwarten, es ist einfach eine tragische Geschichte. Wie bei Iwo Jima aus dem Blickwinkel der Japaner sieht man das im Film natürlich auch nicht oft. Die waren beide ok, aber es ist nicht so, dass ich da was für das Album-Konzept mitnehme. Das sind einfach kleine Anekdoten, zu klein für das Gesamtkonzept. Ich habe die nebenher geschaut, aber es war nicht so, dass ich mir gedacht habe, die unbedingt sehen zu müssen. Ich lese dann lieber die dicken Bücher obwohl das manchmal auch eine Qual sein kann. Aber größtenteils macht es wirklich Spaß.

Bei den Unsung Heroes handelt es sich um Kriegsgefangene, oder?

Ja, genau. Das ist ein etwas vergessenes Thema. Nachdem ich die Geschichten der Überlebenden gelesen habe, wollte ich das unbedingt machen, das ist einfach verdammt tragisch. Es kann auch nicht schaden, dass die Kriegsverbrechen der Japaner ans Tageslicht kommen. Wenn es um Kriegs-Greueltaten geht, denkt man ja immer an die Deutschen, aber die Japaner waren auf ihre Weise genau so brutal und haben ebenfalls Hunderttausende dahingemetzelt, was viele Leute gar nicht wissen.

Für Japaner gab es kein Aufgeben, das war eine Schande. Man starb entweder im Kampf oder schlitze sich, wenn man keine Wahl mehr hatte, den Bauch auf und beging Selbstmord. Und deswegen hatten die Japaner überhaupt keinen Respekt gegenüber den amerikanischen und englischen Kriegsgefangenen, die haben sie einfach wie Bestien behandelt, das war grausam. Und es gab einige, die haben das vier Jahre oder länger überlebt, ohne Medikamente, fast nur mit Reis. Ich wollte unbedingt etwas über diese Männer schreiben, denn wer weiß das heute noch?

Ja, das ist eine Seite des Krieges die man gerne vergisst.

Vor allem von der Seite der Japaner, denke ich. Ich weiß nicht wieso aber viele scheinen überhaupt nicht zu wissen was die da getrieben haben. Ich habe auch einige der Greueltaten, die die Japaner in China begangen haben in den Texten angesprochen aber das waren ja Hunderttausende die da niedergemetzelt wurden, ohne Grund – Zivilisten.

Das war tatsächlich ein bisschen so wie das was die Deutschen in Russland gemacht haben. Aber bei den deutschen war das ja nicht die Wehrmacht sondern dass, was hinter der Wehrmacht kam, nämlich die SS. Bei den Japanern war das die Kwantung-Armee, die hatten mehr oder weniger einen Freibrief mit der Bevölkerung zu tun was sie wollten. Ich finde es merkwürdig, dass es dort immer noch ein Tabuthema zu sein scheint, wenn man es zum Beispiel auch mal mit Deutschland vergleicht.

Stimmt, in Deutschland wird sehr offen mit dem Thema umgegangen.

Ja, bei euch ist sich jeder, vor allem die späteren Generationen bewusst, dass es total falsch war, was da damals passiert ist und das es nie wieder passieren darf, bei den Japanern habe ich das Gefühl, dass das dort überhaupt nicht so ist, dass sie sich eher in der Opferrolle gesehen haben weil man ihnen ja zwei Atombomben auf die Fresse geschmissen hat. Ich habe vor zwei Wochen glaube ich noch gelesen, dass Deutschland tatsächlich endlich die Schuld für den ersten Weltkrieg abgezahlt hat. Ich habe mir gedacht, meine Güte, dass kann doch nicht wahr sein.

Stimmt, das habe ich auch gelesen.

Ich weiß nicht ob die Japaner noch was bezahlen, aber ich glaube nicht. Auch was Prozesse angeht. Da sind Leute verurteilt worden, vergleichbar mit den Nürnberger-Prozessen wo die übrig gebliebenen Nazi Top-Leute verurteilt worden. Aber bei den Japanern waren nicht mehr viele übrig, und es kam bei den Prozessen nicht so viel ans Tageslicht wie bei den Nürnberger Prozessen.

Ich denke, der Grund für diese maximale Aufklärung war auch, dass Deutschland zu dem Zeitpunkt besetzt war.

Das war Japan aber auch, allerdings nicht so wie Deutschland. Ich denke der größte Unterschied war, dass die Russen Japan gerne besetzt hätten, es aber nicht durften. Am Ende des Kriegs, als die Russen vor Berlin waren haben sie sich auch Richtung Japan gewandt, weil sie auch dort ein Stück von Kuchen haben wollten. Aber das haben die Amis sich nicht nehmen lassen. Deutschland ist ja von den Russen ziemlich brutal ausgeplündert worden, was man denen ja nicht übel nehmen kann, denn sie haben ja vorher in Russland genau das selbe gemacht. Das war quasi Auge um Auge, Zahn um Zahn. Die Amerikaner haben dann versucht, das ganze japanische Denken ein wenig zu verändern, eine andere Art von Demokratie einzuführen. Das war humaner als das, was die Russen gemacht haben.

HAIL
Ich versuche Klischees zu vermeiden – Martin van Drunen hatte keine Lust über Atombomben zu singen.


Bei Strategy Of Attrition beschreibst du das Vorgehen der Japaner in China. Bis heute sind die Beziehungen der beiden Länder nicht gerade die Besten, schlechter zum Beispiel als die Beziehungen jedes anderen, am Krieg beteiligten Landes zu Deutschland.

Das hat natürlich damit zu tun, dass da nie ein Dialog war, dass nie eine Entschuldigung gekommen ist. Die Japaner haben in der Nachkriegszeit nie gelernt, dass sie das nie wieder tun dürfen. Viele Japaner sehen sich immer noch als den Übermensch von Asien. Die Chinesen dürfen jetzt natürlich ihre Macht zeigen, denn sie sind ja jetzt eine der größten Mächte der Welt, aber lange Zeit war das nicht so. Und jetzt kommt das natürlich langsam wieder hoch.

Bei dem Song habt ihr euch, was den Rhythmus angeht aber deutlich von Red Wolves Of Stalin inspirieren lassen, oder?

Das weiß ich gar nicht, ich glaube nicht dass Eddy auf seine alten Sachen zurückgreift. Wenn ein Song keinen Titel hat, geben wir ihm einen Arbeitstitel. Und den haben wir damals Dis-Beat genannt, weil es eben ein Dis-Beat ist aber wir haben nicht daran gedacht, dass er wie Red Wolves ist.

Ich finde ihn rhythmisch und vom Riffing her, aber es ist ein super Song. Also, wen stört es…

Ja, du sagst es. Aber ich habe das nicht gemerkt. Kannst gut recht haben, die sind ein bisschen ähnlich. Aber egal, wenn SLAYER einen Song schreiben, der ein bisschen wie Hell Awaits klingt, würde ich das auch ok finden.

Mit Sugar Loaf Hill habt ihr wieder einen Bonustrack der nur auf der limitierten Auflage erhältlich ist. Die ganze Story gibt es also nur für Käufer der Special Edition.

Ja, das ist für die, die schnell dabei sind. Das sind die, die das Album dann nicht runter laden. Aber ich denke, Metaller sind eh das Publikum, das was Musik angeht, sich dann auch wirklich das Produkt kauft. Und für die, die als Erstes kommen, gibt es dann eben das Digipack mit dem Bonustrack und der Bonus-DVD.

Ich denke auch, dass diese ganze Download-Problematik sicherlich vorhanden ist aber gerade in der Metal Szene wird das nicht so stark greifen wie zum Beispiel im Mainstream Pop-Bereich.

Nee, auf keinen Fall. Metalheads sind treu, wenn die ne Scheibe gut finden müssen sie die auch zu Hause haben. Und seien wir doch mal ehrlich, es ist doch viel schöner so ein Teil mit Booklet mit den Texten dabei zu haben als ein paar mp3-Dateien auf dem Rechner.

Mir brauchst du das nicht zu sagen. Ich sitze hier gerade neben meinen über tausend CDs.

Du bekommst wahrscheinlich auch noch eine Menge von Plattenfirmen und so geschickt.

Na ja, das meiste läuft ja inzwischen über downloads. Ist natürlich platzsparend aber ich habe eigentlich auch gerne ein Booklet in der Hand.

Bei mir genau so, ich bin ein alter Platten-Mensch, das ist immer noch das Schönste für mich.

Was schwebt dir denn für das nächste
HAIL OF BULLETS-Album thematisch vor? Noch mal zweiter Weltkrieg, die Normandie würde sich noch anbieten?

Ha ha ha. Nein, ich weiß es noch nicht ganz. Eigentlich wollte ich gar nicht schon wieder ein Konzeptalbum über den  zweiten Weltkrieg machen, das kam einfach so spontan. Ich denke nicht, aber wer weiß. Kann sein, dass dann doch wieder ein Thema hoch kommt von dem ich noch nichts wusste. Aber die Normandie auf keinen Fall, das ist eine Milchkuh, die ist schon leer und alt. Jeder hat darüber geschrieben, jeder hat da Filme drüber gemacht. Ich habe damals mit Absicht die Ostfront als Thema genommen weil das eigentlich hauptsächlich in Russland und Deutschland bekannt war, im Rest der Welt wusste man gar nichts über die ganzen Schlachten und so weiter. Aber die Normandie kennt ja jeder, da sagt jeder direkt Saving Private Ryan. Ne, das spricht mich auch eigentlich gar nicht so an.

Ja stimmt, was man aus dem Fernsehen vom zweiten Weltkrieg kennt sind hauptsächlich Pearl Harbor und die Normandie.

Ja genau, das sind die zwei Dinge. OK, Pearl Harbor haben wir auch gemacht aber da kommst du nicht dran vorbei, das war die Kriegserklärung der Japaner an die Amerikaner. Ich habe auch mit Absicht nicht über die Atombomben gesungen. Das ist auch so ein Thema. Hunderttausende Bands haben Songtitel wie Enola Gay, Hiroshima oder Atomic Bomb. Das lasse ich dann lieber sein. Zum Glück hatten wir mit Tokyo Napalm Holocaust ein anderes Thema, was ja noch viel schlimmer war. Wenn es geht versuche ich die Klischees ein wenig zu vermeiden. Aber bestimmt Sachen kannst du nicht ignorieren. Zum Beispiel Kamikaze. Am Ende des Kriegs war das so wichtig und schockierend. Nicht so sehr die Männer selbst, sondern wie hoffnungslos ein Staat sein kann, wie weit man gehen kann junge Männer zu indoktrinieren, dass sie bereit sind, sich selbst für ihr Land zu opfern. Das ist der Wahnsinn des Kriegs. Aber so richtig originell ist es nicht. Aber für eine dritte Scheibe habe ich momentan keine Ahnung. Ich habe ein paar Ideen aber es kann sein, dass ich noch auf irgendetwas anderes stoße und dann denke: Das ist es.

Ansonsten nennt euer drittes Album doch Wüstenfuchs.

Ha ha ha, ja, der Rommel. Der Mensch ist auf jeden Fall einen Song wert. Der war denke ich nach Cäsar und Napoleon der Größte. Das ist echt so, kein Witz. Sag mal, ist dem sein Sohn nicht Bürgermeister von Stuttgart?

Ich muss zugeben, dass ich da erschreckend uninformiert bin.

Ach so, ich hab das mal gehört. Manfred Rommel war das oder nicht? War das nicht in Stuttgart oder irgendwo in Baden Würtemberg, ich hab das mal gehört. Aber gut, Rommel war ja eigentlich kein Nazi.

Richtig, der war ja nicht mal Parteimitglied.

Genau, der musste sich ja auch am Ende erschießen, Klar, Rommel ist megainteressant aber er ist nur ein Mensch, da hast du ja noch kein Album. Von ihm habe ich auch schon eine Menge gelesen aber ich schaue mal. Wir Holländer haben ja auch mal achtzig Jahre gegen die Spanier gekämpft, da bin ich auch schon am überlegen.

Das hatten wir ja im ersten HAIL OF BULLETS-Interview schon: Die Themen werden dir bei Krieg so schnell nicht ausgehen.

Ne, das ist der Vorteil am Krieg. Das gab es schon und das wird immer so bleiben, leider.

Wie sieht es denn momentan bei ASPHYX aus? Ihr habt ja letztens die DVD raus gebracht. Arbeitet ihr schon an neuen Songs?

Ja, ganz ruhig, ganz locker, wie das halt bei ASPHYX so ist. Paul hat schon eine Menge Riffs, wir planen dann ab und zu mal einen lockeren Jam und dann schauen wir mal, was wir mit dem Material anfangen können. Paul hat so viel, ich glaube das Material für eine neue Scheibe ist schon da, man muss das jetzt nur noch alles komponieren und arrangieren. Aber das läuft auf jeden Fall, aber kein Stress.

Wie ist es denn zu den Auftritten mit eurem Original-Gitarristen Eric Daniels gekommen. Ihr habt ja jetzt ein paar Konzerte mit ihm zusammen gespielt.

Nur eins, bei Century Media. Das war aber nur eine coole Party, der wir etwas Schwung gegeben haben. Die haben uns gefragt ob wir weil wir ja eh aus der Ecke kommen und weil wir die Band sind, die am längsten bei Century Media unter Vertrag steht. Wir wären fast nicht zum Gelände gekommen weil da eine Nazi-Veranstaltung in der Dortmunder Innenstadt war. Deswegen konnten viele Leute nicht kommen. Wir konnten die Ausfahrt zum Hafen nicht nehmen, wir sind nicht von der Autobahn runter gekommen. Nach zwei Stunden haben die uns da runter geschleust, keine Ahnung wie. Später war alles gesperrt, die ganze Innenstadt. Wir haben einfach guten Kontakt zu Eric. Er wollte das mal machen und wir wollten mal etwas besonderes machen. Er hat dann zu Hause die Stücke gelernt. Wir haben uns dann gesagt, das ist keine offizielle Show, eher eine Party, lasst uns einfach Spaß haben und die alten Sachen spielen. Aber wir haben auch ein paar neue Sachen mit ihm gespielt.

Ich wäre ja auch gerne da gewesen, als Kölner wohne ich ja quasi auch um die Ecke, aber das hat leider zeitlich nicht gepasst.

Macht nix, du währst wahrscheinlich gar nicht angekommen. Zwei bis dreihundert Leute konnten nicht kommen und die die da waren, sind schon viel früher gekommen bevor der ganze Kram da anfing. Aber das war richtig gemütlich, und danach haben wir noch bis in die späten Stunden weiter gefeiert. Das war eine Show mit Eric und dabei belassen wir es. Es sei denn, es kommt noch mal etwas, das eher unter dem Motto Party läuft, und keine professionelle ASPHYX-Show ist. Das war eine richtig kleine Bühne. Der Backstage-Bereich war voll geil, das war eine kleine Bier-Brauerei, die da nebenan ist. Da bist du dann zwischen den Bierkesseln her gelaufen, die waren aber leider alle leer. Trotzdem, es war schon cool hinter einem Ding zu stehen wo tausend Liter Bier rein passen.

Machst du eigentlich immer noch deine Gesangsübungen unter der Sauerstoffmaske?

Ja, das ist einfach das Beste. Da muss ich diese Woche wieder ran.

Wie oft übst du dann?

Ich fange morgen wieder an, wir haben am Samstag eine Show in Ludwigsburg.

Also schon speziell vor Konzerten.

Ja, ich baue das langsam auf. Ich fange erst mal an mich warm zu singen, am nächsten Tag dann mehr Songs bis ich mich gut fühle und dann ist es okay. Ich muss intensiver üben wenn wir mehr Shows hintereinander spielen aber wir spielen ja meistens eh nur am Wochenende, höchstens mal zwei Shows hintereinander. Da reicht das locker. Ich fange morgen an und Freitag bin ich dann in Topform.

Zu Of Frost And War habt ihr ja keine komplette Tour gefahren sondern nur Einzelkonzerte und Festivalauftritte. Ist für das neue Album eine Tour geplant oder wird es weiter bei Einzelauftritten bleiben?

Ich denke mal es werden wieder Einzelauftritte. Das große Problem ist auch, dass die Jungs alle unterschiedliche Jobs haben und nicht gleichzeitig Urlaub kriegen. Wenn wir was machen, dann kann das höchstens so zwei bis drei Wochen machen und das ist für mich keine richtige Tour. Eine große Tour wäre für mich, wenn man so fünf bis sechs Wochen unterwegs ist. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann auf jeden Fall.

Ihr seit ja auf jeden Fall wieder in Essen im Turock.

Ich mag das Turock sehr gerne. Der Laden und vor allem die Crew ist cool. Die machen schon einiges für die Bands. Ich habe da mal an der Bar gestanden und wollte mein Getränk bezahlen, da kam dann direkt einer von der Crew und hat mir einen Haufen Getränkemarken gegeben und meinte, ich müsste doch hier nicht zahlen. Das geht bei einigen Festivals ja auch ganz anders, da bekommst du dann vier oder fünf Getränkemarken. Und was soll ich dann auf der Bühne trinken? Wasser???

So, ich bin durch. Hast du noch was, dass du loswerden möchtest?

Vielen Dank für das interview und viel Erfolg mit vampster. Wir möchten auch allen für die Unterstützung danken, das ist echt der Wahnsinn.

 

Promofotos (c) CarolineTraitler
Titelbild Foto (c) Tom Jaschke

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.