DEFEATER: Fuck these guys!

DEFEATER: Fuck these guys!

Mit Empty Days & Sleepless Nights haben DEFEATER erst ihr zweites Album parat, doch gelten Sie jetzt schon als das heißeste Feuer im Ofen, das die Hardcore-Szene seit langem zu bieten hatte. Die einen sprechen von Hype, die anderen von nichts anderem als großer Kunst. Und tatsächlich, mit seinem intelligenten, melodischen und intensivem Hardcore einerseits und einigen wunderschönen Akustiksongs auf der anderen Seite spielen sich die Bostoner in die Herzen der Szene und haben nebenbei ein spannendes, interessantes Konzept parat, das in Verbindung mit der Musik für Gänsehaut sorgt. Im Zuge der ausverkauften Show in München stellen wir DEFEATER zur Rede, zunächst nur Gitarrist Jake und Bassist Mike, später stoßen auch Drummer Andy und Gitarrist und Produzent Jay hinzu, während sich Sänger Derek brav um den Merchandise-Tisch kümmert.

Jake, Mike, herzlichen Glückwunsch zu eurem neuen Album Empty Days & Sleepless Nights, das mich ziemlich überwältigt hat, und ich glaube, ich stehe da nicht alleine da. Ihr seid momentan eine der angesagtesten Bands der Hardcore-Szene, ist es da schwierig für euch, den Boden unter den Füßen zu wahren?

Mike: Nein, wenn wir nach einer Tour nach Hause kommen, sind wir die gleichen Typen, die vor ein paar Wochen losgefahren sind. Ich lebe in einem Kleiderschrank, der ungefähr so groß ist, wie dieser Tisch hier und mache einen Scheißjob um über die Runden zu kommen. Es ist wirklich nichts glamouröses an unserem Lebensstil.

Jake: Wenn wir wieder zu Hause aufkreuzen, fragen uns unsere Kumpels: Wo wart ihr, in Europa? Ist ja auch egal, wir sollten einen trinken gehen.

So ist es ja bei den meisten Bands, die nicht METALLICA heißen.

Mike: Genau. Ich weiß ja nicht, wie es deutschen Bands ergeht, aber in den Staaten gibt es keine Verehrung für Heimkehrer von Touren.

Schade eigentlich. Kommen wir daher gleich zu Empty Days & Sleepless Nights. Das Album erzählt den zweiten Teil der Geschichte, die zu Travels begonnen wurde. Aber eigentlich läuft die Story parallel, es wird erzählt, was zwischen den Songs Forgiver, Forgetter und Debts passiert.

Jake: Es ist die gleiche Geschichte, nur aus einer anderen Perspektive heraus.

Mike: Bei Travels ist da dieser ältere Bruder, der sich aufführt wie ein Arschloch und keiner weiß wieso. Travels verteufelt den Vater und den älteren Bruder, Empty Days & Sleepless Nights zeigt die andere Seite der Münze und dämonisiert nun den jüngeren Bruder.

Jake: Empty Days & Sleepless Nights beginnt aber eigentlich schon vor dem, was wir auf Travels kennen lernen – die vier Akustikstücke am Ende des Albums zeigen die Vorgeschichte, wie beide Brüder zusammen aufwachsen.

Ihr lasst beide Seiten zu Wort kommen, etwas das im wirklichen Leben viel zu selten praktiziert wird, um wirklich eine fundierte Meinung bilden zu können.

Mike: Genau darum geht es.

Die Charaktere in der Geschichte sind korrumpiert von Gewalt, Drogen und Alkohol, sie scheinen ein Exempel für euch zu sein, wie ihr euer Leben eben nicht verbringen wollt.

Mike und Jake: Das ist korrekt.

Sind sie Antihelden?

Mike: Auf gewisse Art und Weise…

Jake: Für mich sind sie in keiner Weise Helden oder Antihelden. Um der Story zu folgen ist es wichtig zu wissen, dass Derek, als er diese Geschichte entwickelte, seine eigenen Erfahrungen dort einfließen ließ. Aus dem Ganzen kommen auch positive Gedanken heraus.

Mike: Was einige bei DEFEATER nicht wissen ist, dass die Geschichte zu den Alben fiktional ist, aber der Inhalt basiert auf dem wahren Leben. Das ist eine indirekte Möglichkeit über unsere Erfahrungen zu singen, ohne uns direkt zu öffnen. Das bedeutet aber nicht, dass eine unserer Mütter heroinabhängig wäre.

Das sind also alles Metaphern?

Mike: Nun, zumindest manchmal. Für uns ist das einfach eine Möglichkeit, etwas auszudrücken, das wir so nicht wiedergeben wollen.

Na hoffentlich enden eure eigenen Geschichten nicht so tragisch, wie die der beiden Brüder.

 DEFEATER
Der Tragödie zweiter Teil: Empty Days & Sleepless Nights

Mike: Nein, wir sind eher das Gegenteil der beiden. Ziemlich unbekümmerte Jungs. (lacht)

Jake: Wir sind sehr glücklich, wie uns unsere Familien unterstützen, und dass wir immer auf sie zählen können.

Mike: Aber es gibt da immer einen dunklen, lauernden Schatten.

Als ich zum ersten Mal die Texte gelesen habe, während das Album lief, fiel mir auf, wie abrupt das alles, mitten im Satz endete. Dann beginnen die Akustiksongs, von denen ihr sagt, sie markieren den Anfang der Geschichte.

Jake: Warum stehen sie dann am Ende des Albums?

Nun, ich denke, dass ist eine Reflexion vor dem Tod des Älteren.

Jake: Das kann ich nachvollziehen. Wir diskutierten viel darüber, ob diese Songs nun am Anfang oder Ende des Albums stehen sollten.

Mike: Aber schlussendlich machte es mehr Sinn, sie an das Ende von Empty Days & Sleepless Nights zu setzen. Allein schon, weil wir sicher stellen wollen, dass jeder sofort erkennt, dass es ein DEFEATER-Album ist. Wer die Platte völlig unbedarft einlegt und dann erstmal vier Akustiksongs hört, der meint am Ende noch, er hätte eine falsche CD in den Händen, auch wenn DEFEATER drauf steht.

Jake: Es musste schon eine gewisse Kongruenz zwischen Travels und Empty Days & Sleepless Nights bestehen.

Jedenfalls wirken die Akustiksongs noch viel tragischer, wenn man weiß, wie alles ausgeht. Diese Kindheitsanekdoten gehen dann noch mehr unter die Haut. Das ist hartes Zeug, als wolltet ihr den Hörer quälen.

Mike: Das größte Kompliment, das wir bisher erhalten haben war, als jemand sagte, dass ihn das Album mit einem Schaudern entlassen hat. So geht es mir auch mit meinen Lieblingsalben. Wenn man sie zuerst einlegt und sie für okay befindet, aber sie über einen Zeitraum von sechs Monaten weiter wachsen. Das finde ich an einem Album großartig. Wenn wir von einem Fan so ein Kompliment erhalten, ist es das Größte für uns. Und ja, wir wollten, dass der Hörer am Ende des Albums ein gewisses Gefühl mitnimmt.

Jake: Wir sind immer der Downer, ruinieren deinen Tag.

Mike: Wenn es Zeit für DEFEATER ist, sollte man sich eigentlich denken, dass man nach Hause gehen und eine Dusche nehmen sollte. Dad anrufen, die Schule fertig machen, sein Leben in den Griff kriegen, den Bruder anrufen und ihm sagen, dass man ihn liebt. (lacht)

Haha, in der Tat! Ich finde, diese Geschichte hat viel Potenzial, somit verwundert es nicht, dass ihr das Album auch als kleines Buch veröffentlicht. Gibt es darin einen etwas detaillierteren Blick auf die Story?

Jake: Die Texte werden von einer Hintergrundstory zusammen gehalten, wie schon bei Lost Ground. Zu jedem Song gibt es da noch ein paar zusätzliche Zeilen.

Mike: Das verbindet sozusagen die losen Punkte. Diese Zeilen sind nicht unbedingt Texte der Songs, aber sie führen darauf zu oder sind an das Ende des Stücks angebunden. Außerdem haben wir viele Illustrationen und Fotos reingepackt, da sind Sachen dabei, die wir schon eine Weile hatten, aber nicht brauchen konnten, Bilder die nicht auf T-Shirts passten oder keinen guten Sticker ergaben. Im Buch fügt sich alles über die Songs zusammen.

Haben sich schon Produzenten aus Hollywood gemeldet, um diese Geschichte zu verfilmen?

Mike: (lacht) Nein, noch nicht. Das wäre auch etwas zu verrückt.

Jake: Realistischer ist es, dass Freunde von uns, die eine eigene Videoproduktionsfirma haben, da etwas machen. Sie drehen normalerweise Musikvideos, TV-Shows und so weiter. Das wäre aber großartig, dafür wären wir zu haben.

Mike: Aber mir tut derjenige jetzt schon leid, der sich daran versucht, es müsste da eine Menge schlechte, moderne Musik enthalten sein. (lacht)

 DEFEATER
Egal, wie gut ein Produzent ist und wie sehr sich um eine Band kümmert, ein eigenes Bandmitglied macht das immer noch besser. Jay Maas (rechts) ist nicht nur Songwriter, sondern sitzt auch hinter den Reglern.

Es scheint so, als wäre diese Story jetzt vorbei. Außer der jüngere Bruder rennt jetzt wieder weg und erlebt noch mehr Abenteuer.

Mike: Wer weiß? Wir haben ein paar Ideen, wie es weiter gehen könnte. Aber ich weiß nicht, ob das schon wirklich steht, wenn wir unser nächstes Album schreiben werden. Wir werden uns bestimmt, bevor es ans Songwriting geht, zusammen setzen und das besprechen, aber nicht so weit vorher.

Jake: Wir werden erstmal beobachten, wie sich diese Geschichte entwickelt. Ein wenig Abstand gewinnen, schauen, wie das Album ankommt, wir werden viel für Empty Days & Sleepless Nights touren und in ein paar Monaten, wenn wir das kommende Album diskutieren, wird es auch um die Geschichte gehen.

Es gab zum Beispiel in der jüngsten Vergangenheit eine britische Hardcore-Band namens FALL OF EFRAFA, die sich nachdem ihr Konzept erfüllt war, einfach aufgelöst hat. So etwas schwebt DEFEATER also nicht vor?

Mike: Nein, so einen Plan haben wir nicht.

Jake: Wir haben viele Sachen vor, die wir tun wollen, warum sollten wir uns also selbst limitieren?

Mike: Eigentlich sind wir ja keine Geschichtenerzähler, wir wollen einfach eine gute Band sein. Solange wir Musik schreiben, die uns gefällt, und die die Leute hören wollen, werden wir einen Weg finden, das weiter zu betreiben. Wenn wir 35 sind und immer noch kämpfen und versuchen die Band zum Laufen zu bringen, wird sich das vielleicht ändern.

Jake: Solange wir noch einhundert Prozent geben können, wird es auch weiter gehen. Es gibt aber Zeiten, da streiten wir uns andauernd.

Mike: Manchmal kommt es mir so vor, als würde es uns für immer geben, manchmal, als würden wir uns schon morgen auflösen.

So geht es ja jeder tourenden Band.

Mike: Genau. Und du stellst so eine Frage am Ende einer Tour. Hätten wir darüber am zweiten, oder dritten Tag der Tour gesprochen, hätten wir vermutlich gesagt, dass wir diese Band bis an unser Lebensende durchziehen würden.

Jake: Nicht zu vergessen, dass nach dieser Tour in sehr kurzen Abständen zwei weitere Touren folgen.

Mike: Frag uns im Juni nochmal, da wird jeder von uns fünf sagen: Fuck these guys! (lacht)

Jake: Aber wir kommen alle gut miteinander zurecht, dafür, dass wir eine Band sind, die viel tourt. Das liegt auch daran, dass wir relativ weit voneinander entfernt wohnen, verstreut um Boston herum. Alle fünf sind wirklich nur dann zusammen, wenn wir auf Tour sind.

Mike: Es ist immer fast eine Reunion wenn wir zusammen kommen, und das mag ich. Das ist eine schöne Dynamik. Wenn es Zeit für die Band ist, dann gibt es nur die Band. Wenn wir zu Hause sind, dann gibt es die Band eben nicht. Wir müssen auch nicht jeden Tag miteinander abhängen.

Kommen wir mal auf die Musik zu sprechen. Der Kern des Albums besteht aus zehn höchst intensiven Songs, und diese Intensität stammt zu einem nicht unerheblichen Teil von der mächtigen Produktion, um die sich euer Gitarrist Jay kümmert. Ist diese Doppelbelastung eures Bandmitglieds eher ein Vor- oder Nachteil für euch?

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Wir sind immer der Downer, ruinieren deinen Tag. DEFEATER sind meilenweit entfernt von positiven Botschaften.

Mike: Es gibt mehr Vor- als Nachteile. Aber Jay ist schon immer ein Musiker gewesen, er ist ein wirklich guter Gitarrist. Als Produzent ist er auch hochtalentiert, es ist toll, was er mit BANE, VERSE und SHIPWRECK gemacht hat. Wenn wir ins Studio kommen, können wir uns entspannen, aber Jay wird völlig obsessiv und perfektionistisch, denn es steht sein Name auf dem Album. Wäre Jay nicht unser Produzent, hätten wir auch nicht die Zeit so lange ins Studio zu gehen und hätten die Songs nicht so vervollständigen können, wie sie schlussendlich geworden sind.

Jake: Egal, wie gut ein Produzent ist und wie sehr er sich um eine Band kümmert, ein eigenes Bandmitglied macht das immer noch besser.

Drummer Andy Reitz kommt herein, macht ein paar Dehnübungen und nimmt sich ein Bier aus dem Kühlschrank.

Schlägt sich diese Perfektion auch auf das Songwriting nieder, oder ist das etwas spontaner?

Jake: Es ist genauso ermüdend, aber mit spontaneren Momenten. Jedenfalls waren wir ziemlich gestresst beim Schreiben des Albums. Andy, willst du nicht etwas dazu sagen?

Andy: Der Arbeitsprozess für Empty Days & Sleepless Nights war schwierig, schmerzerfüllt und vom Druck gezeichnet. Vieles lag in Jays Hand nicht nur als Produzent, sondern auch als Songwriter. Er hat sich seinen Arsch abgearbeitet für dieses Album. Aber vieles begann mit den Drums, eine Arbeitsweise, die wir noch nicht versucht hatten. Jay und ich haben uns in seinem Keller zusammen gesetzt und die Riffs zu den Rhythmen ausgearbeitet, so haben wir die Basisstrukturen für alle Songs ausgearbeitet. Ich habe mich ans Schlagzeug gesetzt, ein paar Beats gespielt, die wir aufgenommen haben. Daraus ergaben sich viele Stunden Drumming, die wir ausarbeiteten und zu Songs machten. Das war der erste Schritt, dann schrieb Jay Gitarren dazu, was dazu führte, dass ich die Drums nochmals überarbeiten musste.

Jake: Derek musste nun herausfinden, wie die Songs zur Geschichte passen würden. Die textliche Struktur musste an die Musik angepasst werden.

Mike: Andy und Jay schrieben die Songs, ohne zu wissen, was in den Texten genau passieren würde, aber sie hatten eine vage Vorgabe von Derek.

Andy: Das war aber nicht so chaotisch, wie es sich anhört, die Story war in unseren Köpfen und wir wussten, wann was passiert. Es gibt übrigens zwei Songs, die wir erst einmal live gespielt haben. Einer wurde spontan im Studio geschrieben, mit improvisiertem Drumming. Ich musste dann drei Tage am Stück arbeiten und konnte mich nichtmal daran erinnern, das Stück eingespielt zu haben.

Man, das klingt vielleicht kompliziert.

Mike: Ja, absolut. Das ist aber der große Vorteil, einen Produzenten in der Band zu haben. Das Studio steht so gut wie immer zur Verfügung, wenn man es braucht.

Jake: Alles zusammen dauerte circa vier Monate.

Schnellere Stücke wie Nameless Streets und Carrying Weight sind aber nicht auf Empty Days & Sleepless Nights zu finden.

Mike: Ich glaube, der Grund dafür ist, dass wir uns einfach weiter entwickelt haben. Ich hoffe, das wirkt auf die Fans auch natürlich. Es war nicht wirklich unsere Absicht ein reiferes Album zu schreiben, aber…

Andy: Wir haben einfach Songs geschrieben. Wir haben uns zunächst selbst dabei ertappt, die Formeln des Debütalbums zu wiederholen, aber das wollten wir nicht. Ein Song wie The Red, White And Blues von Lost Ground ist toll, aber warum soll man ihn kopieren? Es ging darum Musik zu schreiben, die wir noch nicht vorher geschrieben haben.

Die schnellen Nummern passen eh viel eher zu den Texten von Travels, die ja eher von der Flucht des jüngeren Bruders handelt. Das kommt mir rastlos und gejagt vor.

Andy: Ja, darüber habe ich auch viel nachgedacht. Das zweite Album ist ein sehr introspektives Album, das Thema des älteren, kämpfenden Bruders auf Empty Days & Sleepless Nights und seine Seelenzustände. Viele Songs geben die Zerrissenheit des Bruders wieder, die vermehrten Details der Musik passen zu seiner Situation.

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Auf Tour nicht immer ein Herz und eine Seele: (von links) Derek Ambachault, Jay Maas, Andy Reitz, Mike Poulin und Jake Woodruff.

Dear Father ist der erste Song des Albums, der richtig eingängig ist, es ist der Hit von Empty Days & Sleepless Nights. Der Rest des Albums wächst ziemlich schnell und nutzt sich vor allem nicht so schnell ab, wegen seines Abwechslungsreichtums und den Akustikstücken. Viele alte Fans werden aber gerade das als Kritikpunkt auffassen.

Mike: Das ist immer ein Risiko. Wir hatten schon derartige Bedenken zu Lost Ground, und dieses Mal ist es nicht anders, gerade bevor wir erste Reviews und Meinungen von Fans erhalten ist es immer spannend. Diese Nervosität ist aber immer ein gutes Zeichen, das bedeutet, dass uns dieses Album etwas bedeutet.

Jake: Schlussendlich können wir nichts mehr ändern. Wir können nur das beste Album schreiben, das wir können, damit Spaß haben und hoffen, dass die Leute es mögen.

Mike: Wenn wir eines Tages fad und irrelevant werden, müssen wir halt aus dem Ganzen aussteigen.

Andy: Und wenn uns frühere Fans nur noch ihren Rücken zuwenden, so ist das ihre Entscheidung. Dafür werden es eben andere Leute mögen.

Lost Ground ist so eine Art Zwischenschritt, eine Konjunktion zwischen Travels und Empty Days & Sleepless Nights. Eigentlich habt ihr eure Fans genügend vorbereitet.

Mike: Du meinst also, Lost Ground hat einerseits punkige und schnelle Songs wie Travels, aber ist gleichzeitig etwas langsamer und erwachsener, wie unser neues Album? Ja, da würde ich zustimmen, es ist etwas in der Mitte.

Jay Maas setzt sich neben mich, bedient sich von den Überresten des Caterings.

Ehrlich gesagt, sind die Akustiksongs meine Lieblingssongs auf Empty Days & Sleepless Nights. Sind diese inspiriert von alten Singer-Songwriter-Ikonen?

Jay: Ja, aber wir hörten in letzter Zeit auch viel von Ryan Adams und ähnlichen, jüngeren Musikern.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr eines Tages ein ganzes Folk-Album schreibt, aber andererseits machen diese Songs ja gerade die Abwechslung aus und wirken als Teil eines Ganzen.

Jay: Darüber haben wir schon gesprochen. Empty Days & Sleepless Nights kommt in ein paar Tagen raus, wir warten erstmal ab, wie die Reaktionen darauf sind. Außerdem muss alles, was DEFEATER machen, Sinn haben.

Ich habe schon einige Setlists der Tour gesehen, und auch gesehen, dass das Akusikstück I Don`t Mind der Opener der Show ist. Wie waren die Reaktionen bisher darauf?

 

Travels und Empty Days & Sleepless Nights – um was geht’s?

DEFEATER erzählen mit ihren beiden Alben eine tragische Familiengeschichte, die irgendwo in den USA nach dem zweiten Weltkrieg spielt. Der Vater ist ein gewalttätiger Säufer, die Mutter neroinabhängig. Die beiden Brüder wachsen in dieser verarmten, verkommenen Welt auf, bis eines Tages der jüngere Bruder im Affekt seinen Vater tötet und flüchtet. (Travels) Der ältere Bruder bleibt mit seiner abhängigen Mutter zurück und pflegt sie, gerät selbst in die Alkoholabhängigkeit, bis er er seine große Liebe kennen lernt. Doch das junge Glück wird jäh zerstört, als ihn die Schulden des Vaters wieder einholen und seine Freundin von den Gläubigern vergewaltigt und ermordet wird. Daran zerbricht der ältere Bruder völlig. (Empty Days & Sleepless Nights) Schließlich kehrt der jüngere Bruder heim, in einem Kampf stirbt sein großer Bruder. (Travels und Empty Days & Sleepless Nights).

Mike: Gemischt, fünfzig-fünfzig würde ich sagen. Die Leute, die den Song schon kennen, haben mitgesungen, das ist natürlich großartig. Wer uns aber zum ersten Mal gesehen hat und per Zufall auf das Konzert kam, war teilweise schon irritiert.

Andy: Es gab aber auch schon Leute, die sich einfach nur einen Scheißdreck darum gekümmert haben.

Die Setlists wurden jedoch eher auf Lost Ground und Travels ausgerichtet, als auf Empty Days & Sleepless Nights. Weil es noch nicht erschienen ist, und ihr vielleicht im Herbst wieder kommen werdet?

Mike: Da ist noch nichts entschieden, hoffentlich klappt es. Touren in Europa ist für uns jedes Mal wie Urlaub machen.

Dann hoffen wir, dass wir uns bald wieder sehen. Danke für das Interview und alles Gute für DEFEATER!

Live-Bilder: (c) Florian Schneider, Promobilder: (c) Eric Levin, Artwork: (c) Bridge Nine Records