BEEHOOVER: Morgens um sechs ist die Welt noch……Metal?!

BEEHOOVER: Morgens um sechs ist die Welt noch……Metal?!

„Out of my Mouth, smoke is rising high“…einen genialen Songauftakt wie beim titelgebenden „Heavy Zooo“ bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Das Esslinger Duo BEEHOOVER hat seinen Status als außergewöhnliche, interessante und eigenständige Rockformation mit dem zweiten Full Length-Album gefestigt. Die unkonventionelle und doch stets pragmatische und bodenständige Heransgehensweise an die Musik und an Kunst im allgemeinen begründet den Kultcharakter um BEEHOOVER. Eines dieser Shirts mit der Panzerschildkröte darauf zu tragen macht richtig viel Spaß, weil man sich selbst innerhalb der Szene damit abgrenzen kann und doch seiner Linie treu bleibt. Genauso viel Spaß macht es, sich mit den Bandmitgliedern zu unterhalten, und so verging die Stunde Interview mit Claus-Peter Hamisch in Siggi´s Weinstube in Esslingen beim gemütlichen Bier wieder einmal wie im Flug…

Nach hervorragenden Resonanzen auf euer Debüt und eure Live-Auftritte erscheint nun euer zweites Album „Heavy Zooo„. Wie fühlt ihr euch?

Man weiß ja vorher nie genau, was rauskommt, wie die Leute reagieren, zumal das neue Album auch etwas anders ist als das Debüt und ich selbst hatte eher gemischte Erwartungen. Ich dachte, viele würden vielleicht das Komplexe vermissen, oder das Getragene. Man kann das selbst einfach schlecht einordnen, weil man irgendwann den Bezug verliert, wenn man an den Stücken arbeitet. Wir waren natürlich froh, dass die Reaktionen jetzt sehr gut ausgefallen sind. Die Reviews laufen ganz gut, die Konzerte auf der letzten Tour mit WE INSIST! Und die 3-Tages-Tour mit BLACK SHAPE OF NEXUS liefen klasse, also sind wir sehr erleichtert und zufrieden. Besser, als wir erwartet hätten.

Soweit ich weiß hattet ihr vor der ersten Platte kaum Erfahrungen mit Live-Auftritten, nun ward ihr auf ausgiebiger Tour mit einer Legende wie Wino, ihr habt auch sonst viele Konzerte gespielt…hat euch das in dieser kurzen Zeit bereits beeinflusst, oder eher weniger?

Ich denke schon, dass es Einfluss hatte. Einfach was die Lockerheit betrifft, mit der man an ein Konzert herangeht. Während der Tour kam die ganze Live-Erfahrung sehr geballt. Wir haben da sehr viel Erfahrung gesammelt, vor allem was die Reaktion vom Publikum angeht. Wie gehen wir aufs Publikum zu? Das hat dazu geführt, dass wir live jetzt auch mehr Show-Effekte einbauen, publikumswirksame Dinge, auf die wir zuvor nie so geachtet haben. Auf die Musik hatte das vielleicht insoweit Einfluss, dass wir beim Schreiben der Songs entspannter herangegangen sind und dass wir uns mehr getraut haben, etwas auszuprobieren. Ich finde insgesamt ist alles etwas brachialer und die Platte klingt sehr live, und das kommt glaube ich auch davon.

Ich persönlich hätte jetzt gedacht, dass ihr eher nicht so locker an die Platte herangegangen seid, weil ja plötzlich auch Erwartungen da waren, nachdem ihr mit dem Debüt und den bisherigen Konzerten ja zu echten Kritikerlieblingen geworden seid.

Naja, es bleibt einem ja nichts anderes übrig. Im Oktober haben wir beschlossen, dass wir ne neue Platte machen, die muss bis April rauskommen, und somit mussten wir bis Ende des Jahres fertig sein. Es blieb also nichts anderes übrig, als jeden Tag in den Proberaum zu gehen und etwas neues zu machen. Wir haben uns ziemlich überraschen lassen, was da so kommt, hatten aber auch das Selbstvertrauen dazu. Schwierig war es am Anfang, als wir noch gar keine Live-Erfahrung hatten, weil wir einfach nicht wussten, wie das bei den Leuten ankommt und ob das live überhaupt funktionieren kann. Da spielen ja auch solche technischen Aspekte mit rein. Nach den Konzerten wussten wir aber, dass das alles funktioniert. Selbst wenn wir gedacht haben, dass es ein richtig schlechtes Konzert war, fanden uns die Leute gut. Es scheint also alles auf ganz guten Füßen zu stehen und wenn wir so weiter machen, wie wir uns das vorstellen, dann können wir eigentlich auch gar nicht so viel falsch machen. So viel Zeit zum Nachdenken war ja auch nicht.

Dennoch kam es zur kurzen Trennung nach den Aufnahmen zu „Irön Hörse“. Wie habt ihr die weggesteckt? 😉

Haha…die Trennung war natürlich fingiert. Wir dachten einfach, das wäre lustig. Svend, unser Mercher/Fahrer/Manager war auch dabei. Wir haben uns reingestellt und angeschrieen und noch ein paar Insider-Floskeln, wie z.B. „das lernt ihr noch“, was man gerne von seinem Vater hört, eingebaut. Aber war nur Spaß.

Bei euch finde ich es nach wie vor schwierig, mit euch richtig umzugehen. Thema: Überbewertung – Unterbewertung. Konkret fand ich bei den ersten Durchläufen, dass die neue Platte der ersten Platte songwriterisch deutlich hinterherhinkt, gleichzeitig hatte ich das Gefühl, euch mit dieser Aussage völlig Unrecht zu tun.

Also dass die Platte vom Songwriting her hinterherhinkt, das finde ich überhaupt nicht. Ich denke das Album hat einen enormen Fluss – sowohl die einzelnen Stücke, als auch die Platte insgesamt. Wir haben das Album zusammen geschrieben, ich habe es gemischt, aber ich höre es wirklich selber gerne an. Ich denke ich würde mir das Album selbst kaufen. Wir beide stehen dahinter und wir wollten verschiedene Elemente unter einen Hut bringen und gut miteinander verbinden. Das ist uns mit „Heavy Zooo“ meiner Meinung nach ein Stück besser gelungen. Was das Überbewerten angeht: viele ergehen sich in den Reviews teilweise in Superlativen – das empfinden wir selbst jetzt nicht so. Es ist so, dass viel Musik heute nach einem Schema passiert und sobald man davon ein bisschen ausbricht, mal einen schiefen Ton spielt oder ein bisschen was anders macht, dann ist es gleich progressiv. Das kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht verkopft. Verkopft vielleicht in der Art und Weise, dass man an bestimmten Teilen arbeiten muss, dass man die so spielen kann. Aber das ist ja eigentlich immer so. Wenn also Sätze kommen wie „brillante Musiker“ und so weiter, dann sehe ich das nicht so. Trotzdem muss ich aber sagen, dass ich die Songs schon überzeugend finde und besser als vieles andere, was man so hört. Vom Aufbau her, von der Struktur, von der Dynamik…

Ich könnte mir auch vorstellen, dass wenn eine Kritik kommt im Sinne „die haben ja gar nix drauf“, dass es für euch nicht akzeptabel wäre.

Rein technisch kann man auf seinem Instrument immer besser werden. Musikalisch finde ich das Album schon gut, ohne uns jetzt selbst loben zu wollen. Und das ist uns eigentlich wichtiger. Wir spielen auch nichts, was wir nicht spielen könnten. Wir versuchen musikalisch etwas rauszuholen. Da sehen wir auch unsere Stärke.

Als ich das Album zum ersten Mal gehört habe, hatte ich das Gefühl, dass sich jeder Song auf einer ähnlichen Ebene abspielt. Inzwischen empfinde ich „Heavy Zooo“ verdammt abwechslungsreich mit einer enormen Spanne von „Funeral Procession“ bis zu „Dance like a Volcano“.

Sehen wir auch so. Wir hatten anfangs eine andere Reihenfolge der Stücke. Als der erste Mix fertig war, haben wir gemerkt, dass sie sich total in zwei Teile teilt. Der erste war sehr brachial und metalmäßig, der zweite war mehr getragen. Wir sagten uns „das kann man so nicht machen.“ Wir haben dann alles etwas umstrukturiert und jetzt funktioniert es. Wir sehen die Platte schon auch als Gesamtwerk. Wir können deinen Eindruck schon nachvollziehen – die Variationen entdeckt man vermutlich erst wenn man richtig zuhört. Aber das ist ja auch so ein Ziel von uns, dass man die Platte einfach so anhören kann, wenn man sich aber mehr damit beschäftigen will, man auch noch was zum entdecken hat. Viele sagen uns auch, dass man das Ding mehrmals hören muss und sich dann ein anderer Eindruck ergibt.

Für mich immer wieder interessant: Dieser Keyboardteil z.B. in „Pain Power“ – existiert so eine Idee bereits, wenn ihr einen Song schreibt? Ihr verwendet ja eigentlich keine Keyboards, also fragt man sich, warum genau an der Stelle ein Keyboard kommt, das dann auch noch so perfekt reinpasst.

Beehoover Interview 2008 - Das Coverartwork zu Heavy Zooo
„Es ist so, dass viel Musik heute nach einem Schema passiert und sobald man davon ein bisschen ausbricht, mal einen schiefen Ton spielt oder ein bisschen was anders macht, dann ist es gleich progressiv.“

Gerade da war es so, dass wir den Song geschrieben und aufgenommen haben und bei der Aufnahme wird der Song genau an der Stelle etwas dröge. Ingmar meinte, dass wir da irgendetwas machen müssen. Was machen wir da? Ich habe einfach mal rumprobiert. Zunächst habe ich ein bisschen mit Chören experimentiert und irgendwann kam ich auf das Keyboard. Und das hat gepasst. Wir haben eher reagiert. Wir schauen schon sehr genau, was wir auf der Platte machen, und was nicht. Natürlich werden wir diese Keyboards live nicht bringen. Vielleicht ausnahmsweise, aber wir versuchen das eher zu vermeiden. Wir haben versucht, die ganze Platte so zu gestalten, dass man sie live wiedergeben kann. Wenn zusätzlich etwas drin ist, dann sind das Dinge, die den Song nicht tragen. Gerade das Keyboard wird oft erwähnt, aber das ist einfach ein nettes Gimmick, der Song lebt nicht davon. Es ist etwas, was man auf Platte macht.

Ich würde jetzt aber behaupten, dass der Keyboardteil zu Beginn von „I Desert“ schon eine tragende Rolle spielt, weil er eben sehr viel Atmosphäre schafft. Ist so was live umsetzbar?

Das ist kein Keyboard. Das ganze Geblubber und so weiter ist mit Effekten, Delays, Zeitverzögerungen usw., die wir über den Bass und das Schlagzeug gelegt haben, gemacht.

Lässt sich das live reproduzieren?

Nö, gar nicht… (lacht) Aber auch das trägt das Stück nicht. Man kann das auch ohne dieses Zeug machen. Ich finde das lustig und gut, aber für das Stück nichts außergewöhnlich Interessantes. Es wäre ohne auch okay. Es ist da aber tatsächlich etwas zwiespältig. Gerade an der Stelle war klar, dass wir noch irgendetwas machen müssen. Derjenige, der die Platte kauft, der will ja Musik hören und nicht primär wissen, wie das live klingt… oder vielleicht sollte ich das andersherum erklären. Der Hörer hört etwas auf Platte und findet es erstmal gut. Wie wir das dann live lösen, ist etwas anderes. Wir werden es so machen, dass es interessant und nicht langweilig ist. Und auch nicht so, dass der Hörer sagt „das ist ja jetzt total verhunzt.“ Irgendwie anders, aber auch interessant. CD ist CD und live ist live. Live hat man ja auch ganz andere Möglichkeiten, das körperliche Gefühl kommt noch dazu. Das Schlagzeug am Anfang von „I desert“ ist ja eigentlich nur „Zack, Bumm“. Live wirkt das ganz anders, weil man das Schlagzeug im Bauch spürt. Auf Platte muss man sich etwas anderes einfallen lassen.

Die Chorteile bei „Spirit and Crown“ sind supergeil und haben fast schon einen BATHORY-mäßigen Touch und so etwas erwartet man von euch ja auch wieder gar nicht. Wie kam das zustande.

Im Prinzip auch so, dass wir an der Stelle noch etwas machen wollten und ich bin immer gern für solche „Ahs“ und „Ohs“ zu haben. Wir haben das zehn mal eingesungen, noch ein bisschen gesteigert und abgestuft. Das funktioniert auch ohne und das haben wir live auch schon gespielt. Bei der Tour mit WE INSIST! haben das die beiden Saxofonisten gespielt. Das war toll. Zwei super Musiker, die sich mal kurz ins Auto verzogen und sich was ausgedacht haben. In Nürnberg haben wir das zum ersten Mal gespielt und das war klasse. Schon allein als die auf die Bühne kamen, das war schon richtig cool. Bei der „Blisstrain“-Tour war das ja eigentlich auch Sinn der Sache, dass die Bands etwas untereinander interagieren.

Auf eurer Homepage konnte man lesen, dass ihr das Album über mehrere Wochen um sechs Uhr morgens geschrieben und in einem Kino produziert habt. Es scheint ja schon etwas Tradition zu werden, dass ihr auch hier ungewöhnliche Wege geht. Was ist der Hintergrund dazu?

Also das mit sechs Uhr morgens ist einfach so, dass Ingmar ja ein Kind hat und ich auch und dann ist tagsüber Arbeit, abends haben wir keine Zeit und da haben wir eben gesagt „machen wirs um sechs Uhr morgens“. Das waren rein praktische Gründe.

Das hört sich nicht sehr nach Rock´n´Roll an…

Naja, wenn man um fünf Uhr morgens aufstehen muss…. Aber morgens spielt man auch anders als abends. Abends ist man schon etwas lethargischer und geschafft. In der Früh ist man dann doch tendenziell frischer und das wirkt sich auch auf die Musik aus. Und das mit dem Kino… wir machen ja alles selbst und produzieren das Album auch selbst. Ich hab zwar mein Studio zum Mischen, aber ich habe keine Aufnahmeräume. Also stellt sich die Frage, wohin man geht. Die letzte Platte hatten wir ja in diesem Haus im Schwarzwald aufgenommen, dieses Mal haben wir aber etwas in der Nähe gesucht, von wo aus wir abends heimfahren konnten. Ingmar arbeitet in einer Hochschule, die zwischen Weihnachten und Neujahr und auch im Frühjahr noch zu ist, und da gibt es ein Kino. Das war ideal. Ein kleines Kino, vielleicht 100 qm, mit einem ganz guten Klang, und da haben wir dann losgelegt.

Hat so etwas einen Einfluss auf das Endergebnis?

Ich denke die Aggressivität des Albums kommt schon zum Teil daher, dass wir es morgens geschrieben haben. Es ist auch anders, denn du gehst früh aus dem Haus und hast danach außer Arbeit keine Verpflichtungen. Wenn du es nach der Arbeit machst, dann schiebst du das zwischen Arbeit und Familie. Man denkt sich „eigentlich sollte ich ja daheim sein“ und die Frage stellt sich morgens vor der Arbeit nicht. Es ist das eigene Problem. Man hat auch den Kopf freier, freut sich auf den Tag und sagt sich „klasse, jetzt erstmal Mucke machen, super!“. Das mit dem Kino eher weniger. Das war lustig und es ist klasse, wenn man so einen großen Raum einfach zwei Wochen lang für sich hat. Aber das war auch im Haus klasse. In ein Studio zu gehen ist bei uns erstens finanziell nicht drin, und dann gibt es einfach auch keinen Grund dazu.

Aber man braucht bei euch zukünftig keine Dinge wie bei BEYOND TWILIGHT erwarten, bei denen Teile des Albums unter Wasser oder in der Wüste in einer Höhle geschrieben werden…

Haben die das gemacht? (lacht) Nee, das war ja auch nicht Sinn der Sache, sondern eine rein pragmatische Entscheidung. Wir wollten etwas Gescheites, wo wir unsere Ruhe haben. Für Eskapaden sind wir wirklich nicht die Typen…

Es klingt eben immer gleich nach Konzept…

Nein, wirklich gar nicht.

Wie war bei diesem Album jetzt die Aufteilung des Textschreibens. Mir kamen die Texte zunächst noch kryptischer vor, als beim ersten Album – gab es da eine neue Aufteilung?

Ingmar schreibt eigentlich immer mehr Texte als ich. Texte schreibt, wer Lust hat. Er kommt einfach mit mehr. Bei mir ist es so, dass es irgendwann aus mir herausbricht und ich dann einen Text schreibe, das geht dann recht schnell. Wenn ich mir etwas vornehme, das funktioniert nie. Kryptisch? Ich denke manche sind direkt und manche lustig. „Esophagus Overdrive“ ist mir eingefallen, als wir in Tilburg gespielt haben. Wir haben übernachtet und ich stand am nächsten Tag mit Kopfschmerzen unter der Dusche und dachte mir „ich fühl mich, als ob ich ne Katze im Mund hätte.“ Ich hab das dann ein bisschen mit mir herumgetragen, habs dann aufgeschrieben und so ist der Text entstanden. Ähnlich bei „Dance like a Volcano“. Manchmal hat man so Sachen im Kopf… Ingmar arbeitet immer gern konzeptmäßig, wie jetzt beim letzten Album mit „Charlie Brown“ zum Beispiel. Bei mir ist es eher so, dass ich eine Situation, die vielleicht jeder kennt, aus einem anderen, vielleicht amüsanten Winkel betrachte. Bei „Dance like a Volcano“ geht es um einen Typen, der in eine Disco geht und jemanden aufreißen will. Er haut sich stilvoll Drinks rein und kriegt das mit dem Tanzen nicht so recht hin. Mit Texten im Allgemeinen sind wir glaub ich auch eher auf der sarkastischen Seite. Und die Aufteilung ist wie gesagt wie es beliebt.

Aus Wikipedia.de:

„Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow (* 1939) Oberst a. D. der Sowjetarmee, verhinderte am 26. September 1983 einen potentiellen Atomkrieg, indem er sich, entgegen den Anzeigen seines elektronischen Frühwarnsystems, weigerte, einen anscheinenden Raketenangriff der USA auf die UdSSR für real zu halten. Da sich die Computerangaben im Nachhinein als falsch erwiesen, kann Petrow das Verdienst der Vereitelung eines Dritten Weltkriegs und somit der Rettung der Erde vor weitestgehender Zerstörung und nuklearer Totalverseuchung zugeeignet werden.

Aus Gründen der militärischen Geheimhaltung und wegen politischer Spannungen wurde Petrows Vorgehen bis 1998 geheim gehalten.“

Weitere Infos auf Wikipedia.de.

Der Text, der eigentlich am einfachsten zu durchschauen ist, weil man den Namen eben recht einfach im Internet recherchieren kann, ist Stanislav Petrov. Ich kannte diese Geschichte zuvor nicht, aber anscheinend ward ihr genauso beeindruckt wie ich, immerhin habt ihr einen Text darüber gemacht. Wie seid ihr darauf gestoßen?

Ingmar hat die irgendwoher gebracht. Ich kannte die Geschichte davor auch nicht.

Allgemein scheint ihr traurige Helden zu mögen? Beim letzten Album den Paraffin Oiler, jetzt Stanislav Petrov…

Stimmt… Ingmar vorzugsweise, der gräbt so was immer irgendwo aus. Naja, so eine Tragik hat eben auch mehr Anziehungskraft als ein richtiger Held. Wen interessiert das denn schon? Wenn er gefeiert worden wäre und heute bekannt wäre, dann würde das keinen interessieren. Aber das war schon ein starkes Stück und dann hat er 1000 Dollar bekommen und nen Staubsauger dafür gekauft… So eine Tragik lässt auch mehr Raum für Sarkasmus und eine zwiespältige Betrachtungsweise. Ich glaube daran liegt das.

Eure Erzählung geht aber wieder einen eigenen Weg. Ihr beschreibt nicht, was passiert ist, sondern ihr umschreibt das eher und so ganz dahinter gestiegen bin ich ehrlich gesagt auch noch nicht. Ihr betrachtet die Situation von ganz ganz weit draußen.

Ja. Aber da musst du Ingmar fragen, er hat den Text geschrieben. (lacht). Aber ja, wir haben das von ganz weit draußen erzählt und so ist das ja auch interessanter. Warum sollen wir das nacherzählen, das kann ja jeder im Internet nachlesen, wie es wirklich war. Vielleicht entstehen auch neue Bilder im Kopf, wenn man das anders angeht. So ist das schöner und hat einen Mehrwert.

„I Desert“ handelt im weitesten Sinne von der tickenden Zeitbombe „Mensch“. Richtig?

Würde ich nicht so sagen. Eigentlich ist es ein bisschen wie bei „Per Anhalter durch die Galaxis“, aber das ist mir auch erst hinterher aufgefallen. Diese Geschichte mit „42“. Der Text kommt auch von mir. Es geht darum, dass es auf die Frage nach dem Leben einfach keine Anwort gibt, und das man die Frage als Mensch auch nicht unbedingt bis ins letzte Detail stellen muss. Es geht um diesen Typen, der diese Maschine im Keller hat und hegt und pflegt und mit allem füttert, was ihm an intellektueller Ware zur Verfügung steht, Bücher, Videofilme,… Am Ende fragt er die Maschine und die sagt einfach „Nö, ich geb auf.“

Und dieser rote Knopf?

Der rote Knopf ist ganz witzig, weil der ja auch wieder bei Stanislav Petrov vorkommt. Das ist einfach dieser rote Knopf an der Maschine und während die Maschine wächst freut er sich darauf, auf diesen Knopf zu drücken und die Antwort zu erhalten. Er drückt ihn und es passiert nichts. Die Maschine sagt nur „nö, lass mich in Ruh“. (lacht) Es ist eine Geschichte im Sinne von „man sucht und sucht und sucht, beschäftigt sich damit, steckt viel Energie rein, vergisst dabei vielleicht sogar das Leben zu genießen, und arbeitet auf etwas zu, was gar nicht da ist.“ Dabei ist der Weg das Ziel.

Heavy Zooo“ ist aber vermutlich die grasgeschwängerte Vision eines BEEHOOVER-True Metal-Textes?

Genau. Nicht grasgeschwängert, aber ja. Wir haben sogar ein T-Shirt entworfen mit einem schlecht gezeichneten Adler mit Gnomen in den Flügeln. Wenn ich immer so ne Metal Hammer-CD reinwerf, dann ist das schon immer total geil, was ich da an Texten krieg (lacht begeistert). Nicht falsch verstehen! Das ist ein Genre und auf manches fahr ich auch voll ab und find ich gut. Es muss ja auch so sein. So ein bisschen narrativ und Geschichten erzählen und Mittelalter hier… Absolut in Ordnung. Nur halt… hey, MANOWAR…oder…

SACRED STEEL habt ihr sogar verarbeitet…

…ja genau, das ist ein kleiner Seitenhieb, wobei wir auf keinen Fall was gegen die Jungs haben! Oder DORO… „true as steel“… so ein Quatsch. Aber es ging darum möglichst viele solche Bilder reinzupacken…

Besonders schön find ich auch den Drachen, bei dem es natürlich nicht ausreicht, ihn nur einmal zu töten…

Ja, fantastisch! Es ist einfach komisch… Es muss ja auch nicht hinter jedem Text etwas stecken. Man kann sich einfach an den Wörtern amüsieren, oder an den Ausdrücken – Heavy Zooo, das sind ja einfach Ausdrücke aneinandergereiht und man denkt sich „hehe, das ist eine Persiflage auf einen Metal-Text“. Das ist witzig, für manche aber vielleicht auch nicht…ich weiß es nicht. Ich denke ein Text muss nicht immer explizit etwas erzählen. Es gibt viele Arten und Weisen, wie man mit Texten, Worten und Sprache die Musik bereichern kann.

Welches ist dein persönliches Lieblingslied auf der Platte?

(überlegt) Also Ingmars ist glaub ich „Spirit and Crown“ und meiner wohl „Dance like a Volcano“.

„Dance like a Volcano“ hätte ich ehrlich gesagt Disco-mäßiger erwartet…

Nö, der ist doch schon sehr Disco-mäßig. (überlegt) Nee, also Disco-mäßiger geht nicht (lacht). Mehr wäre auch zu viel gewesen. Was soll ich dazu sagen? Wir wollten etwas Disco-mäßiges machen, aber so ein richtiges Dance-Floor-Ding war uns dann einfach auch zu langweilig. Aber im Allgemeinen ist das Stück meiner Meinung nach super tanzbar.

Ich habe den Song gerade eben im Auto noch mal gehört und was mir dabei besonders aufgefallen ist, ist der Schlagzeugsound. Diese enorme Wucht, einfach weil das Becken noch nach Becken klingt. Mich stört das bei vielen modernen Produktionen, dass ein Becken kein Becken sein darf, das nach hinten raus eben ausschwingt.

Das habe ich auch nie verstanden, aber das kommt halt auf die Musik drauf an. Bei uns ist verdammt viel Beckengeschrammel dabei. Unser Ziel bei der Produktion war schon auch, dass es heftiger klingt, aber auf keinen Fall künstlich überproduziert ist und auf gar keinen Fall überkomprimiert. Es sollte nicht alles auf 0 dB durchlaufen, so dass keine Dynamik mehr da ist. Wir haben auch dem Stefan Brüggemann, der das Ganze gemastert hat, gesagt, er soll so viel Dynamik drin lassen, wie möglich, und er hat da einen super Job abgeliefert. Gerade das Schlagzeug sollte so natürlich wie möglich klingen, weshalb wir viel mit Raummikros gearbeitet und mit so wenig Mikros wie möglich das Schlagzeug eingefangen haben. Es ist nichts getriggert, oder sonst was, so etwas machen wir gar nicht. Wir schauen schon, dass es passt, es soll stimmig sein, aber eine klickernde Bassdrum oder eine getriggerte Snare wäre einfach nicht unser Ding. Wir wollen, dass es live klingt. Und das ist im Endeffekt glaube ich auch ganz gut gelungen.

Wie war die Aufteilung bei der Produktion? Du hast im Grunde genommen bis zum Mastern alle übernommen, richtig?

Ja genau. Aufnehmen und mischen und das Mastern dann beim Stefan Brüggemann. Wobei bei uns zum Mischen auch gehört, die Platte als Ganzes zu sehen, also z.B. die Übergänge zwischen den Songs zu machen, die Reihenfolge der Songs festzulegen, einfaden, ausfaden, usw. Alle Dinge, die irgendwie die Aussage vom Stück oder die Aussage des Albums beeinflussen können, das liegt bei uns.

Du könntest dir also sicher auch nicht vorstellen, die Produktion mal komplett aus der Hand zu geben.

BEEHOOVER Interview 2008 - Promobild der Band aus dem Jahr 2008
„Für Eskapaden sind wir wirklich nicht die Typen…“

Nein, das ist auch schwierig, weil wir die Produktion nicht losgelöst sehen vom Song. Das ist jetzt zum Beispiel bei so einem Dance-Künstler auch nicht anders, die machen ja auch ihre eigenen Sachen. Es ist halt viel Fitzelkram drin, was wir persönlich sehr wichtig finden. Klar kann ich mir schon vorstellen, mit einem Techniker zusammenzuarbeiten, der da Lust drauf hat und das gut macht, aber eigentlich ist das Produzieren ja auch mein Steckenpferd – ich würde das ungern aus der Hand geben.

Ihr habt dieses Mal sehr viele solche Feinheiten eingebaut. Wir haben vorhin schon über die offensichtlichen geredet, aber es gibt ja auch so Dinge wie z.B. bei „Dance like a Volcano“ bei dem „Sonic Boom“, bei dem eine Hintergrundstimme noch mal bestätigt „yeah, a sonic boom“. Wie passiert so was?

Diese Dinge entstehen halt so. Man singt das kurz ein und schaut dann, was man hinterher damit macht.

Sind das dann auch die Sachen, an denen man im Nachhinein dann eine ganz besondere Freude hat?

Manchmal muss man schon schmunzeln. Wir bauen das ja auch live ein. Diese Blisstrain-Tour die haben wir komplett mitgeschnitten und ich bin jetzt gerade dabei die zu mischen – die Leute konnten die CD auf den Konzerten bestellen und bekommen die jetzt dann. Da sind auch viele kleine Fitzelteile drin, bei denen irgendjemand zwischendurch irgendwas ins Mikro sabbelt. Ich denke so etwas personalisiert das Stück und nimmt die Ernsthaftigkeit ein bisschen raus. So was wie mit dem „Big Boom“ haben wir eigentlich aber schon immer gemacht, gerade auf der „A Window is a Mirrors End“-EP. Im Prinzip ist dieser fingierte Streit auch nichts anderes. Ich denke so etwas macht man einfach, weil es den Stücken Persönlichkeit gibt. Sie sind nicht klinisch ernsthaft eingespielt.

Als Zuhörer sind das die Sachen, die man anfangs gar nicht bemerkt und dann aber ganz verzückt ist, wenn sie einem plötzlich auffallen. Das sind dann die Geschichten, wo man dann plötzlich von „genial“ spricht.

Ja cool. Wobei das ja jetzt auch nix Besonderes ist. Wir haben bei „I Desert“ und bei „Esophagus Overdrive“ auch so ein Rezitativ drin, bei denen wir einfach, als wir zusammengesessen sind, einen Quatsch gesabbelt haben. Ich weiß nicht ob man das versteht, oder nicht versteht, aber für uns ist das zum Schreien komisch. Das sind solche Andenken an die Aufnahmen, die sind da irgendwie verbuddelt und für immer da drin.

Fast am Ende angelangt muss ich wieder auf das Coverartwork zu sprechen kommen. Ich habe das Album noch nicht im Original, habe auf eurer Homepage jetzt aber weitere Bilder in diesem Stil gesehen – vermutlich aus dem Booklet? Wie seid ihr denn wieder auf diesen Dirk Wachsmuth (http://www.art-earth.de/) gestoßen?

Wir haben ganz einfach gesucht. „Heavy Zooo„, logisch, wir brauchen irgendwelche Tiere als Kampfmaschinen oder so etwas. Wir haben uns hingesetzt und überlegt „was für Tiere gibt es eigentlich im Heavy Zooo„? „Puh…ein Hase…logisch, der hat große Lauscher…Lauscher…klar.“ „Die Schildkröte mit dem Panzer…logisch, Panzer!“ Wir dachten auch an einen Igel mit Speeren, aber da meinte Dirk, dass er das nicht richtig malen kann, so dass das richtig rüberkommt. Er hat dann selbst angefangen solche Dinge zu malen. Auf Dirk sind wir gekommen, weil wir so etwas im Dürer-Stil haben wollten. Das konnte auch Schwarz-weiß auf Butterbrot-Papier sein, ganz egal, wir wollten diese monochrome, skizzenmäßige. Wir haben im Internet so ein Künstler-Forum gefunden und haben dort ein paar Leute angeschrieben. Der erste meinte, er hätte Lust, hat uns aber ein Angebot gemacht, das weit über unserem Budget lag, was aber sicherlich gerechtfertigt gewesen wäre. Der Dirk sagte, dass er das für einen Spottpreis macht, stand auch dazu und das war super.

Er hat so was aber bislang noch nie gemacht, oder?

Surrealistische Sachen schon, aber ob Coverartworks, das weiß ich nicht. Wir haben auch an Sabine Sandkämper gedacht, die ja unser letztes Artwork gemacht hat, aber die hat einfach eine andere Technik, arbeitet mehr mit Collagen. Wunderhübsch, aber in dem Fall nicht passend. Dirk war auch Feuer und Flamme für dieses Projekt. Wir haben ihn auch in Jena getroffen und er ist da voll drin aufgegangen.

Also definitiv eine Empfehlung?

Also wenn man so was mag, dann kann er das sehr gut. Die 16 Bilder auf unserer Homepage, das ist übrigens das Booklet. Wir haben von vorne herein gesagt, dass wir die CD als Gesamtobjekt sehen, wo eins mit dem anderen zu tun hat. Warum soll man sich eine CD kaufen? Vielleicht, weil man mit dem Booklet einen Mehrwert hat. Wir haben keinen Sinn darin gesehen, in das Booklet noch Texte reinzuschreiben – wenn man die CD sieht, dann findet man da nur sehr wenig Text – das Minimale. Da ist in der Mitte ein ganz kleiner Text und hinten eben noch die Credits und was so dazugehört. Mehr wollen wir auch nicht. Wenn wir ein schönes Artwork haben, warum sollen wir dann Text drüber machen? Ich meine, ich hab das ja früher auch immer gemacht, hab das Booklet rausgeholt und die Texte mitgelesen, aber in dem Zusammenhang hätte man das noch mal anders aufziehen müssen und das war nicht so unser Ding. Wenn jemand Text will, dann soll er den im Internet holen, da steht der auch schon drin. Wir wollten eben das drin haben, was zum Heavy Zooo gehört, und das sind die Tiere. Wenn du das durchschaust und dazu die Musik hörst, dann hast du einen echten Mehrwert, anders, als wenn du dir jetzt die Musik einfach runterlädst. Es sollte insgesamt stimmig sein. Die CD ist ja so grasgrün und das steht im schönen Kontrast zu den Sepia-Tönen im Booklet.

Was läuft bei dir zur Zeit daheim für Musik?

CDs grad ganz wenig. Wenn ich ne CD anmach, dann OZRIC TENTACLES, Elektrorock, Ambient-geschängert – super. Oder THE BEVIS FROND, ganz geiler Rock aus England. Der Typ bringt jedes Jahr ne Scheibe raus und die ersten waren so scheiße, richtig low-fi. Aber das ist richtig gute Rockmusik. Oder was ich oft höre sind die Sampler-CDs aus dem Rock Hard oder Metal Hammer. Einfach, um ein bisschen auf dem Stand zu bleiben. Und da muss ich echt sagen, dass ich eigentlich diesen True Metal-Scheiß am Besten find. Oder solcher Pagan-Kram. Irgendwas, was Melodie und Pathos hat. Das kann auch ruhig kitschig sein. Mit Metalcore kann ich gar nicht. Die sind mir auch zu aggressiv (lacht). Ich fand sogar U.D.O. ganz geil.

Fierce
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