BEEHOOVER: Low Performer

“Low Performer” zeigt, dass eine Limitierung auf zwei Instrumente kein Manko sein muss. Im Gegenteil: BEEHOOVER liefern erneut ein fantastisches Prog Doom Stoner Rock Album ab!

Zu erstmal: Sorry, Leute! Zum einen, dass dieses Review erst etwa ein Jahr nach Erscheinen von “Low Performer” erscheint (wir bei vampster sind manchmal eben auch einfach dooooooom) – und zum anderen, dass BEEHOOVER in den letzten Jahren generell zu wenig Erwähnung hier bei vampster gefunden hat. Denn das, was die beiden (jepp, BEEHOOVER sind ein Duo) im Allgemeinen und auf “Low Performer” im Speziellen abliefern, ist einfach einzigartig und schlicht außergewöhnlich gut.

Das Doom-Duo ohne Gitarre funktioniert auch auf “Low Performer”

Eingefleischte Doomer wissen das natürlich, für die anderen erwähne ich es nochmal kurz: BEEHOOVER sind ein Duo – und, als ob dies schon nicht ungewöhnlich genug wäre, begnügen sie sich mit Bass, Gesang und Schlagzeug. Und das tut mir als leidenschaftlichem (wenn auch nicht außergewöhnlich gutem) Gitarristen besonders weh: Eine Gitarre fehlt dieser Band zu keinem Moment! Im Gegenteil, dort, wo man sich im gewöhnlichen Multi-Musiker-Bandgefüge mit unterschiedlichen Vorstellungen und anderen Meinungen herumärgern muss, bestimmt Ingmar Petersen mit seinem prägnanten Bass und Gesang einfach das Geschehen und wird dabei bestens von Schlagzeuger Claus-Peter Hamisch unterstützt. Und  ähnlich wie MANTAR (die als weiteres bekanntes Metal-Duo an dieser Stelle natürlich erwähnt werden müssen), schaffen es BEEHOOVER, einen äußerst dichten, packenden, vielschichtigen Sound in spannende und komplexe Songs zu packen.

BEEHOOVER liefern frickeligigen Stoner Doom Rock

Sechs Lieder haben es auf  das neue Album”Low Performer” geschafft und obwohl die Spiellänge bei keinem Stück unter knapp sechs Minuten sinkt, fällt das Album zu keiner Sekunde ab. Das liegt auch an der Liebe zum Detail. Wo sonst verschiedene Instrumentierungen für Abwechslung im Band- und Songgeschehen sorgen können, muss der Fokus bei BEEHOOVER natürlich enger gefasst werden. So ziehen sich durch jedes der Stücke frickelige Bass-Passagen, die sich mit wunderschönen Melodien abwechseln (ja, wir reden bei Melodien immer noch von *einem* Bass), und von einem äußerst abwechslungsreichen Gesang (normal gesungen, gesprochen, geschrien) begleitet wird. Der Bass ist meist ordentlich angezerrt und mit verschiedenen Effekten angereichert, die für viel Spannung im Stereo-Panorama sorgen. Und damit die vielen, teils wirren Bassläufe nicht ins Uferlose abtriften, sorgt Claus-Peter Hamisch am Schlagzeug für einen soliden und abwechslungsreichen Rahmen.

Limitierung als Vorteil

Vielleicht bewirkt die vermeintliche Limitierung auf zwei Instrumente aber ja genau das Gegenteil: Ich habe noch nicht viele Bands gehört, die so offen und unbeschwert aufspielen. Spontan fallen mir NO MEANS NO (hier besonders im letzten Drittel von “Fisherman”) ein, das kanadische Prog Punk Urgestein, das sich seinerzeit ähnlich wenig um gängige Songstrukturen scherte und das ein oder andere Mal stark an den Nerven der geneigten Zuhörer zog. Oder PRIMUS, die mit ihren Frickel-Orgien und dem ebenfalls prägnanten Bassspiel aus dem Metal-Raster fielen. Oder KARMA TO BURN, die es ja ebenfalls schafften, spannende Musik zu spielen, die auch ohne einen Sänger eine Geschichte erzählt. Weniger ist halt manchmal doch mehr, zumindest dann, wenn man es schafft, diese vermeintlichen Lücken auszufüllen. Und das schaffen BEEHOOVER.

“Low Performer” als Anspieltipp

Also geneigter Musikfreund, falls du BEEHOOVER und vor allem “Low Performer” noch nicht auf dem Schirm hast und Sinn für außergewöhnliche Musik hast: Hör dir das neue Album mal an. Und beginne doch mal mit dem schon fast melodiösen Titeltrack “Low Performer”. Und wenn es dir gefällt, unterstützte doch die beiden sympathischen Schwaben, “Low Performer” ist nämlich komplett in Eigenregie und ohne Unterstützung einer Plattenfirma entstanden. Verdient haben sie es also allemal.

VÖ: 21.02.2020

Label: Eigenproduktion

Line-Up:
Ingmar Petersen: Bass und Gesang
Claus-Peter Hamisch: Schlagzeug

BEEHOOVER auf Facebook: www.facebook.com/beehooverofficial

BEEHOOVER “Low Performer”  Tracklist

1. Goreplay
2. Weisenheimer Blues
3. Army of Good Evil
4. Fisherman
5. Low Performer
6. Hell is Paradise