WOMBBATH: Choirs of the Fallen

Angemessen knarzig produziert modert der schwedische Früh-Neunziger-Death von WOMBBATH aus den Boxen, was nicht verwundern sollte, da zum einen im Sunlight Studio aufgenommen wurde, zum Anderen da die Band auch seit genau dieser Zeit aktiv ist. Warum in der Zeit trotzdem erst fünf Alben entstanden sind, kann vielleicht ein Blick auf Metal-Archives klären, wo bei 5 Musikern ungefähr hundert Einträge zu anderen Bands und Projekten verzeichnet sind. In jeder Hinsicht typisch schwedisch…

Die Frage stellt sich, warum man sich ein so aus der Zeit gefallenes Album mit altmodischer Musik überhaupt anhören soll. Ok, jetzt, wo ich das so schreibe, macht die Frage für einen Metal-Head irgendwie prinzipiell keinen Sinn, da man ehrlich gesagt ja ausschließlich solche Musik hört…aber trotzdem: Eine Band aus der zweiten oder der dritten Reihe, die in ihrer Karriere nicht durch besonderen Fleiß aufgefallen ist, die kein legendärer Ruf umweht und die mir bis dato auch bis auf den Namen unbekannt war? Also, warum anhören?  Weil  „Choirs of the Fallen“  das Album ist, das ENTOMBED anstelle von „To ride, shoot straight and speak the Truth“ hätten machen sollen.

WOMBBATH waren in den frühen Neunzigern schon dabei

WOMBBATH schaffen es natürlich spielend, sehr authentisch schwedisch zu klingen, inkl. HM2-Sound, schließlich waren sie ja damals schon dabei. Zusätzlich sind sie aber auch recht abwechslungsreich, fast wie eine Zusammenfassung der gesamten skandinavischen 90er-Death-Metal-Szene. Die Songs variieren von leicht punkigen D-Beats bis hinzu mit Keyboards unterlegter, düsterer Atmosphäre. Es gibt hier und da Blastbeats, viele Double-Bass-Parts, sehr viele bratende und hochklassige Gitarren-Riffs, und natürlich schnelle Uffta-Parts – alles da, was man am Ufer eines ewig fließenden Stromes so erwarten kann und eben immer noch ein bisschen mehr. Und mit diesem bisschen mehr schaffen sie es, bei mir so was wie Begeisterung auszulösen, einfach deshalb weil sie all das so verdammt GUT machen. Als Beispiel sei hier „A sweet taste of Death“ genannt, das vom aggressiven DISMEMBER-Beginn über einen atmosphärischen Mittelteil hin zu einem Finale von fast HYPOCRISY-hafter Epik brettert, ohne den Hörer dabei an der Schnittkante einsam und gelangweilt zurückzulassen. Und auf diesem Niveau bewegt sich eigentlich die ganze Platte. 

“Choirs of the Fallen” wäre das bessere „To ride, shoot straight and speak the Truth“

Im Gegensatz zu den meisten Epigonen der Neuzeit, die sich oftmals darauf reduzieren, eine Teil-Aspekt von Death Metal in Perfektion zu recyceln schaffen es diese erfahrenen Herren, die gesamte Bandbreite der Stilmittel zu nutzen und damit die Songs durchgehend packend und interessant zu halten, obwohl man die einzelnen Elemente natürlich allesamt kennt. Nichts neues also, aber wir reden hier ja auch nicht vom Programmieren einer neuen umfassenden Mobilitäts-App für eine Auto-freie Schnee-Eifel, sondern von einem Death-Metal Album. Da wird man im Jahre 2020 selten einen Innovationspreis vergeben können, obwohl WOMBBATH mit diesem Album im Jahr, sagen wir mal, 1994 bei der Preisvergabe durchaus ganz vorne hätten landen können.

Release Date: 06.03.2020

Label: Soulseller Records

WOMBBATH „Choirs Of The Fallen“ Tracklist

1. Fallen (5:23)
2. Crawling From The Pits (4:35)
3. We Shall Remain (4:54)
4. A Sweet Taste Of Death (4:56)
5. From The Beggars Hand (6:06) (Audio bei YouTube)
6. Void (4:56)
7. A Vulgar Declaration (4:54) (Audio bei YouTube)
8. Wings Of Horror (6:06)
9. Choirs Of The Damned (4:31)
10. In A Cloak Of Anger (3:09)

Line Up:
Jonny Pettersson – Vocals
Håkan Stuvemark – Guitar
Thomas Von Wachenfeldt – Guitar
Matt Davidson – Bass
Jon Rudin – Drums