WOLVES IN THE THRONE ROOM: Celestite

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Celestite

Ein Wolf in Lauerstellung. Im tiefsten Winter sind ihre Spuren überall im Schnee zu entdecken, diese scheuen, majestätischen Könige des Waldes. Als würde eine dicke Schneedecke über dem pazifischen Nordwesten der USA liegen, als wäre alles Leben zum Erliegen gekommen, als würde sich nichts mehr bewegen, als würde kein Windhauch mehr durch das Zwielicht streifen. Nur ein Wolf, der mit geisterhaften Schritten zwischen den Bäumen umher wandert, lautlos und wunderschön.

Nahezu drei Jahre sind seit Celestial Lineage vergangen, einem Album, nach dem für WOLVES IN THE THRONE ROOM alles gesagt zu sein schien. Celestite ist nun kein Neustart für die Gebrüder Weaver, viel mehr ist es ein Gegenentwurf zur bisherigen Karriere von WOLVES IN THE THRONE ROOM. Überraschend kommt das nicht, immerhin wurde die Black Metal-Seite auf Celestial Lineage immer wieder durch Ambient-Momente jäh unterbrochen. Celestite trägt nun in Sachen Atmosphäre ganz klar die Handschrift von WOLVES IN THE THRONE ROOM, es ist ein Album bei dem andere Mittel eingesetzt werden als gewöhnlich. Synthesizer dominieren, dazu kommen einige Drone-Gitarren, dann wieder eher subtile Leads, es wird ergänzt durch Flöten, Violinen und Posaunen.

Das Material auf Celestite wirkt nicht zufällig reichlich vertraut: Turning Ever Towards The Sun hat das selbe Grundthema wie Thuja Magus Imperium, und auch der Rest ist mal eine Abwandlung älterer Songs, mal düster und dröhnend, dann etwas verspielter, mit dunkel schimmernden Soundscapes, wie Initiation At Neudeg Alm – wer schon mal auf der Neudegg Alm bei einem Konzert war oder dort WOLVES IN THE THRONE ROOM gar live gesehen hat, weiß wie passend der Titel gewählt ist. Zwischen schön und hoffnungsvoll und bedrohlich-episch (Celestite Mirror) bewegen WOLVES IN THE THRONE ROOM eine Dreiviertelstunde lang. Naturgemäß ist Celestite aber weit weniger packend und intensiv als Two Hunters oder Black Cascade – keine gewaltigen Eruptionen, keine hypnotischen Blast Beats mit markanten Riffs, kein intensives Geschrei reißen den Hörer in den wundervollen tranceartigen Strudel, der diese Band so groß gemacht hat.

Das war von einem Ambient-Drone-Album aber auch nicht zu erwarten. WOLVES IN THE THRONE ROOM liefern ein experimentelles Werk ab, ein künstlerisch notwendiges Album, das aber nicht jeder Hörer wirklich braucht. Faszination kann nicht pausenlos erreicht werden, Dynamik wird etwas zu selten eingesetzt. Im Vergleich zu 08/15-Ambient-Alben von Black Metal-Musikern ist Celestite aber geradezu gewaltig. Es ist nicht immer brillant, aber es hat seine Momente und geht in der richtigen Stimmung auch skeptischen Hörern stellenweise unter die Haut.

Veröffentlichungstermin: 8. Juli 2014

Spielzeit: 46:02 Min.

Line-Up:
Aaron Weaver – Synthesizers, Guitars
Nathan Weaver – Synthesizers, Guitars

Produziert von Randall Dunn und WOLVES IN THE THRONE ROOM
Label: Artemesia Records

Homepage: http://www.wittr.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/wolvesinthethroneroom

Tracklist:
1. Turning Ever Towards The Sun
2. Initiation At Neudeg Alm
3. Bridge Of Leaves
4. Celestite Mirror
5. Sleeping Golden Storm

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle