WOLVENNEST: Temple

WOLVENNEST aus Belgien hörte ich, ohne Vorwarnung was mich erwartet, zum ersten Mal auf einem Konzert hier in Köln im Gebäude 9 und war direkt äußerst fasziniert von ihrer dunklen Pschchedelika-Soundwand, bestehend aus 3 Gitarren, wuchtigen Drums und Keyboard/Theremin-Sounds, die sich in etwa so anhört, als würde eine Kollaboration aus MOTORPSYCHO und der örtlichen WICCA-Gemeinde URFAUST-Songs covern. In HiFI-Qualität. Und mehrdimensional. Genau mein Ding also.

Das nun vorliegende neue Album „Temple“ knüpft direkt am letzten, fantastischen Album „Void“ an und bietet genau diese fließende Soundwand, unterteilt in 8 Songs mit Spielzeiten teilweise über 10 Minuten, jeder für sich eine Klangwelt zum Versinken.

Alles fließt auf “Temple”

Die Songs werden getragen von ineinander verwobenen Gitarren-Teppichen aus flächigen Melodien, dichten Akkorden und den bereits erwähnten wuchtigen Drums mit simpler, aber dafür umso effektiv groovender Rhythmik. Das alles wird in jedem der Songs miteinander in ein dynamisches Spiel gebracht, bedingt sich gegenseitig, fließt umeinander und ineinander und bildet so einen Sog, der einen entweder mitreißt oder völlig kalt lässt. In Perfektion zu hören in „All that Black“. Prinzipiell auch in jedem anderen Song, denn Ausfälle gibt es auf der Platte keine.

Oder im Album Highlight „Souffle de Mort“ mit leicht orientalischer Rhythmik und vor allem der dunklen Stimme von Sängerin und Theremin-Beschwörerin Shazzula, die mich mit ihrer, teilweise in der Magie von Niko bei THE VELVET UNDERGROUND erinnernden Performance jedes Mal vollständig abholt und – nicht zuletzt wegen ihrer Live-Präsenz – einen Teil der Faszination dieser Band für mich ausmacht.

WOLVENNEST kreieren unglaubliche Dynamik mit einem Riff

Eigentlich kam man hier jetzt schlecht von „tollen Riffs“ oder „gelungenen Refrains“ sprechen, denn im Prinzip gibt es das alles so nicht. Teilweise reicht hier ein Riff pro Lied aus, um trotzdem eine unglaubliche Dynamik zu entfalten. Die Produktion ist der Musik entsprechend druckvoll und ebenso dynamisch, nicht zu transparent, aber auch nicht zu verwaschen und gönnt dem Gesang und vor allem auch den für das Fließen so wichtigen Drums ausreichend Raum.

Mir persönlich gefällt „Temple“ ausnehmend gut und konnte die hohen Erwartungen meinerseits erfüllen, auch wenn die Belgier sich gegenüber dem letzten Album nicht großartig verändert haben. Es bleibt natürlich abzuwarten, ob das auch mit weiteren Alben funktioniert oder ob man eine Weiterentwicklung benötigt. Ich traue der Band zu, beide Wege erfolgreich zu gestalten.

Release Date: 05.03.2021

Label: Ván Records

WOLVENNEST “Temple” Tracklist

1. Mantra (12:26)
2. Swear to Fire (10:23) (Audio bei YouTube)
3. Alecto (9:08)
4. Incarnation (9:51)
5. All that Black (6:34)
6. Succubus (feat. King Dude) (11:27)
7. Disappear (7:16) (Audio bei YouTube)
8. Souffle de Mort (10:25)

Line-Up:
Déhà – Vocals, Drums, Piano
John Marx – Bass
Marc de Backer – Guitars
Michel Kirby – Guitars
Corvus von Burtle – Guitars
Shazzula – Vocals, Keyboards, Theremin
Bram Moerenhout – Drums

https://wolvennest.bandcamp.com

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