WOLFBRIGADE: The Enemy: Reality

WOLFBRIGADE: The Enemy: Reality

Für diesen Sound wurden Mosh- und Circle Pits erfunden! WOLFBRIGADE sind wieder da und das stark wie immer. Auch auf ihrem zehnten Album „The Enemy: Reality“ treten die Schweden in jeden Arsch, der sich ihnen in den Weg stellt und laden ein zum freundlichen Rumschubsen beim Konzert. Wer bei diesem Album nicht mindestens die Faust in der Tasche ballt, ist ein hoffnungsloser Fall und wahrscheinlich nahe der Nulllinie.

Lycanthro Punk nennen WOLFBRIGADE ihren Mix aus Hardcore, D-Beat, Crust, Punk, MOTÖRHEAD und ja, klassischen Heavy Metal-Riffs. Nix Neues, das haben ANTI-CIMEX schon Anfang der Neunziger gemacht, zwischen beiden Bands gab es ja in der Vergangenheit Überschneidungen in der Besetzung.

„The Enemy: Reality“: schwedischer Crust/D-Beat mit Überraschungen

Trotzdem sind WOLFBRIGADE heute mit die Besten ihres Faches, denn so ganz stumpf sind Alben wie „A New Dawn Fades“ (1996 noch als WOLFPACK veröffentlicht), „Run With The Haunted“ (2017) und auch „The Enemy: Reality“ nämlich nicht. Wer ein bisschen den Dreck wegkratzt, stößt auf Überraschendes: Riffs, die heute eigentlich heute keiner mehr braucht, weil sie längst geschrieben wurden, passen zu den räudigen Punksongs wie die Faust aufs Auge.

Ein Beispiel: Die ersten Takte von „Hammer To The Skull“ könnten auch aus einem ACCEPT-Song stammen. Aber WOLFBRIGADE (zugegeben, ich zucke bei dem Bandnamen jedes Mal zusammen) wären nicht WOLFBRIGADE, wenn sie den Song nicht doch noch in die richtige Richtung drehen würden. Und so wird „Hammer To The Skull“ mit einem mitreißenden Refrain, D-Beat und Micke Dahls wundgeschrienen Stimmbändern zu einem dieser Smasher, bei dem es schwerfällt, stillzusitzen. Man will einfach nur raus und rennen, rennen, rennen – auch gegen eine Wand, wenn sich‘ s nicht vermeiden lässt.

Der Titelsong kommt mit erstaunlich melodiösen Gitarren um’s Eck, die auch so mancher Melodic Death Metal-Band so gut gefallen würde. „Doomsday Dominion“ hat einen fast schon hypnotischen Refrain – und auch da finden sich 80er Jahre-Anklänge. „The Wolfman“ ist eine überraschend straighte Punk-Nummer, in die aber trotzdem ein fiedeliges Gitarrensoli gepresst wird. Und bei „Human Beast“ könnte man ganz kurz auch auf den Gedanken an AT THE GATES kommen – dazu gibt’s tatsächlich so was wie Laut-Leise-Dynamik.

Songs für die WOLFBRIGADE Best-of

Klares Highlight von „The Enemy: Reality“: Die Songs „Human Beast“ und „Fire Untamed“ können sofort in die WOLFBRIGADE-Best-of-Songlist einsortiert werden und behautpten sich problemlos neben grandiosen Tracks wie „Warsaw Speedwolf“ (vom 2017er Album „Run With The Haunted“) oder „Ride The Steel“ (vom 2012er Album „Damned“).

Fazit: „The Enemy: Reality“ sind zehn Songs in 28 Minuten (also ohne Schnickschnack), eine Verbeugung in Richtung Lemmy, der Beweis, dass Crustpunk auch 2019 noch aktuell ist und ganz grundsätzlich ein Album, das vieles erträglicher macht. Lediglich über das Cover könnte man nochmal reden, musste das denn wirklich gelb sein?

VÖ: 8. November 2019

Label: Southern Lord

WOLFBRIGADE „The Enemy: Reality“ Tracklist

Sum of All Vices
Fire Untamed
The Wolfman (Video bei YouTube)
Hammer to the Skull
Narcissistic Breed
Nightmare of Wolves
Doomsday Dominion
Wells of Despair
Human Beast
Hunt the Hunter

Besetzung:
Jocke Rydbjer – Guitar
Micke Dahl – Vocals
Erik Norberg – Guitar
Johan Erken – Bass
Tommy Storback – Drums

andrea
Kümmere mich seit 1999 um Reviews, Interviews und den größten Teil der *Verwaltung*, Telefon-Dienst, Beschwerdestelle, Versandabteilung, Ansprechpartner für alles, Redaktionskonferenz-Köchin...