WHITECHAPEL: Whitechapel

WHITECHAPEL: Whitechapel
A New Era Of Corruption machte als Drittwerk endgültig alles klar für WHITECHAPEL, indem es den Deathcorelern den verdienten Status als Könige des Genres bescherte. Wie schon auf This Is Exile flirrten geniale Riffläufe am zunächst latent überforderten Ohr des Zuhörers vorbei, droschen komplexe und doch extrem groovige Drumpatterns auf einen ein, brüllte sich Sänger Phil Bozeman hasserfüllte und doch trotz Grunzstimme meist verständliche Zukunftsdystopien in einer Art und Weise von der Seele, dass sich die Vocals trotz Mainstream-Unverdächtigkeit stets in die Hirnwindungen frästen.
Kaum auszumalen für normalsterbliche Hobbymusiker, welch ein Druck auf WHITECHAPEL gelastet haben mag, diese Höchstleistungen noch zu toppen. Wie leicht verliert man sich in halbgaren Weiterentwicklungsszenarien, die kaum ein Fan gewillt ist, mitzugehen. Wie leicht verlässt man sich auf bewährte Konzepte, die in der Vergangenheit den Erfolg begründet haben, nun jedoch ihren Überraschungsfaktor verloren haben. Doch schon der Titel Whitechapel lässt erahnen, dass WHITECHAPEL genügend Selbstvertrauen angesammelt haben, um diese Herausforderung anzunehmen, ohne zu verzagen.
Und so präsentiert die Band auf Whitechapel auf der einen Seite die Essenz von WHITECHAPEL zwischen rasendem Deathmetal (allein der Anfang von (Cult)uralist!) und wuchtigen Breakdowns, zwischen aberwitziger Gitarrenarbeit und eingängigen Shouts wie in Faces, das man sofort mitbrüllen möchte. Auf der anderen Seite jedoch fügen die Jungs aus der Heimat von Jack Daniel´s ihrem Klangbild eine weitere überzeugende Facette hinzu, die bislang höchstens in kurzen Melodiefetzen angedeutet war. Bei aller Härte und Gnadenlosigkeit binden sie nun immer häufiger Parts ein, die mit düsteren Melodien und industrieller Kälte gekonnt Blade Runner-Atmosphäre verbreiten, wie es Section 8 auf der Recorrupted-EP bereits andeutete. Zur vollen Blüte kommen diese Passagen im vorab im Netz zu hörenden I, Dementia, dem zugegebenermaßen eher unnötigen Instrumental Devoid und im abschließenden Possibilities Of An Impossible Existence. Das mag zwar ebenso wie die zur Erhöhung der Dynamik eingeflochtenen fast unverzerrten Parts in Make It Bleed und Hate Creation Kritiker auf den Plan rufen, die der Band bescheinigen werden, dass sie an Kompromisslosigkeit und Heaviness eingebüßt habe, doch je öfter man sich Whitechapel zu Gemüte führt, umso deutlicher wird, dass es gerade dieses Plus an Vielschichtigkeit ist, das WHITECHAPEL davor bewahrt, sich lediglich zu wiederholen. Stattdessen bekommt man nun eine Band präsentiert, die den Spagat zwischen enormer Brutalität und intensiver finsterer Grundstimmung äußerst homogen und schlüssig hinbekommt – und dabei noch nicht einmal trotz der ähnlich angesiedelten Grundzutaten nach FEAR FACTORY klingt, sondern in jedem Moment unverkennbar WHITECHAPEL ist, ohne sich auch nur im Ansatz zu wiederholen. So und nicht anders muss ein Album klingen, das den Bandnamen als Titel trägt.

Veröffentlichungstermin: 15.06.2012

Spielzeit: 38:15 Min.

Line-Up:

Phil Bozeman – Gesang
Ben Savage – Gitarre
Zach Householder – Gitarre
Alex Wade – Gitarre
Gabe Crisp – Bass
Ben Harclerode: Schlagzeug

Produziert von Mark Lewis
Label: Metal Blade

Homepage: http://thediseased.com

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/whitechapel

Tracklist:

1. Make It Bleed
2. Hate Creation
3. (Cult)uralist
4. I, Dementia
5. Section 8
6. Faces
7. Dead Silence
8. The Night Remains
9. Devoid
10. Possibilities Of An Impossible Existence