WE CAME AS ROMANS: Darkbloom

Nach dem unerwarteten Tod ihres Sängers ist “Darkbloom” zugleich Aufarbeitung sowie eine Art Selbsttherapie für WE CAME AS ROMANS. Dass die Band dabei vergleichsweise wenig Risiko fährt, wollen wir deshalb gar nicht zum Vorwurf machen.

Ein traumatisches Ereignis wie der unerwartete Tod des Sängers Kyle Pavone im Jahr 2018 reißt natürlich ein riesiges Loch in Bandgefüge und Lebenswelt der verbliebenen Musiker. Wären WE CAME AS ROMANS daran zerbrochen, es wäre keine Schande gewesen. Stattdessen jedoch entschieden sich die US-Amerikaner weiterzumachen; den Tod ihres Freundes in musikalischer Weise zu verarbeiten und exakt das anzusprechen, was ungemein schmerzhaft sein muss.

Die Lücke, welche Pavone hinterließ, besetzte die Band derweil nicht nach: Den Klargesang übernimmt auf „Darkbloom“ nun Shouter Dave Stephens, während die Synthesizer mit Unterstützung von Produzent Drew Fulk fertig ausgearbeitet wurden. Dass die zehn neuen Songs also überhaupt in dieser Form erscheinen können, ist angesichts der Umstände bereits als Erfolg zu werten, zumal die Lyrics immer wieder auf das Innenleben der Hinterbliebenen zurückkehren.

Am stärksten sind WE CAME AS ROMANS immer dann, wenn sie auch den destruktiven Emotionen freien Lauf lassen

Depression und Selbstzweifel stehen etwa im Zentrum der beiden Singles „Black Hole“ und „Darkbloom“, aus welchen Sänger Dave Stephens aber auch Kraft zu schöpfen scheint: „Die or grow“ heißt es etwa im Titeltrack, wo ein Synth-Teppich den eingängigen Refrain begleitet, während tief gestimmte Gitarren uns in den Boden zu hämmern suchen. Stephens entscheidet sich wie seine Mitstreiter für Letzteres, was in einem Album resultiert, das zwar die Gepflogenheiten des Genres nicht auf den Kopf stellt, dafür allerdings aus dem Herzen kommt.

Am stärksten sind WE CAME AS ROMANS daher immer dann, wenn sie die Zügel loslassen und auch den destruktiven Emotionen freien Lauf lassen. Den zeitgemäßen sowie hochmodernen Metalcore durchziehen dann zwar immer noch eingängige Keyboard- und Gesangsspuren, die aber durch ein gesundes Maß an Härte kontrastiert werden. Das öffnet wiederum die Möglichkeit, durch Gastfeatures wie von BEARTOOTHs Caleb Shomo („Black Hole“) oder Rapper Zero 9:36 („Daggers“) ein paar zusätzliche Klangfarben einzustreuen.

Insgesamt fährt “Darkbloom” vergleichsweise wenig Risiko

Wenn WE CAME AS ROMANS die Balance allerdings in Richtung sanfterer und emotionaler Töne verschieben, zeigt das Songwriting schnell Abnutzungserscheinungen. Ungeachtet der aufrichtigen und persönlichen Texte fehlt es Stücken wie dem an A DAY TO REMEMBER erinnernden „Holding The Embers“ oder dem poppigen „One More Day“ an packenden Wendungen oder griffigen Hooks. Die sanftere Seite der Platte entspricht schlicht erwartbaren Genre-Standards, ohne außergewöhnliche Akzente zu setzen – weder gesanglich noch instrumental geht „Darkbloom“ diesbezüglich eigene Wege.

Immerhin ist die Dampfwalze „Doublespeak“ mit seinen originellen Samples mutig genug, einen durchaus kontroversen Ansatz durchzuprügeln. Dass WE CAME AS ROMANS über weite Strecken ansonsten vergleichsweise wenig Risiko fahren, wollen wir der Band – obwohl es natürlich seine Spuren hinterlässt – dennoch nur ungern zum Vorwurf machen. Allein, dass es die Formation nach dem tragischen Rückschlag im Jahr 2018 überhaupt noch gibt, ist der eigentliche Erfolg und die wichtigste Botschaft dieses Albums. „Die or grow“ lautet, wie zuvor erwähnt, die entscheidende Frage in „Darkbloom“ – die Antwort darauf geben WE CAME AS ROMANS bereits im Titel.

Veröffentlichungstermin: 14.10.2022

Spielzeit: 36:42

Line-Up

David Stephens – Vocals
Joshua Moore – Gitarre, Backing Vocals
Lou Cotton – Gitarre
Kyle Pavone – zusätzliche Keyboards
Andy Glass – Bass, Backing Vocals
David Puckett – Drums, Percussions

Produziert von Drew Fulk

Label: SharpTone

Homepage: https://iamdarkbloom.com/
Facebook: https://www.facebook.com/wecameasromans/

WE CAME AS ROMANS “Darkbloom” Tracklist

  1. Darkbloom (Video bei YouTube)
  2. Plagued (Visualizer bei YouTube)
  3. Black Hole (Video bei YouTube)
  4. Daggers (Video bei YouTube)
  5. Golden (Video bei YouTube)
  6. One More Day
  7. Doublespeak
  8. The Anchor
  9. Holding The Embers
  10. Promise You (Video bei YouTube)