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WATAIN: The Agony & Ecstasy Of Watain

Wenn es eine Band gibt, die in den letzten 20 Jahren dem Black Metal wieder Höllenfeuer unterm Arsch gemacht hat, dann ist es jene aus dem 150.000 Seelen- Städtchen Uppsala: WATAIN !

Brennende Fackeln, allerlei Schädel, Tierkadavern und dazu passend natürlich auch der entsprechende animalische Lebenssaft, mit dem sich die Schweden vor ihren Auftritten gerne eingerieben haben, waren in ihrer prägenden Frühphase Bestandteile vieler intensiver Liveshows in beengten Clubs. Gerüchten zufolge soll der dadurch verursachte bestialische Gestank nicht nur einmal bei Konzertgängern in den ersten Reihen dafür gesorgt haben, dass deswegen andere Körperflüssigkeiten den Rückwärtsgang eingelegt haben.

Blut, Feuer, Tod…aber auch exzessive Hingabe, vollkommene Überzeugung und antikosmisch-satanische Philosophien mündeten in bislang sechs der schwarzen Materie abgrundtief zugewandten Alben, von denen “Casus Luciferi”, “Sworn To The Dark” und vor allem das Magnum Opus “Lawless Darkness” als die Essenz des WATAIN’schen Schaffens gelten. Das darauffolgende “The Wild Hunt” zeigte die Schwarzheimer von einer überraschend offenen und gar nicht so richtig zum Albumtitel passenden “unwilden” Seite (in der Frontmann Erik Danielsson auch cleane Vocals zuließ), wohingegen “Trident Wolf Eclipse” anschließend sich wieder dem Tagesgeschäft widmete, dabei aber als ein relativ spannungsarmes Unterfangen, an alte Stärken anzuknüpfen, wahrgenommen wurde.

WATAIN stoßen schon zu Beginn das Tor zur Hölle weit auf

Und jetzt “The Agony & Ecstasy Of Watain” (jegliche Ähnlichkeiten mit einem vampster-Schreiberling sind rein zufällig) ! Zugegeben, der Titel könnte griffiger und weniger nach einer unterhaltsamen Parabel oder einem bislang unreleastem Virgin Steele-Song und mehr nach plakativem, zerstörerischem Chaos klingen. Aber er macht absolut Sinn, weil es eben jene zwei Kräfte sind, die als die Haupttriebfedern hinter der derzeit erfolgreichsten (echten) Black Metal-Combo auszumachen sind.

Und die auch gleich beim furiosen Riffgewitter ‘Ecstasies In Night Infinite’ das Tor zur Hölle weit aufstossen. Als ob jemand überhaupt daran gezweifelt hätte, dass WATAIN – nach einem nicht jeden restlos begeistert zurücklassenden respektive untypischem Album und ihrem nachfolgendem Wechsel zum mehr und mehr irrelevant erscheinenden Label Nuclear Blast – das Ziel der grenzenlosen Agonie und Ekstase aus den Augen verloren haben könnten.

“Beneath! – Beyond! – Behind! – Below!”

Zum ersten Mal mit einem kompletten (Live-)Line Up aufgenommen, zeigen WATAIN stattdessen schon beim hereinbrechenden Opener und auch bei der nachfolgenden Erstauskopplung ‘The Howling’ knackig verdichtete Blasts, hochinteressante Arrangements und flirrend-kalte Verzierungen voller unheilvoller Magie, die einen ohne Vorwarnung hinunter in den chaos-gnostischen Strudel aus anmutiger Verzweiflung und total fucking darkness ziehen.

Versteckte Perlen auf “The Agony & Ecstasy Of Watain”

Die fünf Schweden gehen dabei mit einem Schulterblick sowohl einen Schritt nach vorne als auch ein bedeutend größeren zur Seite: das, was WATAIN auf “The Agony & Ecstasy Of Watain” zusammengeschustert haben, kann man weiterhin unter hinlänglich bekannte, rasend schnelle Black Metal-Gewalt mit eindrucksvoll einnehmenden Gekeife (Herr Danielsson meint’s immer noch bitterernst!) subsumieren. Auch die melodischen Tremolo-Leads und jene bösartige Harmonien, die aufgrund ihrer Nähe zum klassischen Heavy Metal besondere Spannungsmomente generieren, sind einmal mehr ständige Begleiter auf dem Weg raus aus der Welt, wie wir sie kennen. Die Leistung der DISSECTION-Worshipper auf dem immerhin schon siebten Langspielprodukt besteht allerdings vielmehr darin, ihre infernalischen Ingredienzien und ihr spirituelles Selbstverständnis nahezu über komplette Distanz wieder in eiskalt fesselnde und Geist und Seele betörende Kompositionen mit unwiderstehlicher Sogkraft umzumünzen, ohne sich neu erfinden zu müssen. Und diese obendrein zugleich anspruchsvoller und zielstrebiger ausfallen zu lassen: Seite A hält neben dem offensichtlichsten Anbiederungsversuch ‘The Howling’ (der natürlich voll einschlägt) mit dem ebenfalls vierminütigen ‘Leper’s Grace’ eine weitere berauschende Uptempo-Nummer ohne Kompromisse parat, bevor es mit dem Instrumental ‘Not Sun Nor Man Nor God’ zu den versteckten Perlen des Albums, welches von Produzent Tore Stjerna in einer zum Studio umfunktionierten alten Kirche mit einem exzellenten und konturenscharfen Klang versehen wurde, übergeht.

Zu welcher Größe die Band, die ihren Namen von dem gleichnamigen Stück der kalifornischen Black Metal-Combo VON übernommen hat, herangewachsen ist, erschließt man erst, wenn man WATAIN nicht allein auf ihre rohe, ungestüme und destruktive Attitüde reduziert, sondern die epische Komponente, die gerade “The Wild Hunt” zu einer differenzierten überirdischen und magischen Bösartigkeit verholfen hat und die im konzeptionellen Kontext immer wichtiger erscheint, unbedingt annehmen, wertschätzen und in die weiten, leeren Räume seines Herzens hineinlassen kann.

Vom meisterhaft inszenierten ‘Before The Cataclysm’, das zwischen peitschender Brachialität und längeren, melodischen Passagen als subtiles Praeludium zu ‘We Remain’ fungiert, führt die dramaturgische Kurve zu jener weitflächig vor sich hin doomenden, atmosphärisch überlebensgroßen Glanzleistung mit BATHORY-Charme, die in seinen zarten Momenten nur von der unvergleichlichen Gast-Performance Farida Lemouchis (Molasses, ex-The Devil’s Blood) getoppt wird. Wer spätestens hier keine Gänsehaut bekommt, sollte sich beim nächsten Durchgang unbedingt nackt vor der offenen Tiefkühltruhe platzieren.

WATAIN sind wahre Meister ihres Fachs

Die zuletzt platzierten ‘Funeral Winter’ und ‘Septentrion’ gehen dann wieder in die Vollen und sind weitere unmissverständliche Statements, dass auf “The Agony & Ecstasy Of Watain” fünf gesinnungsgleiche Kerle zu einer Entität verschmolzen sind, die eine verführerisch luziferische Aura ausstrahlt und ein hohes künstlerisches und ästhetisches Verständnis für die Schönheit von Tod und Nacht in Wort und Ton transportiert.

WATAIN haben sich nach “Trident Wolf Eclipse” Zeit für eine Retrospektive genommen und sind mit aufgeladenen Batterien, einer unverbraucht und frisch wirkenden Herangehensweise und wohl auch mit etwas Kalkül ans Songwriting gegangen und haben mit “The Agony & Ecstasy Of Watain” ein Manifest in ihrem fortgeschrittenen Karriereverlauf abgeliefert, dass sich in seiner Art zwar weniger ungestüm und apokalyptisch als die oben genannten Referenzalben (die nach wie vor als solche Bestand haben) präsentiert, dafür aber mit größerer Sorgfalt und Präzision die WATAIN’schen Trademarks auslotet. Auf alle Fälle gilt: unbedingte Kaufempfehlung für dieses Black Metal-Kunstwerk, angefertigt von wahren Meistern ihres Fachs!

Ach ja, das Cover mit seiner an NS-Symboliken angrenzenden Ästhetik empfinde ich als nicht gelungen und verbuche es als (subtile) Provokation (braucht man heutzutage anscheinend in der Form noch). Artworks haben WATAIN definitiv schon mal besser hinbekommen!

 

Veröffentlichung: 29. April 2022

Label: Nuclear Blast

Spielzeit: 49:34 Minuten

Line-Up:

  • Erik Danielsson (E.) – Vocals
  • Pelle Forsberg (P.) – Guitar
  • H.Eriksson – Guitar
  • A.Lillo – Bass
  • Håkan Jonsson (H.) – Drums
  • E. Forcas – Drums

 

Produzent: Tore Stjerna (Chapel Of Necromorbus)

WATAIN “The Agony & Ecstasy Of Watain”  Tracklist

01. Ecstasies in night infinite
02. The howling
03. Serimosa (Video bei YouTube)
04. Black cunt
05. Leper’s grace
06. Not sun nor man nor god
07. Before the cataclysm
08. We remain
09. Funeral winter
10. Septentrion

 

DISCOGRAPHY (nur Studioscheiben)

  • Rabid Death’s Curse (2000)
  • Casus Luciferi (2003)
  • Sworn To The Dark (2007)
  • Lawless Darkness (2010)
  • The Wild Hunt (2013)
  • Trident Wolf Eclipse (2018)
  • The Agony & Ecstasy Of Watain (2022)

 

WATAIN, ABBATH, TRIBULATION, BÖLZER Tour 2022

15.09.2022 – FR – Paris – Elysee Montmartre
16.09.2022 – DE – Oberhausen – Turbinenhalle
17.09.2022 – DE – Munich – Backstage
18.09.2022 – IT – Milan – Live Club
20.09.2022 – FR – Toulouse – Le Bikini
22.09.2022 – PT – Lisbon – Lisboa Ao Vivo
23.09.2022 – ES – Madrid – La Riviera
24.09.2022 – ES – Barcelona – Apolo
25.09.2022 – FR – Lyon – Transbordeur
27.09.2022 – CH – Zurich – Komplex 457
28.09.2022 – DE – Filderstadt – Filharmonie
29.09.2022 – NL – Tilburg – 013
30.09.2022 – UK – London – Earth
02.10.2022 – BE – Antwerp – Trix
04.10.2022 – DE – Hamburg – Markthalle
05.10.2022 – DK – Copenhagen – Amager Bio
06.10.2022 – NO – Oslo – Rockefeller
07.10.2022 – SE – Stockholm – Fallan
09.10.2022 – FI – Helsinki – Vanha