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VOIVOD: Lost Machine – Live

Man kann „Lost Machine“ ganz wunderbar als Wegweiser nutzen, die Alben der letzten Jahre wiederzuentdecken. Denn wer Songs wie „Iconspiracy“, „Fall“ oder „The End of Dormancy“ im Arsenal hat, ist eben auch nicht mehr auf die 80er angewiesen.

Live-Alben sind ja immer  so eine Sache. In der Vergangenheit gerne genutzt, um schlecht dotierte Platten-Verträge zu erfüllen, oder um „ein Lebenszeichen“ zu geben, wenn einem nicht wirklich was Neues einfällt, gibt es meistens nicht viel auf Ihnen zu entdecken. Die Songs sind bekannt, die Unterschiede zu den Studio-Versionen sind bei den meisten Band eher marginal, wobei ausufernde Jam-Sessions mitten in den Songs mich andererseits auch eher stören als begeistern.

Und es fehlen natürlich IMMER ein paar Songs, die man unbedingt hätte draufpacken müssen, damit das Album als persönlicher Best Of-Ersatz fungieren kann. In meinem Plattenschrank finden sich tatsächlich wenige Live -Alben.

Die paar, die ich habe, gehören dann allerdings auch zu den meist gespielten und den ganz besonderen Platten. Denn bei allen oben genanten Schwächen, manche Live Alben verbreiten einfach eine spezielle Magie, die Dokumentation eines bestimmten Augenblicks in der Geschichte der Band, am besten auf dem Höhepunkt der kreativen Energie und getragen von der Begeisterung enthusiastischer Fans.

Das ist dann eine zusätzliche Dimension, die diese Live-Alben über die normalen Studio-Alben hinaushebt und zu etwas ganz besonderem in der Diskographie der Band macht. „If you want Blood“ von AC/DC, „Live after Death“ von IRON MAIDEN, SLAYERs „Decade of Aggression“ oder THIN LIZZY mit „Live & Dangerous“, um nur einige zu nennen (Und, nein, nicht KISS, es geht hier ja nicht um Musical-Aufführungen…).

“Lost Machine” liefert ehrlichen Sound & hervorragende Musiker

Irgendwie gehört das vorliegende Live-Album von VOIVOD, aufgenommen am 13.07.2019 auf dem Quebec City Summer Fest, in beide dieser Kategorien. Zunächst mal ist es ein eindrucksvolles Beispiel für musikalische Fähigkeiten. Hervorragende Musiker brillieren auf ihren Instrumenten, mit Spielfreude und Können, dazu ein sehr direkter, ehrlicher Sound, alle Instrumente klingen, als stünde man mitten auf der Bühne. Vor allem der Bass-Sound ist grandios.

Und über all dieser musikalischen Klasse rotiert der herrlich eigenwillige, nölig-punkige Gesang von Sänger Snake. Gerade im Live-Sound zeigt sich, wie hervorragend diese eigentlich merkwürdige Verbindung funktioniert und dass eben dieser scheinbare Gegensatz einen großen Teil des Reizes der Kanadier ausmacht. Was Produktion und Performance angeht, ist das Album also absolut gelungen.

VOIVOD liefern keine Retro-Veranstaltung

Aber natürlich kann man an der Tracklist herummeckern. Wieso kein „Chaosmöngers“? Und überhaupt viel zu wenig „Dimension Hatröss“ (oder welches das persönliche Lieblings-Klassiker-Album der Band ist).  Andererseits zeigt es natürlich das Selbstbewusstsein der Band, sich hauptsächlich auf die Songs der letzten Jahre zu konzentrieren und sich eben nicht als reine Retro-Veranstaltung zu verstehen. Und ehrlich gesagt, wir haben auch genug von diesen „Irgendwer-performt-irgendwas-von-damals-in-voller-Länge-(ja, auch mit der misslungenen Ballade am Ende)“-Events gehabt…

Es passt also zu VOIVOD, dieser Versuchung nicht zu erliegen und es ist absolut nachvollziehbar, dass man diesen Weg geht, denn nach einer kurzen Gewöhnungsphase macht „Lost Machine“ wirklich eine Menge Spaß. Die Band hat schließlich auch in den letzten Jahren eine Menge tolle Songs geschrieben! Also, toller Sound, tolle Songs, Musiker mit Energie und Spielfreude –  was will man mehr?

Man kann „Lost Machine“ ganz wunderbar als Wegweiser nutzen, die Alben der letzten Jahre wiederzuentdecken, denn wenn man mal ehrlich ist, greift man normalerweise doch immer zu seinem Lieblings-Album, wenn man mal Bock auf eine bestimmte Band hat. Gerade bei VOIVOD verpasst man dann aber eine ganze Menge, wie mir jetzt nochmals bewusst wird.

Wer Songs wie „Iconspiracy“, „Fall“ oder „The End of Dormancy“ im Arsenal hat, ist eben auch nicht mehr auf die 80er angewiesen.

Label: Century Media

Release Date: 27.11.2020

VOIVOD “Lost Machine – Live” Tracklist

1. Post Society (07:50)
2. Psychic Vacuum (04:31)
3. Obsolete Beings (04:47)
4. The Prow (03:24)
5. Iconspiracy (05:21)
6. Into My Hypercube (05:24)
7. The End Of Dormancy (07:48)
8. Overreaction (05:11)
9. Always Moving (05:07)
10. Fall (06:38)
11. The Lost Machine (05:42)
12. Astronomy Domine (07:26)
13. Voivod (04:42)

Line Up:

Denis “Snake” Belanger – Vocals
Daniel “Chewy” Mongrain – Guitar
Dominic “Rocky” Laroche – Bass
Michel “Away” Langevin – Drums

www.voivod.com