VINTERSORG: Visions From The Spiral Generator

Wer die eingängigen Melodien von "Till Fjälls" und "Ödemarkens Son" endgültig begraben hat und vor progressivem, zunächst etwas undurchsichtigem Black-/Folkmetal nicht zurückschreckt, dem sei "Visions From The Spiral Generator" wärmstens empfohlen.

The only laws of matter are those our mind must fabricate – and the only laws of mind are fabricated by matter. – mit diesen philosophischen Weisheiten von James Clerk Maxwell beginnt das fünfte VINTERSORG-Album Visions From The Spiral Generator. Nun, der britische Physiker ist mittlerweile schon seit 125 Jahren begraben, dennoch sind dessen Untersuchungen über die Thermo- und Elektrodynamik derartig bahnbrechend gewesen, dass diese Erkenntnisse selbst in der modernen Musik nicht außen vor gelassen werden. So zum Beispiel auch bei VINTERSORG, der auf Visions From The Spiral Generator textlich genau dort ansetzt, wo der vollbärtige Wissenschaftler sein Lebenswerk beendete und sich auch musikalisch sehr experimentierfreudig zeigt. Schon beim Vorgängerwerk Cosmic Genesis gab sich der Musikus verstärkt seinen aberwitzigen Songideen hin und verarbeitete zahlreiche progressive Einflüsse, verdrängte somit die auf den Frühwerken vorherrschenden Viking- und Pagan-Elemente und verärgerte damit vereinzelte Fans der ersten Stunde, auch wenn man insgesamt von einer Zunahme der Anhängerschaft sprechen konnte. Auch auf Visions From The Spiral Generator behält der unbändige Workaholic – VINTERSORG ist ebenfalls u.a. bei BORKNAGAR, HAVAYOTH, OTYG und seinem brandneuen Projekt FISSION tätig – seine Marschroute bei und es wird wieder einmal einiges vom Hörer abverlangt, zumindest benötigt das Album unumstritten mehrere Durchläufe, um seine vollkommene Itensität zu entwickeln.

Schon beim zweiten Song Vem Styr Symmetrin?, welcher nahtlos an das beschriebene Intro anknüpft, werden diese musikalischen Eigenarten schnell deutlich, so startet das Stück mit einem gemäßigten Keyboardintro, wird danach sofort von einem morbiden Black Metal-Part abgelöst und mündet schlussendlich in einen anspruchsvollen Schlagzeugrhythmus, der von VINTERSORGs wunderschöner, kristallkarer Stimme assistiert wird. Für sich genommen haben diese stilistisch vollkommen verschiedenen Fragmente tatsächlich nichts miteinander zu schaffen, doch der Genius scheint die einzigartige Gabe zu besitzen, aus diesen eine homogene Einheit formen zu können, die tatsächlich mit der Zeit ein immer stärker mitreißendes Eigenleben zu entwickeln scheint. So abgefahren die Reise durch die neun Tracks auch sein mag, so gibt es auch auf Visions From The Spiral Generator wieder zahlreiche einprägsame Melodien, die im instrumentalen Wirrwarr als absolut notwendige Fixpunkte fundieren. Besonders der Refrain des inoffiziellen Titeltracks E.S.P. Mirage drängt sich hierbei penetrant in den Vordergrund, fügt sich aber dennoch angemessen in den gesamten Kontext des Longplayers ein. Überhaupt fällt es hier wieder einmal besonders schwer, einzelne Songs aus dem mehr oder weniger in sich geschlossenen Gefüge herauszureißen, am ehesten stechen noch das schwedisch gesungene Universums Dunkla Alfabet und das vergleichsweise fast schon balladeske Star-Guarded Coronation hervor, jedoch eher durch das höhere Maß an Eingängigkeit als durch irgendeine musikalische Überlegenheit, denn die Tracks sind allesamt hochwertig und fügen sich dermaßen reibungslos zusammen, dass sie auch nicht unabhängig voneinander bewertet werden sollten.

Ählich problemlos kollaborieren auch die drei renommierten Musiker, die sich VINTERSORG für die Aufnahmen ins Boot geholt hat, jedenfalls wird dem ein oder anderen Hobbyinstrumentalisten bei dem unheimlich präzisen Rhythmen von Gitarrist Matthias Marklund, dem arschtighten und hochanspruchsvollen Drumming von Asgeir Mickelson (BORKNAGAR) und den ebenfalls hochwertigen Basslinien von Steve Di Giorgio (DEATH, SADUS, TESTAMENT) die Kinnlade bis zum Boden herunterklappen. Dem geneigten Prog-Fan bleiben auf Visions From The Spiral Generator also im Groben keine Wünsche offen: Neben dem instrumentalen Facettenreichtum sind auch VINTERSORGs lyrische Arbeit wieder sehr mitreißend ausgefallen und aufgrund dieser beiden Tatsachen besitzt der mit einer Spielzeit von etwas mehr als 40 Minuten zwar kurze, aber sehr effektive Longplayer eine bemerkenswert hohe Halbwertszeit – jeder Durchlauf ist wieder eine neue Entdeckungsreise! Wer die eingängigen Melodien von Till Fjälls und Ödemarkens Son endgültig begraben hat und vor progressiver, zunächst etwas undurchsichtiger Musik nicht zurückschreckt, dem sei dieser Tonträger wärmstens empfohlen.

Veröffentlichungstermin: 01.07.2002

Spielzeit: 41:02 Min.

Line-Up:
Vintersorg – all vocals, rhythm & lead guitars, keyboard, hammond, loop editing

Matthias Marklund – lead & rhythm guitars

Asgeir Mickelson – drums

Steve Di Giorgio – bass

Produziert von Vintersorg & Matthias Marklund
Label: Napalm Records

Homepage: http://www.vintersorg.com

Tracklist:
01.Quotation

02.Vem Styr Symmetrin?

03.A Metaphysical Drama

04.Universums Dunkla Alfabet

05.E.S.P. Mirage

06.Spegelsfären

07.The Explorer

08.A Star-Guarded Coronation

09.Trance Locator