UNEXPECT: In A Flesh Aquarium

Wer gerne technische Extreme auslotet und über das Wort Songstruktur nur lachen kann, der sollte diese Platte haben. Alle andere: Finger weg!

Wohin auch immer uns dieses Review führen wird, eines darf ich jetzt schon feststellen: UNEXPECT tragen ihren Namen zurecht, denn man weiß nun wirklich nicht, welcher Part einen nach dem soeben gehörten erwartet. Laut DREAM THEATERs Mike Portnoy haben wir es bei diesen Kanadiern um die technischste, progressivste und avantgardistischste Band zu tun, die er je gehört hat. Soweit so gut, ob es das Beste ist, verrät er uns nämlich nicht. Jedenfalls vermischen UNEXPECT so ziemlich alles, was der breite Metalmarkt zu bieten hat. Eine weibliche Leadstimme, männlichen Cleangesang und Gekeife, extremen Prog Metal, Black Metal, wahnwitzige Technik und Songstrukturen, die sich nach einigen Sekunden im Nichts auflösen. Dazu kommt dann noch eine Prise JOHN ZORN, diverse orchestrale Arrangements und ein deutlicher SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM-Einfluß. Der Drummer spielt keine Beats, sondern Breaks, Melodien im eigentlichen Sinne gibt´s nicht zu hören und wären zwischen den Stücken nicht ab und an mal kurze Pausen, wüsste man auch nicht, ob es sich nun um einen langen Song oder um viele einzelne handelt.
Ich korrigiere mich: UNEXPECT sind so “unerwartet”, dass man das Unerwartete bereits nach 10 Sekunden erwartet! Da ich viel komplexe Musik höre, nervt mich “In A Flesh Aquarium” nicht wirklich, ich gehe aber mal davon aus, dass das bei 98% des Metalpublikums anders aussieht!
Die eigentliche Frage ist ja auch, ob UNEXPECT komponieren, um für sie vollkommene Stücke zu entwickeln, oder ob sie lediglich darauf aus sind, möglichst technisch versiert und extrem zu agieren. Ich würde mich eher für Letzteres entscheiden, will der Band aber nichts unterstellen. Wer im harten Musikbereich möglichst abgefuckte und trotzdem vielfältige Bands sucht, der sollte sich “In A Flesh Aquarium” dringend auf seinen Einkaufszettel schreiben, ich entdecke z.B. bei SLEEPYTIME GORILLA MUSEUM, die ja nun beileibe nicht eingängig sind, wenn auch weniger technisch klingen, für mich persönlich wesentlich mehr Tiefe und vor allem Kompositionstalent. An alle verqueren und verwirrten Musik-Superhirne: Lasst euch trotzdem nicht abhalten, es gibt Futter!

Veröffentlichungstermin: 16.11.2007

Spielzeit: 60:36 Min.

Line-Up:
Leilindel – vocals
Artagoth – guitar, vocals
Syriak – guitar, vocals
Chaoth – bass
Exod – keys
Le Bateleur – violins
Landryx – drums

Label: Ascendance Records

Homepage: http://www.unexpect.com

Email: unexpectmail@yahoo.ca

Tracklist:
01. Chromatic Chimera
02. Feasting Fools
03. Desert Urbania
04. Summoning Scenes
05. Silence 011010701
06. Megalomaniac Trees
07. The Shiver: A Clown´s Mindtrap
08. The Shiver: Meet Me At The Carrousel
09. The Shiver: Another Dissonant Chord
10. Psychic Jugglers