TURISAS: Stand Up And Fight

TURISAS: Stand Up And Fight

Nicht ganz vier Jahre sind seit „The Varangian Way“ ins Land gezogen und doch beginnt das neue Abenteuer genau dort, wo das Letzte aufgehört hat. „Stand Up And Fight“ baut nicht nur thematisch auf die lange Suche nach den eigenen Wurzeln auf, sondern auch musikalisch ist das neue Werk ein absolut logischer Anknüpfungspunkt, der sich die grundlegenden Eigenschaften des Vorgängers zu Nutze macht, die Vision eines weitreichenden Epos greifbar zu machen.

Im Klartext heißt das nichts anderes, als dass die rauen und kantigen Tage des Debüts „Battle Metal“ endgültig gezählt sind. Im Fokus stehen weit mehr noch als auf „The Varangian Way“ bombastische Streicherarrangements, glorreiche Chorgesänge und triumphale Fanfarenstöße, eingebettet in eine transparente und zurechtgeputzte Produktion.

TURISAS wollen die Kitschoffensive als Heavy Metal-Musical verkaufen

„The March Of The Varangian Guard“ und „Take The Day!“ geben die Richtung aus großflächigem Streichereinsatz – diesmal zum Großteil sogar von einem echten Orchester eingespielt – direkt vor, Warlord Nygård breitet auf diesem Fundament noch großspuriger seinen Klargesang aus, wird häufig von seinen Kollegen aus dem Hintergrund unterstützt und ziert sich immer öfter, auch mal auf harsche Screams zurückzugreifen. In der Tat sind aggressive Vocals Mangelware und nur noch schmückendes Beiwerk neben dem erdrückenden Bombastschwadron, das unablässig aus den Boxen feuert. Eigentlich schade, da insbesondere die härteren Passagen in „The Great Escape“ und „Take The Day!“ einen wohligen Kontrast zur sonst vorherrschenden Gute-Laune-Epik setzen.

Beim folkigen „Hunting Pirates“ übernimmt mit dem Akkordeon zeitweise ein eben solches Instrument die tragende Rolle, die meiste Zeit sieht man sich jedoch flächigen Fanfarenbombardements wie im nervigen „Venetoi! – Prasinoi!“, sowie an Dramatik überspitzten Orchestereinsätzen gegenüber. Dass TURISAS diese Kitschoffensive als Heavy Metal-Musical verkaufen wollen, regt dann doch zum Schmunzeln an, ob der Dimensionen, in denen sich die Finnen zu wähnen scheinen.

„Stand Up And Fight“ scheitert an der eigenen Ambition

Vielmehr fehlt „Stand Up And Fight“ trotz großer Ambitionen und einiger mächtiger Momente die wirkliche Dynamik. Im Endeffekt eilt die Formation von einem epochal instrumentierten Höhepunkt zum nächsten, ohne auf Momente der Stille, auf eine spannungsschürende Waffenruhe, Rücksicht zu nehmen, weshalb der orchestrale Frontalangriff schon auf halber Strecke an Rückenwind verliert und schließlich zu einem hörbaren, aber erschreckend blutleeren, Schlachtensoundtrack verkommt. Bis „Fear The Fear“ mit reduzierter Instrumentierung endlich den Versuch unternimmt, behutsam Spannung aufzubauen und mit zunehmender Dauer immer weiter empor zu wachsen, ist es fast schon zu spät.

TURISAS scheitern demzufolge nicht an mangelnden cineastischen Fähigkeiten, oder handwerklichen Mängeln, sondern schlicht an ihrer eigenen Vision, welche punktuell verteilte Kontraste einfach übersehen hat – und mit ihr die Relativität von wahrer Erhabenheit. Denn groß ist nur das, was auch einen greifbaren Gegenpart hat; ein Knackpunkt, den TURISAS bei aller Ambition außer Acht gelassen haben und dem sie auf „Stand Up And Fight“ erst mit dem abschließenden „The Bosphorus Freezes Over“ so langsam auf die Spur kommen. Für das vorliegende Werk ist das freilich zu spät, gänzlich abschreiben sollte man das Sextett für die Zukunft aber nicht. Packen die Finnen ihren Größenwahn nämlich in einen gesunden Rahmen, so dürfte schon die nächste geplante Großtat wieder eine ebensolche werden. Selbst wenn man wieder vier Jahre darauf warten muss.

Veröffentlichungstermin: 25.02.2011

Spielzeit: 46:18 Min.

Line-Up:
Warlord Nygård – Vocals, Orchestral Programming, Keyboards
Jussi Wickstrom – Guitar, Acoustic Guitar
Olli Vanska – Acoustic and Electric Violin
Hannes Horma – Bass, Backing Vocals
Netta Skog – Accordion
Tude Lehtonen – Drums, Percussion

Produziert von Jens Bogren
Label: Century Media

Homepage: http://www.turisas.com

TURISAS „Stand Up And Fight“ Tracklist

1. The March Of The Varangian Guard
2. Take The Day!
3. Hunting Pirates
4. Venetoi! – Prasinoi!
5. Stand Up And Fight (Video bei YouTube)
6. The Great Escape
7. Fear The Fear
8. End Of An Empire
9. The Bosphorus Freezes Over

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.